Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer

Hinweisschild auf den Nationalpark. Am Deich in Westerkoog, Dithmarschen
Hinweisschild auf den Nationalpark. Am Deich in Westerkoog, Dithmarschen

Der Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer wurde am 1. Oktober 1985 durch das Nationalparkgesetz vom 22. Juli 1985 gegründet. Es handelt sich um den größten Nationalpark in Deutschland. Im Nationalparkgesetz heißt es:

Die Errichtung des Nationalparks dient dem Schutz des schleswig-holsteinischen Wattenmeeres und der Bewahrung seiner besonderen Eigenart, Schönheit und Ursprünglichkeit. Seine artenreiche Pflanzen- und Tierwelt ist zu erhalten und der möglichst ungestörte Ablauf der Naturvorgänge zu sichern. Jegliche Nutzungsinteressen sind mit dem Schutzzweck im Allgemeinen und im Einzelfall gerecht abzuwägen. Seit 1990 ist er auch ein von der UNESCO anerkanntes Biosphärenreservat.

Inhaltsverzeichnis

Das Gebiet des Nationalparks

Die drei Nationalparke im deutschen Wattenmeer
Die drei Nationalparke im deutschen Wattenmeer

Der Nationalpark umfasst das schleswig-holsteinische Küstengebiet der Nordsee von der Elbmündung im Süden bis zur dänischen Grenze im Norden. Im nördlichen Bereich (bis etwa Amrum) verläuft die Nationalparkgrenze an der 12-Seemeilen-Linie, darunter etwa auf der 3-Seemeilen-Linie. Ausgenommen sind die fünf nordfriesischen Inseln und die fünf großen Halligen.

Das Gebiet beheimatet etwa 3.200 Tier- und Pflanzenarten, wovon ca. 250 Arten ausschließlich in den Salzwiesen des Wattenmeeres vorkommen. Das Gebiet des Wattenmeeres ist das vogelreichste Gebiet Mitteleuropas. Über 2 Millionen Zugvögel auf dem Ostatlantischen Zugweg nutzen das Nationalparkgebiet zur Rast, etwa 100.000 Paare brüten im Park. Schollen, Seezungen und Heringe ziehen ihre Kinder im Gebiet auf, ebenso leben hier Seehunde, Schweinswale und Kegelrobben.

Der Nationalpark ist in drei Zonen aufgeteilt, die verschiedenen Schutzstufen entsprechen. Zone I bildet dabei die strengste Schutzstufe. Sie umfasst größtenteils die Gebiete der Seehundsbänke, die Brutkolonien vom Aussterben bedrohter Seevogelarten, Plätze an denen sich Massen von Zugvögeln mausern sowie geomorphologisch bedeutsame Gebiete mit nahezu natürlichen Oberflächenstrukturen. In Zone I sind Wattwanderungen, Radwanderungen, Reiten und Kutschfahrten nur auf ausgewiesenen Wegen erlaubt, die Jagd ist gänzlich verboten. Südlich des Hindenburgdamms auf der Landseite Sylts ist innerhalb der Schutzzone I eine menschliche Nutzung völlig ausgeschlossen. In der Zone I befindet sich unter anderem Blauortsand, eine Wanderdüne. Zone II bildet eine so genannte „Pufferzone“ um die Zone I herum, Zone III bildet die übrige Fläche des Nationalparks.

Fauna und Flora

Die Küste der Nordsee ist ungewöhnlich flach. Der Meeresboden fällt teilweise nur wenige Zentimeter pro Kilometer ab. Zweimal täglich trägt die Flut Sand, Ton und Schluff in das Gebiet des Wattenmeeres. Dünen kennzeichnen die Küste, die der Wind aus den feinen Sandkörnchen aus dem bloßgelegten Watt aufbaut. Der Tidenhub im Schleswig-Holsteinischen Wattenmeer beträgt dabei zwischen 1,5 und 3,7 Meter, wobei er von Norden nach Süden und von Westen nach Osten zunimmt: die geringsten Gezeitenunterschiede bestehen an der Sylter Nordküste, die höchsten im südlichen Dithmarschen[1]. Überall im Wattenmeer läuft das Wasser nur etwa 85% der Zeit auf, die es wieder abläuft, was bedeutet, dass die Strömung beim Wasserauflauf stärker ist, die Ebbe hat nicht wieder die Kraft die durch die Flut angespülten Sedimente wieder abzutragen[2].

Das Wattenmeer ist nach dem Tropischen Regenwald das zweitproduktivste Ökosystem – nur dieser übertrifft das Wattenmeer an lebendiger Biomasse. Die im Wattenmeer zu findenden Lebensformen umfassen Kieselalgen, Schnecken, Würmer, Muscheln und Garnelen. Ein typischer Bewohner des Sandwatts ist der Wattwurm, der in einer U-förmigen Röhre unter der Wattoberfläche lebt.

Bis zu 4.000 Tier- und Pflanzenarten sind auf den ungewöhnlich nahrungsreichen Lebensraum Wattenmeer spezialisiert. Von den etwa 3.200 vorkommenden Tierarten leben etwa 250 ausschließlich in den Salzwiesen des Wattenmeeres. Das Wattenmeer ist das vogelreichste Gebiet Mitteleuropas.

So leben beispielsweise Brandgänse von den Wattschnecken, die zu Hunderttausenden auf der Wattoberfläche zu finden sind. Die etwa 180.000 Vögel zählende nordwesteuropäische Brandgans-Population verbringt außerdem ihre Mauserzeit zwischen Juli und September im Wattenmeer, größtenteils auf und um die geschützte Insel Trischen. Auch etwa 200.000 Eiderenten verbringen hier ihre Mauserzeit; etwa 1.000 Eiderentenpaare nutzen das Watt der Nordsee als Brutgebiet. Die meisten davon brüten auf der Insel Amrum.

Gleichzeitig ist das Wattenmeer Rastgebiet für Brutvögel nordischer Länder, die sich hier die Fettreserven anfressen, die sie für eine erfolgreiche Brut benötigen. So finden sich im gesamten Wattenmeer etwa 10–12 Millionen Watvögel, Gänse, Enten und Möwen ein.

Auf den Sandbänken im Wattenmeer sind Seehunde und in kleinerer Anzahl Kegelrobben zu beobachten und an das Wattenmeer grenzen Salzwiesen, Sandstrände und Dünen. Die Seehundbestände brachen dabei zweimal durch Epidemien ein: 1988 starben etwa 60% aller Tier in Nord- und Ostsee, der Bestand hatte sich allerdings bis 1995 wieder erholt. 2002 schlug die Seehundstaupe zu und tötete 50% der Tiere. 2004 zählte das Nationalparkamt im Schleswig-Holsteinischen Teil des Wattenmeers 6.044 Tiere und kam so zu einer Schätzung von insgesamt 8.000 Tieren, davon ein hoher Jungtieranteil. Ebenfalls ist zu beobachten, dass sich seit mindestens 20 Jahren die Vorwurfsaison in den Frühling verschiebt: im Schnitt 0,8 Tage/Jahr. Die Gründe sind unbekannt, die Biologen vermuten aber einen Zusammenhang mit der Klimaerwärmung.[3]

Auf den Salzwiesen, die den Säbelschnäblern und Seeschwalben als Brutgebiet dienen, blüht im Sommer die Stranddistel und der Strandflieder. Typischste Pflanze der Dünen ist der Strandhafer, die mit ihrem ausgedehnten Wurzelwerken die Dünen befestigen.

Geschichte

Watt
Watt

Erste Forderungen, das Wattenmeer zu schützen, gab es seit den 1960er Jahren. 1963 erhob die Schutzstation Wattenmeer diese Forderung, ab 1969 auch der Landesjagdverband.

Der schleswig-holsteinische Nationalpark wurde unter heftigen politischen Kontroversen 1985 als dritter Nationalpark in Deutschland gegründet. 1986 zogen Niedersachsen und 1990 Hamburg nach. Das zugrunde liegende Gesetz wurde am 17. Dezember 1999 wesentlich geändert.

Seit 1990 haben die Nationalpark-Flächen zusätzlich den Status eines Biosphärenreservates, siehe Biosphärenreservat Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer.

Der Nationalpark wird seit Mai 1999 in Kooperation mit Naturschutzverbänden, im Bereich des Vogelschutzes insbesondere mit dem Verein Jordsand, von einem hauptamtlichen Nationalparkservice betreut, der ca. 20 festangestellte Mitarbeiter („Ranger“) beschäftigt. Gesellschafter des Nationalparkservice sind das Land Schleswig-Holstein (51 Prozent), die Kreise Dithmarschen und Nordfriesland, der WWF, NABU, Verein Jordsand, Schutzstation Wattenmeer und der Fachverband der Wattführer (Verein de Wattenlöpers).

Das Nationalparkamt selber hat 30 Mitarbeiter, zum Teil in Teilzeit und verfügt über einen Jahresetat von etwa 3 Millionen Euro.[4]

Menschliche Nutzung

Krabbenfischer Ende des 19. Jahrhunderts
Krabbenfischer Ende des 19. Jahrhunderts

Im Nationalpark leben zwei Menschen auf der Hallig Süderoog ganzjährig sowie drei Menschen zusätzlich im Sommer (einer auf Trischen, zwei auf Südfall). An den Nationalpark grenzen 70 Gemeinden mit etwa 290.000 Einwohnern.

Das Gebiet des Parks dient dem Tourismus, der Fischerei, der Erdölförderung (Ölfeld Mittelplate), dem Küstenschutz, der Beweidung, dem Schiffsverkehr, dem Flugverkehr, der Kies- und Sandentnahme, der Muschelzucht und wird militärisch genutzt.

Seit Einrichtung des Nationalparks wurden unter anderem die Planungen für ein Kernkraftwerk auf den Sandbänken vor der Hallig Hooge gestoppt, im militärischen Testgebiet der Meldorfer Bucht werden seitdem weder Bomben noch Napalm getestet, allerdings weiterhin testweise Raketen in den Nationalpark geschossen.[5] Diverse Eindeichungen fielen kleiner aus als geplant ebenso wie der Damm zwischen Pellworm und dem Festland nicht gebaut wurde.

Eingangsbereich des Multimar Wattforums
Eingangsbereich des Multimar Wattforums

Der Nationalpark soll unter anderem der Öffentlichkeitsarbeit dienen. Dazu sind neben zahlreichen Informationstafeln vor allem die Seehundstation in Friedrichskoog und das Multimar Wattforum in Tönning eingerichtet. Insgesamt kommen jährlich etwa sechs Millionen Urlauber und Ausflügler in das Gebiet,

Konfliktträchtig ist die Koexistenz von Nationalpark einerseits und Fischerei andererseits. Trocken fallende Bereiche des Wattenmeeres sind seit 1997 vollkommen für die Muschelfischerei gesperrt. Auf 2.200 Hektar werden noch Muscheln gefischt, allerdings werden keine Wildmuscheln mehr angelandet.

Seine größte Gefährdung erlebte der Park am 25. Oktober 1998 bei der Havarie des Frachtschiff Pallas vor Amrum, bei der 600 Tonnen Öl in die Nordsee liefen.

Der Park soll zum Weltnaturerbe der UNESCO erklärt werden, dies trifft vor Ort jedoch auf erhebliche Widerstände. Laut einer repräsentativen Befragung aus dem Jahr 2000 fühlen sich 15 Prozent der Einwohner Dithmarschens und Nordfrieslands durch die Existenz des Schutzgebietes persönlich eingeschränkt. Diese 15 Prozent bemängeln vor allem ihre eingeschränkte Bewegungsfreiheit, die Beschränkung der Fischerei und bemängeln „die Natur wird kaputt geschützt.“ Befragungen von Touristen im Gebiet ergeben aber ebenfalls, dass diese zum allergrößten Teil (70–90 Prozent) die Existenz des Schutzgebietes befürworten. Laut der Nationalparkbefragung von Katja Korff von 2003 erbringt der Nationalpark jährlich eine touristische Bruttowertschöpfung von 6,8 Millionen Euro und ist für 260.000 Übernachtungen im Jahr verantwortlich.[6]

Daten und Adresse der Nationalparkverwaltung

  • Größe: 441.000 ha = 4410 km²
  • Küstenlänge: 460 km
  • Gesamtfläche: 441.000 ha = 100 Prozent (davon Sublitoral: 300.000 ha)
  • Fläche Zone 1: 162.000 ha = 37 Prozent (davon Sublitoral: 64.000 ha)
  • Fläche der nutzungsfreien Zone (Teil der Zone 1): 12.500 ha = 3 Prozent (davon Sublitoral: 3500 ha)
  • Fläche Walschutzgebiet (Teil der Zone 2): 124.000 ha = 28 Prozent


Das Landesamt für den Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer hat, wie auch die NationalparkService gGmbH, seinen Sitz im Schloßgarten 1, 25832 Tönning.

Anmerkungen

  1. Petra Witez: "Abschlussbericht zum Forschungsvorhaben MTK 0608 (03 KIS 3160): Programme zur langfristigen Erhaltung des Wattenmeers - Prowatt", Hrsg. vom Bundesministerium für Bildung und Forschung Laboe 2002 S. 7-8
  2. Petra Witez: "Abschlussbericht zum Forschungsvorhaben MTK 0608 (03 KIS 3160): Programme zur langfristigen Erhaltung des Wattenmeers - Prowatt", Hrsg. vom Bundesministerium für Bildung und Forschung Laboe 2002 S. 18-19
  3. Nationalparkamt Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer (Hrsg.): "Jahresbericht 2003/2004 des Nationalparkamtes", Tönning 2005 S. 11-12
  4. Nationalparkamt Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer (Hrsg.): "Jahresbericht 2003/2004 des Nationalparkamtes", Tönning 2005 S. 21
  5. Nationalparkamt Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer (Hrsg.): "Jahresbericht 2003/2004 des Nationalparkamtes", Tönning 2005 S. 17
  6. Nationalparkamt Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer (Hrsg.): "Jahresbericht 2003/2004 des Nationalparkamtes", Tönning 2005 S. 8

Filmographie

  • Im Nationalpark Wattenmeer. Dokumentarfilm, 45 Min., Deutschland, 1998, von Jens-Uwe Heins und Michael Sutor, Produktion: Komplett-Media-GmbH, Grünwald (ISBN 3-89672-492-4), Kurzbeschreibung der ARD

Weblinks

Commons
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Quelle:
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