Eine Negation (v. lat.: negare = verneinen) bezeichnet die Ablehnung oder Verneinung. (Gegenteil: Affirmation).
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In der Ethik bedeutet Negation die Ablehnung eines moralischen Wertes.
In der Philosophie bedeutet Negation die Aufhebung von etwas durch etwas Entgegengesetztes. (Beispiel: der Tod als Negation des Lebens.) Durch die Negation entsteht eine andere Qualität. Durch die Negation der Negation entsteht wieder eine neue Qualität, die sich möglicherweise stark vom Ausgangszustand unterscheidet. Bei dieser Art der Negation spielt die Zeit eine große Rolle. Sie ist eine Darstellung jeder Entwicklung. Bei der Empfängnis wird der Tod negiert, Leben entsteht. Das Lebewesen entwickelt sich, wird geboren und stirbt endlich. Dabei ist aber nicht der Ausgangszustand wieder erreicht. In der Zwischenzeit hat das Lebewesen sich bewegt, gehandelt, eventuell Nachwuchs erzeugt, die Umwelt verändert und gegebenenfalls seine Gene weitergegeben.
In Hegels Dialektik ist die Negation ein Aspekt der kritischen Antithese. Dabei stellt sie auch eine der drei Bedeutungsaspekte des Begriffs Aufhebung dar. Negation ist die kritische Ablehnung eines positiven philosophischen Systems. Auf Hegel aufbauend postulierte Engels das Gesetz von der Negation der Negation.
Goethe lässt im Faust Mephisto sagen: „[Ich bin] ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft. [...] Ich bin der Geist, der stets verneint - und das mit Recht, denn alles, was entsteht, ist wert, daß es zu Grunde geht.“ (Faust I. Erster Teil, Studierzimmer.)
In der Allgemeinen Linguistik bedeutet Negation die Verneinung; sowie das Wort, das eine Verneinung ausdrückt, siehe auch: Doppelte Verneinung. Für die Negation kommt es auf den Inhalt der Aussage an. Sprachlich kann der Inhalt unterschiedlich realisiert werden (siehe auch Sprechakt.) Eine Negation wird nicht notwendigerweise durch das Wort „Nein“ bezeichnet. Die Oberflächenstruktur und die Tiefenstruktur der Negation können sich dabei unterscheiden. Die gleiche Aussage „Nein!“ kann sprachlich unterschiedlich ausgedrückt werden und hängt dabei von äußeren Bedingungen und vom Dialekt ab. So bedeutet „nein“ als Antwort auf die Frage „Du kommst heute wohl nicht mit?“ eine Bestätigung des Nichtmitkommens, also logisches Ja. Um ein logisches Nein auszudrücken, muss die Antwort „Doch!“ lauten. Im guten Stil wird grundsätzlich in einem ganzen Satz geantwortet: „Nein, ich komme nicht mit!“ oder „Doch, ich komme mit!“. „Ja, ich komme nicht mit!“ wird nur spitzfindig von Spaßvögeln angewendet. Das Gegenteil einer Negation, also eine bejahende Aussage, bezeichnet man als Affirmation.
In der formalen Logik bezeichnet die Negation eine logische Operation (siehe Junktor). In der klassischen Logik wird bei der Ausführung der Negation zu einer Aussage p eine Aussage mit entgegengesetztem Wahrheitswert gebildet, so dass dort Folgendes gilt:
wird sehr oft das Zeichen
verwendet. In der polnischen Notation wird die Negation durch den vorangestellten Großbuchstaben N ausgedrückt (z. B. Np), in den Existential Graphs von Charles S. Peirce wird eine Aussage verneint, indem sie von einem geschlossenen Linienzug umgeben wird.
), so ergibt sich der Wahrheitswert falsch, bei der Disjunktion (in Formelschreibweise
) der Wahrheitswert wahr.
(„Wenn p wahr ist, dann ist ein beliebiger Widerspruch wahr“) ist genau dann wahr, wenn p falsch ist, und genau dann falsch, wenn p wahr ist;
(lies: falsch oder falsum) per definitionem nicht herleitbar. Dann ist
nichts anders als die Herleitbarkeit von
.In einer dialogischen, intuitionistischen und in der mehrwertigen Logik hat die Negation „Effekte“.
Beispiel: Mehrwertige Logik mit den Wahrheitswerten: sicher, möglich, unmöglich
Schreibweise für die Negation:
oder ˜a!anot aSprechweise dafür:
In der Kunst gibt es verschiedene Aspekte der Negation. So wird eine Kunstrichtung durch eine andere abgelöst und damit negiert. Neue Methoden treten an die Stelle der alten. „L'art pour l'art“ verneinte die Zweckgebundenheit von Kunst.
Während vor der Erfindung der Fotografie lange Zeit eine detailgetreue realistische Darstellung das Ziel in der Malerei war, verlegte sich die Malerei danach auf abstrakte, impressionistische, expressionistische, kubistische und andere Darstellungen einer Wirklichkeit, die nicht von der Kamera gesehen wurde. Oftmals hatten diese Kunstrichtungen auch Programme, die vieles bisherige, dagewesene zurückwiesen.
Der Dadaismus verneinte die gesamte bis dahin gültige Kunst und verspottete sie. Im Dadaistischen Manifest heißt es: „Das Wort Dada symbolisiert das primitivste Verhältnis zur umgebenden Wirklichkeit, mit dem Dadaismus tritt eine neue Realität in ihre Rechte. Das Leben erscheint als ein simultanes Gewirr von Geräuschen, Farben und geistigen Rhythmen, das in die dadaistische Kunst unbeirrt mit allen sensationellen Schreien und Fiebern seiner verwegenen Alltagspsyche und in seiner gesamten brutalen Realität übernommen wird.“
Kunst versucht die Wirklichkeit zu beschreiben oder versucht, sie zu negieren, wie die situationistische Künstlerbewegung der 60er, die die Arbeit, den Kapitalismus und schließlich die Kunst selbst durch Überführung in den Alltag negieren, also aufheben wollte.
In Form der virtuellen Realität versucht sie, die Wirklichkeit zu ersetzen oder sich ihr anzunähern, Raum und Zeit zu überwinden. Auch Negativmaterial und Falschfarben negieren die gewohnte Welt im visuellen Bereich.
In der Musik spielen die Pause und die Stille - die Negation des Tones - eine große Rolle. Negation als Zerstörung: Jimi Hendrix zerfetzte musikalisch die amerikanische Nationalhymne und zündete seine Gitarre an. Die Punk-Bewegung negierte mit ihrer Rebellion alle Sitten und Werte der gutbürgerlichen Gesellschaft.
Im Fest und im Ritual ist der Alltag aufgehoben (negiert).