Orenthal James Simpson (* 9. Juli 1947 in San Francisco, Kalifornien) ist ein US-amerikanischer American-Football-Star und Schauspieler. Weltweit bekannt wurde er außerdem für einen gegen ihn angestrengten Mordprozess, betreffend seine Ex-Frau und deren Liebhaber. Trotz erdrückender Beweise wurde er dabei freigesprochen.
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O.J. Simpson war in den siebziger Jahren einer der besten Runningbacks – sowohl im College als auch später bei den Profis in der National Football League.
Seine Collegezeit verbrachte er an der University of Southern California (USC) und gewann dort 1968 die Heisman Trophy – die höchste Auszeichnung im College American Football.
1969 war O.J. Simpson dann der erste Spieler, der in der Draft – von den Buffalo Bills – gewählt wurde. 1973 durchbrach er als erster Spieler der National Football League die 2.000 Yards Marke. Bei den Bills spielte er fast seine gesamte Profizeit über. 1978 ging er noch für eine Saison zu den San Francisco 49ers, bevor er seine Karriere beendete.
Im Jahre 1985 wurde O.J. Simpson der erste Heisman-Trophy Gewinner, der auch in die Pro Football Hall of Fame gewählt wurde. O.J. Simpson ist bis heute NFL-Rekordhalter mit sechs Spielen, in denen er über 200 Yards erlief.
Simpson ist der Sohn von Eunice Durden Simpson (23. Oktober 1921 - 9. November 2001) und James „Jimmy“ Lee Simpson (28. Januar 1920 – 9. Juni 1986). Seine Eltern ließen sich 1952 scheiden. Simpson hat einen Bruder, Melvin Leon „Truman“ Simpson, und zwei Schwestern, Shirley Simpson-Baker und Carmelita Simpson-Durio.
Am 24. Juni 1967 heiratete Simpson Marguerite L. Whitley. Sie haben 3 gemeinsame Kinder: Arnelle L. Simpson (geb. 4. Dezember 1968), Jason L. Simpson (geb. 21. April 1970) und Aaren Lashone Simpson (geb. 24. September 1977). 1979 ertrank Aaren einen Monat vor seinem 2. Geburtstag im Pool der Familie. Im selben Jahr ließen sich Simpson und Marguerite scheiden.
Am 2. Februar 1985 heiratete Simpson Nicole Brown. Die beiden hatten 2 Kinder, Sydney Brooke Simpson (geb. 17. Oktober 1985) und Justin Ryan Simpson (geb. 6. August 1988). Die Ehe wurde 1992 geschieden.
Nach seiner Karriere als Sportler wurde er durch einige Filmrollen, u. a. Die nackte Kanone mit Leslie Nielsen, auch über die Grenzen Amerikas hinaus bekannt.
Im Jahre 1994 wurde er wegen Mordes an seiner Ex-Frau Nicole Brown Simpson, von der er 1992 geschieden worden war, und ihrem Liebhaber Ronald Goldman angeklagt. Als klar wurde, dass O.J. Simpson Hauptverdächtiger sein würde, flüchtete er in einem Geländewagen vor der Polizei, die ihn festnehmen wollte. Die Verfolgungsjagd quer durch Beverly Hills wurde live von einem US-amerikanischen Fernsehsender übertragen. Das Spektakuläre daran war, dass 1994 die Endspielserie der National Basketball Association stattfand, und dass sich diese Verfolgungsjagd zur Zeit der Live-Übertragung des Finales ereignete, und der Sender trotz des völlig offenen Ausgangs der Meisterschaft zur Verfolgungsjagd umblendete.
In einem spektakulären Prozess, der live vom amerikanischen Fernsehen übertragen wurde, sprachen ihn die Geschworenen überraschend frei. Der Prozess stand unter erheblichem öffentlichem und medialem Druck, da er innerhalb der „schwarzen“ Communitys zum rassistischen Schauprozess gegen einen Amerikaner afrikanischer Herkunft stilisiert worden war. Es kam zu Demonstrationen und sogar zu Plünderungen. Vor diesem Hintergrund gelang es Simpsons Anwalt, verschiedene einseitig ermittelte Fakten als eine Art Verschwörung gegen seinen Mandanten darzustellen, was er insbesondere mit einigen rassistische Äußerungen des Hauptermittlers belegte. Entscheidender Auslöser für den Freispruch dürfte sodann ein blutiger Handschuh gewesen sein, der von den ermittelnden Polizeibehörden als Täterkleidung benannt wurde, Simpson aber bei der Anprobe im Gerichtssaal nicht passte.
Weltweit sind sich Rechtsexperten gleichwohl einig, dass die Indizienlage (DNA-Analysen) keinen Raum für vernünftige Zweifel an der Täterschaft Simpsons lässt[1]. Unstreitig ist, dass jedenfalls in der Praxis ein weniger prominenter Täter in den USA mit großer Sicherheit verurteilt worden wäre. Das Blut an dem in Simpsons Garten gefundenen Handschuh stammte laut Gutachten mit einer Wahrscheinlichkeit von 41 Milliarden zu 1 vom Ermordeten Ron Goldmann, dem Liebhaber von Frau Simpson. Auf Socken, die man in Simpsons Schlafzimmer fand, wurden Blutspuren entdeckt, die mit einer Wahrscheinlichkeit von 21 Milliarden zu 1 von der getöteten Ex-Frau selbst stammten. Umgekehrt fand man auf dem Grundstück der Ermordeten Blutspuren, die mit einer Wahrscheinlichkeit von 170 Millionen zu 1 O.J.Simpson zuzuordnen sind. Selbst wenn eine Gruppe rassistischer Ermittler mit voller Absicht versucht hätte, das Beweismaterial zu Lasten Simpsons zu fälschen, wäre es ihnen sehr schwergefallen, entsprechende Blutproben dieser drei Personen zu beschaffen und entsprechend unauffällig zu platzieren.
An dem Freispruch für Simpson entzündet sich deshalb regelmäßig Kritik hinsichtlich des amerikanischen Justizsystems: Staatsanwalt und Verteidiger wetteifern dort um die Gunst von Geschworenen, die als Laienrichter über die Schuld des Täters entscheiden. Diesen, so die Kritiker, fehlen häufig Kenntnisse und Erfahrungen im Zusammenhang mit Wahrscheinlichkeitsrechnung, Zuverlässigkeit von Zeugenaussagen und anderen für die Beweisfindung vor Gericht wesentlichen Faktoren. Nicht selten seien daher die Protagonisten bemüht, die Geschworenen auf emotionaler statt auf sachlicher Ebene zu erreichen, und setzten bewusst darauf, dass sie die sachlichen Indizien nicht richtig verstehen.
Im Simpson-Prozess waren die gefundenen DNA-Spuren das entscheidende Beweismittel. Deren Darstellung und Analyse im Prozess war jedoch eine trockene, für die Geschworenen ermüdende Angelegenheit, während sich der Großteil der Verhandlung um vermeintlichen und wirklichen Rassismus der Ermittler drehte (man beachte: die meisten Geschworenen waren selbst schwarz) und die Anprobe des Handschuhs eine höchst anschauliche Angelegenheit war.
Der Fall Simpson wird außerdem oft als Beispiel dafür zitiert, dass sich in den USA mit ausreichend finanziellem Aufwand für Anwälte und Gutachter mit einer deutlich höheren Wahrscheinlichkeit ein Freispruch „erkaufen“ lasse, als dies für mittellose Angeklagte möglich wäre.
Entgegen dem Freispruch im Strafprozess hat ein Zivilgericht Simpson 16 Monate später zu einer Schadensersatz-Zahlung in Höhe von 33,5 Millionen US-Dollar an die Hinterbliebenen verurteilt, d.h. seine Täterschaft als erwiesen angesehen. Da in Florida Rentenbezüge und Immobilien, die der Beklagte bewohnt, nicht pfändbar sind, konnte der Anspruch jedoch bislang nicht vollstreckt werden.
Bei beiden Prozessen wurde O. J. Simpson vom 2005 verstorbenen Staranwalt Johnnie Cochran vertreten.
Für November 2006 war ein kontroverses Interview auf dem US-Sender Fox Network angekündigt, bei dem Simpson für sein neues Buch „If I Did It“ werben sollte. Die in den deutschen Medien meist zu lesende Übersetzung dieses Buchtitels ist mit „Wenn ich es getan hätte“ nicht korrekt: richtig ist vielmehr „Falls ich es getan habe“. Der Titel lässt also diese Möglichkeit bewusst offen und spielt mit ihr. Auszüge aus dem Buch wurden, nachdem angeblich alle Exemplare vernichtet worden waren, in Zeitungen veröffentlicht; inzwischen ist es auch im Internet aufgetaucht[2]. Simpson beschreibt darin, wie er als „potentieller“ Mörder agiert hat oder haben würde, was er dabei potentiell empfand etc.
In einem CNN-Interview äußerte sich Ron Goldmans Vater tief enttäuscht über FOX und Verleger HarperCollins, dass sie derart aus den Morden Profit zu erzielen versuchen und forderte zu einem Boykott von FOX und HarperCollins auf. Mittlerweile wurde ein geplantes Interview zum Buch abgesagt. Der Verlag zog auch die Veröffentlichung des Buches zurück, welches am 30. November 2006 erscheinen sollte. Der Medienunternehmer Rupert Murdoch entschuldigte sich persönlich bei den Hinterbliebenen der Familien [3]. Einige Exemplare des Buches wurden schon in den Buchhandel geliefert, wurden aber zurückgefordert. Beim Online-Buchhändler Amazon war das Buch auf Grund von Vorbestellungen auf Anhieb in die Top-20 eingestiegen. Ein Buch gelangte in eine eBay-Auktion. Binnen 3 Stunden stieg der Preis auf 1600 Dollar. Die Auktionsplattform verbot jedoch die Auktion [4].