Okzitanisch (okzit. occitan / lenga d'òc, frz. occitan / langue d'oc) ist eine galloromanische Sprache, die im südlichen Drittel Frankreichs sowie in Randgebieten Italiens (piemontesische Alpen) und Spaniens (Val d'Aran in Katalonien) gesprochen wird. Die Sprache wird nur im Val d'Aran als Amtssprache verwendet (in ihrer lokalen Form, dem Aranesischen), auf französischem Gebiet ist hingegen ausschließlich Französisch Amtssprache.
Sprachkennungen:
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Der Name ist abgeleitet von òc, dem okzitanischen Wort für „ja“, das aus dem lateinischen Bejahungspartikel hoc entstand. Unter den galloromanischen Sprachen werden die Varianten des Okzitanischen als langue(s) d'òc abgegrenzt von den langues d’oïl, den Sprachen oder Dialektvarianten des Französischen. Letztere sind nach dem altfranzösischen Wort oïl für „ja“ benannt, das aus dem lateinischen hoc ille entstand und im Mittel- und Neufranzösischen zu oui wurde. Von der Sprachbezeichnung langue d'oc kommt auch der Name für die Region Languedoc, die nur ein Teil des okzitanischen Sprachgebietes ist.
Die heutige Bezeichnung okzitanisch wurde im Deutschen übernommen aus okzitanisch occitau bzw. französisch occitan, die ihrerseits Neologismen des 19. Jahrhunderts sind. Sie gehen zurück auf die seit dem Beginn des 14. Jahrhunderts belegten mittellateinischen Wortformen des Typs lingua occitana oder occitanica, die auf die lateinische Amtssprache beschränkt blieben, im Unterschied zu lat. lingua oc (langue d'oc) aber keine Entsprechung in den Volkssprachen besaßen und gegen Ende des Mittelalters ganz außer Gebrauch kamen, um erst seit dem 17. Jahrhundert wieder im Latein einiger weniger Gelehrter aus der Beschäftigung mit mittelalterlichen Handschriften wiederbelebt zu werden. Nach deren Vorbild erscheinen dann auch im Französischen zu Beginn des 19. Jahrhunderts vereinzelte Belege für occitan (1819) und occitanique (1802), aber erst mit der programmatischen Wiederbesinnung auf eine "okzitanische" Kultur und Sprache, besonders seit der Gründung der Ligue Occitane von 1897, konnten sich die Wörter occitan und occitau im Sprachgebrauch etablieren.
Der Sache nach findet sich die Einteilung der romanischen Sprachen anhand ihrer Bejahungspartikel bereits bei Dante Alighieri, der in seiner Schrift De vulgari eloquentia („Über die Beredtsamkeit in den Volkssprachen“) anhand der Bejahungspartikel sì, òc und oïl drei Hauptzweige der romanischen Sprachen unterschied. Dabei bestimmte er allerdings sì (von lateinisch sic) ausschließlich als Merkmal des Italienischen, unter Vernachlässigung des ihm wahrscheinlich wenig bekannten Spanischen (Kastilischen), während er die Sprecher der lingua oc wiederum als „Spanier“ (Yspani) bezeichnete (Dve I, viii, 5), dies wohl aufgrund der Zugehörigkeit speziell der Katalanen zum Okzitanischen, obwohl er in seiner Schrift im weiteren dann hauptsächlich südfranzösische und nicht etwa katalanische oder "spanische" Trobadors als Vertreter für Dichtung in der lingua oc anführt.
Das Okzitanische gliedert sich in zahlreiche Dialekte, die sich in drei Gruppen einteilen lassen:
Das Okzitanische entwickelte sich aus dem Vulgärlatein im südlichen Drittel des heutigen Frankreich. Da dort die Gallo-römische Kultur stärker ausgeprägt war als im Norden, entwickelte sich die Sprache auch anders. Sie wurde nicht so sehr vom Fränkischen geprägt wie die Langues d’oïl und behielten somit einen stärkeren romanischen Charakter.
Bis zum 12. Jahrhundert bildeten sich auf der Grundlage der sprachlichen Varietäten, die im Raum des heutigen Frankreich aus dem Vulgärlatein entstanden waren, zwei verschiedene Literatursprachen heraus. Nördlich der Loire entwickelte sich die Langue d'oïl, die weitgehend dem heutigen Französisch entspricht, südlich das Okzitanische, das damals als Langue d'oc, Provenzalisch (provençal) oder Limousinisch (limousin) bekannt war. Es spielte als Literatursprache (vor allem der Trobadordichtung) im 12. und 13. Jahrhundert eine wichtige Rolle, die nicht auf die Höfe Südfrankreichs beschränkt blieb, sondern auch in Nordspanien, vor allem in Katalonien, und in Norditalien der Literarisierung der dortigen romanischen Dialekte vorausging oder sie nachhaltig prägte. Der Albigenserkreuzzug beendete diese kulturelle Blüte des Okzitanischen jäh.
Im Zuge der durch Ludwig XIV. begonnenen Zentralisierung auf sprachlicher Ebene wurde das Okzitanische als Unterrichtssprache in öffentlichen Schulen abgeschafft und der Gebrauch im Alltag zurückgedrängt. Vor allem seit der Französischen Revolution ab 1789 verlor die Sprache an Bedeutung, da nun die gesamte Bevölkerung in das politische Leben des französischen Zentralstaates und das von diesem organisierte Bildungswesen, das sich ausschließlich des Französischen bediente, einbezogen wurde.
Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es in intellektuellen Kreisen Bestrebungen, eine moderne okzitanische Literatursprache zu schaffen.
Okzitanisch sprechen heute im südlichen Drittel Frankreichs, das die Anhänger einer okzitanischen Literatursprache Okzitanien nennen, höchstens noch 2-3 Mio. Menschen, das ist etwa ein Zehntel der Bevölkerung, allerdings vor allem ältere Leute auf dem Land, und auch diese fast nur noch im privaten Umfeld. Das bedeutet, dass die Sprache als in einem zusammenhängenden Gebiet tatsächlich gesprochene Sprache ausgestorben ist und nur noch in kleinen Reservaten überlebt hat.
In den Städten und einzelnen Landschaften gewinnt es, vor allem aus touristischen Gründen, wieder an Bedeutung, wird in einigen Schulen, den Calandretas, parallel zum Französischen gelehrt, und Straßenschilder werden zweisprachig ausgeführt - allerdings in den größeren Städten, wo es fast nicht mehr gesprochen wird. So heißen die Städte Toulouse und Carcassonne z. B. auf Okzitanisch Tolosa und Carcassona. Amtssprache ist jedoch ausschließlich Französisch.
Es existiert eine kodifizierte okzitanische Literatursprache, deren Normen vom Institut d'estudis occitans in Toulouse festgelegt wurden und die unter anderem in einigen Regionen im fakultativen Okzitanischunterricht in den Schulen gelehrt wird. Diese wird jedoch nur von einem Teil der Sprecher anerkannt und verwendet. Insbesondere in der Provence wird sie von vielen abgelehnt und die Anerkennung des Provenzalischen als eigenständige Schriftsprache gefordert.
Außerhalb Frankreichs gehören das Val d'Aran in Katalonien, wo die lokale Varietät, das Aranesische, lokale Amtssprache ist, und einige Täler der piemontesischen Alpen in Italien zum Sprachgebiet des Okzitanischen.
Durch Auswanderungen entstanden außerdem vereinzelte okzitanische Sprachinseln wie die von Waldensern gegründete Gemeinde Guardia Piemontese in Kalabrien, Pigüé in Argentinien und Valdese in den USA.
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| Wiktionary: Wörterbücher der okzitanischen Sprache – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen |
| Wikipedia auf Okzitanisch |
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