Organismos Sidirodromon Ellados

Die Organismós Sidirodrómon Elládos (ΟΣΕ, Οργανισμός Σιδηροδρόμων Ελλάδος, Griechische Eisenbahnorganisation) ist Griechenlands nationale Eisenbahngesellschaft, die sowohl Güterverkehr als auch Personenverkehr anbietet. Das Streckennetz verteilt sich über den Peloponnes, Zentralgriechenland und einzelne Strecken in Makedonien sowie Thrakien. Auf den griechischen Inseln gibt es keine Eisenbahnstrecken.

Schriftzug der Eisenbahngesellschaft am Hauptbahnhof Athen
Schriftzug der Eisenbahngesellschaft am Hauptbahnhof Athen

Die Hauptverwaltung der OSE befindet sich in der Karolou-Straße 1–3, 10437 Athen, Griechenland.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die erste Eisenbahn in Griechenland war die privat errichtete und finanzierte Verbindung von Piräus nach Athen im Jahr 1869. Sie diente vorwiegend dem städtischen Nahverkehr und ist auch heute noch Bestandteil des S-Bahn-Netzes der Metro Athen. 1883 wurde das erste Teilstück der Peloponnes-Linie fertiggestellt. 1884 wurde die Verbindung von Volos nach Larisa zunächst in Schmalspur eröffnet, diese Strecke wurde aber später auf Normalspur umgebaut. 1902 wurde die Hellenic Railways Company / Chemins de Fer Helléniques, eine Aktiengesellschaft, gegründet. Ab 1904 wurde an der Strecke in Richtung Larisa gebaut, erst 1916 konnte die durchgängige Verbindung eröffnet werden. 1920 wurden die bisherigen Bahngesellschaften durch die neugegründete Staatsbahngesellschaft (Sidirodromoi Ellinikou Kratos = Eisenbahnen des griechischen Staates) übernommen. Deren Nachfolgeorganisation, die OSE, wurde 1970 gegründet und besteht heute noch. In den 1990er Jahren begannen intensive Modernisierungsmaßnahmen, zu denen die Elektrifizierung des Netzes, die Athener S-Bahn, sowie die durchgehende Umstellung auf Normalspur und auf Höchstgeschwindigkeit bis 200km gehören.

Die Bedeutung der Bahn in Griechenland

Im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern nahm in Griechenland die Bahn lange Zeit als Verkehrsmittel eine Nischenrolle ein. Dies hatte zweierlei Gründe: Zum einen erforderte das unwirtliche Gebirge große Investitionen, und zum anderen lagen viele bedeutende Zentren, besonders des Fremdenverkehrs, ohnehin auf Inseln. Der intensive Ausbau der Vorortbahnen um Athen hat die Bahn neben der Metro zu einem Standbein des öffentlichen Nahverkehrs gemacht. Wichtige Strecken des Fernverkehrs, wie Korinth–Patras, Athen–Thessaloniki und Thessaloniki–Istanbul werden ausgebaut, so dass auch hier ein Umstieg der Fahrgäste von den Buslinien hin zur Bahn zu erwarten ist. Dagegen wird die Anbindung Westgriechenlands an das Schienennetz noch auf sich warten lassen, zumal die Kosten-Nutzen Relation sehr schlecht ist und das Projekt eher symbolischer Natur ist.

Streckennetz

In Griechenland gibt es zwei voneinander unabhängige Streckennetze. Das Streckennetz auf dem Peloponnes ist in Schmalspur (Meterspur) aufgebaut, das übrige Netz in Normalspur. In Athen gab es deswegen bis 2005 zwei Bahnhöfe, die nicht weit voneinander entfernt waren: den Stathmos Larisis für die Normalspurstrecken nach Nordgriechenland und den mittlerweile stillgelegten Stathmos Peloponnisou für die Schmalspurbahn in Richtung Peloponnes. 2005 ist die neu trassierte Normalspurstrecke Athen–Korinth in Betrieb genommen worden, wobei die alte Schmalspurstrecke auf dem Abschnitt Korinth–Agioi Anargyroi parallel betrieben wird.

Mit Ausnahme der Strecke von Thessaloniki nach Idomeni (Grenzübergang nach Mazedonien) bzw. der S-Bahn in Athen, welche elektrifiziert sind, werden bisher alle Strecken mit Diesel betrieben. Die Hauptmagistrale von Thessaloniki nach Athen wird allerdings auf elektrischen Betrieb umgerüstet.

Normalspurnetz

PiräusAthenLarisaThessaloniki mit dem Abzweig Leianokladi–Lamia–Stylida

Die griechische Hauptmagistrale wird seit den 1990er Jahren für den Hochgeschwindigkeitsverkehr ausgebaut, wobei ein zweites Gleis verlegt und die Strecke elektrifiziert wird. Stellenweise wird die kurvige Strecke auf längeren Abschnitten komplett neu trassiert. Große Teile hiervon sind schon fertiggestellt, insbesondere in Makedonien und Thessalien. Es fehlen noch die Gebirgsübergänge zwischen Domokos und Lianokladion bzw. Lianokladion und Tithorea.

ThessalonikiSerresDramaAlexandroupolis–Ormenio

Diese Strecke stellt in Pythio den Anschluss an das türkische Eisenbahnnetz her, wobei der Abzweig Strymon–Promachon und das Ende der Strecke in Ormenion den Anschluss an das bulgarische Netz herstellen.

VolosLarisa und PaleofarsalosKarditsaTrikalaKalambaka

Diese Strecken waren früher in Schmalspur ausgelegt und wurden vor wenigen Jahren komplett renoviert und auf Normalspur umgebaut.

Thessaloniki–Idomeni und Thessaloniki–Promachonas

Es handelt sich um die internationalen Strecken in Richtung Belgrad bzw. Sofia und Bukarest. Die Strecke Thessaloniki–Idomeni ist die erste und zur Zeit einzige elektrifizierte Strecke Griechenlands. Seit September 2005 wird die Strecke überwiegend von E-Loks befahren.

PiräusAthen–Inoi–Chalkis

Diese Strecke benützt bis Inoi die Schienen der Hauptmagistrale, bis dort war die Strecke schon immer zweigleisig ausgebaut.

ThessalonikiVeriaNaoussa–Skydra–Edessa–Amyntaio

Die Weiterführung dieser Strecke nach Kozani und Florina ist derzeit wegen Baumaßnahmen außer Betrieb.

AthenKorinth

Diese Strecke wird zur Zeit nur von der Athener S-Bahn betrieben. Nach Ausbau der regelspurigen Trasse bis nach Patras werden auch Fernzüge verkehren.

Lok der Schmalspurbahn nach Kalamata
Lok der Schmalspurbahn nach Kalamata

Schmalspurnetz

Agioi Anargyroi–PatrasKalamata

Die Strecke wird derzeitig auf dem Abschnitt von Agioi Anargyroi bis Korinth parallel zur Athener S-Bahn betrieben.

PiräusAthenTripoliKalamata

Wegen Bauarbeiten z.Zt. außer Betrieb (Schienenersatzverkehr)

Diakopto–Kalavrita

PyrgosOlympia (Griechenland)

Nahverkehr Athen

Mit Eröffnung der neuen Strecken zum Athener Flughafen 2003 wurden die Nahverkehrs- oder S-Bahnstrecken in das weitestgehend autarke Unternehmen "Proastiakos" ausgegliedert. Dieses betreibt die Strecke zum Flughafen, die Züge nach Chalkis/Chalkida sowie die Züge auf der 2005 fertiggestellten Neubaustrecke nach Korinth.

Ausbaupläne

Bis Ende des Jahrzehnts soll der Ausbau der PATHE-Achse (Patras–Athen–Thessaloniki–Eidomeni) fertiggestellt sein, die Strecke soll dann durchgängig zweigleisig elektrifiziert mit 200 km/h befahrbar sein. Die Fahrzeit von Athen nach Thessaloniki soll damit von 5:30 Stunden auf 3:30 Stunden verkürzt werden.

Im bisher überhaupt nicht durch die Eisenbahn erschlossenen Westen Griechenlands ist der Bau neuer Strecken geplant. Dazu gehören:

KalambakaIoanninaIgoumenitsa

KalambakaKozani

Ioannina–Antirrio (mit Anschluss nach Patras)

Hier ist man aber bisher nicht über die Projektierung hinausgekommen. Unabhängig von einer Förderung durch die EU (ohne die das Projekt wohl nicht finanzierbar ist) ist das Gelände topografisch aufgrund des Pindosgebirges äußerst ungünstig, so dass eine Menge von kostenintensiven Kunstbauten zu erstellen sind. Mit dem Beginn der Realisierung ist wohl nicht vor 2010 zu rechnen.

Stillgelegte Strecken

VolosMilies (Pilionbahn) (Schmalspur 600 mm, auf der Teilstrecke Ano Lechonia–Milies Museumsbetrieb)

Paleofarsalos–Velestino–Volos (Schmalspur, gelegentlich Museumsbetrieb)

Athen–Lavrio (gelegentlich Museumsbetrieb)

AgrinioMesolongi–Kryoneri (Schmalspur)

Kavasila–Kyllini (Schmalspur)

Diavolitisi–Megalopoli (Schmalspur)

Kalamata–Messini (Schmalspur)

Weblinks

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