Oświęcim

Oświęcim
Wappen von Oświęcim
Oświęcim auf der Karte von Polen
Oświęcim
Oświęcim
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Kleinpolen
Landkreis: Oświęcim
Fläche: 30,3 km²
Geographische Lage: 50° 03' N, 19° 14' O
Einwohner: 41.287 (30. Juni 2005)
Postleitzahl: 32-600 bis 32-610
Telefonvorwahl: (+48) 33
Kfz-Kennzeichen: KOS
Wirtschaft & Verkehr
Straße: TychyZator
Nächster int. Flughafen: Krakau-Balice
Gemeinde
Gemeindeart: Stadtgemeinde
Verwaltung (Stand: 2007)
Stadtpräsident: Janusz Marszałek
Adresse: ul. Zaborska 2
32-600 Oświęcim
Webpräsenz: www.um.oswiecim.pl

Oświęcim [ɔˈɕfʲɛɲtɕim]     Aussprache ?/i (deutsch Auschwitz) ist eine am Fluss Sola gelegene polnische Stadt in der Woiwodschaft Kleinpolen im südlichen Teil des Landes, rund 50 Kilometer westlich der Wojewodschaftshauptstadt Krakau.

Bekannt geworden ist die Stadt als Standort des größten Komplexes von Konzentrationslagern zur Zeit des Nationalsozialismus, insbesondere des KZ Auschwitz II (Auschwitz-Birkenau).

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Herzogtum Oppeln, Auschwitz

Im Jahr 1179 fand Oświęcim erste urkundliche Erwähnung, als es aus der Krakauer Seniorenprovinz herausgelöst und dem Herzogtum Oppeln zugeschlagen wurde und lag an der Nahtstelle zwischen Slawen und Deutschen. 1272 wurden dem Ort die Stadtrechte verliehen. Ende des 13. Jahrhunderts ließen sich Deutsche erstmals in der Gegend um Oświęcim nieder. Im Laufe der Geschichte lebten hier Deutsche und Polen friedlich zusammen. Der Name ist vom altpolnischen „święty“ abgeleitet, das soviel wie „Heiliger“ bedeutet, was auf die frühe Christianisierung hindeutet.

Die Stadt am Zusammenfluss von Weichsel und Soła wurde bald zu einem Handelszentrum, war Gerichtssitz und Hauptstadt des Herzogtums, das deren Namen trug. Im Laufe der Jahrhunderte wechselte Oświęcim seine politische Zugehörigeit: Die den westlichen Teil Galiziens bildenden die Herzogtümer Auschwitz und Zator kamen 1327 durch Herzog Johann von Auschwitz in ein Vasallenverhältnis zum Königreich Böhmen. 1348 wurde es dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation einverleibt und Deutsch setzte sich als Amtssprache durch. Nach der ersten Agrarkrise des Mittelalters geriet die deutsche Siedlungsbewegung Mitte des 14. Jahrhunderts ins Stocken und die Hussitenkriege beendeten die Ostkolonisation und unter böhmischer Herrschaft – später ging die Gegend wieder an die Herzöge von Teschen und Großglogau – wurde Tschechisch die Amtssprache.

Im 14. Jahrhundert setzte eine Landflucht ein, die viele Bewohner des Ortes in andere Gebiete zog. Das Interesse der Deutschen am Ort schwand und 1457 kaufte der polnische König Kasimir IV. für 50.000 Silbermark die Rechte am Ort, der anschließend der Woiwodschaft Krakau angegliedert wurde. Bereits im 15. Jahrhundert stellten Juden, die von den polnischen Königen zur Ansiedlung eingeladen worden waren, die Bevölkerungsmehrheit.

Königreich Galizien und Lodomerien, Kongress, bis 1918

1655 wurde Oświęcim von schwedischen Truppen verwüstet. Bis zu den Teilungen Polens am Ende des 18. Jahrhunderts hatte der Ort seine frühere Bedeutung völlig verloren. Er kam 1772 zu Österreich – Deutsch wurde wieder Amtssprache – und lag bald auch an der Grenze zu Preußen und Russland. Die Stadt hieß Auschwitz und war Teil im neuen Königreich Galizien und Lodomerien des habsburgischen Kaiserreichs. Der österreichische Kaiser Franz II. bestätigte 1793 alle bisher verliehenen Privilegien und erweiterte es auf bis zu 12 Jahrmärkte im Lauf eines Jahres. Darüberhinaus verlieh er der Stadt den Titel einer Munizipalgemeinde sowie ein neues Wappen.

Auf dem Wiener Kongress wurde die Gegend 1818 zum Deutschen Bund geschlagen, wo sie dann lange Zeit Bestandteil von Schlesien war. Während des Preußisch-Österreichischen Krieges erfolgte am 27. Juni 1866 ein Angriff der Preußen auf Auschwitz, der jedoch zurückgeschlagen wurde. Bis 1918 führte der Kaiser von Österreich auch den Titel eines „Herzogs von Auschwitz“.

1918 bis 1939

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Oświęcim wieder polnisch. Bereits 1918 organisierte die „Polnische Liquidationskommission“ in Krakau die Übernahme der Zivilverwaltung. Bis 1932 war Oświęcim Verwaltungssitz eines polnischen Landkreises.

Zeit des Nationalsozialismus

Die Nationalsozialisten stellten ihre Leitidee, den „Lebensraum im Osten“ zu erweitern, auf diese mittelalterliche „Ostkolonisation“ ab. Die Teilung Oberschlesiens im Jahr 1921 durch den Völkerbund trotz gegenteiliger Volksabstimmung galt als Vorwand für die „Wiedergewinnung ostdeutscher Ländereien“, welche die Deutschen unter dem Namen Ostoberschlesien zusammenfassten. (Steinbacher, 2004 und Frei, 2000)

Gemeindeumgliederungen 1940, 1943

Nach der deutschen Besetzung wurde die Stadt zum 30. November 1940 Verwaltungsmittelpunkt des neuen gleichnamigen Amtsbezirks (mit der deutschsprachigen Bezeichnung). Dieser bestand aus der Stadt Auschwitz und den umliegenden Gemeinden Babitz, Birkenau, Broschkowitz, Dwory, Klutschnikowitz, Monowitz, Poremba-Wielka, Stara-Stawy, Wlocienitz und Zaborz-Ost. Auschwitz war der Sitz des deutschen Amtskommissars. Auschwitz bildete im westlichen Teil des neuen Landkreises Bielitz einen Teil des neuen Regierungsbezirkes Kattowitz in der preußischen Provinz Schlesien, ab dem 18. Januar 1941 – nach der Teilung Schlesiens – der Provinz Oberschlesien.

Mit der Einführung der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 galt in Auschwitz ab 1. April 1943 das Führerprinzip auf Gemeindeebene. Die Stadt gehörte nun nicht mehr einem Amtsbezirk an, sondern war bis Kriegsende einem deutschen Bürgermeister unterstellt.

Konzentrationslager

Auschwitz wurde zum Standort des größten Komplexes von Konzentrationslagern im Deutschen Reich und den besetzten Gebieten. Dazu zählten:

  • Auschwitz I (Stammlager ab 1941), das ursprüngliche Konzentrations- und Gefangenenlager und Verwaltungszentrum des gesamten Lagerkomplexes. Hier wurden ungefähr 70.000 Menschen, meist polnische Bürger und sowjetische Kriegsgefangene, umgebracht.
  • Auschwitz II (Birkenau), ein Vernichtungslager. Die allgemeine Zahl der Opfer von Auschwitz in den Jahren 1940–1945 wird auf 1,1 bis 1,5 Millionen Menschen geschätzt. Die Mehrheit von ihnen, vor allem die Opfer der Massentransporte des Holocaust, die ab 1942 aus fast ganz Europa hierher deportiert wurden, kamen in Gaskammern um.
  • Auschwitz III (Monowitz), ein Arbeitslager.

Nachkriegszeit

Der einzige jüdische Heimkehrer starb 2000 und wurde auf dem örtlichen jüdischen Friedhof beigesetzt. Es gibt derzeit keine dort ansässige jüdische Bevölkerung. Im September 1945 lebten zwar wieder etwa 190 Juden in Oświęcim, die aber fast alle in kürzester Zeit emigrierten. Die einzig erhaltene Synagoge in der Stadt wurde rekonstruiert, nachdem das Gebäude 1977 verstaatlicht und als Teppichlager genutzt wurde. Das Gebäude der erst 1928 eröffneten Chevra Lomdei Mishnayot-Synagoge wurde zur Zeit des Krieges als Waffen- und Munitionslager genutzt, wodurch zumindest das Gebäude als einziges die Zeit überdauerte und nicht wie bspw. die Große Synagoge am 20. September 1939 niedergebrannt. Am 12. September 2000 wurde die kleine Synagoge schließlich als vollständige Synagoge wiedereröffnet.

Die durch das KZ Auschwitz aufgebauten Buna-Werke wurden vom polnischen Staat übernommen und als Chemiewerke Oświęcim (heute: Dwory S.A.) zum größten Arbeitgeber des Ortes. Die einseitige wirtschaftliche Ausrichtung auf diesen Großbetrieb brachte der Stadt nach 1990 wirtschaftliche Probleme. Seither werden die Bereiche Handel und Dienstleistungen stark ausgebaut.

Der Powiat Oświęcimski wurde 1948 wieder eingerichtet. Zwischen 1975 und 1999 gehörte die Stadt zur Woiwodschaft Bielsko-Biała.

Stadtgliederung

Die Stadt Oświęcim gliedert sich in die Stadtteile Błonie, Domki Szeregowe, Dwory-Kruki, Monowice (Monowitz), Pod Borem, Północ, Południe, Stare Miasto (Altstadt), Stare Stawy (Stara Stawy), Wschód, Zachód, Zasole

Museen

Bekanntestes Museum Oświęcims ist das Staatliche Museum Auschwitz-Birkenau auf dem Gelände der ehemaligen Konzentrationslager. Es wurde von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Im Stadtzentrum befindet sich auch das jüdische Zentrum (Auschwitz Jewish Center), welches 2000 eröffnet wurde und das reichhaltige jüdische Leben der Stadt vor dem Einmarsch der Nazis beleuchtet. Es beinhaltet neben der Rekonstruktion der kleinen Synagoge eine Ausstellung über Oświęcim vor dem Zweiten Weltkrieg.

Es gibt in Oświęcim auch ein städtisches Museum, das in bescheidenem Rahmen über die Geschichte der Stadt und das frühere Leben ihrer Einwohner informiert.

Sport

Das Eishockey-Team von Unia Oświęcim wurde bereits mehrfach polnischer Meister. Der Schwimmer Paweł Korzeniowski aus Auschwitz wurde bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen Vierter über 200 m Schmetterling.

Partnerstädte

  • Kerpen, Deutschland
  • La Confluence, Frankreich
  • Sambir, Ukraine

Söhne und Töchter der Stadt

Landgemeinde

Die Landgemeinde (gmina wiejska) Oświęcim umfasst ein Gebiet von 74,47 km² mit 16.598 Einwohnern (30. Juni 2005). Sie gliedert sich in die Schulzenämter:

  • Babice (Babitz), 1.582 Einwohner
  • Broszkowice (Broschkowitz), 563 Einwohner
  • Brzezinka (Birkenau), 2.195 Einwohner
  • Dwory II, 342 Einwohner
  • Grojec, 2.798 Einwohner
  • Harmęże (Harmense), 572 Einwohner
  • Osada Stawy Grojeckie
  • Łazy, 396 Einwohner
  • Pławy, 330 Einwohner
  • Poręba Wielka (Poremba Wielka), 1.764 Einwohner
  • Rajsko, 1.300 Einwohner
  • Stawy Monowskie, 319 Einwohner
  • Włosienica (Wlocienitz), 1.440 Einwohner
  • Zaborze (Zaborz), 2.257 Einwohner

Literatur

  • Lucyna Filip, Juden in Oswiecim 1918-1941. Verlag Scientia, 2005. Originaltitel „Zydzi w Oswiêcimiu 1918-1941“ - 2003. (auch zahlreiche alte Fotografien)
  • Sybille Steinbacher: Auschwitz. Geschichte und Nachgeschichte. C.H. Beck Verl., München. 2004. 128 Seiten. 3-406-50833-2.
  • Sybille Steinbacher: „Musterstadt“ Auschwitz. Germanisierungspolitik und Judenmord in Ostoberschlesien. Bd. 2 der Darstellungen und Quellen zur Geschichte von Auschwitz vom Institut für Zeitgeschichte. K. G. Saur Verlag, München. 2000. 419 Seiten. 3-598-24031-7.

Weblinks

Quelle:
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