Die Motorsäge ist eine mit einem Benzin- oder Elektromotor angetriebene Säge, die mit den Händen geführt wird. Im Gegensatz zur Fachsprache hat sich im populären Sprachgebrauch teilweise der Ausdruck Kettensäge als wörtliche Übersetzung des englischen Begriffes chainsaw eingebürgert, wenn der schneidende Teil der Säge eine Kette ist.
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Bereits vor 1900 wurde mit den ersten sogenannten Sägemaschinen die bis dahin vorherrschende reine Handarbeit im Wald abgelöst. Heute mögen uns diese großen und schweren Ungetüme kurios und schwerfällig erscheinen, doch sie waren der erste Schritt in einer Entwicklung von Motorsägen, an der bis heute Generationen von Entwicklern arbeiten, um die Waldarbeit zu erleichtern.
In den 1920ern wurden zentnerschwere, nach heutiger Vorstellung aufwändig zu bedienende Zweimannmaschinen entwickelt. Diese Geräte wurden benutzt, um die Stämme bereits gefällter Bäume in Abschnitte zu schneiden. Die erste benzinbetriebene und in der Forstwirtschaft erprobte und verwendete Motorsäge war die sogenannte Holzfällmaschine "Sector", sie wurde zum Fällen und Ablängen benutzt. Das vermutlich älteste Foto vom Einsatz einer Motorsäge in Deutschland um 1920 findet sich im Buch "Forstgeschichte" (s. Literaturliste).
Die erste Motorsäge mit Elektromotor für den Einsatz auf sogenannten Ablängplätzen (dort werden Stämme in Stücke geschnitten) baute Stihl im Jahre 1926.
Die erste serienmäßig hergestellte benzinbetriebene Motorsäge brachte das Hamburger Unternehmen Dolmar im Jahre 1927 auf den Markt ("Typ A"). Die Säge musste von 2 Personen bedient werden und konnte nur senkrechte Schnitte ausführen.
In der weiteren Entwicklung wurden Motorsägen gebaut, bei denen das Schwert um 90° schwenkbar war. Mit diesen Sägen ließ sich liegendes Holz ablängen (senkrechter Schnitt) und darüberhinaus auch stehendes Holz (also Bäume) mit waagerechtem Schnitt fällen.
Die ab 1952 produzierte Einmann-Benzin-Motorsäge "DOLMAR CP" hatte solch ein schwenkbares Schwert.
Um die mechanisch aufwendige Schwenkvorrichtung des Schwertes einzusparen, wurden vorübergehend Motorsägen mit um 90° schwenkbarem Vergaser gebaut, z.B. in der ehemaligen DDR die "Faun" von WERUS. Die erste benzinbetriebene Einmann-Motorsäge mit schwenkbarem Vergaser wurde bereits 1950 von Stihl gebaut. Sie wog 16 kg und trug die Bezeichnung "BL". Schließlich ermöglichte dann aber erst der im Flugzeugbau entwickelte Membranvergaser einen vollständig lageunabhängigen Betrieb der Motorsäge und führte zur Entwicklung der heute gebräuchlichen Ein-Mann-Motorsäge (EMS) zum Ende der 1950er. Erste in Europa gebaute Modelle dieser Art waren 1957 die "Dolmar CF", 1958 die "Rex" von SOLO und dann 1959 die "Contra" von STIHL.
Durch die EMS erfolgte eine erhebliche Produktivitätssteigerung bei der Holzernte. Die zunächst noch nicht darauf abgestimmten Tarife führten übergangsweise zu einem hohen Einkommen für Waldarbeiter, denn bis in die 1990er wurde die Holzernte grundsätzlich im „Gedinge“ (Gruppenakkord) entlohnt.
In einem Gehäuse, an dem auch die beiden Griffe angebracht sind, befindet sich der Antriebsmotor. Dabei werden in der Regel Zweitakt-Benzinmotoren oder auch Elektromotoren verwendet. Zum Anlassen des Benzinmotors ist ein Seilzugstarter vorhanden, ähnlich wie bei Rasenmähern.
An der Vorderseite des Gehäuses ist ein längliches Metallblatt, die Schiene (oder „Schwert“) angebracht. An den Kanten der Schiene ist umlaufend eine Nut eingearbeitet, in der eine Metallkette - die Sägekette - um die Schiene herum läuft. An der vorderen Spitze der Schiene ist meist eine Rolle ("Umlenkstern") angebracht, um hier die Reibung zu vermindern. Die Spannung der Kette ist einstellbar. Die Kette ist auf der Außenseite mit Sägezähnen bestückt und wird vom Motor angetrieben. Um den Verschleiß der Kette zu vermindern und auch um das Sägen harzhaltigen Holzes zu ermöglichen, muss die Kette ständig mit Öl geschmiert werden. Beim Sägen wird ein Teil des Öls abgeschleudert. Die Kette muss je nach Holzart nach einigen Arbeitsstunden geschärft werden. Vor allem bei verschmutzem oder vernageltem Holz werden die Schneidezähne an der Kette sehr schnell stumpf. Zum Schärfen werden spezielle Schärfmaschinen oder Rundfeilen benutzt.
Seit einiger Zeit sind von den Herstellern DOLMAR und STIHL Hartmetall-Ketten erhältlich, welche auf den Schneidzähnen aufgelötete Hartmetallplättchen besitzen. Diese Ketten besitzen ein Vielfaches der Standzeit normaler Ketten und sind in der Lage, auch Nägel, YTONG-Steine, Dachpappe, ja sogar Bleche zu schneiden. Sie benötigen aber auch eine höhere Motorleistung, ferner sind sie nur mit speziellen Diamantscheiben zu schleifen.
Die moderne Motorsäge ist streng genommen keine Säge, sondern eine Hobelmaschine. Die Zähne der Kette arbeiten nach dem Hobelprinzip, beim Sägen werden deshalb viereckige Hobelspäne ausgeworfen.
Um das Unfallrisiko zu verringern, sind moderne Motorsägen mit verschiedenen Sicherheitseinrichtungen versehen:
Beim Arbeiten mit Motorsägen ist unbedingt die persönliche Schutzausrüstung „PSA-Forst“ zu tragen!
Die Arbeit mit der Motorsäge ist sehr unfallträchtig. Auch erfahrenen Waldarbeitern können Fehler unterlaufen, die regelmäßig zu schwersten Verletzungen führen.
Beim Arbeiten ist die Motorsäge stets mit beiden Händen zu führen, wobei die linke Hand den vorderen Griff umgreift, der näher an der Schiene liegt. Grundsätzlich ist ein Arbeiten mit der Motorsäge über Schulterhöhe verboten. Beim Anlassen der Motorsäge ist diese auf dem Boden mit dem linken Fuß im hinteren Handgriff der Maschine zu sichern, oder man nimmt sie mit dem hinteren Handgriff zwischen die Oberschenkel und zieht das Anwurfseil mit der rechten Hand, während die linke das Griffrohr festhält („Schwedenstart“).
Motorsägen sind stets für Rechtshänder ausgelegt. Es gibt keine Modelle für Linkshänder.
Neben den vorhandenen technischen Einrichtungen ist die korrekte Einstellung der Maschine von Bedeutung. Dabei ist insbesondere auf eine korrekte Kettenspannung und auf die korrekte Einstellung der Leerlaufdrehzahl (zur Vermeidung einer im Standgas laufenden Kette) zu achten.
Der Einsatz von Motorsägen im gewerblichen Bereich sowie in den Staatsforsten einiger Bundesländer setzt die vorherige Teilnahme an Ausbildungslehrgängen bzw. eine Ausbildung zum Motorsägenführer voraus. Die Qualifikation zum Motorkettensägenführer ist nach UVV VSG 4.2. vorgesehen, sie gilt unter anderem auch für deutsche Feuerwehren. Die Abnahme erfolgt durch den TÜV oder die DEKRA [1], in der Feuerwehr intern.
Die Motorsäge zeichnet sich durch folgende Eigenschaften gegenüber Handsägen, Äxten oder sonstigen maschinengetriebenen Sägen (Bandsägen, Gattersägen, Kreissägen) aus:
Vorteile
Nachteile
Das der Kette über die Ölpumpe zugeführte Schmiermittel ("Sägekettenhaftöl") wird überwiegend „verschleudert“. Seit langem wird daher auch und in zunehmendem Maße biologisch kurzfristig abbaubares Öl eingesetzt. Ferner haben moderne Kettensägen meistens eine regelbare Ölpumpe, sodass der Schmiermittel-Bedarf exakt der verwendeten Schienenlänge angepasst werden kann. In modernen Motorsägen wird die Ölpumpe über die interne Fliehkraftkupplung angetrieben um damit unnötige Verluste und Verschmutzung im Leerlauf zu vermeiden.
Zweitaktmotoren, wie sie in Motorsägen normalerweise zum Einsatz bekommen, haben gegenüber Viertaktmotoren ungünstigere Abgaswerte. Der Zweitaktmotor gibt einen erheblichen Teil des Brennstoffs (20% Spülverlust) wieder unverbrannt an die Umwelt ab. Bei Dauereinsatz ist dies sowohl für die Umwelt wie auch für den Sägeführer eine große Belastung. Es wurden daher benzolfreie Sonderkraftstoffe für Motorsägen entwickelt (nachraffinierte Alkylatbenzine), diese produzieren gegenüber handelsüblichem Benzin 90 Prozent weniger Schadstoffe. Sie sind allerdings erheblich teurer als Benzin.
Motorsägen mit Antrieb durch (umweltfreundlicheren) Viertaktmotor befinden sich in der Entwicklung. Der Viertaktmotor ist jedoch grundsätzlich aufwendiger gebaut und (bezogen auf die gleiche Leistungsabgabe) deutlich schwerer als ein Zweitaktmotor.
Der Hersteller Komatsu Zenoah aus Japan hat als erster den sogenannten Spülvorlagenmotor entwickelt und eingebaut, das Konzept wird unter dem Namen "Strato charged Engine" vermarktet und bildet die Grundlage für alle anderen Spülvorlagenmotoren verschiedener Hersteller. Der Hersteller Dolmar hat bereits einen serienreifen Viertaktmotor für Motorsägen entwickelt und bereitet seine Markteinführung vor. Der italienische Hersteller EMAK hat einen Motor mit Membrangesteuerter Direkteinspritzung entwickelt und zur Serienreife gebracht, er ist bereits am Markt erhältlich und momentan der einzige Motor dieser Art am Markt.
1988 brachte die Firma STIHL einen Katalysator auf den Markt, welcher erheblich zur Schadstoffreduzierung in den Abgasen beiträgt. Es handelt sich um einen gewellten Blechstreifen, welcher mit Platin beschichtet ist. Dieser ist zu einer Rolle aufgewickelt und in den normalen Abgasschalldämpfer integriert. Mittlerweile bieten auch andere Firmen Katalysatoren an, auch sind sie mittlerweile nicht nur in Motorsägen, sondern auch in anderen Motorgeräten (z.B. Laubblasgeräten) verbaut. Da jedoch seitens des Anwenders keine Pflicht besteht, mit Katalysatoren ausgestattete Sägen zu verwenden und auch dieses Zusatzaustattung meist mit ca. 100€ mehr bezahlt wird, ist die Verbreitung mehr auf das Umweltbewusstsein des Benutzers zurückzuführen. Zweifelsfrei trägt der Katalysator aber auch zur Arbeitsergonomie bei, da die Geruchsbelästigung reduziert wird.
All diese Motorentwicklungen machen die Motorsägen mit ihren positiven Eigenschaften umweltfreundlicher und schützen damit die Umwelt.
Diverse technische Konstruktionen ermöglichen ein einfaches Starten der Säge, insb. nach langer Standzeit. Dazu gehört
Die Motorsäge als Mordwerkzeug ist ein populäres Klischee in Horrorfilmen; Ursprung ist der heute klassische Film Texas Chainsaw Massacre. Seither hatte sie immer wieder blutige Gastauftritte in Filmen, etwa in Scarface und Tanz der Teufel.
Durch Überzeichnung der Konsequenzen von Unfallgefahren spielt eine Motorsäge die Hauptrolle in einer Schlussszene im Parodie-Kurzfilm Staplerfahrer Klaus, der mittlerweile Kultstatus erreicht hat.
Ebensfalls als Mordwerkzeug hat sie Einzug in die Texte vieler Metalbands gefunden, so zum Beispiel im Song "Chainsaw Buffet" der finnischen Metalband Lordi und einigen anderen Deathmetalbands. In Computerspielen wie Doom und Grand Theft Auto: Vice City kann die Spielfigur Motorsägen als Waffe benutzen. Die Motorsäge ist mit ein Grund, warum der Jugendschutz gegen solche blutigen Spiele mit Indizierungen vorgeht.
Der Grund für diese Popularität der Kettensäge als Mordwerkzeug liegt einerseits am intensiven Blutverlust, da eine Säge zerreißt anstatt sauber zu schneiden, als auch am Geräusch, welches dabei entsteht und sich sogar durch Wände hindurch noch hören lässt. Die Geräusche beim Anlassen der Säge durch Seilzug werden weiterhin oft zum Erzeugen einer bedrohlichen Atmosphäre benutzt.