Opioide (von gr. ὄπιον [ˈɔpiɔn] und εἶδος, [ˈidɔs], „dem Opium ähnlich“) sind Arzneimittel aus der Gruppe der Schmerzmittel (Analgetika). Der Name der Stoffgruppe leitet sich vom natürlichen Stoffgemisch Opium ab, dessen Bestandteile Opiate genannt werden, worunter unter anderem Morphin ist.
Die meisten Opiate interagieren mit den Opioidrezeptoren. Als Opioide werden generell alle Stoffe bezeichnet, die als Liganden an den Opioidrezeptoren wirken, worunter auch Substanzen sind, die nicht den natürlichen Opiaten angehören, wie zum Beispiel das Methadon, sowie körpereigene Opiode.
Opioide werden als Analgetika eingesetzt. Sie werden aber auch als Rauschmittel benutzt. In Deutschland und der Schweiz unterliegen sie deshalb dem Betäubungsmittelgesetz, in Österreich dem Suchtmittelgesetz.
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Die Gruppe der Opioide ist eine chemisch heterogene Untergruppe der Analgetika:
Sie entfalten ihre Eigenschaften durch Wechselwirkung mit speziellen Rezeptoren (molekularen Bindungs-Orten) auf der Oberfläche der Nervenzellen und anderen Arten von Zellen im ganzen Körper, die Opioidrezeptoren genannt werden.
Die körpereigenen Liganden der Opioidrezeptoren sind endogene Peptide (Enkephaline und Endorphine), die in der Stressantwort von Bedeutung sind. Die Opioiderezeptoren kommen am häufigsten im Gehirn am Boden des 4. Ventrikels (Hirnventrikel), in anderen Gehirnregionen und im Rückenmark vor. Sie sind zudem in der Peripherie, unter anderem im Darm zu finden.
Beispielhaft für ein Opioid mit Wirkung ausschließlich außerhalb des zentralen Nervensystems ist Loperamid, ein Mittel gegen Durchfall (Diarrhoe). Es überwindet die Blut-Hirn-Schranke (Pons-Passage) normalerweise nicht und kann deshalb nicht im zentralen Nervensystem, sondern nur peripher im Körper wirken. Es bewirkt eine Verlangsamung der Darmmotorik.
Opioide entfalten im Gegensatz zu den Nichtopioid-Analgetika ihre analgetische Wirkung vorrangig im zentralen Nervensystem (ZNS).
Es werden mehrere unterschiedliche Typen und Subtypen der Opioidrezeptoren unterschieden
| Typ | Lokalisation | Wirkung |
|---|---|---|
| μ1 und μ2 | Gehirn | Analgesie, Atemdepression nur μ2!, Herz-Kreislauf-Wirkungen |
| μ2 | spinal | Analgesie, Magen-Darm-Wirkung, Euphorie, Sucht |
| μ | peripher | Analgesie, Magen-Darm-Wirkung, Juckreiz |
| κ (Kappa) | Gehirn, spinal | Analgesie, Sedierung, Dysphorie |
| δ (Delta) | Gehirn, spinal, peripher | Magen-Darm-Wirkung, Modulierende Wirkung |
| bisher nicht identifizierter Rezeptor | Miosis, Übelkeit, Erbrechen |
Die einzelnen Substanzen haben unterschiedliche Affinitäten zu den einzelnen Rezeptortypen und können dort Wirkungen auslösen oder sie blockieren. Manche Opioide wirken dabei spezifisch nur auf einen einzigen Rezeptortyp, manche unspezifisch auf mehrere oder alle.
Falls eine Substanz beim Andocken eine aktivierende Wirkung am Rezeptor auslöst, spricht man von einem Opioidagonisten. So sind z. B. Morphium und Heroin reine μ-Agonisten und bewirken somit ausgeprägte Schmerzstillung aber auch Atemdepression.
Opioidantagonisten docken zwar ebenfalls am Rezeptor an, lösen ihn aber nicht aus - er wird "verstopft" und steht für das Andocken von Agonisten zeitweise nicht zur Verfügung. Daher können Antagonisten Wirkungen von Agonisten blockieren oder deren Wirkung aufheben. So hebt beispielsweise Naloxon die Wirkung von Morphium und Heroin auf. Dieser Umstand wird in der Notfallmedizin bei der Behandlung von Opioidüberdosierungen (z. B. Heroinüberdosis bei Abhängigen) genutzt, allerdings kann der Patient auch einfach nur beatmet werden und das Ende der Atemdepression abgewartet werden.
| Name | relative Potenz | Wirkdauer | Rezeptorspezifikation | Bemerkung |
|---|---|---|---|---|
| Morphin | 1 | 3 Std. | rein μ-Agonist | |
| Fentanyl | 100-300 | 30 min | μ-Agonist | |
| Alfentanil | 40-50 | 7-10 min | μ-Agonist | |
| Remifentanil | 200 | 1 min (8 min [1]) | μ-Agonist | Aufgrund der kurzen Wirkdauer gilt Remifentanil als sehr gut steuerbar. Es wird deshalb im Rahmen der TIVA bevorzugt eingesetzt. Da die Wirkung rasch nach dem Ende der Infusion sistiert, müssen Überlegungen zur postoperativen Schmerzbekämpfung angestellt werden. Ggf. ist schon vor der Narkoseausleitung die Applikation eines länger wirksamen Opioids notwendig oder Remifentanil wird unter streng kontrollierten Bedingungen in minimaler Dosierung weiter gegeben. Bei gering invasiven Eingriffen reicht häufig die Gabe eines potenten Nichtopioid-Analgetikums. |
| Sufentanil | 1000-1500 | 30 min | μ-Agonist | |
| Buprenorphin | ~30 | 1-1,5 | partieller μ-Agonist, κ-Antagonist | wirkt bei alleiniger Gabe schmerzstillend, in Kombination mit Agonisten antagonistisch! |
| Naloxon | 30-45 min | reiner Antagonist (μ, κ, δ) |
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Opioide Schmerzmittel, die nicht dem Betäubungsmittelgesetz unterliegen:
Opioide Schmerzmittel, die erst aber einer gewissen Menge / Zubereitung dem BtMG unterliegen:
Opioide Schmerzmittel, die dem BtMG grundsätzlich unterliegen:
Die Weltgesundheitsorganisation hat ein Stufenmodell entwickelt, das den Einsatz von Opioiden zur Schmerztherapie regelt (Leitfaden).
Als Entzugserscheinungen unmittelbar nach dem Absetzen aller Opiate und sonstiger Medikamente können Unruhe, unbegründetes Schmerzempfinden, Depressionen, Erbrechen und Magenkrämpfe, Durchfall, Erschöpfung oder grippeähnliche Zeichen auftreten. Krampfanfälle treten im Opioidentzug nicht auf.
Der Entzug von Opioiden ist ausgesprochen langwierig. So können bei vorhergegangenem stark regelmäßigem Konsum noch ein Jahr später Nachwirkungen wie Schlafstörungen oder Albträume auftreten, die jedoch mit der Zeit in Häufigkeit und Stärke abnehmen.
Siehe auch: Entzugssyndrom
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