Otto Hoetzsch

Otto Hoetzsch (* 14. Februar 1876 in Leipzig; † 27. August 1946 in Berlin) war ein deutscher Wissenschaftler und Politiker.

Der Sohn eines Klempnermeisters studierte ab 1895 in Leipzig Geschichte, Nationalökonomie und Kunstgeschichte. Nach seiner Promotion 1899 war er bis 1900 Bibliothekar und Redakteur einer Studentenzeitschrift und betätigte sich u. a. im Alldeutschen Verband und der Flottenbewegung. 1905 legte er das militärische Dolmetscherexamen in Polnisch, Russisch, Ukrainisch, Französisch, Englisch, Italienisch und Holländisch ab. Von 1906 - 1913 unterrichtete er an der Königlichen Akademie in Posen und wurde 1913 außerordentlicher Professor für osteuropäische Geschichte in Berlin.

Seine politische Karriere begann 1919 als Abgeordneter der Provinz Posen in der Preußischen Verfassunggebenden Landesversammlung. 1918 trat er in die DNVP ein; 1920, 1924 und 1928 war er Abgeordneter im Reichstag. Bei den Verhandlungen der Reichsregierung über den Rapallovertrag mit der neu gegründeten Sowjetunion, die mittels dieses Vertragswerkes einen ersten Schritt zur internationalen Anerkennung unternahm (1922), wurde er als Dolmetscher zugezogen. Hoetzsch scheint anfangs im Rapallovertrag auch für das besiegte und international geächtete Deutschland Chancen gesehen zu haben, wieder Großmacht zu werden; die ablehnende Haltung des westlichen Auslandes bestärkte ihn in dieser Überzeugung.

Er war ein großer Verehrer von Reichspräsident Hindenburg, den er auch gemeinsam mit seiner Frau als Gast in seiner Wohnung bewirtete.

Zwischen 1923 und 1934 hielt er sich mehrfach in Russland auf und nahm dort Kontakte zu wissenschaftlichen Institutionen und gesellschaftlichen Institutionen auf. 1928 unternahm er zudem eine ausgedehnte Vortragsreise durch die USA. In dieser Zeit war er Interessensvertreter für alle Russland - (SU)-Begeisterten im Berlin der 20er Jahre. Er gründete die 'Deutsche Gesellschaft zum Studium Russlands (später: Osteuropas) und 1925 die Zeitschrift Osteuropa, die heute noch existiert. Er organisierte und inspirierte russische Emigranten, Deutschbalten und Sowjetrussen, denn Berlin war damals das anerkannte Zentrum der Russland- und Osteuropastudien. Deshalb bezeichneten ihn die Nationalsozialisten als „Salonbolschewisten“, obwohl er prinzipiell deutschnational eingestellt war (u. a. hatte er in der damals von ihm editierten Kreuzzeitung 1914 enthusiastisch den Kriegsausbruch begrüßt). So schied er 1932 aus dem Reichstag aus und wurde 1935 zwangspensioniert. Dies bedeutete auch das vorläufige Ende der akademischen Osteuropaforschung.

Nach seiner Zwangspensionierung lebte er zurückgezogen in Berlin; ab 1944 vorübergehend in Stettin.

Nach dem Zweiten Weltkrieg bescherte die Teilung Europas dem Streben Otto Hoetzschs, Russland und Osteuropa in den europäischen Geschichtshorizont einzugliedern, eine weitere Niederlage. In der SBZ wurde er wieder in sein Amt (Ordinarius für Geschichte an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin) eingesetzt, lt. Angaben der Universität Erfurt war er der Besatzungsmacht gegenüber sehr aufgeschlossen. Auch nach seinem Tod wurde der ehemalige DNVP-Abgeordnete, dem man nachsagte, daß er noch am Biertisch für Niveau sorgte, der aber auch gewisse Qualitäten eines „Wendehalses“ besessen zu haben scheint, nach dieser Quelle in der DDR sehr anerkannt.

Werke

Hoetzsch, Otto, Die dringendste Aufgabe der Polenpolitik. Vortrag, ... gehalten auf dem Alldeutschen Verbandestage in Wien, München: Verlag J. F. Lehmann, 1907.(Serie: Flugschriften des Alldeutschen Verbandes Heft 27) Steht in: Berkeley University of California, Main Stack JN4481.H6 1907a http://www.lib.berkeley.edu/Collections/Germanic/ger1003.html

Weitere Werke:

  • Die Vereinigten Staaten von Nordamerika. (Bielefeld/Leipzig) Monographien zur Weltgeschichte4 hg. v. Ed. Heyck, 20)
  • Katharina die Zweite von Russland. Eine deutsche Fürstin auf dem Zarenthrone des 18. Jhd. Leipzig 1940

Postum erschienen:

  • Russland in Asien. Geschichte einer Expansion. Mit einem Vorwort von Klaus Mehnert (Stuttgart 1966), Schriftenreihe Osteuropa, hg. v. d. Ges. f. Osteuropakunde, 5

Literatur

  • Zirlewagen, Marc: Otto Hoetzsch, in: Zirlewagen, Marc (Hg.): 1881–2006 – 125 Jahre Vereine Deutscher Studenten, Bd. 1: Ein historischer Rückblick, Pressburg 2006, S. 223-225


Weblinks

Quelle:
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