Northrop P-61

Die Northrop P-61 Black Widow („Schwarze Witwe“) war das erste Kampfflugzeug der USAAF, das eigens für die Nachtjagd entwickelt wurde. Der Flugzeugrumpf befand sich zwischen den beiden Motorgondeln, an denen die Leitwerke angebracht waren, ein Design ähnlich dem der Lockheed P-38 Lightning. Die P-61 fand nicht nur Verwendung als Jagdflugzeug, da sie imstande war bis zu vier 726-kg-Bomben oder vier 12,7-cm-HVAR-Raketen mitzuführen. Trotz guter Flugeigenschaften und vergleichsweise hoher Abschußzahlen wurden nur 742 Flugzeuge (einschließlich der F-15 Reporter) produziert, da der Zweite Weltkrieg beinahe zu Ende war und die Propellermaschinen nach und nach durch Düsenflugzeuge ersetzt werden sollten.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

P-61 in olivgrünem Tarnanstrich
P-61 in olivgrünem Tarnanstrich

Im Jahre 1940, noch vor Kriegseintritt der USA, erkannte man im US Army Air Corps den Bedarf an einem Nachtjäger. Die Stärke der deutschen Nachtangriffe in Großbritannien im Verhältnis zur dortigen Nachtabwehr war mit Sorge beobachtet worden, und so wurde am 21. Oktober 1940 eine Ausschreibung mit den Anforderungen an einen Nachtjäger ausgestellt.

Am 10. März 1941 vergab das Material Command einen Auftrag über zwei Versuchsmuster (XP-61) an Northrop, nur kurze Zeit später wurden 13 Prototypen (YP-61) geordert und am 1. September 1941 folgte ein Auftrag über 150 Serienmaschinen (P-61 A). Diese Bestellungen erfolgten noch vor dem Jungfernflug der XP-61 im Mai 1942; man erwartete offenbar viel von diesem Typ. Die ersten 37 Maschinen der Serie P-61 A hatten noch eine Kanonenkuppel auf dem Rumpfrücken, der aber zu starker Instabilität im Bereich der Leitwerke führte und bei den folgenden Maschinen weggelassen wurde.

Eine P-61 A (Serien-Nr. 42-5496) ging zur Erprobung an die Royal Air Force, wurde aber dort für ungeeignet befunden. Es folgten die P-61 B und die P-61 C. Das C-Modell war eine Hochgeschwindigkeitversion mit leistungsstärkeren Motoren und galt als vielversprechendste Ausführung, kam aber erst zu Kriegsende zur Truppe (Juli 1945). Daher wurden alle Aufträge storniert, 13 Maschinen wurden sogar direkt nach Fertigstellung verschrottet. Bis dahin waren den P-61-Piloten 9 bestätigte und einige weitere unbestätigte V1-Abschüsse gelungen.

P-61-Staffel
P-61-Staffel

Aber es wurden auch nach Kriegsende noch Versuche angestellt, einen Verwendungszweck für die P-61 zu finden. So wurden Erprobungen mit den bereits im März 1945 fertiggestellten XP-61 E fortgesetzt. Diese Versuchsflugzeuge waren weiter leistungsgesteigerte Langstrecken-Tagjäger, konzipiert als Begleitjäger für die B-29 Superfortress. Auf Basis dieser XP-61 E entstand auch eine Aufklärungsversion mit der neuen Bezeichnung XF-15, bzw. XF-15 A für eine Maschine auf Basis einer P-61 C. Bereits im Juni 1945 hatte die USAAF einen Auftrag über 175 Maschinen erteilt, am 3. Juli 1945 war der Erstflug und im September 1946 wurde die erste F-15 Reporter ausgeliefert.

In Zusammenarbeit mit dem U.S. Weather Bureau (Vorgängerorganisation der heutigen National Oceanic and Atmospheric Administration) wurden im Rahmen des „Thunderstorm-Projects“ ab 1946 verschiedene P-61 und F-15 zu Zwecken der Wetterforschung eingesetzt. Aber auch die Geschichte der Reporter endete mit der vorzeitigen Stornierung der Aufträge im Jahr 1947. Bis 1952 waren alle P-61 und die 36 Exemplare der F-15 (welche mittlerweile als RF-61C bezeichnet wurde) ausgemustert worden, an die Stelle des geplanten Langstrecken-Begleitjägers war bereits 1948 die North American F-82 Twin Mustang getreten.

Technische Daten P-61 B

Radareinrichtung der P-61
Radareinrichtung der P-61
Kenngröße Daten
Hersteller Northrop
Spannweite 20,11 m
Länge 15,09 m
Höhe 4,47 m
Leergewicht 12.247 kg
Startgewicht 17.237 kg
Besatzung 3
Höchstgeschwindigkeit 585 km/h
Dienstgipfelhöhe 10.640 m
Reichweite 4.820 km
Triebwerke Zwei Pratt & Whitney R-2800-65
Double Wasp 18-Zylinder-Sternmotoren
mit je 1.510kW (2.026 PS)
Bewaffnung Vier 20-mm-Maschinenkanonen nach vorn,
vier 12,7-mm-MGs nach hinten
und bis zu 2.904 kg Bombenlast

Literatur

Gerhard Siem: Militärmaschinen der Welt. 1. Auflage. GeraMond Verlag, München 2001 ISBN 3-932785-85-1

Weblinks

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Quelle:
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