Paulus Orosius (* um 385; † um 420), war ein in Hispanien (möglicherweise in Braga in der Provinz Galaecia) geborener Historiker und Theologe.
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Als christlicher Priester zeigte er Interesse an der Auseinandersetzung um den Priscillianismus, die in seinem Geburtsland tobte, und es ist möglich, dass er aufgrund dessen Augustinus in Hippo im Jahr 413 oder 414 aufsuchte. Nachdem er einige Zeit in Africa als sein Schüler geblieben war, wurde er von ihm 415 mit einem Empfehlungsbrief für Hieronymus nach Palästina gesandt, dann nach Betlehem.
Der angebliche Zweck seiner Mission (abgesehen von einer Pilgerfahrt und vielleicht dem Erwerb von Reliquien) war, weitere Unterweisung von Hieronymus zu den von den Priscillianern und Origenisten aufgeworfenen Fragen zu erhalten; tatsächlich aber sollte er Hieronymus und andere gegen Pelagius in Stellung bringen, der seit der Synode von Karthago 411 in Palästina lebte und auch einige Akzeptanz fand.
Das Ergebnis seiner Ankunft war, dass Johannes, der Bischof von Jerusalem, sich veranlasst sah, in seiner Residenz für Juni 415 eine Synode einzuberufen, auf der Orosius über die Entscheidungen von Karthago berichtete und aus Augustinus’ Schriften jene Abschnitte verlas, die sich gegen Pelagius richteten. Erfolg war schwerlich zu erwarten bei den Orientalen, die vielfach kein Latein verstanden und deren Sinn für Pietät durch Pelagius’ Frage et quis est mihi Augustinus? berührt worden war.
Alles, was Orosius erreichte, war Johannes’ Zusage, einen Brief und eine Gesandtschaft nach Rom zu Papst Innozenz I. zu schicken. Nachdem er lange genug gewartet hatte, um die unvorteilhaften Entscheidungen der Synode von Diospolis oder Lydda vom Dezember des gleichen Jahres zur Kenntnis zu nehmen, kehrte er nach Nordafrika zurück, wo er vermutlich gestorben ist. Nach Gennadius brachte er kürzlich entdeckte Reliquien des Märtyrers Stephan von Palästina nach Menorca, wo sie bei der Konversion der Juden eingesetzt wurden.
Das früheste Werk des Orosius, Consultatio sive commonitorium ad Augustinum de errore Priscillianistarum et Origenistarum, erklärt sein Ziel im Titel; es wurde bald nach seiner Ankunft in Africa geschrieben, und wird üblicherweise in den Werken des Augustinus vor dessen Antwort Contra Priscillianistas et Origenistas liber ad Orosium gedruckt.
Seine nächste Abhandlung, Liber apologeticus de arbitrii libertate, schrieb er während seines Aufenthalts in Palästina und in Verbindung mit der Kontroverse, die ihn dort beschäftigte. Es ist eine scharfe und nicht immer gerechte Kritik des Pelagianismus vom Standpunkt des Augustinus aus.
Orosius' berühmtestes Werk, die Historiae adversum Paganos, wurde auf Augustinus’ Anregung hin begonnen, dem die Schrift auch gewidmet ist. Als Augustinus diese Aufgabe vorschlug, hatte er schon sein De civitate Dei begonnen, und es sind dann vielfach die gleichen Argumente, die von seinem Schüler Orosius ausgearbeitet werden - vor allem der anhand der Geschichte versuchte "Beweis", dass die Welt mit dem Auftritt des Christentums nicht schlechter geworden sei. Das Projekt war notwendig geworden, da sich aufgrund des offenkundigen Verfalls des weströmischen Reiches seit etwa 400 und insbesondere seit der Eroberung Roms durch Alarich I. im Jahr 410 die Stimmen gemehrt hatten, die die Abkehr von den alten Göttern für die schwierige Lage verantwortlich machten. Augustinus und Orosius ging es darum, darzulegen, dass die Römer auch in früherer Zeit von Katastrophen getroffen worden waren, weshalb das Christentum nicht für die aktuellen Probleme verantwortlich zu machen sei.
Die Arbeit des Orosius, eine Art Chronik der Katastrophen, die der Menschheit bis zum Jahr 417 widerfahren seien, ist das früheste Beispiel von systematisch Gebrauch der Jahreszählung ab urbe condita. Sie ist leider wenig genau und nicht instruktiv; sie gibt auch keinen Anlass zu literarischem Kommentar; es war jedoch der erste Versuch, die Geschichte der Welt aus dezidiert christlicher Sicht als Geschichte einer von Gott geleiteten Menschheit zu schreiben. Ihre Absicht ist in den Augen der "Orthodoxen" auch ihr Wert, und die Hormesta, Ormesta oder Ormista, wie sie auch genannt wird, ohne dass man wüsste warum, erreichte schnell eine große Popularität. Nahezu zweihundert Manuskripte dieses Werks sind erhalten geblieben, auch eine freie und gekürzte Übersetzung für den britischen König Alfred (altenglischer Text mit der lateinischen Vorlage, herausgegeben von H. Sweet, 1883). Die Quellen, derer sich Orosius bediente, wurde von T. de Morner ermittelt: neben dem Alten und Neuen Testament scheint er Caesar, Livius, Junianus Justinus, Tacitus, Sueton, Florus und eine Kosmographie herangezogen und zudem großen Wert auf Hieronymus’ Übersetzung der Kirchengeschichte des Eusebius von Caesarea gelegt zu haben.
Die Geschichte des Orosius wurde unter Al-Hakam II. von Córdoba ins Arabische übersetzt und wurde später eine der Quellen für Ibn Khaldun.