| Hohes Wäldchen | |
|---|---|
| Höhe | 378 m |
| Lage | Nordrhein-Westfalen, Deutschland |
| Geographische Lage | 50° 49' 55" N, 7° 32' 12" O |
| Besonderheiten | höchste Erhebung des Nutscheid |
Der Nutscheid, gelegentlich auch als die Nutscheid bezeichnet, ist ein Höhenzug zwischen den Flüssen Sieg im Süden und Bröl bzw. Waldbrölbach im Norden. Sein westlichster Punkt liegt beim Rennenberg am Zusammenfluss von Bröl und Derenbach, im Osten ist er in etwa begrenzt durch die Linie Waldbröl/Schladern. Er stellt den Kernbereich des größten zusammenhängenden Waldgebietes im Bergischen Land dar und ist mit 1500 Hektar Fläche eines der größten Forstgebiete dieser Gegend.
Der Nutscheid wird bereits in der Mercator-Karte von 1575 als „Notscheid“ aufgeführt, die Karte des Siegburger Vergleichs bezeichnet ihn 1604 als „Noitscheid“. Die Herkunft des Namens ist indes ungewiss. Ist der Wortbestandteil „Scheid“ noch eindeutig als ein bewaldeter Bergrücken zu bestimmen, mag die Silbe „Not“ sich auf den Begriff Not beziehen; denkbar ist aber auch eine Herleitung aus der Himmelsrichtung Norden oder vom indogermanischen Wort neth für sich neigen.
Wie der Volksmund behauptet, führte bereits zur Zeiten der Römer im Rheinland ein Handelsweg von Köln über Siegburg durch den Nutscheid weiter ins Siegerland: die „Römerstraße“. Dies ist allerdings nicht richtig: Erst im Mittelalter erlangte die über die Höhen führende „Nötscheider Straß, so nach Bonn führet“ (Mercator-Karte von 1644) überregionale Bedeutung, bis sich der Verkehr im 19. Jahrhundert in die inzwischen weitgehend trockengelegten und durch Straßen und Eisenbahnen erschlossenen Täler verlagerte.
Der Nutscheid war und ist Grenzland. Bis 1604 verlief über seinen Kamm die Grenze zwischen dem Herzogtum Berg und der Herrschaft Homburg, was heute noch in sprachlichen und konfessionellen Unterschieden nachvollziehbar ist. Zahlreiche Überreste von Landwehren zeugen von diesen unruhigen Zeiten. Seit 1932 stoßen hier Oberbergischer und Siegkreis (heute: Rhein-Sieg-Kreis) aufeinander.
Neben der wirtschaftlichen Nutzung des Waldes wurden seit dem Mittelalter Erze abgebaut und an den Bächen des Nutscheids, unter Verwendung von in den Wäldern gewonnener Holzkohle, verhüttet - hauptsächlich zu Blei und Kupfer. Es wurden an die 15 Verhüttungsplätze und zwei Rennfeueranlagen festgestellt. Der Schwerpunkt des Bergbaus in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts lag in der Umgebung von Merten.
Als Windecker Hochgericht wurde der Galgenberg (356,1 m ü. NN) im Nutscheid bis ins 19. Jahrhundert genutzt. Durch seine Platzierung direkt an der damals stark frequentierten Überlandstraße sollte fremdes und zwielichtiges Volk abgeschreckt werden. Der Galgenplatz „Windecks Gericht“ ist heute noch ein Ausflugsziel für Wanderungen und geschichtlich Interessierte. Nur rund 250 m östlich davon stehen drei mehrere hundert Jahre alte Eichen.
Gegen Ende des zweiten Weltkriegs befanden sich Abschussrampen für V1-Raketen im Nutscheid. Ihre Standorte waren Hatterscheid, Kuchem, Wingenbach (alle Ruppichteroth) und Eitorf-Rankenhohn. Von dort wurde vom 11. oder 12. Februar bis zum 18. März 1945 Antwerpen beschossen.[1] Nach Kriegsende wurden die Anlagen von britischen Truppen zerstört. 2006 wurden die Reste (Bodenplatten und Wasserbecken) unter Denkmalschutz gestellt.[2]
Während des kalten Krieges waren Patriot-Raketen im Nutscheid stationiert, die jedoch nach der Auflösung des Konfliktes wieder abgezogen wurden. Die ehemals amerikanische Militärbasis im Wald mit hohem Observationsturm ist jedoch heute noch vorhanden. Die Stadt Waldbröl, zu deren Gemeindegebiet das Gelände gehört, berät seit dem Jahr 2006 über die zukünftige Nutzung.
Die höchste Erhebung des Nutscheids ist das Hohe Wäldchen mit einer Höhe von 378 m.