Die Nachfolge Jesu bezeichnet im Christentum die besondere, ursprüngliche Begleitung Jesu von Nazarets auf seiner Wanderschaft, die mit der Einladung Jesu beginnt: Komm und folge mir nach! In diesem Sinn ist der allgemeine Begriff Nachfolge zum feststehenden Begriff für christliche Existenz, die sich an Lehre und Vorbild Jesu orientiert, geworden.
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Jesus berief Jünger - Männer und Frauen - in seine Nachfolge: Dies berichten alle Evangelien als seine ersten öffentlichen Handlungen. Die Quellen kennen verschiedene Typen von Berufungsgeschichten:
In allen drei Typen ist Jesus als eigentlicher Initiator der Nachfolge vorausgesetzt. Vor allem die zwölf Apostel werden als in dieser Weise Berufene - und so zugleich ohne ihr Zutun von Gott Erwählte - dargestellt.
Zur Nachfolge Jesu gehört eine direkte Lehrer-Schüler-Beziehung, die es damals bei den Prophetenschulen schon lange gab. Schon Elija berief Elischa mitten aus seiner Berufsarbeit heraus (1Kön 19,19-21). Auch dieser gab seinen Besitz auf, schlachtete sein Vieh und verbrannte sein Geschirr. Nur nach der Septuaginta war ihm der vorherige Abschied von seinen Eltern gestattet. Flavius Josephus (Antiquitates) bezeichnete die Prophetenjünger des 1. Jahrhunderts als „Nachfolger" (epesthai).
Jesus wurde von seinen Zeitgenossen sowohl als Prophet wie als Rabbi gesehen und bezeichnet. Ähnlich wie bei den damaligen Lehrhäusern der Pharisäer wirkte er als Lehrer der Tora. Wie sie lehrte er seine Nachfolger den Willen Gottes im Alltag zu halten, indem er verschiedene Gebote der Tora flexibel mit anderen Geboten auslegte und auf die Situation seiner Hörer bezog (Halacha). Doch er konnte anders als andere Pharisäer auch einzelne Gebote ganz aufheben oder so radikalisieren, dass sich ein neuer Sinn der Tradition auftat. Er lehrte zugleich auch durch die Tat, vor allem durch Spontanheilungen, die als Wunder erlebt wurden. Viele der Geheilten folgten ihm nach den Evangelien ebenfalls nach.
Jesu Lehre war aber nicht an bestimmte feste Orte gebunden, sondern erfolgte unterwegs, oft auf freiem Feld oder am See, vom Boot aus, auf Anhöhen oder in Häusern, in denen er - oft zur Überraschung der Bewohner - als Gast einkehrte, später im Jerusalemer Tempel. Seine Jünger wechselten den Lehrer nicht, sondern blieben als Christen ihr Leben lang seine Schüler. Er übergab ihnen zwar dieselbe Vollmacht, zu heilen und Menschen zu berufen (Mk 16,9ff), dennoch blieb seine Lehre an seine Person gebunden und qualitativ von allen ihren späteren Auslegungen unterschieden: Sie kann nur ganz oder gar nicht befolgt werden (Mt 7,26-28).
Ferner war seine Nachfolge nicht Männern vorbehalten, sondern stand Frauen - laut Quellen offenbar von Beginn an - gleichwertig offen (Mk 1,30f; Lk 8,2f).
Die aus ihrer gesicherten Existenz in Jesu Nachfolge Gerufenen sind zur Verkündigung des Reiches Gottes beauftragt, nehmen also voll und ganz an Jesu eigener Sendung teil (Mk 1,16).
Der Ruf in die Nachfolge gilt jedem Christen. Doch der damit verbundenen Lebensweise, dem Verzicht auf gesicherte Existenz und ein Dasein als Wanderbettler, der sich von dem nährt, was unterwegs zu finden war, folgte im Aufstieg des Christentums bald nur noch eine Minderheit. Da die mit dieser Wanderexistenz verbundene Ethik Jesu aber nicht völlig verdrängt und ins rein Geistige umgedeutet werden konnte, schuf die kirchliche Theologie eine Zweistufenethik: Die Gebote der Bergpredigt, die sich eigentlich an alle Jünger und das umgebende Volk gerichtet hatten (Mt 5,1ff), galten nur noch für besonders Fromme, die sich zu lebenslanger Askese in einer abgeschiedenen Gemeinschaft, dem Kloster und Mönchsorden, entschieden. Der breiten Masse dagegen wurde das Christsein durch Taufe, Teilnahme am Gottesdienst und Sakramentsempfang erleichtert.
Theologische Literatur, die sich mit dem Thema Nachfolge befasste, war daher selten und bildete oft einen kritischen Anstoß zur Reformation der Kirche und ihres Verhältnisses zur umgebenden Gesellschaftsordnung. Dies galt bereits für Franz von Assisi und die sich auf ihn berufenden Bettelorden bzw. Armutsbewegungen des Mittelalters, etwa die Fratres Minores.
Ein Klassiker, der den schwierigen Weg in der Nachfolge beschreibt, ist Thomas von Kempen mit seinem ursprünglich lateinischen Buch Imitatio Christi („Nachahmung Christi"). Dietrich Bonhoeffer hat 1936 ein vielbeachtetes Buch Nachfolge geschrieben, das teilweise zur Grundlage der illegalen Pastorenausbildung der Bekennenden Kirche im Predigerseminar Finkenwalde wurde.
Überblick
Exegetisch
Kirchengeschichtlich
Theologisch
Praktisch
Brockhaus-1837: Nachfolge Christi
Brockhaus-1911: Nachfolge Christi · Nachfolge · Herz Jesu · Theresia von Jesu · Damen vom heiligen Herzen Jesu · Bar Jesu · Heiliges Herz Jesu · Gesellschaft Jesu
DamenConvLex-1834: Maria, Mutter Jesu · Auferstehung Jesu
Heiligenlexikon-1858: Maria Francisca de Jesu (96) · Maria de puero Jesu (401) · Maria von Jesu (378) · Maria Margaretha de Jesu (396) · Maria de Jesu (368) · Maria de Jesu (355) · Maria de Jesu Crucifixo (446) · Maria de Jesu (443) · Mariana a Jesu, V. (5) · Theresia a Jesu, S. (1) · Teresia a Jesu, S. · Thomas a Jesu (83) · Thomas a Jesu (69) · Paulus a Jesu (174) · Martinus a Jesu (99) · Philippus a Jesu, S. (3) · Philippa a Jesu (8) · Maria de Jesu (296) · Dominicus a puero Jesu (46) · Catharina de Jesu (49) · Hieronymus a Jesu (73) · Ferdinandus de Jesu (14) · Ambrosius de Jesu (19) · Agnes a Jesu, V. (11) · Anna a Jesu, B. (13) · Anna a Jesu (16) · Isabella de Jesu, V. (3) · Johannes de Jesu (771) · Johannes a Jesu (850) · Maria de Jesu (156) · Maria a Jesu (436) · Johanna de Jesu (87) · Johanna de Jesu (76) · Johanna de Jesu Maria (86) · Johanna de Jesu Maria (110)
Herder-1854: Nachfolge Christi · Theresia von Jesu, St. · Damen vom Herzen Jesu · Gesellschaft Jesu
Meyers-1905: Nachfolge · Nachfolge Christi · Brüder des Leidens Jesu · Auferstehung Jesu · Bar Jesu