Opritschnina

Die Opritschnina (russisch опричнина) war die berüchtigte Leibgarde Iwans des Schrecklichen in Russland, die dieser 1565 gegründet hatte. Sie kannte weder Recht noch Gesetz, so dass sich ihr Unwesen zu einem Staat im Staate auswuchs. Daher rührt auch die spätere Bezeichnung Opritschnina für ein gesondertes Staatsterritorium, das der Zar vom Reich abtrennte und über das er die alleinige Verfügungsgewalt ausübte. Den anderen Teil, der weiterhin der Bojarenduma unterstellt blieb, nannte man Semschtschina.

Inhaltsverzeichnis

Gründe

1564 verrät Fürst Kurbski, Befehlshaber der westlichen russischen Armee, den Zaren und wechselt auf die Seite Polens über. Zusammen mit dem polnisch-litauischen Heer verwüstet der Fürst die russische Region Welikie Luki. Der Zar verdächtigte andere Bojaren, ebenfalls einen Verrat zu planen und führt die Opritschnina ein. In den Regionen der Opritschnina war die Zahl der grundbesitzenden Bojaren niedrig und die Armee bestand aus den niederen Dienstadel. Sich auf die Opritschnina stützend wollte der Zar die mächtige Bojarenaristokratie zurückdrängen und die Reste des Feudalismus zerstören.[1]

Struktur der Leibgarde

Der Leibgarde bestand aus etwa 1500 Mann (in einigen Quellen ist auch von 6000 die Rede), allesamt Vertraute und Dienstmannen, darunter Adlige, Tataren und europäische Söldner. Sie waren zunächst zu seinem Schutz eingesetzt.

Vorausetzung für die Aufnahme in die Opritschnina war, dass die entsprechende Person keinerlei Beziehungen zum Bojarentum hatte. Außerdem mussten die Opritschniki dem Zaren bedingungslose Treue schwören und sich verpflichten, Verräter zu melden, keinerlei Freundschaften außerhalb der Opritschnina zu pflegen und dem Treueverhältnis zum Zaren oberste Priorität einzuräumen, noch vor der Bindung zu Familie und Land. Als Dank ließ sie Iwan auf geraubten Bojarengütern ansiedeln.

Bei der Bevölkerung löste die Opritschnina große Furcht aus, wozu auch bereits ihr Äußeres geeignet war. Die Opritschniki waren in schwarze Umhänge, ähnlich den Mönchskutten, gekleidet und trugen einen Besen und einen Hundekopf als Insignien. Der Besen symbolisierte wohl den „Reinigungsauftrag“, der Hundekopf galt als Symbol der Wachsamkeit.

Im Auftrag der Opritschnina wurden Mitte des 16. Jhdts. viele Adlige, Metropoliten und Bürger getötet, sowie Kirchen, Klöster und Besitztümer geplündert. So sollen bei einem mehrwöchigen Gemetzel in Nowgorod an die 30.000 Menschen umgekommen sein. Viele moderne Forscher schätzen die Anzahl der Opfer auf 2000-3000 (nach der Missernte und der Pestepidemie in den 1560-er Jahren belief sich die Bevölkerung Nowgorods nur noch auf rund 10.000-20.000 Menschen).[2].

In den 70er Jahren des 16. Jh. wurden von Iwan IV. Männer in die Opritschnina aufgenommen, die vorher selbst gerade dem Tod entronnen waren. Dadurch wurde die Leibgarde verunsichert und die neuen Opritschniki töteten Mitglieder der ehemaligen Opritschnina.

Auswirkungen

Die Opritschnina war direkt verantwortlich für die Untergrabung der Grundlagen der staatlichen Ordnung des Moskauer Reiches. Historiker sind der Meinung, dass sie dadurch die Erschütterungen Russlands während der Wirrniszeit, der sogenannten Smuta von 1598 – 1612, vorbereitete.

Literatur

  1. R. Skrynnikow, "Iwan Grosny", M., AST, 2001
  2. R. Skrynnikow untersuchte den Bericht des Kommandeures den Opritschniki Maljuta Skuratow und Gedächtnisfeier-Listen (Sinodiki) und schätzte die Zahl der Opfer auf 2000-3000. (Skrynnikow R. G., "Iwan Grosny", M., AST, 2001)

Weblinks

Quelle:
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