Nichtregierungsorganisation

Eine Nichtregierungsorganisation, oft auch nach der Abkürzung des englischen Begriffs Non-Governmental Organization als NGO bezeichnet, ist eine nicht gewinnorientierte Organisation, die nicht von staatlichen Stellen organisiert oder abhängig ist.

In Deutschland ist jede Organisation ohne Gewinnabsicht, bei Vereinen mit anerkannter Gemeinnützigkeit oder auch ohne, eine „nichtstaatliche Organisation“, darunter auch etwa Arbeitgeberverbände, Gewerkschaften, Sportvereine oder Interessenverbände.

Meist wird der Begriff aber auf den Bereich der Zivilgesellschaft bezogen, Nichtregierungsorganisationen sind damit oft in den Bereichen Sozialarbeit, Umweltschutz, Tierschutz, Bildung oder Menschenrechte aktiv. Häufig verfolgen sie auf ihren Gebieten andere Ziele als die staatliche Regierung oder Verwaltung. Nichtstaatliche Organisationen, die weltweit aktiv sind, werden als Internationale Nichtregierungsorganisationen bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Entstehung und Entwicklung

Nichtregierungsorganisationen hat es schon lange gegeben, bevor sie, in einer stark auf den Staat und die Nation ausgerichteten öffentlichen Meinung, als solche auffällig wurden. Ein Beispiel sind die bereits im 19. Jahrhundert in verschiedenen Ländern gegründeten nationalen Rotkreuz-Gesellschaften.

Die Zunahme der Bedeutung derartiger Organisationen in jüngerer Zeit wird häufig als eine Folge der Globalisierung beschrieben. Herkömmliche nationalstaatliche Institutionen der Interessenvermittlung scheinen an ihre Grenzen gelangt zu sein. Einige Politikwissenschaftler sprechen von einer neuen Form der Demokratie. Andererseits leiden nichtstaatliche Organisationen naturgemäß daran, dass ihnen eine demokratische Legitimation fehlt.

Aus der Politologie und Konfliktforschung kennt man Organisiertes Verbrechen, somit kriminelle nichtstaatliche Organisationen, die sich teils im Zusammenhang mit politischen Widerstandsbewegungen entwickeln und diese finanzieren.

Nach den teilweise gewaltsamen Protesten gegen die Globalisierungsbestrebungen von Politik und Wirtschaft in Seattle, Stockholm und Genua zeigen sich in immer stärkerem Maße die lösungsorientierten Ansätze der nichtstaatlichen Organisationen, die nach eigener Einschätzung regelmäßig beim Weltsozialforum zum Ausdruck kommen. Zwischen 50.000 und 100.000 Menschen aus aller Welt erarbeiten dort in 700 Workshops ihre Vorstellungen von einer besseren Weltordnung.

Begriff

Die deutsche Bezeichnung Nichtregierungsorganisation ist angelehnt an den englischen Ausdruck non-governmental organisation (NGO). Im Englischen werden auch verwandte Begriffe verwendet: independent sector, volunteer sector, civic society, grassroots organizations oder transnational social movement organizations, private voluntary organizations, self-help organizations, häufig auch non-state actors (NSAs). Letzterer Begriff ist allerdings weiter gefasst und umschließt neben NGOs auch transnationale Unternehmen (TNCs) und zum Beispiel kriminelle Vereinigungen. In der britischen Forschung wird NGO auch in Verbindung gebracht mit der global civil society, einer globalen Zivilgesellschaft, z.B. bei Mary Kaldor.

Im Deutschen wird teils auch vom Dritten Sektor gesprochen, der Begriff geht auf den US-amerikanischen Soziologen Amitai Etzioni zurück und setzte sich hier seit den 1970er Jahren durch.

Strukturen

Es zeichnet sich ab, dass Nichtregierungsorganisationen nur dann von internationalen Institutionen wie der UNO, der UNESCO, dem Europarat oder der EU-Kommission als solche anerkannt werden, wenn sie

  1. von Bürgern mit gleichen Interessen gegründet wurden, die sich für gemeinsam anerkannte Ziele zusammengeschlossen haben und damit den assoziierten kompetenten Bürger repräsentieren,
  2. demokratisch strukturiert sind und folglich ihre Vorstände wählen,
  3. bei aller für die Erreichung der Vereinsziele erforderlichen wirtschaftlichen Tätigkeit nicht gewinnorientiert arbeiten.

Viele Nichtregierungsorganisationen fordern von der Europäischen Kommission die Schaffung einer Rechtsform „Europäischer Verein“, um so eine der Europäischen Aktiengesellschaft ähnlichen gemeinschaftsweiten Rechtsfähigkeit zu schaffen.

Typen

Für die verschiedenen Formen von Nichtregierungsorganisationen haben sich teilweise eigene Fachbegriffe eingebürgert, darunter:

  • Internationale Nichtregierungsorganisation (englisch International non-gouvernemental organisation; INGO), z.B. amnesty international
  • Gewinnorientierte Nichtregierungsorganisation (engl. Business-oriented International Non-Government Organisation; BINGO)
  • Umweltpolitische Nichtregierungsorganisation (engl. environmental Non-Government Organisation; ENGO), z.B. Greenpeace
  • Regierungsgesteuerte Nichtregierungsorganisation (engl. government-organized Non-Government Organisation; GONGO oder engl. Governmentally Regulated and Initiated NGO; GRINGO) - solche Organisationen wurden von Regierungen initiiert, um sie als Nichtregierungsorganisation erscheinen zu lassen und von deren guten Ruf profitieren zu können.
  • Quasiautonome Nichtregierungsorganisation (engl. quasi-autonomous non-governmental organisation; QUANGO), z.B. die Normungsorganisation ISO
  • Spender-/Geberorganisierte Nichtregierungsorganisation (engl. Donor-Organized non-governmental organisation; DONGO)

Es existieren verschiedene Klassifikationssysteme für Nichtregierungsorganisationen. Das der Weltbank etwa unterscheidet zwischen operativen und beratenden Organisationen.[1].

Finanzierung

Größere Nichtregierungsorganisationen weisen mitunter Jahresbudgets von mehreren Millionen Euro auf. Der Haushalt der Human Rights Watch etwa umfasste 2003 21,7 Mio. US-Dollar. Haupteinnahmequellen sind neben den Mitgliedsbeiträgen vor allem auch Spenden, die Erlöse aus dem Verkauf von Waren und Dienstleistungen sowie staatliche Zuwendungen. Entgegen der Begriffsbedeutung hängen viele Nichtregierungsorganisationen in erheblichem Maße von staatlichen Mitteln ab. So wird etwa das 162 Mio. US-Dollar umfassende Budget der Hungerhilfe-Organisation Oxfam zu einem Viertel aus Mitteln des Vereinigten Königreichs sowie der Europäischen Union finanziert.

Literatur

  • Brunnengräber/ Klein / Walk (Hrsg.): NGOs im Prozess der Globalisierung. VS Verlag, Bonn 2005, ISBN 3-810-04092-4
  • Kuhn, Berthold: Entwicklungspolitik zwischen Markt und Staat. Möglichkeiten und Grenzen zivilgesellschaftlicher Organisationen, Frankfurt a.M., 2005, ISBN: 3-593-37742
  • Adama Sow: Chancen und Risiken von NGOs - Die Gewerkschaften in Guinea während der Unruhen 2007 - EPU Research Papers: Issue 03/07, Stadtschlaining 2007
  • Weltbürger und Lokalpatrioten, Eine Einführung in das Thema Nichtregierungsorganisationen, PD Dr. Volker Heins, Hrsg. Bayerische Landeszentrale für politische Bildung (Bestellnummer A110), 2001, München

Siehe auch

Weblinks

Quelle:
Artikel Nichtregierungsorganisation aus der freien Enzyklopädie Wikipedia mit dieser Versionsgeschichte
Lizenz:
Kategorien:
Bookmarks
delicious wong linkarena google
Sponsoren