Montfort (deutsche Adelsfamilie)

Das Wappen der Grafen von Montfort
Das Wappen der Grafen von Montfort

Die Grafen von Montfort waren ein Adelsgeschlecht. Die einflussreichen und sehr begüterten Grafen trugen ihren Namen nach dem nahe der Schweizer Grenze gelegenen Stammschloss Montfort bei Götzis in Vorarlberg. Mit ihren Herrschaften Feldkirch (bis 1390), Bregenz (bis 1523) und Tettnang (bis 1779) haben sie die territoriale Entwicklung Oberschwabens und Vorarlbergs entscheidend beeinflusst.

Inhaltsverzeichnis

Wappen

Karte des Besitzes der Grafen von Montfort und von Werdenberg im 14. Jahrhundert
Karte des Besitzes der Grafen von Montfort und von Werdenberg im 14. Jahrhundert

Das Wappen der Montforter orientiert sich am Wappen der Pfalzgrafen von Tübingen und zeigt eine rote Kirchenfahne mit drei Lappen und drei Ringen auf silbernem Grund. Das gleiche Wappenbild der Kirchenfahne aber mit verschiedenen Farben findet sich auch bei den Grafen von Werdenberg und seit 1918 im Wappen des österreichischen Bundeslandes Vorarlberg.

Geschichte

Die Entstehung des Geschlechts der Grafen von Montfort lässt sich auf Pfalzgraf Hugo von Tübingen (†1182) zurückführen. Durch seine Frau Elisabeth erbte er den Besitz der Grafen von Bregenz. Dieses Erbe ging nach Hugos Tod an seinen zweiten Sohn, Hugo I. (†1228) über, der sich ab ca. 1200 Hugo von Montfort nannte. Sein Besitz umfasste die Grafschaft über Churrätien, Tettnang, Bregenz, Feldkirch, Sonnenberg, Werdenberg und Sargans.

Nach dem Tod Hugos I. spaltete sich der Familienbesitz, in dessen Folge sich die Nachkommen des älteren seiner Söhne, Rudolf I. fortan Grafen von Werdenberg nannten.

Die Familie Montfort war bis ins 18. Jahrhundert das bedeutendste Hochadelsgeschlecht der Bodenseeregion. In zahlreichen Orten wie Feldkirch, Bregenz oder Langenargen finden sich Hinweise auf die Grafen Montfort. Sie beherrschten Bregenz und Tettnang, 1780 wird die Grafschaft wegen hoher Schulden an Österreich verkauft. Das Geschlecht erlosch 1787 mit dem Tod seines letzten männlichen Namensträgers, Graf Anton IV., dem Österreich eine kleine Rente ausgesetzt hatte, endgültig.

1810 kam ein Teil der alten Grafschaft Montfort um Langenargen und Tettnang, die nach den napoleonischen Neuordnungen an Bayern gekommen war, durch Gebietstausch an Württemberg. Nach dem Fall Napoleons und der Auflösung des Königreich Westphalen verlieh König Friedrich I. von Württemberg seiner Tochter Katharina und ihrem Gatten Jérôme Bonaparte den Titel Prinz und Prinzessin von Montfort. Diese hielten sich dort aber nie auf, sondern hauptsächlich in Triest.

Besonders herausragende Persönlichkeiten aus dem Hause Montfort waren die geistlichen Herren, insbesondere der St. Galler Abt Wilhelm I. und der Churer bzw. Konstanzer Bischof Rudolf III., die ihr vergrößertes Machtpotenzial auch in den Dienst der Familie stellten. Rudolf III. konnte seine Reformen, die er im rechtlichen und finanziellen Bereich im Bistum Konstanz durchführte, mit Erfolg auch auf die Herrschaft Feldkirch übertragen. Während die Bregenzer Vettern, sieht man von dem Minnesänger Hugo von Montfort ab, über eine lokale Bedeutung kaum je hinauskamen, kamen die Feldkircher Grafen ihren Untertanen mit großzügigen Freiheitsrechten und einer Kodifikation des auf reichsstädtischem Lindauer Recht beruhenden Stadtrechtes frühzeitig entgegen und ermöglichten demokratische Strukturen, insbesondere auch eine Mitbeteiligung an politischen Entscheidungsfindungen. So konnte Feldkirch während des Mittelalters Bregenz an Einwohnerzahl, Wirtschaftskraft und politischer Bedeutung weit überflügeln.

siehe auch: Montfortorden

Familienangehörige

  • Anton III. von Montfort († 1733)
  • Anton IV. von Montfort († 1787)
  • Ernst von Montfort († 1755)
  • Franz Xaver von Montfort († 1780)
  • Friedrich von Montfort (Domherr in Chur; † im 13. Jahrhundert)
  • Friedrich von Montfort (Bischof von Chur; † 1290)
  • Georg III. von Montfort († 1544)
  • Georg IV. von Montfort († 1590)
  • Heinrich III. von Montfort († 1272; Bischof von Chur; Dominikaner)
  • Heinrich VI. von Montfort († 1444)
  • Heinrich von Montfort (Dompropst in Chur; † 1307)
  • Hugo I. von Montfort (Gründungsvater der Grafen von Montfort † 1228)
  • Hugo II. von Montfort († im 13. Jahrhundert)
  • Hugo III. von Montfort (Graf von Montfort-Tettnang; † 1309)
  • Hugo IV. von Montfort (Graf von Montfort-Feldkirch; † 1310)
  • Hugo V. von Montfort († 1338)
  • Hugo VIII. von Montfort (Dichter; Staatsmann; 1357-1423)
  • Hugo XIII. von Montfort († 1491)
  • Hugo XIV. von Montfort (Johanniter; † 1444)
  • Hugo XV. von Montfort († 1519)
  • Hugo XVI. von Montfort († 1564)
  • Hugo XVII. von Montfort († 1536)
  • Hugo XVIII. von Montfort († 1662)
  • Johann I. von Montfort († 1529)
  • Johann VI. von Montfort, (1557-1619; Reichskammergerichtspräsident)
  • Johann VIII. von Montfort († 1686)
  • Johann Nepomuk von Montfort († 1775)
  • Konrad von Montfort († 1399)
  • Rudolf I. von Montfort († im 13. Jahrhundert)
  • Rudolf II. von Montfort (Graf von Montfort-Feldkirch; † 1302)
  • Rudolf III. von Montfort (Bischof von Chur und Konstanz; Graf von Montfort; * um 1260; † 1334)
  • Rudolf IV. von Montfort (Graf von Montfort-Feldkirch; † 1375 oder 1379)
  • Rudolf VI. von Montfort († 1425)
  • Rudolf VII. von Montfort († 1445)
  • Ulrich I. von Montfort (Graf von Montfort-Bregenz; † 1287)
  • Ulrich II. von Montfort (Graf Montfort-Feldkirch; * 1263?; † 1350); starb kinderlos
  • Ulrich III. von Montfort (Graf von Montfort († 1367); ∞ Giovanna di Carrara; starb kinderlos
  • Ulrich IV. von Montfort (Diplomat; † 1574)
  • Ulrich V. von Montfort († 1495)
  • Ulrich VI. von Montfort (* um 1530; † 1574)
  • Ulrich VII. von Montfort († 1520)
  • Wilhelm II. von Montfort († 1354)
  • Wilhelm III. von Montfort († 1378 oder 1373)
  • Wilhelm V. von Montfort († 1439)
  • Wilhelm VII. von Montfort († 1422)
  • Wilhelm VIII. von Montfort († 1483)

Literatur

  • Karl Heinz Burmeister: Montfort, von (Grafen von Montfort), Familienartikel in: Neue Deutsche Biographie, Bd. 18, S. 51-54
  • Karl Heinz Burmeister: Die Grafen von Montfort. Geschichte, Recht, Kultur. Festgabe zum 60. Geburtstag, hrsg. von Alois Niederstätter (= Forschungen zur Geschichte Vorarlbergs; NF 2). Universitätsverlag Konstanz, Konstanz 1996, ISBN 3-87940-560-3
  • Karl Heinz Burmeister, Elmar L. Kuhn, Eva Moser u.a.: Die Grafen von Montfort. Geschichte und Kultur. (= Kunst am See; Band 8). Gessler, Friedrichshafen 1982, ISBN 3-922137-16-4
  • Harald Schukraft: Kleine Geschichte des Hauses Württemberg, Tübingen, 2006, ISBN 978-3-87407-725-5

Weblinks

Quelle:
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Adelung-1793: Deutsche, der

Brockhaus-1809: Die deutsche Union · Der Deutsche Fürstenbund

Brockhaus-1837: Deutsche Kunst, Literatur und Wissenschaft · Deutsche Kaiser

Brockhaus-1911: Montfort [2] · Montfort l'Amaury · Montfort · Deutsche Reichspartei · Deutsche Ritter · Deutsche Schutzgebiete · Deutsche Reichsfechtschule · Deutsche Rechtspartei · Deutsche Reformpartei · Deutsche Reichsbank · Deutsche Sprache · Union Deutsche Verlagsgesellschaft · Russisch-Deutsche Legion · Preußisch-Deutsche Befestigungsmanier · Warenhaus für deutsche Beamte · Deutsche Volkspartei · Englisch-Deutsche Legion · Ludwig der Deutsche · Deutsche Gesellschaft für ethische Kultur · Deutsche freisinnige Partei · Deutsche Kolonialgesellschaft · Deutsche Herren · Deutsche Farben · Deutsche Bank · Deutsche Adelsgenossenschaft · Deutsche Befreiungskriege · Deutsche Befestigungsmanier · Deutsche Partei · Deutsche Mythologie · Deutsche Philosophie · Deutsche Philologie · Deutsche Mundarten · Deutsche Kunst · Deutsche Kolonien · Deutsche Literatur · Deutsche Legion

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Heiligenlexikon-1858: Grignon de Montfort, V.

Herder-1854: Deutsche Musik · Deutsche Mundarten · Deutsche Philosophie · Deutsche Mythologie · Deutsche Literatur und Wissenschaft · Deutsche Concordate · Deutsche Alterthümer · Deutsche Kunst · Deutsche Geschichtsquellen

Meyers-1905: Montfort [2] · Montfort [3] · Montfort [4] · Hugo von Montfort · Montfort l'Amaury · Montfort [1]

Pierer-1857: Montfort [3] · Montfort [2] · Montfort [1]

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