| Klassifikation nach ICD-10 | ||
|---|---|---|
| G35 | Multiple Sklerose (Encephalomyelitis disseminata) | |
| ICD-10 online (WHO-Version 2006) | ||
Die Multiple Sklerose (MS), auch Encephalomyelitis disseminata ist eine entzündliche/demyelinisierende und degenerative Erkrankung des zentralen Nervensystems und nach der Epilepsie die zweithäufigste neurologische Erkrankung jüngerer Erwachsener. Die Krankheit zeichnet sich durch zwei wesentliche Merkmale aus. Zum einen treten im Gehirn und teilweise auch im Rückenmark verstreut Entzündungen auf, die vermutlich durch den Angriff körpereigener Abwehrzellen auf die Myelinscheiden der Nerven verursacht wird. Außerdem kommt es aus verschiedenen Gründen (siehe 4.2: Schädigung der Axone) zu einer zellulären Schädigung der Axone. Diese Veränderungen vermindern oder unterbrechen im Krankheitsverlauf die Leitfähigkeit der Nervenbahnen, was die typischen Symptome wie Kribbeln und andere Gefühlsstörungen, Spastiken, Lähmung, schnelle Ermüdbarkeit (Fatigue) sowie Sehstörungen auslöst.
Entgegen der landläufigen Meinung führt MS nicht zwangsläufig zu schweren Behinderungen. 15 Jahre nach Erkrankungsbeginn sind (ohne Therapie) mindestens 50 % aller Patienten noch gehfähig. Multiple Sklerose ist nicht ansteckend und nur selten tödlich. Weniger als 10 % der MS-Patienten sterben an den direkten Folgen der Erkrankung oder deren Komplikationen.
Inhaltsverzeichnis |
Die Multiple Sklerose ist in Mitteleuropa die häufigste vermutlich autoimmun-entzündliche Erkrankung des Zentralnervensystems. Die ersten Symptome treten meist bei jungen Menschen zwischen dem 15. und 40. Lebensjahr auf, häufig bleiben sie unentdeckt. Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer. Schätzungen ergeben für Deutschland etwa 100.000, (etwa 70 von 100.000 Einwohnern) (Quelle: DMSG), in Österreich etwa 8500 Erkrankte, wobei die Schätzungen der Erkranktenzahl in Deutschland von etwa 67.000 bis etwa 138.000 reichen.[1] Die hohe Streuung erklärt sich aus der vermuteten hohen Anzahl an nicht diagnostizierten Erkrankten.
In der äquatorialen Zone gibt es weniger MS-Erkrankungen als in den nördlichen oder südlichen Breiten. Diese Verteilung kann durch verschiedene Faktoren bedingt sein:
Epidemiologische Studien untersuchten die Erkrankungshäufigkeit von Menschen, die aus MS-reichen Zonen in MS-arme Zonen übersiedelt sind, zum Beispiel von Europa nach Südafrika oder von Amerika und Europa nach Israel. Es zeigte sich: Menschen, die vor ihrem 15. Lebensjahr übersiedeln, übernehmen die Krankheitshäufigkeit des Ziellandes. Menschen, die nach dem 15. Lebensjahr übersiedeln, behalten die Krankheitshäufigkeit ihres Herkunftslandes. Damit wurde nachgewiesen, dass die Krankheitsanlage zur MS bereits vor dem 15. Lebensjahr vorhanden sein muss, auch wenn die Krankheit selbst erst viel später ausbricht.[2]
Direkt übertragbar ist die MS nicht, wie Studien mit Adoptivkindern feststellen ließen.
Nach einer Untersuchung von Anne-Louise Ponsonby an der Australian National University in Canberra ist die Wahrscheinlichkeit, an MS zu erkranken, um so niedriger, je länger man mit Geschwistern zusammenlebt. Hat man mehr als fünf Jahre Kontakt mit Geschwistern, reduziert sich das Risiko um circa 90 Prozent. Die Wissenschaftlerin erklärt sich das durch die gegenseitige Ansteckung von Geschwistern mit Infektionskrankheiten, was wiederum generell vor Autoimmunkrankheiten schützt.
Vermutet wird auch ein Zusammenhang mit dem Vitamin-D-Stoffwechsel, der auch immunmodulatorische Aspekte hat.[3] Der Mensch bildet Vitamin D hauptsächlich durch UV-B-Sonneneinstrahlung auf der Haut, was den Zusammenhang zwischen MS-häufigkeit und Äquatornähe erklären könnte. Auch das Volk der Inuit, das sich hauptsächlich von Vitamin-D-reichem Fisch ernährt, zeigt eine geringe MS-Erkrankungsrate.
Die MS ist keine klassische Erbkrankheit. Momentan geht man von einer Kombination von genetischer Disposition und äußeren Faktoren aus. Bei den Erbfaktoren der MS handelt es sich um polygene Merkmale, das heißt, dass erst mehrere Gene zusammen ein erhöhtes Erkrankungsrisiko bedeuten.
Zwei in Kanada und Großbritannien durchgeführte Studien zeigen folgendes Bild für die Erkrankungswahrscheinlichkeit in Abhängigkeit des Verwandtschaftsgrades:
| Verwandtschaftsgrad | Erkrankungsrisiko |
|---|---|
| Zwillinge | ca. 35 % |
| Geschwister | ca. 4 % |
| Verwandte 1. Grades | ca. 3 % |
| Verwandte 2. Grades | ca. 1 % |
| Verwandte 3. Grades | ca. 0,9 % |
| In der Bevölkerung | ca. 0,2 % |
Es wird zwischen mehreren Verlaufsformen unterschieden:
Zu Beginn ist die schubförmige remittierende MS die häufigste Form mit etwa 80 %. Im späteren Krankheitsverlauf wird die MS aber häufig sekundär progredient. Während die Entzündungen beim schubförmigen Verlauf in akuten Phasen auftreten und nach Abklingen der Entzündung zumindest teilweise auch die Symptome wieder verschwinden, geht die Verstärkung der Symptome beim primär und sekundär progredienten Verlauf schleichend langsam, beim fulminanten Typ kontinuierlich und sehr schnell vor sich.
Die Pathogenese der MS ist unklar. Man nimmt heute jedoch an, dass es sich um eine Autoimmunerkrankung gegen die Myelinschicht der Nervenzellen des Zentralnervensystems handelt. Dafür spricht auch ein Tiermodell: Mäuse, denen man das myelin basic protein spritzt, entwickeln eine Experimentelle Autoimmune Enzephalopathie (EAE), die der MS beim Menschen sehr ähnlich ist. Hierbei konnte gezeigt werden, dass spezielle Zellen des Immunsystems, nämlich CD4+ Th1-Zellen (T-Helferzellen) die Blut-Hirn-Schranke (siehe auch Pons-Passage) überwinden und in das Zentrale Nervensystem (ZNS) einwandern. Die nun aktivierten CD4-Zellen schütten Botenstoffe (Zytokine) aus, die eine entzündungs- und immunreaktionsfördernde Wirkung haben. Diese Botenstoffe beinhalten hauptsächlich Gamma-Interferon (IFNy) und Interleukin-2 (IL-2). Auf diesem Wege rufen sie eine Entzündungsreaktion gegen das Stützgewebe des Gehirns (Gliazellen) und deren Nervenzellummantelung (Myelin) hervor und fördern dessen Abbau. Es kommt bei den Versuchstieren zu den typischen Symptomen der Krankheit (s. u.).
Experimentelle Daten deuten darauf hin, dass bereits geschädigte Nervenfasern zumindest teilweise ihre Leitfähigkeit wieder erlangen können, indem sie vermehrt Natrium-Kanäle in der Zellmembran exprimieren.
Moderne bildgebende Verfahren wie etwa die Kernspintomographie ermöglichen seit einigen Jahren den sicheren Nachweis, dass die Beeinträchtigung der Axone ein, wenn nicht der entscheidende Faktor bei der Entwicklung bleibender Behinderungen ist. Dabei zeigen Untersuchungen, dass die Schädigungen nicht nur in chronischen Verlaufsformen oder späten Stadien der schubförmigen MS passieren, sondern von Anfang an beteiligt sind. Der Untergang der Axone betrifft dabei auch Bereiche des Gehirns, in denen die Myelinschicht noch voll intakt ist, und scheint damit von der T-Zell-Reaktion gegen Myelin unabhängig zu sein.
Die Mechanismen, die zu dieser Art von Schäden führen, sind noch nicht vollständig geklärt. Momentan scheint es, als ob eine Fehlregulation des Gehirn-Botenstoffs Glutamat sowie die vermehrte Freisetzung von Stickstoffmonoxid (NO) eine wichtige Rolle spielen. Ein weiterer Aspekt könnte auch die direkte Zerstörung von Axonen durch autoreaktive CD8-T-Zellen sein.
Neueste Forschungsergebnisse (2006) weisen darauf hin, dass B-Zell-Antikörper, die an die Enzyme GAPDH und TPI binden und die Enzyme dadurch deaktivieren, für die Schädigung der Axone zumindest mitverantwortlich sind. Eine verminderte GAPDH-Verfügbarkeit sorgt in den Mitochondrien der Axone dafür, dass geringere Mengen des Zellenergieträgers ATP produziert werden. Diese Unterversorgung kann potentiell zum Untergang der Axone führen. Es ist darüber hinaus bekannt, dass ein Mangel an TPI zu neurodegenerativen Erkrankungen führen kann.[4]
Tierexperimente, in denen Medikamente für den beschleunigten Abbau von Glutamat (im Gehirn) eingesetzt wurden, zeigten eine signifikante Reduktion axonaler Schäden.
Eine weitere Einteilung wurde von Lassmann und anderen[5] im Jahr 2001 definiert und unterscheidet nach dem Demyelinisierungsmuster der Läsionen im ZNS. Eine Bestimmung des Läsionstyps könnte zu einer spezifischen, effektiveren Therapie führen, ist aber momentan nur durch eine Biopsie des Gehirns möglich.
| Typ | Immunologischer Mechanismus | |
|---|---|---|
| 1 | T-Zell-vermittelt | T-Zell-vermittelte Entzündung mit Aktivierung von Makrophagen und Mikroglia-Zellen |
| 2 | Antikörper-vermittelt | wie 1, nur unter Beteiligung von Komplement |
| 3 | Distale Oligodendrogliopathie | T-Zell-vermittelte Vaskulitis kleinster Gefäße und ischämische Schädigung der weißen Substanz |
| 4 | wie 3, mit sekundärer Demyelinisierung |
wie 1, zusätzlich sind Oligodendrozyten metabolisch geschädigt |
Da die Analyse der auftretenden Symptome häufig keine zweifelsfreie Diagnosestellung zulässt, werden zusätzliche neurologische und radiologische Untersuchungen durchgeführt:
Nach Diagnosestellung kann die Krankheit mit dem ICD-10-Code G35 verschlüsselt werden.
B12 Mangel führt wie bei einer MS zur Myelose und somit auch zu den selben Symptomen.
Die Lyme-Enzephalomyelitis verursacht ähnliche Symptome wie die MS.
Obwohl eine Heilung von Multipler Sklerose bis jetzt noch nicht möglich ist, sind einige Medikamente verfügbar, die den Verlauf der MS verlangsamen und die bereits aufgetretenen Symptome lindern können.
Die Gabe von hoch dosiertem Kortison kann während eines akuten Schubes die Entzündungsreaktion binnen kürzester Zeit beenden. Folgende Infusionsdosierungen sind - abhängig von der Schwere des Schubs und der Konstitution des Patienten - üblich:
Jeweils einmal täglich:
Da Kortison sehr gut aus dem Magen-Darmtrakt resorbiert wird, kann die Kortisongabe auch in Tablettenform erfolgen und auf etwa drei Wochen ausgedehnt werden, wobei die tägliche Dosis langsam reduziert wird („Ausschleichen“). Sind nach dem Ausschleichen die Auswirkungen eines Schubes noch immer spürbar, soll nach jüngster Empfehlung der deutschen Gesellschaft für multiple Sklerose eine zweite Kortison-Pulstherapie mit doppelter Dosierung stattfinden. Allerdings gibt es bis jetzt keine studiengestützten Hinweise, dass Kortison den Langzeitverlauf der Krankheit positiv beeinflussen würde. Eine sehr hohe und längere - speziell bei schweren Schüben oftmals notwendige - Kortison-Behandlung geht häufig mit eminenten körperschwächenden Nebenwirkungen einher.
Beim Versagen der Kortisontherapie kann zur Durchbrechung eines akuten Schubes eine Plasmapherese durchgeführt werden, dies ist in der Regel jedoch nur an größeren Zentren möglich.
Der Entwicklung der Langzeittherapeutika liegt die Annahme zugrunde, dass es sich bei MS um eine Autoimmunerkrankung handelt. Die Wirkstoffe versuchen durch Immunsuppression (Unterdrücken des Immunsystems) oder Immunmodulation (Veränderung der Immunreaktion) in das Krankheitsgeschehen einzugreifen. Eine Schwierigkeit bei diesem Wirkprinzip ist, dass eine zu unspezifische Veränderung des Immunsystems zu einer höheren Infektions- und Krebserkrankungsrate führen kann.
Die zur Verfügung stehenden Medikamente können folgende therapeutische Erfolge erzielen, welche die Progression der Behinderung verzögern (gemessen über die so genannte EDSS-Skala) und die Lebensqualität des Patienten verbessern:
Folgende Medikamente stehen derzeit zur Verfügung:
| Wirkstoff | Markenname | Publikationen |
|---|---|---|
| Basistherapie (nach Leitlinien DMSG) | ||
| Interferone | Betaferon®, Avonex®, Rebif® | [1] |
| Alternativtherapie (z.B. bei Therapieversagen der Basistherapie) | ||
| Glatirameracetat | Copaxone® | [2] |
| Azathioprin | Imurek® | |
| Eskalationstherapie | ||
| Natalizumab | Antegren® = Tysabri® | [3] |
| Mitoxantron | Ralenova® | |
| Cyclophosphamid | Endoxan® | [4] |
| Methotrexat | Metex 7,5® | |
| Immunglobuline | Gamunex® 10%, Octagam® | [5] |
Im weiteren Verlauf der MS entstehen bei Patienten oft Symptome, die zwar nicht ursächlich zu behandeln sind, die aber verschiedene Medikamente mildern können. Im Folgenden die wichtigsten Beschwerden mit einigen dazu gängigen Medikamenten:
| Wirkstoff | Markenname | Bemerkung |
|---|---|---|
| Behandlung von chronischen neuropathischen Schmerzen | ||
| Carbamazepin | z. B. Tegretal® | |
| Oxcarbazepin | Trileptal® | |
| Gabapentin | Neurontin® | |
| Pregabalin | Lyrica® | |
| Chronische Müdigkeit und Energielosigkeit (Fatigue-Syndrom) | ||
| Acetyl L-Carnitin | 1000 mg 1x täglich | |
| Amantadin | PK-Merz® | |
| Gabapentin | Neurontin® | |
| 4-Aminopyridin | nur als Reinstoff zu erhalten | Studien laufen |
| Modafinil | Vigil® | |
| Pemolin | Tradon® | |
| Schmerzhafte Muskelstarre (Spastik) | ||
| Baclofen | z. B. Lioresal® | |
| Tizanidin | Sirdalud® | |
| Buprenorphin | Temgesic® / Subutex® | |
| Muskelzittern (Tremor) | ||
| Isoniazid | z. B. Isozid® | |
| Tiefenhirnstimulation | Implantation einer Stimulations-
elektrode im Thalamus |
|
Nach Auffassung der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) kann eine geeignete Ernährung den Verlauf der MS günstig beeinflussen. Folgende Ernährungsratschläge werden gegeben:[6]
Einige diskutierte alternative Verfahren zur Behandlung der MS - keine davon ist ausreichend untersucht. Es fehlen also wissenschaftliche Aussagen über deren Wirksamkeit. Auch hier können erhebliche Nebenwirkungen zu den im allgemeinen nicht von der Krankenkasse übernommenen Kosten hinzu kommen:
| Therapie | Quellen |
|---|---|
| Amalgamentfernung | [6] (PDF) |
| Grüntee-Extrakt EGCG | [7] [8] |
| Omega-3-Fettsäure (z. B. Lachsölkapseln) | [9] |
| Vermeidung von Omega-6-Fettsäure | |
| Vitamin B12 | [10] |
| Cannabis-Produkte | [11] |
| Immuntherapeutikum (z. B. Colibiogen) | |
| Hyperbare Sauerstofftherapie | [12] |
| Uncaria tomentosa - Katzenkralle | |
| Homöopathie | [13] |
| Weihrauch | |
| Ayurveda | [14] |
| Traditionelle Chinesische Medizin | |
| Makrobiotik | |
| Heileurythmie | |
| Ruta-Tee | |
| Fratzer-Diät | [15] |
| Calcium EAP | |
| Elektromagnetfeld-Therapie | |
| Inosin | [16] |
| Nemexin oder LDN | [17] |
Etwa die Hälfte aller MS-Patienten versucht neben der schulmedizinischen Therapie ergänzende Behandlungen. Um den Patienten eine kritische Einschätzung dieser Methoden zu ermöglichen, beschreibt die Österreichische MS-Gesellschaft[7] in ihrer Zeitschrift neue horizonte zahlreiche Verfahren und führt die möglichen Vor- und Nachteile für MS-Patienten an.[8] Die folgenden Therapien können unter bestimmten Bedingungen MS-Patienten nützen und werden deshalb als empfehlenswert bezeichnet:
Der Patient soll das gewählte Verfahren jedenfalls mit seinem Neurologen besprechen.
Die folgenden Verfahren werden ausdrücklich als nicht empfehlenswert bezeichnet:
Bislang ist es zu Beginn der Erkrankung kaum möglich, eine Prognose über den weiteren Verlauf zu stellen, was die betroffenen Patienten sehr belastet. Die Symptome der Krankheit sind unterschiedlichster Art. Man nennt Multiple Sklerose deshalb auch "die Krankheit mit den tausend Gesichtern". Eine Möglichkeit zur Prognose des Krankheitsverlaufs könnte die Bestimmung von Biomarkern wie etwa der anti-MOG-Antikörper und anti-MBP-Antikörper bieten – siehe Multiple Sklerose (Studien).
Neueste global angestellte Studien bezüglich des Nucleus accumbens stellten bei einer potenziell a priori (=antizipierte Anamnese) diagnostizierten MS eine zu 70 % (Versuchsreihe mit 320 Personen auf Verdacht der MS) stark degenerierte Konstellation des dopaminergen Systems und dessen Botenstoff-Haushalts fest. Hintergrund dieser Untersuchung war allerdings eine genetische, positive Korrelation zu allgemeinen Abhängigkeitsmechanismen der generellen Formulation im Gehirn nachzuweisen.
In den letzten Jahren wurden einige verhältnismäßig groß angelegte Studien zum Verlauf der Multiplen Sklerose durchgeführt. Die Ergebnisse waren überwiegend überraschend positiv und zeigten, dass der Verlauf der Erkrankung wesentlich milder war als angenommen.[9][10][11]
Eine der Studien hat ergeben, dass nach vierzigjähriger Erkrankungsdauer nur jeder vierte an den Rollstuhl gebunden ist. In einer anderen Studie konnte gezeigt werden, dass selbst in einer Gruppe unbehandelter Patienten nach zehnjähriger Erkrankungsdauer bei mehr als der Hälfte der Personen kein Fortschreiten der Behinderung festzustellen war.
Es sei angemerkt, dass diese Untersuchungen keine Prognosen bezüglich eines Einzelfalles erlauben, sondern lediglich von statistischer Bedeutung sind. Darüber hinaus beziehen sie sich auf bestimmte Bevölkerungsgruppen bzw. bestimmte geographische Gebiete, so dass nicht unbedingt von den Ergebnissen auf die Verhältnisse in anderen geographischen Gebieten bzw. Bevölkerungsgruppen geschlossen werden kann.
| Wirkstoff (Markenname) | Status | Quellen |
|---|---|---|
| Statine | Phase-III-Studien läuft | [18] |
| Kombination von Glatirameracetat und Interferon | Studie läuft | |
| Kombination von Glatirameracetat und Mitoxantron | Kleine Studie erfolgreich | [19] |
| Kombination von Interferon mit Kortison-Stoßtherapie | Erste Studien erfolgreich | |
| Daclizumab (Zenapax®) (ein IL2-Inhibitor) | Größere Phase-II Studie läuft | [20] [21] [22] |
| Alemtuzumab (Campath®) (ein anti-CD-52-Antikörper) | Phase II erfolgreich, Phase III in Planung | [23] [24] [25] |
| Rituximab (Rituxan®) | Phase II erfolgreich, PhaseI II läuft | [26] |
| Nogo A | Tierversuch | [27] |
| Cladribin Oral (Mylinax®) | Phase-III-Studie läuft | [28] |
| Cyclophosphamid IV (Revimmune®) | Phase-III-Studie vorbereitet | [29] |
| Aimspro (Caprivax®) Serum aus Ziegenmilch | Phase-II-Studie läuft | |
| MBP8298 | Phase-III-Studie läuft | [30] [31][32] |
| FTY-720 (Fingolimod®) | Phase-III-Studie läuft | [33] [34] [35] |
| Laquinimod | Phase-II-Studie erfolgreich abgeschlossen | [36] |
| Teraflunomide | Phase-III-Studie läuft | [37] |
| ZK811752 CCR1-Antagonist-Tabletten | Phase-II-Studie steht kurz vor dem Abschluss | |
| MN-166 Phosphodiesterase-IV-Inhibitor-Tabletten | Phase-II-Studie läuft | [38] |
| Tovaxin T-Zell Impfung | Phase-I/II-Studie erfolgreich, Phase-II/III-Studie startet 2006 | [39] [40] |
| NeuroVax T-Zell Impfung | Phase-I/II-Studie läuft | [41] |
| Pirfenidone | Phase-II-Studie erfolgreich | [42] |
| BG-12 | Phase-II-Studie erfolgreich | [43] |
| Trichuris suis ova | Studie läuft an der Charité | |
| BCG-Tuberkulose-Impfung | Phase II/III läuft | [44] [45] [46] |
| Inhibitoren gegen zum Beispiel Glutamat oder freie Radikale | unbekannt |
| Wirkstoff | Symptomatik | Status |
|---|---|---|
| 4-Aminopyridin Fampridin® | Leitfähigkeit der Nerven erhöhen | Studien laufen. |
| Cannabis | Spastik, Schlafstörungen | Studien laufen. |
Ziel der Remyelinisierung ist es, bereits entstandene Schäden bei MS-Patienten durch einen Wiederaufbau der Myelinschicht zu reparieren. Für diesen Zweck steht momentan noch kein Medikament zur Verfügung, es werden aber einige Ansätze verfolgt, die in Tierversuchen bereits zu positiven Resultaten geführt haben.[12][13][14]
Allerdings ist fraglich in wie weit eine Reparatur der Myelinschicht die entstandene Behinderung von Patienten rückgängig machen könnte, da sich vermehrt die Einsicht durchsetzt, dass der Untergang von Axonen für die schweren dauerhaften Einschränkungen verantwortlich ist.
1 englisch: multiple sclerosis; disseminated sclerosis
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