Musikpsychologie gilt als Teilgebiet der Systematischen Musikwissenschaft und ist die Erforschung universeller Gesetzmäßigkeiten beim Musikhören und Musikmachen mit den Methoden der Psychologie.
Die grundlegenden Fragestellungen beschäftigen sich mit der Wahrnehmung von Musik, der Bildung von Musikpräferenzen, der Möglichkeit von Musikverstehen sowie der Musikproduktion als Interpretation, Komposition und Improvisation.
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Von Anbeginn der Menschheitsentwicklung dienen Musik und Tanz dem elementaren Ausdruck, der psychischen Entlastung und der Stützung von sozial erwünschten empathischen Fähigkeiten. Allerdings gab es auch zu allen Zeiten viele musikpsychologische Betrachtungen, vor allem über die physisch bekömmliche Wirkung von Musik und Tanz (das Musikerlebnis; Langen, Piel 1993 oder Musikhören als gewohnheitsgesteuertes Verhalten; Godwin 1998) welche sich bis zurück ins Altertum (z.B. Hippokrates) zurückverfolgen lassen. Die Fachdisziplin Musikpsychologie ist jedoch erst seit der gleichnamigen Arbeit von Ernst Kurth aus dem Jahr 1931 entstanden.
Bei dem Philosophen Platon nimmt die Musik eine besondere Stellung ein, da er die anderen Künste für Nachahmung äußerer Gegenstände oder Abbilder von Ideen hält. Die Musik würde so zu den seelischen Urbildern führen, welche Platon für angeboren hält. Die Musik gilt seither bei vielen Philosophen und Theoretikern als Inbegriff der emotionalen Seite der Kognition.
Das Gesamtfach der Musikpsychologie setzt sich aus den Aspekten (a) der Psychologie des Hörens, (b) der Werttheorie der Tonereignisse, (c) der musikalischen Ausdruckstheorie, (d) der Theorie der Musikalität und des musikalischen Schaffensprozesses und (e) der Kulturpsychologie der Musik zusammen.
a) 1883 wurde die elementare Tonpsychologie durch Carl Stumpf begründet. Das umfangreiche Gebiet der Psychophysiologie des Hörens umfasst inzwischen Fragen zu den auditiven Systemen wie Außen-, Mittel-, Innenohr, Hörnerv und Hörrinde, zu den Hörbereichen und zur psychologischen Klangkörpertheorie wie z.B. Orchester- oder Instrumentenklang.
b) Die musikalische Tonwerttheorie beschäftigt sich mit den vielen Klangereignissen wie z.B. Lautstärke, Tonhöhe, Tondauer, Klangdichte, Tonvolumen, Tonbrillanz, Konsonanz oder Rhythmik. Diana Deutsch (1989) unterscheidet primär zwei Wirkungstraditionen; zum einen den Klang und die Melodie und zum anderen den Rhythmus.
c) Die musikalische Ausdruckspsychologie untersucht die emotional-kognitiven Bedeutungen der drei wichtigsten musikalischen Klangphänomene (Formgebungen zur Bedeutungsstiftung; Benesch 1980). Diese sind Rhythmus (Zeittakt, Periodik, Akzent, Gruppierung und Phrasierung), Melodik (Tonhöhenführung, Tonstufen, Melodiegestalt) und Harmonie (Tonalität, Modulation, Alteration). Der Musikausdruck geht nach Rüger (1986) über den Sprachausdruck hinaus. Diese Aspekte des Ausdrucks sind z.B. primäre Zugänge zu Gefühlen, eine stärkere Symbolisation über Klangfarbe oder Instrumentenwahl oder schnellere Abfolgen von Spannungsprozessen.
d) Die Musikalität von der rezeptiven bis zur produktiven oder kreativen Befähigung ist auch heute noch ein sehr kontroverses Thema. Durch Tests wird versucht, die Diskrimination für Tonhöhen, Lautstärken, Klangfarben und das musikalische Gedächtnis heranzuziehen, ohne jedoch damit die Musikbegabung sicher bestimmen zu können. Besonders kontrovers diskutiert wird auch über die musikalische Auffassungsgabe von der bloßen Tontaubheit bis zur „Musiksinntaubheit“ (Wiesner, 1986).
e) Die Kulturpsychologie der Musik bezieht sich auf die zeitbedingte Ästhetik, den jeweiligen Musikgebrauch, die Psychologie der künstlerischen Betätigung und natürlich den Einfluss der Musik auf das kulturelle Leben. Priestley (1983) schildert einen Übergang von der alltäglichen Musikbegleitung des heutigen Menschen zur Musiktherapie, indem er die Wirkungen jeglicher musikalischer Beziehungen und Zusammenhänge hervorhebt. Diese werden heute in vielen therapeutischen und psychologischen Behandlungen angewandt.