Otto Freundlich (* 1878 in Stolp, Pommern; † 1943 im KZ Lublin-Majdanek) war ein deutscher Maler und Bildhauer jüdischer Herkunft, einer der ersten Vertreter der abstrakten Kunst.
Freundlich entschloss sich nach unterschiedlichen Tätigkeiten, darunter auch ein Zahnmedizinstudium, Künstler zu werden. 1908 ging er nach Paris und wohnte am Montmartre im Bateau Lavoir unter einem Dach mit den damals jungen Pablo Picasso, Braque und anderen. Nach der Revolution 1918 engagierte sich Freundlich politisch z.B. als Mitglied der Novembergruppe. 1919 organisierte er die erste Kölner Dada-Ausstellung zusammen mit Max Ernst und Johannes Theodor Baargeld.
1929 schuf Freundlich die Großplastik "Ascension". In den dreißiger Jahren lebte und arbeitet Freundlich vorwiegend in Frankreich. Bei Ausbruch des zweiten Weltkrieges wurde er in Frankreich interniert und auf Betreiben Picassos von den französischen Behörden freigelassen, dann aber von der deutschen Besatzungsmacht in das KZ Lublin-Majdanek deportiert, wo er umkam.
Von Freundlich stammt die Idee einer völkerverbindenden "Straße der Skulpturen Paris-Moskau": une voie de la fraternité humaine, une voie de la solidarité humaine en souvenir de la libération - "Weg der menschlichen Brüderlichkeit, Weg der menschlichen Solidarität in Erinnerung an die Befreiung". 1971 wurde auf Initiative des Künstlers Leo Kornbrust in Erinnerung an diese Idee mit einer Straße der Skulpturen im Saarland begonnen. 1999 begann der Verkehrsverein Salzgitter-Bad nach einer Anregung des Künstlers Gerd Winner mit der Realisierung eines weiteren Skulpturenweges als Hommage à Otto Freundlich 1878 - 1943, der mittlerweile (2006) sieben großformatige Stahlskulpturen renommierter internationaler Künstler zeigt.
1912 schuf Otto Freundlich die monumentale Plastik "Der neue Mensch". Die Figur erinnert etwas an die Steinköpfe der Osterinseln und symbolisierte den erhofften "geistigen Neubeginn" der Vorkriegszeit. 1930 kaufte der damalige Direktor Max Sauerlandt das Werk für das Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg. 1937 wurde es während der Aktion "Entartete Kunst" beschlagnahmt, in der gleichnamigen Ausstellung in München vorgeführt und zudem auf dem Titelblatt des Ausstellungskataloges verwendet. Das fotografische Abbild (von unten aufgenommen) verzerrt den Kopf, so wirkt er hochmütig und schmerzvoll. Während der Wanderung der Ausstellung durch weitere Städte ist die Plastik abhanden gekommen und gilt seither als verschollen, vermutlich zerstört. Im Jüdischen Museum Berlin ist nun für diese Figur ein Stellvertreter, ein „Schwarzer Fleck“ ausgestellt (Gallery of the Missing), als Symbol für den Verlust und die Zerstörung von Kultur- und Kunstwerken durch den Nationalsozialismus.
Quelle: "Standpunkte der Ethik" ISBN 3-506-25000-0