Die Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen (kurz SUB Göttingen) ist die zentrale Universitätsbibliothek der Georg-August-Universität Göttingen. Sie ist eine der größten wissenschaftlichen Bibliotheken Deutschlands und nimmt in der Literaturversorgung überregionale Aufgaben wahr, aufgrund derer sie die zusätzliche Bezeichnung Staatsbibliothek erhielt.
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Die Bibliothek gilt als die erste wissenschaftliche Bibliothek: Seit ihrer Gründung 1734 begann sie einem bis dahin einmaligen, für die Bibliotheksgeschichte bedeutetenden Konzept zu folgen: Die Bestände waren anders als bisher für den Gebrauch bestimmt (bisher waren Bibliotheken eher Bücherschausammlungen), die einzelnen Titel wurden nicht nach dem Kriterium des Schauwertes erworben, sondern nach deren Inhalt, und es wurde ein regelmäßiger Erwerbungsetat festgeschrieben.
Die Bibliothek wurde 1734, einige Jahre früher als die Universität 1737 gegründet. Der rührige Kurator Gerlach Adolph Freiherr von Münchhausen konnte Johann Matthias Gesner als ersten Direktor gewinnen und die umfangreiche Privatbibliothek von Joachim Hinrich von Bülow als Grundstock einwerben (unter der Bedingung dass die Göttinger Universitätsbibliothek dauerhaft den Namen Bibliotheca Buloviana tragen solle, was heute offenbar nicht mehr der Fall ist). Durch ihren planmäßigen Bestandsaufbau galt sie schnell als die bedeutendste Bibliothek Deutschlands und Prototyp einer modernen Universitätsbibliothek. Die Bestände wurden durch ein umfangreiches Katalogsystem erschlossen. Langjähriger Leiter (von 1763 bis 1812) war Christian Gottlob Heyne, zugleich Professor für klassische Philologie.
Im 19. Jahrhundert stagnierte die Entwicklung der Bibliothek aufgrund des unzureichenden Etats. Berühmteste Bibliothekare dieser Epoche waren von 1830 bis 1837 die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm.
1866 in die Trägerschaft Preußens übergegangen, wurde die Bibliothek seit Ende des 19. Jahrhunderts in das sich entwickelnde System der überregionalen Literaturversorgung (verteilter Bestandsaufbau, Preußischer, später Deutscher, Gesamtkatalog, Fernleihe) aufgenommen.
Seit den 1920er Jahren übernahm die Bibliothek zahlreiche Sondersammelgebiete, insbesondere den angloamerikanischen Kulturraum und die Naturwissenschaften, zu denen später noch weitere Fächer kamen. Im Rahmen der Sammlung Deutscher Drucke sammelt die SUB Publikationen des 18. Jahrhunderts.
Die Bibliothek verfügt derzeit über einen Bestand von etwa 4,5 Millionen Bänden, darunter 564.000 Bände Altbestand vor 1900 (Stand 1996), ferner etwa 13.000 Handschriften und 350 Nachlässe.
Das ursprüngliche Bibliotheksgebäude entstand seit dem 18. Jahrhundert durch An- und Ausbauten des ehemaligen Dominikanerklosters (Paulinerklosters). 1992 wurde ein Neubau auf dem Campus der Universität eingeweiht. Das historische Gebäude beherbergt seitdem die Sondersammlungen und den Altbestand, die Paulinerkirche wird für Ausstellungen und Veranstaltungen genutzt. Außerdem gibt es mehrere Bereichsbibliotheken (für Chemie, Physik, Forstwissenschaften und Medizin).
Die SUB Göttingen ist auch Bibliothek der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. Sie unterhält den Niedersächsischen Zentralkatalog und das Göttinger Digitalisierungszentrum. Ferner ist die Verbundzentrale des Gemeinsamen Bibliotheksverbundes (GBV) im Gebäude der Bibliothek untergebracht. Die SUB bietet zahlreiche Online-Dienstleistungen an, beispielsweise die Virtuelle Fachbibliothek Anglo-Amerikanischer Kulturraum, und ist an der Entwicklung neuer Angebote wie der Virtuellen Fachbibliothek Bibliotheks-, Buch- und Informationswissenschaften, Vascoda oder DigiZeitschriften maßgeblich beteiligt. Die SUB Göttingen betreibt zudem einen eigenen Universitätsverlag, der seit seiner Gründung im Jahre 2003 stetig expandiert und sich dem Open Access-Prinzip verpflichtet fühlt.
2002 wurde die SUB Göttingen als Bibliothek des Jahres ausgezeichnet.
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