Die Neue Politische Ökonomie (NPÖ) (auch Public Choice), umfasst jene Theorien und Forschungsgebiete, die politisches Verhalten, Entscheidungsprozesse und Strukturen überwiegend auf Basis der neoklassischen Wirtschaftstheorie erklären. Betrachtet werden die politischen Akteure individuell und/oder innerhalb kollektiv handelnder Gruppen wie Wähler, Verwaltungen, Parteien und Interessenverbände.
Die Neue Politische Ökonomie gilt weitgehend als „positive“ Ökonomik. Im Gegensatz zur normativen Ökonomik orientieren sich die Theorien und Erklärungen der Neuen Politischen Ökonomie an der „Welt, wie sie ist (deskriptiv)“, nicht an der „Welt, wie sie sein sollte (normativ)“.
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Grundannahme der Neuen Politischen Ökonomie ist der Methodologische Individualismus mit dem Modell des rational handelnden, von Eigeninteressen geleiteten Homo oeconomicus, der seinen Nutzen maximieren will und dementsprechende Entscheidungen trifft. Im politischen Umfeld geht die Theorie davon aus, dass es im politischen Kräftefeld einen Kampf um Ämter gibt. Politische Entscheidungen werden hierbei als Nebenprodukt angesehen (→ Schumpeter). Sie werden von den Politikern so getroffen, dass sie die Anzahl der bei einer Wahl erhaltenen Stimmen maximieren können, damit ihre Wiederwahl sichern und ihre eigene Wohlfahrt maximieren.
Mit dem Public-Choice-Ansatz versuchen die Vertreter dieser Theorie, mit dem rationalen nutzenmaximierenden Handeln unter anderem Staatengründungen, Bildung von staatlichen Institutionen oder auch Wahlverhalten zu erklären.
Die Unterscheidung zwischen „positiver“ und „normativer“ Ökonomie ist normativ.
In der „Welt, wie sie ist (deskriptiv)“ ist „irrationales“ und gegen das Eigeninteresse gerichtetes Handeln beobachtbar. Wenn es nicht häufig ist, so ist es jedoch oft (dank immer effizienter werdender technischer Möglichkeiten auch für Individuen) sehr wirksam. Es positiv oder negativ zu bewerten ist normativ. Der Nutzen (die Eigenschaft, die für ein Verhalten in seiner Umgebung einen Selektionsvorteil darstellt) eines gegen das Eigeninteresse gerichteten Handelns ergibt sich hier aus der Verhaltensforschung (arbiträres Verhalten[1] zur Verminderung der Berechenbarkeit von Verhalten) und der experimentell verifizierten Spieltheorie (Diktator- und Ultimatum-Spiele[2]).
Die „Welt, wie sie ist (deskriptiv)“ beschreibt einen unendlich kurzen (oder - wenn auch die Zeit gequantelt ist - einen kürzestmöglichen) Zeitraum, in dem nicht praktisch gehandelt werden kann. Handeln dagegen ist immer auf die „Welt, wie sie sein sollte (normativ)“ gerichtet. Die Welt „wie sie ist“ ist nur deskriptiver Ausgangspunkt des normativen Weges. Handeln erfolgt nicht nur innerhalb von Spielregeln, sondern wirkt unvermeidlich auch bestätigend oder verändernd im Metaspiel[3] auf die Spielregeln. Handeln wirkt somit grundsätzlich normativ.
Wenn mit „Welt, wie sie ist (deskriptiv)“ tatsächlich „Welt, wie sie bleibt (konservativ)“ gemeint ist, dann ist auch das ein normativer Ansatz, den „bleiben“ in einer prinzipiell dynamisch veränderlichen Umwelt setzt erhaltendes Handeln voraus, das also gegen die Veränderung von Normen gerichtet ist.
Die „positive“ Ökonomie ist somit im Denken einer „normativen“ Ökonomie gefangen.
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