Nationale Volksarmee

Dieser Artikel beschreibt die Armee der DDR; für andere Bedeutungen siehe NVA (Begriffsklärung).
Dienstflagge Wappen
Dienstflagge der NVA
Wappen der NVA
Ehrenwache des Wachregimentes Friedrich Engels der NVA am Mahnmal für die Opfer des Faschismus und Militarismus (Neue Wache) in Berlin im Exerzierschritt
Ehrenwache des Wachregimentes Friedrich Engels der NVA am Mahnmal für die Opfer des Faschismus und Militarismus (Neue Wache) in Berlin im Exerzierschritt

Die Nationale Volksarmee (NVA) war von 1956 bis 1990 die Armee der DDR.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Gründung der NVA am 1. März 1956, zeitlich nach der Bundeswehr, war der Schlusspunkt einer Entwicklung, die 1952 mit der Proklamation der „Nationalen Streitkräfte“ begonnen hatte und in deren Verlauf vor allem die Kasernierte Volkspolizei (KVP) sowie die Grundstrukturen einer Militärorganisation aufgebaut wurden. Dieser Aufbau vollzog sich ab 1955 im Rahmen des Warschauer Vertrages und unter Anleitung der Sowjetunion. Dabei wurde auch, ebenso wie bei der Bundeswehr, auf ehemalige Angehörige der Wehrmacht zurückgegriffen. Sie kamen meist aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft und hatten dort an Antifa-Schulungen teilgenommen. Der bekannteste ehemalige Wehrmachtsgeneral, der auch in der NVA diente, war Vincenz Müller. Mitte 1956 waren im 17.500 Mann starken Offiziersbestand der NVA ca. 2.600 ehemalige Mannschafts- und ca. 1.600 Unteroffiziersdienstgrade sowie knapp 500 Offiziere der Wehrmacht, insgesamt kamen also knapp 27 Prozent aus der Wehrmacht. Die ehemaligen Offiziere kamen vorwiegend im Ministerium, an Schulen und in Kommandostellen der Teilstreitkräfte und Militärbezirke zum Einsatz. Von den 82 höheren Kommandoposten in der Armee waren 61 von ehemaligen Wehrmachtsangehörigen besetzt. Die militärischen Erfahrungen und Kenntnisse der Frontgeneration waren in der Anfangszeit der NVA unverzichtbar.

Bis 1962 war die NVA eine Freiwilligenarmee. Nach Einführung der Wehrpflicht lag die Personalstärke der NVA bei ca. 170.000 Soldaten.

Die SED hatte sich durch die Politische Hauptverwaltung (PHV) in der Armee und durch eine spezielle Struktur von Parteiorganisationen die führende Rolle in der NVA gesichert. Die Offiziere und Fähnriche waren, bis auf wenige Ausnahmen, Mitglieder der SED. Auch bei den Unteroffizieren wurde ein hoher Anteil an SED-Mitgliedern angestrebt.

Ihrem Selbstverständnis nach war die NVA in der DDR das Machtinstrument der Arbeiterklasse zum Schutz und zur Sicherung der sozialistischen Errungenschaften vor Angriffen von außen. Demnach diente sie der Verteidigung der DDR und der im Warschauer Vertrag mit ihr verbündeten anderen sozialistischen Staaten gegen eine eventuelle imperialistische Aggression.

Die NVA war an keinem Krieg beteiligt. Teile der Armee waren aber 1968 für militärische Aktionen zur Niederschlagung des Prager Frühlings vorgesehen, die NVA war am Einmarsch in die Tschechoslowakei aus politischen Gründen allerdings nicht unmittelbar beteiligt. Die 7. Panzerdivision und die 11. Motorisierte Schützendivision sollten nach der ursprünglichen Planung an der Intervention mitwirken. Wegen der zu erwartenden verheerenden außenpolitischen Wirkungen - es wäre der erste Auslandseinsatz deutscher Truppen nach dem Zweiten Weltkrieg gewesen - wurden diese Divisionen dann aber doch nicht eingesetzt. Sie leisteten logistische Hilfe beim Einmarsch und standen direkt an der Grenze bereit, um im Falle eines möglichen, der Sowjetarmee außer Kontrolle geratenden Volksaufstandes, einzugreifen. Diverse Verbindungsoffiziere, NVA-Nachrichtensoldaten und auch MfS-Offiziere waren direkt in der ČSSR im verdeckten oder korrespondierenden Einsatz. Im Herbst 1981 stand die NVA bereit, um gegebenenfalls an der Seite der Sowjetarmee in Polen einzugreifen. Eine Intervention unterblieb jedoch auch in diesem Fall.

Mehrere Male befand sich die NVA über einen jeweils längeren Zeitraum im Zustand der erhöhten Gefechtsbereitschaft, so 1961 während und nach dem Bau der Mauer, 1962 während der Kubakrise, 1968 bei der Intervention von vier Warschauer-Vertrags-Staaten in der ČSSR und letztmalig im Herbst 1989.

Die NVA galt wegen ihres hohen Ausbildungsstandards, der ständigen Eisatzbereitschaft und ihrer guten Disziplin als eine der stärksten Armeen des Warschauer Vertrags. Jedoch wurde sie von Seiten der Sowjetunion nicht immer mit der modernsten Technik ausgerüstet, um der sowjetischen Armee auch in dieser Beziehung eine Führungsrolle zu sichern.

1990 wurde die NVA aufgelöst und Standorte, Einrichtungen und Ausrüstung an die Bundeswehr übergeben. Die meisten der vorhandenen Standorte wurden geschlossen und die Ausrüstung entweder durch die Bundeswehr zunächst weitergenutzt, verschrottet, zu geringen Teilen auch an andere Staaten verkauft oder verschenkt, so etwa Schützenpanzerwagen an die Türkei, Schiffseinheiten an Indonesien. Ein großer Teil des Unteroffizierkorps sowie nahezu das gesamte Offizierkorps wurden entlassen, nur 3.200 dieser zuletzt noch 36.000 Personen zählenden Kader wurden eingestellt. Die ehemaligen NVA-Angehörigen wurden dabei häufig mit einem oder auch zwei Dienstgraden niedriger in die Bundeswehr übernommen, da die Beförderungen in der NVA früher erfolgten als in der Bundeswehr und daher der Übernahmedienstgrad so berechnet wurde, als wenn der ehemalige NVA-Angehörige von Anfang an in der Bundeswehr gedient hätte.

Generell galt bis zum 1. März 2005 die in der deutschen Armee NVA geleistete Dienstzeit als „gedient in fremden Streitkräften“. Nunmehr lautet die Bezeichnung „gedient außerhalb der Bundeswehr“. Laut Einigungsvertrag ist es den ehemaligen NVA-Angehörigen nicht gestattet, in der Bundesrepublik ihren letzten Dienstgrad mit dem Anhang „a.D.“ (außer Dienst) zu führen.

Einberufung

Wehrdienstausweis der NVA.
Wehrdienstausweis der NVA.

Das allgemeine Wehrpflichtgesetz vom 24. Januar 1962 legte einen Grundwehrdienst von 18 Monaten fest. Es wurde nahezu jeder Mann vom 18. bis zum 26. Lebensjahr eingezogen. Als Altersgrenze für die Einberufung ungedienter Männer war das 36. Lebensjahr festgelegt. Eine Einberufung zu den Grenztruppen, den kasernierten Einheiten der Volkspolizei (VP-Bereitschaften und weitere Truppenteile und Einheiten) und dem Wachregiment des MfS war möglich.

Ein ziviler Wehrersatzdienst war in der DDR bis 1964 nicht möglich. Insbesondere auf Drängen der Kirchen wurden innerhalb der NVA die so genannten Baueinheiten geschaffen, in denen eine Ableistung des Wehrdienstes ohne Waffe als Bausoldat möglich war. Damit nahm die DDR eine Ausnahmestellung unter den Staaten des Warschauer Vertrages ein.

Längerdienende konnten Laufbahnen als Unteroffizier auf Zeit (mit einer Regeldienstzeit von 3 Jahren), Berufsunteroffizier (mit einer Regeldienstzeit von 10 Jahren), Fähnrich (seit 1973) mit einer Regeldienstzeit von 15 Jahren, Offizier auf Zeit (mit einer Regeldienstzeit von 3, später 4 Jahren) oder Berufsoffizier (mit einer Regeldienstzeit von 25 Jahren) einschlagen.

In den fahrenden Einheiten der Volksmarine war die Dienstzeit für Matrosen 3 Jahre und für Maate 4 Jahre sowie bei fallschirmspringenden Einheiten 3 Jahre. Dies waren in der Regel freiwillige Soldaten auf Zeit bzw. Unteroffiziere auf Zeit.

Frauen konnten freiwillig die meisten Laufbahnen als Unteroffizier auf Zeit, Berufsunteroffizier, Fähnrich oder ab 1984 als Berufsoffizier einschlagen, soweit dies aus Gründen der körperlichen Belastung zulässig war. In der Regel betraf das die Rückwärtigen und Medizinischen Dienste. Der höchste dort von einer Frau erreichte Dienstgrad war Oberst.

Struktur

Truppenfahne der NVA
Truppenfahne der NVA

Das Führungsorgan der NVA war das Ministerium für Nationale Verteidigung mit Sitz in Strausberg (bei Berlin). Die NVA gliederte sich in:

Die NVA war stets eng mit den Truppen der „Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland“ (GSSD) - seit Juni 1989 in „Westgruppe der Truppen“ (WGT) umbenannt - verzahnt. Das Hauptquartier der GSSD war in Wünsdorf. In den 1980er Jahren unterstanden diesem ca. 365.000 Mann, 6.000 Kampfpanzer, 9.500 Schützenpanzer, 650 Kampfflugzeuge und 700 Kampfhubschrauber.

Die Strukturen und Ausrüstung, Fahrzeuge und Kampftechnik waren weitgehend sowjetischen Ursprungs und die NVA arbeitete in Führungs- und Mobilmachungsfragen eng mit den Stäben der Sowjetarmee zusammen.

Landstreitkräfte

Hoheitszeichen der Landstreitkräfte
Hoheitszeichen der Landstreitkräfte

Die Landstreitkräfte der NVA waren gegliedert in:

  • direkt dem KdoLaSK unterstellte Truppenteile/Einheiten
  • Militärbezirk Nord = MB-V - Neubrandenburg -
  • Militärbezirk Süd = MB III - Leipzig -
    • 4. Mot.-Schützen-Division, 4.MSD - Erfurt -
    • 11. Mot.-Schützen-Division, 11.MSD - Halle -
    • 7. Panzerdivision, 7.PD - Dresden

Chefs der Landstreitkräfte

(Anm.: Das Kommando der Landstreitkräfte wurde am 1. Dezember 1972 aufgestellt)

Luftstreitkräfte

Hoheitszeichen der Luftfahrzeuge der NVA
Hoheitszeichen der Luftfahrzeuge der NVA

Die Luftstreitkräfte/Luftverteidigung waren gegliedert in:

  • direkt dem Kdo LSK/LV unterstellte Truppenteile/Einheiten
  • die 1. Luft-Verteidigungs-Division (1. LVD) - Cottbus -
  • die 3. Luft-Verteidigungs-Division (3.LVD) - Trollenhagen (bei Neubrandenburg) -
  • Führungsorgan der Front- u. Militärtransportfliegerkräfte (FMTFK) - Strausberg -

Chefs der Luftstreitkräfte/Luftverteidigung (LSK/LV)

  • Generalmajor Hans Zorn 1. März 1956 bis 30. August 1956
  • Generalmajor Heinz Keßler 1. September 1956 bis 14. März 1967
  • Generalleutnant Herbert Scheibe 15. März 1967 bis 14. März 1972
  • Generalmajor Wolfgang Reinhold 15. März 1972 bis 30. November 1989
  • Generalleutnant Rolf Berger 1. Dezember 1989 bis 2. Oktober 1990

Volksmarine

Flagge der Volksmarine
Flagge der Volksmarine

Die Volksmarine gliederte sich (Stand etwa 1985) in

Außerdem gab es ein Marinehubschraubergeschwader (MHG-18) in Parow, ein Marinefliegergeschwader (MFG-28), ein Marine-Pionierbataillon (MPiB-18), ein Kampfschwimmerkommando (KSK-18), ein Küstenraketenregiment (KRR-18), ein Küstenverteidigungsregiment (KVR-18, vormals Mot.-Schützenregiment-28) (ab 1988), ein Marineversorgungslager (VL-18), ein zentrales Munitionslager (ML-18), eine Wartungskompanie (WK-18), den Seehydrographischen Dienst der DDR (SHD) und weitere Ausbildungs-, Erprobungs-, und Sondereinrichtungen.

Chefs der Seestreitkräfte/Volksmarine

  • Konteradmiral Felix Scheffler 1. März 1956 bis 31. Dezember 1956; als Kommandeur Seestreitkräfte
  • Vizeadmiral Waldemar Verner 1. Januar 1957 bis 31. Juli 1959; als Kommandeur Seestreitkräfte
  • Konteradmiral Wilhelm Ehm 1. August 1959 bis 31. Juli 1961
  • Konteradmiral Heinz Neukirchen 1. August 1961 bis 24. Februar 1963; mit der Führung beauftragt
  • Konteradmiral Wilhelm Ehm 25. Februar 1963 bis 30. November 1987
  • Vizeadmiral Theodor Hoffmann 1. Dezember 1987 bis 17. November 1989
  • Vizeadmiral Hendrik Born 11. Dezember 1989 bis 2. Oktober 1990

Ausbildung

Offiziere und Unteroffiziere

Die Offiziersausbildung erfolgte in den Offiziershochschulen

Weiterhin gab es mehrere Unteroffiziersschulen.

  • Unteroffiziersschule I der Landstreitkräfte der NVA „Rudolf Egelhofer“ in Weißwasser/O.L. (Ausbildungszentrum 6 )
  • Unteroffiziersschule II „Kurt Bennewitz“ in Delitzsch (Ausbildungszentrum 17)
  • Unteroffiziersschule III „Max Matern“ in Eggesin (Ausbildungszentrum 20)
  • Unteroffiziersschule IV „Paul Fröhlich“ in Zwickau und Schneeberg (Ausbildungszentrum 10)
  • Unteroffiziersschule VI in Perleberg (Glöwen) (Grenztruppen)
  • Unteroffiziersschule VII in Potsdam
  • Unteroffiziersschule an der Offiziersschule Kamenz, ab 1973 Unteroffiziersschule VIII in Bad Düben, 1984 Umbenennung in Militärtechnische Schule „Harry Kuhn“ in Bad Düben (Luftstreitkräfte/Luftverteidigung) (auch Fähnrichausbildung)
  • Unteroffiziersschule für Luftverteidigung in Zingst
  • Militärtechnische Schule „Erich Habersaath“ in Prora, Rügen (auch für Fähnrichausbildung)
  • Militärtechnische Schule der Nachrichtentruppen „Herbert Jensch“ in Frankfurt (Oder) (hauptsächlich für Fähnrichausbildung)
  • Flottenschule „Walter Steffens“ der Volksmarine in Stralsund, Parow (seemännisch/technische Ausbildung)

Ausgewählte Kader konnten ab etwa Mitte der 70er auch zu einem Direktstudium an verschiedene Offiziershochschulen in die Sowjetunion delegiert werden.

Führungskader

Die weiterführende Ausbildung der Führungskader ab Regiment aufwärts erfolgte an

Die NVA bzw. das Ministerium für Nationale Verteidigung unterhielt einen eigenen Auslandsnachrichtendienst, die Verwaltung Aufklärung, der vorwiegend in der Bundesrepublik Militärspionage betrieb. Dieser Geheimdienst operierte formell unabhängig, wurde aber - wie die gesamte NVA - von der Hauptabteilung I des MfS (Militärabwehr) (in der NVA bekannt als „Verwaltung 2000“) überwacht.

Im Jahre 1989 dienten 120.000 der 2,7 Millionen Mitglieder oder Kandidaten der SED in der NVA und den Grenztruppen der DDR. Unter den einfachen Soldaten und Gefreiten lag der SED-Anteil bei 6-7%, bei den Unteroffizieren auf Zeit bei 14%, im gesamten Unteroffizierskorps aber etwa bei 35%, weil der Anteil bei den Berufsunteroffizieren etwa 60% betrug. Von der Gesamtanzahl aller Offiziere (1989 über 40.000, 1990 noch 36.000) und Fähnriche machten die sozialistischen Genossen einen Anteil von 94% (einschließlich der Offiziere auf Zeit „nur“ 90%) aus, weitere 4-5 Prozent gehörten den Blockparteien an. Politoffiziere jedoch waren ausnahmslos SED-Mitglieder.

Unter den Berufsoffizieren jedoch betrug der SED-Anteil 96%, ab dem Dienstgrad Major aufwärts 98-99%, ab dem Dienstgrad Oberstleutnant aufwärts dann 100%. Bis 1989 war jeder Verteidigungsminister Mitglied des Politbüros und jeder (kommandierende) General Mitglied (oder zumindest Kandidat) des Zentralkomitees der SED.

Uniformen

Mit der Umbildung der „Kasernierten Volkspolizei“ (KVP) zur NVA blieben die bisherigen khakifarbenen KVP-Uniformen zunächst weiter in Gebrauch. Diese ähnelten in Schnitt und Farbton stark denen der sowjetischen Armee. Bei der Suche nach einer eigenen, „deutschen“ und „sozialistischen“ Militärtradition verordnete die Staatsführung jedoch alsbald eine Änderung des Erscheinungsbilds. Zunächst bekamen neu aufgestellte Einheiten neue Ausgehuniformen, bald darauf wurden auch neue Dienstuniformen ausgegeben. Die alten KVP-Uniformen wurden bis Ende der 1950er Jahre im Dienst aufgetragen.

Die neuen Uniformen ähnelten stark denen der Reichswehr und der Wehrmacht. Sie bestanden aus steingrauem Tuch und waren von ähnlichem Schnitt, allerdings verzichtete man ab 1974/79 auf hochgeschlossene dunkle Kragen (außer an den Mänteln). Der eigentümlich abgeflachte NVA-Helm entsprach einem Versuchsmuster der deutschen Wehrmacht, das sich seit 1943 in der Erprobung befunden hatte.

Mit dem traditionellen Erscheinungsbild, welches, wie Kritiker bemängelten, auch dem der Wehrmacht nahe kam, galt es laut Weisung Walter Ulbrichts, den deutschen „Nationalcharakter“ der NVA zu betonen. Die NVA sollte sich in ihrem optischen Auftreten bewusst von der Bundeswehr (nach SED-Urteil „US-Söldner“) abheben, deren Uniformen in den 1950er Jahren der Optik der US-Truppen sehr nahe kam.

Dienstgradabzeichen

Generalität der NVA
Marschall der DDR Armeegeneral Generaloberst Generalleutnant Generalmajor
Offizierkorps der NVA
Oberst Oberstleutnant Major Hauptmann Oberleutnant Leutnant Unterleutnant
Fähnriche der NVA
Stabsoberfähnrich Stabsfähnrich Oberfähnrich Fähnrich
Unteroffiziere der NVA
Stabsfeldwebel Oberfeldwebel Feldwebel Unterfeldwebel Unteroffizier
Mannschaftsdienstgrade der NVA
Stabsgefreiter Gefreiter Soldat


Schulterstück eines Oberstleutnants der NVA
Schulterstück eines Oberstleutnants der NVA
Schulterstück eines Oberleutnants der Volksmarine
Schulterstück eines Oberleutnants der Volksmarine

Auch die Ausführung der Dienstgradabzeichen war traditionell (nach Weisung Walter Ulbrichts: „...der Dienstgrad ist weiterhin ausschließlich anhand der Schulterstücken zu erkennen...“), jedoch mit einigen Modifikationen. So wurden die Armwinkel des Gefreiten und Stabsgefreiten durch ein bis zwei Quertressen auf den Achselklappen ersetzt. Der Tressenbesatz an Kragen und Achselklappen der Unteroffiziere und Unterfeldwebel blieben hingegen im Vergleich zum Letztgebrauch in der Wehrmacht ebenso unverändert wie die Sterndistinktionen für Feldwebel, Oberfeldwebel und Stabsfeldwebel. Die Schulterstücke der Offiziere stellten eine Kompromisslösung dar. Die Grundform aus Plattschnur oder Flechtwerk sowie die Gestalt der Rangsterne stimmten mit denen der Reichswehr überein. Die Anordnung der Rangsterne folgte jedoch dem Muster der Sowjetstreitkräfte - wie in allen anderen Warschauer Vertragsstaaten auch.

Mit der Einführung der sowjetischen Dienstgradstruktur für die Offiziere wurde auch der Dienstgrad des Unterleutnants wieder eingeführt (in Deutschland war die Bezeichnung Unterleutnant nach 1898 außer Gebrauch gekommen). Im Gegenzug entfiel der Rang des Generals der Waffengattung (General der Infanterie, Artillerie u.ä.), der bisher der nächst höhere über dem Generalleutnant war. Auf diesen folgte nun unmittelbar der Generaloberst.

Ebenfalls dem sowjetischen Muster folgte die Einführung der Dienstgradgruppe der Fähnriche 1974 (1979 erweitert um die Dienstgrade Oberfähnrich, Stabsfähnrich und Stabsoberfähnrich). Diese rangierten zwischen den Feldwebeln und den Offizieren. Ihre Dienstgradabzeichen bestanden aus einer auf das Grundtuch der Achselklappen aufgelegten Spange aus Silberplattschnur. Zur Unterscheidung dienten ein bis vier senkrecht übereinander angeordnete Rangsterne, die anfangs silbern, seit 1979 aber goldfarben waren. Als besondere Kennzeichnung trugen die Fähnriche auf dem linken Oberarm der Uniform ein Ärmelabzeichen. Anfangs waren auf diesem Sterne für jede vollendeten fünf Dienstjahre abgebildet. Mit Einführung der Dienstgrade des Oberfähnrich und Stabsfähnrich entfielen diese. Die Fähnriche trugen Uniform und Ausrüstung der Offiziere, denen jedoch die zur Paradeuniform getragene silberne Feldbinde, der Ehrendolch und ab 1977 die Offiziersfangschnur vorbehalten blieb.

Die Schulterstücke der Leutnants und Hauptleute bestanden aus einfacher Silberplattschnur. Der goldfarbene Rangstern des Unterleutnants war auf dem unteren Rand des Schulterstücks mittig gesetzt. Den Unterleutnant zeichnete ein Rangstern aus, den Leutnant zwei nebeneinander gesetzte Rangsterne, den Oberleutnant drei zum gleichmäßigen Dreieck formierte Rangsterne. Beim Hauptmann saß über der Dreiecksformation ein weiterer Rangstern. Die Rangsterne hatten einen Durchmesser von 11,5 mm.

Stabsoffiziere hatten silbern geflochtene Schulterstücke mit einem Rangstern für den Major, zwei Sternen für den Oberstleutnant, drei Sternen für den Oberst. Die Sterne hatten einen Durchmesser von 13 mm. Bei den goldfarbigen Generalsabzeichen (bestehend aus zwei außenliegenden Goldschnüren und einer innen liegenden Silberschnur) für den Generalmajor, Generalleutnant, Generaloberst und Armeegeneral waren die Rangsterne senkrecht übereinander gesetzt. Die Generalssterne waren im Gegensatz zu den Sternen der unteren Dienstgradgruppen fünfeckig und hatten einen Durchmesser von 15 mm. Die Ernennung eines Marschall der DDR wäre nur im Verteidigungsfall oder für besondere militärische Leistungen erfolgt. Sein Rangstern wäre ein fünfstrahliger Ordenstern mit Rubineinlage gewesen.

Waffenfarben

Die Waffenfarben wurden ursprünglich auch auf den Kragenspiegeln gezeigt, später wurden dann aber bei fast allen Einheiten die weißen Kragenspiegel der Mot.Schützen verwendet, Ausnahmen bildeten die Grenztruppen, Fallschirmjäger und Luftstreitkräfte/Luftverteidigung, die jeweils auch noch Biesen in der jeweiligen Waffenfarbe an Ärmelaufschlägen, Kragen und der Hosennaht hatten, im Gegensatz zur weißen Biese bei allen anderen Einheiten.

Die Kragenspiegel zeigten bei allen Einheiten zwei schmale (Mannschaften) bzw. breite Balkentressen (Offiziere) aus Gespinst, später (bei Offizieren) auch aus Metall, die gegebenenfalls mit der jeweiligen Waffenfarbe ausgefüllt waren. Bis 1976 waren auch an den Ärmelaufschlägen jeweils zwei ähnlich gestaltete Ärmelpatten angebracht.

Eine Ausnahme bildeten die Kragenspiegel der LSK/LV sowie der Fallschirmjäger: erstere wiesen bei den Mannschaften eine einfache Schwinge auf blauem Tuch auf, bei den Offizieren war dieses Tuch mit einer silbernen Tresse umgeben und die Schwinge mit einem halben bzw. ganzen (Stabsoffiziere) offenen Eichenlaubkranz umgeben, bei den Fallschirmjägern war das Tuch orangerot und statt der Schwinge war ein geöffneter Fallschirm abgebildet.

Die Waffenfarben der einzelnen Einheiten waren:

  • Weiß: Mot. Schützen, Aufklärer
  • Ziegelrot: Raketentruppen/Artillerie, Truppenluftabwehr, Raketen-und Waffentechnischer Dienst
  • Rosa: Panzer
  • Gelb: Nachrichten („Fernmeldetruppe“)
  • Dunkelgrün: Rückwärtige Dienste („Nachschub“)
  • Schwarz: Pioniere, Militärtransportwesen, technische Einheiten, Chemische Dienste
  • Hellblau: Luftstreitkräfte
  • Grau: Luftverteidigung
  • Orange: Fallschirmjäger
  • Hellgrün: Grenztruppe

Die Seestreitkräfte, ab 1960 Volksmarine, verwendeten seit ihrer Gründung Uniformen, die stark an die der ehemaligen deutschen Kriegsmarine angelehnt waren, nämlich aus dunkelblauem Tuch mit goldener Doppelknopfreihe, ohne Kragenspiegel, die Waffenfarbe war ebenfalls dunkelblau. Eine Ausnahme bildeten die Marineflieger, denn diese hatten hellblaue Kragenspiegel und hellblau paspelierte Schulterstücke auf dem dunkelblauen Marineuniformrock.

Die Grenztruppen trugen seit der Zeit ihrer Zugehörigkeit zur NVA (1962-1974) Uniformen, die denen der NVA entsprachen. Allerdings war der Mützenrand statt in Uniformgrau in der Waffenfarbe Hellgrün. Das traf auch für die Marineuniformen von Grenzsoldaten auf Grenzwachtbooten (in See- und Binnengewässern) zu.

Es gab auch eigenartige Kombinationen wie die Uniformen der Flieger der Grenzbrigade Küste: diese hatten auf den herkömmlichen Marineuniformen hellgrüne Kragenspiegel mit den Insignien der Luftstreitkräfte.

Die Angehörigen des Ministeriums für Staatsicherheit (vor allem des Wachregiments) trugen der NVA entsprechende Uniformen. Die Waffenfarbe war bordeauxrot.

Militärische Tradition

Die NVA sah ihre militärischen Vorbilder in den Kämpfern der Bauernkriege 1525, der anti-napoleonischen Befreiungskriege 1813 und der Revolutionen von 1848 und 1918. Ferner dienten die Internationalen Brigaden im Spanischen Bürgerkrieg 1936 und die „Rettung des Friedens durch die NVA am 13. August 1961“ (Mauerbau) als Vorbild. Die preußische Tradition wurde in Form des Großen Zapfenstreichs und im Beibehalt des Stechschritts (modifiziert als „Exerzierschritt“) gepflegt. Der Yorcksche Marsch war der Ehrenmarsch der NVA.

Gerade für die Seestreitkräfte (ab 1960 Volksmarine) erwies sich die Konzentration auf den Kieler Matrosenaufstand von 1918 und die Volksmarinedivision als alleinigen Grundstock des offiziellen militärischen Marinebrauchtums allerdings als wenig förderlich für ein selbstbewusstes Verständnis, darüber hinausgehende Versuche, auch andere Szenen der deutschen Marinegeschichte oder Einzelschicksale deutscher Seesoldaten dafür in Beschlag zu nehmen, wurden von der politischen Führung stets als „politisch nicht opportun“ zurückgewiesen.

Nuklearwaffen

Die NVA verfügte über keine eigenen Nuklearwaffen, aber über die Trägermittel, mit denen sowjetische Atomsprengköpfe eingesetzt werden konnten, darunter das ab 1985 eingeführte Raketensystem SS-23. Die nukleare Rolle der NVA unterlag strengster Geheimhaltung und war auch vielen hohen NVA-Offizieren unbekannt. Sie wurde erst nach Öffnung der NVA-Archive 1990 veröffentlicht. [1][2]

Verwertung des Wehrmaterials der NVA ab 1990

Planierraupe BAT der NVA
Planierraupe BAT der NVA

Die Hinterlassenschaft der NVA an Ausrüstung und Wehrmaterial war sehr umfangreich. Große Mengen von Ersatzteilen, Sanitätsmaterial, ABC-Ausrüstungen, Ausbildungsgeräte und Simulatoren, Führungs- und Aufklärungssysteme, Fernmelde- und Pioniergerät, Baumaschinen, Bekleidung, persönliche Ausrüstung und sonstiges für eine Mobilmachung bevorratetes Material mussten entsorgt werden.

Zu den ersten Maßnahmen nach der Wiedervereinigung gehörte eine genaue Bestandserhebung und die Sicherstellung von Waffen und Gerät durch ehemalige Angehörige der NVA. Hierfür wurde die bundeseigene „Material Depot Service Gesellschaft mbH (MDSG)“ mit der Bewachung und Lagerhaltung des Materials beauftragt. Die MDSG beschäftigte 1.820 Mitarbeiter, die überwiegend von der Bundeswehr übernommen wurden. 1994 wurde die Gesellschaft privatisiert. Soweit das Wehrmaterial nicht unentgeltlich an Berechtigte in den neuen Bundesländern, an andere Ressorts, an Museen, an befreundete Länder sowie im Rahmen humanitärer Hilfsleistungen an Drittländer abgegeben oder erlösbringend an diese verkauft werden konnte, wurde es vernichtet.

Hinterlassen wurden:

  • 767 Luftfahrzeuge (Hubschrauber, Flugzeuge), davon 24 MiG-29
  • 208 Schiffe
  • 2.761 Kampfpanzer
  • 133.900 Radfahrzeuge
  • 2.199 Artilleriewaffen
  • 1.376.650 Handfeuerwaffen
  • 303.690 Tonnen Munition
  • 14.335 Tonnen Treibstoffe und Reinigungsmittel

Schlagzeilen machte Anfang der 1990er Jahre der Verkauf von Schützenpanzerwagen SPW 60 an die Türkei mit einer vertraglichen Vereinbarung, dass diese nicht in inneren Konflikten, beispielsweise gegen die Kurden, eingesetzt werden durften.

Nicht immer waren die Wege des ehemaligen Materials der NVA eindeutig nachzuvollziehen. Beispielsweise zeigte das Fernsehen während des Kosovo-Konfliktes Kämpfer der UÇK, die mit NVA-Felddienstuniformen bekleidet waren.

Der Gesamtbestand der NVA belief sich 1989 auf [3]: (MOB = Mobilmachungsstärke)

  • 6 (MOB:11) Divisionen
  • 1719 (MOB: 2798) Kampfpanzer (T55,T72)
  • 2792 (MOB: 4999) gepanzerte Gefechtsfahrzeuge (SPW40,60,70,BMP1,2)
  • 887 (MOB:1746) Artilleriesysteme (über 100 mm)
  • 394 Kampf- und Übungskampfflugzeuge (MiG21,23,29,Su22...)
  • 64 Kampfhubschrauber (Mi8TB,24)
  • 131 Kampfschiffe/Boote (+ 48 „Hilfsschiffe“)
FROG-7B (Luna-M) der NVA
FROG-7B (Luna-M) der NVA

Verweise

Siehe auch

Weblinks


Literatur

  • Jürgen Fuchs: Fassonschnitt. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1984, 1989.
  • Jürgen Fuchs: Das Ende einer Feigheit. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1988, 1992.
  • Siegfried Breyer, Peter Joachim Lapp: Die Volksmarine der DDR. Bernard & Graefe, Koblenz 1985. ISBN 3-763-75423-7
  • Walter Jablonsky: NVA - Anspruch und Wirklichkeit, nach ausgewählten Dokumenten. Berlin/Bonn/Herford 1994.
  • Klaus Froh, Rüdiger Wenzke: Die Generale und Admirale der NVA. Ein biographisches Handbuch. 4. Auflage. Ch. Links, Berlin 2000. ISBN 3-86153-209-3
  • Stephan Fingerle: Waffen in Arbeiterhand? Ch. Links, Berlin 2001. ISBN 3-86153-243-3
  • Hans Ehlert: Armee ohne Zukunft. 2. Auflage. Ch. Links, Berlin 2002. ISBN 3-86153-265-4
  • Wilfried Kopenhagen: Die Landstreitkräfte der NVA. Motorbuch, Stuttgart 2003. ISBN 3-613-02297-4
  • Gunnar Digutsch: Das Ende der Nationalen Volksarmee und der Aufbau der Bundeswehr in den neuen Ländern. Peter Lang, Frankfurt am Main/Berlin 2004. ISBN 3-631-53071-4
  • Ove Ovens: Die NVA zwischen Wende und Auflösung. Dissertation. Regensburg 2004.
  • Klaus Behling: Der Nachrichtendienst der NVA. edition ost, Berlin 2005. ISBN 3-360-01061-2
  • Bodo Wegmann: Die Militäraufklärung der NVA. Verlag Dr. Köster, Berlin 2005. ISBN 3-895-74580-4
  • Michael Dullau: Grenzland. 2. Auflage. pro Literatur, Mammendorf 2005. ISBN 3-86611-017-0
  • Stefan Wolter: Hinterm Horizont allein - Der ´Prinz´ von Prora. Erfahrungen eines NVA-Bausoldaten. Projekte, Halle 2005. ISBN 3-86634-028-1
  • R. Fuchs: Genosse Matrose!. BS-Verlag, Rostock 2006. ISBN 3-89954-196-0
  • Horst Stechbarth: Soldat im Osten. Erinnerungen und Erlebnisse aus fünf Jahrzehnten. 1. Auflage Edition Stad + Buch, Hüllhorst 2006. ISBN 3-920621-10-7
  • Daniel Niemetz: Das feldgraue Erbe. Wehrmachtseinflüsse im Militär der SBZ/DDR. Ch. Links, Berlin 2006. ISBN 3-861534-21-5
  • Sebastian Kranich: Erst auf Christus hören, dann auf die Genossen. Bausoldatenbriefe - Merseburg, Wolfen, Welzow 1988/89. Projekte-Verlag, Halle 2006. ISBN 3-86634-125-3
  • Theodor Hoffmann: Das letzte Kommando. Ein Minister erinnert sich. Mittler-Verlag, Berlin/Bonn/Herford 1994. ISBN 3-8132-0463-4

Einzelnachweise

  1. Sigurd Hess, NVA übte Atomwaffeneinsätze noch 1990, in: Marineforum 7/8-1999 S.3f
  2. Harald Nielsen, Die DDR und die Kernwaffen, Die nukleare Rolle der Nationalen Volksarmee im Warschauer Pakt, Nuclear History Program, Internationale Politik und Sicherheit Band 30/6, hrsg. von der Stiftung Wissenschaft und Politik Ebenhausen, Baden-Baden 1998
  3. Private Webseiten über die NVA von Detlef Samberg
Quelle:
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