Ein Offizier ist ein Soldat im Offiziersrang. Offiziere haben die Verantwortung für Führung, Ausbildung und den Einsatz von Verbänden bzw. Truppenteilen. In der rein hierarchischen Einteilung in drei Laufbahngruppen belegen sie den ersten Platz, haben also Befehlsgewalt über die unterstellten Unteroffiziere und die Mannschaften. Die Offiziere selbst werden wiederum in Dienstgradgruppen unterteilt.
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Bei Aufstellung der stehenden Heere gegen Ende des 17. Jahrhunderts waren Offiziersstellen in der Regel käuflich (in England bis 1877) und oft nur dem Adel vorbehalten, das Vorhandensein militärischer Kenntnisse war nur ein nachrangiges Kriterium für die Verleihung eines Offizierspatentes. Im Verlauf des 18. Jahrhunderts erkannte man dies in einigen europäischen Staaten als Mangel und versuchte durch Errichtung militärischer Bildungsanstalten die militärische Qualifikation des Offiziersnachwuchses zu heben. Ein Aufstieg aus dem Unteroffiziersrang war zwar theoretisch möglich, praktisch aber selten und wurde im späten 18. Jahrhundert insbesondere in Frankreich faktisch unmöglich. Im Heer der Französischen Revolution wurden Offiziere von den Angehörigen ihrer Einheiten gewählt, um durch Emigration adeliger Offiziere entstandene Lücken zu füllen. Unter Napoléon Bonaparte wurde diese Praxis wieder eingestellt, Angehörige der niederen Ränge konnten aber bei entsprechender Erfahrung und Eignung durchaus Offizier werden. Ab den Koalitionskriegen wurde für Berufsoffiziere allgemein eine militärische Ausbildung erforderlich, in manchen Staaten (wie z.B. Bayern) zum Ende des 19. Jahrhunderts auch das Abitur.
In der Bundeswehr sind grundsätzlich die Laufbahnen des Offiziers im Truppendienst und des Offiziers im militärfachlichen Dienstes zu unterscheiden. Diese unterscheiden sich hinsichtlich des Werdeganges, der typischen Verwendungen und auch in Bezug auf ihre Dienstgrade und Laufbahnerwartung.
Als Einstellungsvoraussetzung ist neben dem Nachweis einer Mittleren Reife und einer abgeschlossenen Berufsausbildung als Mindestvoraussetzung auch eine erfolgreichen Teilnahme an einem Eignungstest der Offizierbewerberprüfzentrale nötig. Die Ausbildung zum Offizier ist nach einer 39 monatigen militärischen Ausbildung und dem sich anschließendem Studium abgeschlossen. Offiziere, welche ohne akademische Ausbildung diese Laufbahn wählen, sind bereits nach 36 Monaten "fertig" ausgebildet. Der militärische Teil der Ausbildung beinhaltet in den jeweiligen Teilstreitkräften unterschiedliche Abschnitte, z. B.: Grundausbildung, Spezialgrundausbildung, Lehrgänge an Truppenschulen, sogenannte „Truppenpraktika“ (bei denen die Offizieranwärter z. B. als Gruppen- oder Zugführer eingesetzt werden) und die Offizierschule. Seit Juli 2006 erfolgt die Ausbildung von Offizieranwärtern des Heeres nicht mehr, wie bisher, an den Truppenschulen der einzelnen Truppengattungen des Heeres, sondern in drei speziellen Ausbildungsbataillonen in Munster, Hammelburg und Idar-Oberstein.
Während der Ausbildung führen die Offizieranwärter den Dienstgradzusatz OA für Offizieranwärter bzw. ROA für Reserveoffizieranwärter oder die besonderen Anwärterdienstgrade
Offizieranwärter des Heeres und der Luftwaffe tragen neben dem Dienstgradabzeichen eine silberfarbige Litze, die sie als Offizieranwärter kenntlich macht. Bei der Deutschen Marine tragen sie an Stelle der Litze den goldenen fünfzackigen (Offiziers-)Stern auf der Dienstgradschlaufe. Ab dem Dienstgrad Oberfähnrich ist das Revers des Dienstanzuges silbern paspeliert (d. h. es ist eine silberne Kordel entlang der Kante des Revers angesetzt).
Seit 1973 ist für Truppenoffiziere ein Studium an einer der beiden Universitäten der Bundeswehr in Hamburg (Helmut-Schmidt-Universität) und München Bestandteil der Ausbildung. Dies ist jedoch nicht in allen Dienstteilbereichen zwingend erforderlich (Offizier ohne Studium). Damit wurde insbesondere durch das Wirken des damaligen Verteidigungsministers Helmut Schmidt der Offizierberuf in Deutschland akademisch. Mittlerweile studieren über 90% der Offiziere und Offizieranwärter eines Jahrgangs an einer der beiden Universitäten. Diese treten ihr Studium im Allgemeinen nach 15 Monaten an.
Während der Ausbildung zum Offizier müssen auch Fremdsprachenkenntnisse erlangt und durch ein Standardisiertes Leistungsprofil (SLP) nachgewiesen werden. Die dabei zu erreichende Stufe unterscheidet sich je nach Teilstreitkraft und ist auch von der späteren Verwendung innerhalb der Bundeswehr abhängig.
Um die Durchlässigkeit der Dienstgradgruppen in der Bundeswehr zu gewährleisten, wurde die Laufbahn der Offiziere des militärfachlichen Dienstes (Offz milFD) geschaffen. Diese rekrutieren sich aus Feldwebeldienstgraden, die einen Antrag auf Wechsel in die Laufbahn der Offiziere des militärfachlichen Dienstes stellen oder von ihrem Einheitsführer für einen Laufbahnwechsel vorgeschlagen werden. Die in einem vom Personalamt der Bundeswehr durchgeführtem Auswahlverfahren ausgewählten Feldwebeldienstgrade durchlaufen in der Regel eine auch zivilberuflich anerkannte Ausbildung an einer Fachschule der Teilstreitkräfte und anschließend an der jeweiligen Offizierschule. Die dreijährige Ausbildung endet mit der Beförderung zum Leutnant und Übernahme in das Dienstverhältnis eines Berufssoldaten. Das Laufbahnziel für Fachdienstoffiziere ist der Hauptmann in der Besoldungsgruppe A 11. Der höchste, erreichbare Dienstgrad in der Laufbahn der Fachoffiziere ist der Stabshauptmann mit Besoldungsgruppe A 13G.
In der Bundeswehr gibt es die folgenden Offiziersränge (mit aufsteigendem Rang und Besoldung), eingeteilt in vier Dienstgradgruppen. Eine Besonderheit ist der Dienstgradzusatz „i.G.“ = im Generalstabsdienst:
| Dienstgradgruppe | Heer/Luftwaffe | Marine | ||
|---|---|---|---|---|
| Truppenoffiziere | Sanitätsoffiziere | Truppenoffiziere | Sanitätsoffiziere | |
| Leutnante | Leutnant | Leutnant zur See | ||
| Oberleutnant | Oberleutnant zur See | |||
| Hauptleute Kapitänleutnante |
Hauptmann | Stabsarzt/-apotheker/-veterinär | Kapitänleutnant | Stabsarzt/-apotheker |
| Stabshauptmann | Stabskapitänleutnant | |||
| Stabsoffiziere | Major | Oberstabsarzt/-apotheker/-veterinär | Korvettenkapitän | Oberstabsarzt/-apotheker |
| Oberstleutnant | Oberfeldarzt/-apotheker/-veterinär | Fregattenkapitän | Flottillenarzt/-apotheker | |
| Oberst | Oberstarzt/-apotheker | Kapitän zur See | Flottenarzt/-apotheker | |
| Generale Flaggoffiziere (Admirale) |
Brigadegeneral | Generalarzt/-apotheker | Flottillenadmiral | Admiralarzt |
| Generalmajor | Generalstabsarzt | Konteradmiral | Admiralstabsarzt | |
| Generalleutnant | Generaloberstabsarzt | Vizeadmiral | Admiraloberstabsarzt | |
| General | Admiral | |||
In der DDR erfolgte die Ausbildung der Offiziere der NVA und der Kasernierten Einheiten des Ministeriums des Innern an Offiziershochschulen in einem dreijährigen und ab 1984 in einem vierjährigen Studium. Sie wurden ausgebildet bis zur Dienststellung Kompaniechef und einer Einweisung in die Gefechtsführung als Bataillonskommandeur. In jedem Studienjahr wurde ein Praktikum, beginnend als Gruppenführer, durchgeführt. Sie wurden nach der Diplomprüfung zum Leutnant ernannt und in der Regel als Zugführer eingesetzt. Reserveoffiziersanwärter wurden am Ende des Grundwehrdienstes aus den Besten ausgewählt, in mehreren Kursen an der Offiziershochschule ausgebildet und nach einer Prüfung zum Offizier mit Dienstgrad Unterleutnant ernannt. Nach drei- bis vierjährigem Truppendienst wurden einige Offiziere, auch der VP-Bereitschaften, für das dreijährige Studium an der Militärakademie der NVA ausgewählt. Dort erfolgte die Ausbildung zum Divisionskommandeur bzw. für vergleichbare Dienststellungen.
Die Offiziere des österreichischen Bundesheeres werden an der Theresianischen Millitärakademie ausgebildet.
Der Einstieg als Offizier ist nicht mit einer Anstellung oder langjährigen Verpflichtung verbunden, sondern durch die Wehrpflicht gedeckt. Man kann als Milizoffizier normal jedes Jahr ca. 4 Wochen Dienst leisten. Die Ausbildung zum Offizier dauert seit 2004 (Armee XXI) 53-57 Wochen, abhängig von Funktion und Ausbildungsstart. Der ordentliche Einstieg gestaltet sich wie folgt:
| Schule | Dauer | Beförderung zu |
|---|---|---|
| Allgemeine Grundausbildung mit allen Dienstleistenden | 7 Wochen | Soldat |
| Anwärterschule mit Unteroffiziers-Anwärtern | 10 Wochen | Obergefreiter |
| Offiziers-Anwärterschule | 5 Wochen | |
| Offiziers-Lehrgang | 4 Wochen | Oberwachtmeister |
| Offiziers-Schule (übliche Bezeichnung der Anwärter ist Aspirant) | 15 Wochen | Leutnant |
| praktischer Dienst | 5/8 Wochen, je nach Funktion | Nach dem zweiten WK oder 4 Gradjahren erfolgt die Beförderung zum Oberleutnant. |
Die Gruppe der Offiziere wird wie folgt weiter unterteilt:
| Gruppe | Grade |
|---|---|
| Subalternoffiziere | Leutnant |
| Oberleutnant | |
| Hauptleute | Hauptmann |
| Stabsoffiziere | Major |
| Oberstleutnant | |
| Oberst | |
| höhere Stabsoffiziere | Brigadier |
| Divisionär | |
| Korpskommandant | |
| Oberbefehlshaber der Armee | General (wird im Kriegsfall durch die vereinigte Bundesversammlung gewählt) |
Etwa 15% der US-amerikanischen Soldaten sind Offiziere der US Army. Man unterscheidet die Offiziere zwischen „Commissioned Officers“ (ab Second Lieutenant / Ensign ) und „Warrant Officers“ (WO), eine vier bzw. (bei der US Army) fünfstufige Dienstgradgruppe von Fachoffizieren im Fähnrichrang.
Man unterscheidet bei den aktiven Streitkräften der USA zwischen „Regular“ und „Reserve“ Officers. Die regulären Offiziere sind der Kern der Berufsoffiziere. Ihnen steht bei entsprechender Leistung in der Regel das Recht auf eine volle militärische Laufbahn zu. „Reserve Officers on extended active duty“ stellen weit über 40% der aktiven Offiziere und sind nicht mit Reservisten, die Wehrübungen absolvieren, zu verwechseln. Sie dienen jahrelang ohne formellen Unterschied zu dem Elitestatus eines „Regular Officers“, können jedoch jederzeit ohne Verlust der Ehre aus dem aktiven Dienst entlassen werden.
Die „Warrant Officers“ (WO) werden überwiegend aus den Mannschaften rekrutiert. Einem sechswöchigen Grundkurs schließt sich eine Fachschulung an. Die Dienstverpflichtung als WO beträgt mindestens drei Jahre. Sie können auch auf dem gleichen Weg wie Zivilisten Second Lieutenant werden und danach bestehen keine Aufstiegsbegrenzungen mehr.
Das Offizierspatent kann auf drei Arten erworben werden:
Die Militärakademie umfasst eine vierjährige Ausbildung kombiniert mit einer intensiven militärfachlichen Ausbildung und Vorbereitung auf Menschenführung mit einem Studium. Absolventen einer Militärakademie erhalten das „Regular Officer Patent“, einen Bachelor-Abschluss und verpflichten sich zu mindestens sechs Jahren aktivem Dienst. Die Absolventen stellen derzeit ca. 20% der neuen Offiziere in den US-Streiträften und haben überdurchschnittliche Karriereaussichten.
Die Reserveoffiziersausbildung begleitend zum College-Studium, sogenanntes „ROTC“ wird an 500 Colleges angeboten. Die Studenten erhalten wöchentlich zwei bis fünf Stunden militärfachliche Ausbildung, und in den Semesterferien werden Trainingslager oder Praktika auf Militärstützpunkten durchgeführt. Die aktive Dienstverpflichtung beträgt in der Regel vier Jahre.
Die Kurzlehrgänge für College-Absolventen an den OCS/OTS-Schulen bestehen aus einem dreimonatigen Offizierslehrgang (12 Wochen „Basic Officer Training“ (BOT)). Ungediente nehmen vorher an einer achtwöchigen Grundausbildung teil; körperliche Fitness ist unabdingbare Voraussetzung. Die Dienstverpflichtung beträgt mindestens zwei Jahre.
Je nach Karrierefeld besuchen die meisten Offiziere, unabhängig von der bisherigen Ausbildung, für drei bis 18 Monate weitere Spezialschulen vor der ersten Truppenverwendung. Offiziere müssen ihre Karriere sorgfältig planen. Beförderungen und sogar das Verbleiben im Dienst hängen von der Ausführung bestimmter „Karriereschritte“ des Offiziers zu gegebenen Zeitpunkten ab. „Warrant Officer“ verbringen den größten Teil ihrer Laufbahn in einem Tätigkeitsbereich, wohingegen ein „Commissioned Officer“ ein möglichst flexibler, vielseitiger Truppenführer sein soll und daher die richtige Mischung aus Truppen- und Stabsverwendungen sowie Verwendungen in einem Spezialbereich vorweisen muss. Weitere Fortbildungsmöglichkeiten erhalten die Offiziere auch durch Lehrgänge am Command and General Staff College einer der Teilstreitkräfte. Um die Kooperationsfähigkeit zwischen den Teilstreitkräften zu verbessern, ist eine dreijährige Verwendung auf „Joint Service“-Ebene (also Teilstreitkraftübergreifend) für „Field Grade Officers“ (Dienstgrade Major bis Colonel) vorgesehen und die Erfahrung bei einer aus mehreren Waffengattungen bestehenden Kommando- oder Stabsstelle ist Voraussetzung für die Beförderung zum General. Das von der National Defense University betriebene „National War College“ bereitet den Offizier auf höhere Kommando- und Stabsverwendungen vor und fördert die Fähigkeit zur Planung und Operation auf strategischer Ebene.