Palmenhaus (Wien-Schönbrunn)

Das Palmenhaus im Schlosspark Schönbrunn ist das Prominenteste der vier Pflanzenhäuser im Schlosspark in Wien-Hietzing.

Das Palmenhaus von Schönbrunn
Das Palmenhaus von Schönbrunn

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Monarchie

Palmenhaus von Schönbrunn – Tafel Architekt Segenschmid
Palmenhaus von Schönbrunn – Tafel Architekt Segenschmid
Palmenhaus von Schönbrunn – Ausführende Firma Ig. Gridl
Palmenhaus von Schönbrunn – Ausführende Firma Ig. Gridl

Nach nur zwei Jahren Bauzeit eröffnete Kaiser Franz Joseph I. am 19. Juni 1882 das nach Plänen vom Hofarchitekten und Brückenbauexperten Franz-Xaver von Segenschmid vom Hofschlosser und Eisenkonstrukteur Ignaz Gridl erbaute Palmenhaus. Verantwortlicher für die Statik war Sigmund Waagner, dessen Nachfolger von der Vergangenheit eingeholt wurden: Bei der großen Sanierung 1986 bis 1990 war die Firma Waagner Biro federführend beteiligt.

Von der Presse wurde die Eröffnung unterschiedlich aufgenommen. Manche Zeitungen waren höchst euphorisch, andere ätzten kräftig über das 100.000 Gulden teure Bauwerk, welches sich die Habsburger da geleistet hatten.

Verantwortlicher für die gärtnerische Ausgestaltung war der k.u.k. Hofgarten-Inspektor Adolf Vetter, der diese Arbeit zwischen August 1882 und März 1883 bewältigen konnte. Das größte Problem – neben zahlreichen kleineren – machte die Übersiedlung einer Livistona chinensis-Palme, der höchsten Palme in Schönbrunn.

Auch während des Ersten Weltkriegs war das Palmenhaus öffentlich zugänglich, aus den Einnahmen der Eintrittskarten wurde an den Unterstützungsfond für „Notleidende Gärtner und deren Witwen“ ein Beitrag geleistet.

Wegen des Mangels an männlichen Arbeitskräften wurden ab 1915 weibliche Hilfskräfte für die Gärtnerarbeit aufgenommen und auch eine Sekretärin für den Kanzleidienst.

1. Republik

Mit dem Ende der Donaumonarchie wurden aus den k.u.k. Hofgärten die Bundesgärten.

Während des Winters von 1923 war Schulklassen der Besuch des Palmenhauses untersagt. Begründet wurde dies damit, dass durch das Öffnen der Türen zuviel Wärme entwich, wodurch die Pflanzen geschädigt wurden.

1939 – 1945

Bei einem Bombenangriff am 21. Februar 1945 fielen über 200 Bomben auf das Areal von Schloss Schönbrunn. Dabei ging die Verglasung des Palmenhauses fast vollständig zu Bruch. Einige wenige wertvolle Pflanzen konnten ins benachbarte Sonnenuhrhaus gebracht und dadurch gerettet werden.

2. Republik

1948 begann der Wiederaufbau des Palmenhauses. Auf Grund der allgemeinen Versorgungslage konnten die Korrosionsschäden nicht behandelt werden, zum Einsetzen der 45.000 Glasscheiben wurden fünf Waggonladungen Fensterkitt – also ungefähr 55 Tonnen! –verbraucht.

Im Oktober 1952 wurde mit der gärtnerischen Gestaltung begonnen, die feierliche Eröffnung erfolgte am 14. Januar 1953.

Nach dem Einsturz der Reichsbrücke am 1. August 1976 wurden in Wien sämtliche Brücken und Stahlkonstruktionen überprüft. Neben der Floridsdorfer Brücke über die Donau und die Philadelphiabrücke in Meidling über die Südbahn wurden auch beim Palmenhaus gravierende Mängel festgestellt. Im November des gleichen Jahres wurde das Bauwerk für die Öffentlichkeit geschlossen, die Gärtner durften nur noch mit Schutzhelmen arbeiten.

Zehn Jahre lang dauerten die Diskussionen, wie das denkmalgeschützte Bauwerk am Besten zu sanieren sei. Die Arbeiten wurden dann am 12. Mai 1986 begonnen.

Gearbeitet wurde jeweils während der warmen Jahreszeit, da im Winter das Schönbrunner Palmenhaus als Winterquartier für die Pflanzen diente. Im Zuge dieser Arbeiten musste auch eine Kanarendattelpalme mit einem Gewicht von ungefähr acht Tonnen übersiedelt werden.

Architektur

Das aus ungefähr 600 Tonnen Schmiedeeisen und 120 Tonnen Gusseisen erbaute Palmenhaus hat eine Länge von 113 Metern und eine Breite von 29 Metern bei einer Höhe von 25 Metern. Gedeckt ist es mit 45.000 Glasscheiben.

An den rechteckigen Zentralbau schließt im Norden und Süden je ein quadratischer Anbau („Kalthaus“ und „Warmhaus“) an. Ursprünglich wurden die drei Bauteile durch bewegliche Glaswände getrennt, unterdessen sind die Trennwände fix eingebaut.

Die geschwungene außen liegende Konstruktion aus Schmiedeeisen liegt im Inneren des Baus auf gusseisernen Säulen auf.

Heizungstechnisch war das Schönbrunner Palmenhaus an die Heizung des Tiergartens Schönbrunn angeschlossen, was aber auch zu Problemen führen konnte. Benötigte man etwa im Tiergarten höhere Temperaturen, so stiegen auch im Palmenhaus die Temperaturen, was für die Pflanzen nicht immer gut war.

Mit der Errichtung des Sonnenuhrhauses wurde 1904 ein eigenes Heizhaus errichtet. Allerdings wurden nun durch den in Wien vorherrschenden Westwind die Abgase auf das Palmenhaus geweht, was die Glasscheiben erheblich verschmutzte. Zu deren Reinigung wurden Kadetten der österreichischen Kriegsmarine abkommandiert.

Im Zuge der großen Restaurierung von 1986 bis 1990 wurden auch zahlreiche Wünsche der Gärtner berücksichtigt.

  • Die Schattierung geschieht nun auf Knopfdruck, früher musste diese von Hand mittels Schilfmatten erledigt werden.
  • Unter dem Mittelteil wurde ein Kellerbereich für die Haustechnik geschaffen, wo sich auch eine Gießwasseraufbereitungsanlage befindet. In zwei Zisternen (je 120.000 Liter) wird Regenwasser vom Glasdach gesammelt und zum Gießen verwendet. Ansonsten wird Trinkwasser verwendet.
  • Zur Steuerung der Luftfeuchigkeit wurde eine Nebelsprühanlage errichtet.
  • Besonders empfindliche Pflanzen wie die Kokospalme herhielten eine zusätzliche Vegetationsheizung (ähnlich einer Fußbodenheizung), damit die frei in den Erdboden gepflanzten Wurzeln die winterliche Bodenkälte nicht zu verspüren bekommen.

Aufsehen erregende Pflanzen

Eine Rarität ist die Seychellennußpalme. Sie wurde aus einer jener Früchte gezogen, die die Republik der Seychellen dem Schönbrunner Palmenhaus anlässlich seiner Wiedereröffnung zum Geschenk machte. Die Keimung des Samens dauert etwa neun Monate, bis zur ersten Blüte der Palme vergehen 50 bis 100 Jahre. Der Umfang der Früchte kann mehr als einen Meter betragen.

Im Mittelteil bereitet eine etwa 120 bis 140 Jahre alte Livistona chinensis-Palme den Verantwortlichen Sorgen. Schon während der Generalsanierung konnte sie ihrer Größe wegen nicht mehr transportiert werden und nun hat sie die Laterne des Glashauses erreicht. Die Verantwortlichen stehen vor der Frage, ob sie mittels Hormonen das weitere Wachstum verhindern oder die Livistona chinensis fällen sollen. Der Vorschlag, die Palme schräg zu stellen, würde die endgültige Lösung nur hinauszögern.

Vor diesem Problem standen die Verantwortlichen im Jahr 1909bereits einmal. Die Vorgängerin der heutigen Livistona hatte die maximale Höhe erreicht. Vorgeschlagen wurde ein Aufbau auf der Kuppel des Palmenhauses, aber auch die Hebung des gesamten Bauwerks. Wegen der enormen Kosten kam man aber von dieser Idee rasch wieder ab und griff zur Säge, nachdem man sie noch einige Jahre mit Stahlseilen niedergebogen und quer durch den Innenraum kultiviert.

Das älteste Gewächs im Palmenhaus in Schönbrunn ist der Ölbaum mit einem geschätzten Alter von 350 Jahren. Anlässlich der Wiener Internationalen Gartenschau 1974 (WIG 74) wurde er von Spanien in Wien präsentiert und anschließend den Bundesgärten zum Geschenk gemacht.

Im August 2001 blühte im Palmenhaus erstmal seit über 40 Jahren wieder einmal eine Victoria amazonica (regia), eine Seerose. Über 1.600 Besucher kamen während der Nacht, um dieses seltene Schauspiel zu beobachten.

Entdeckt wurde die Victoria amazonica (regia) von einem Österreicher. Am Mamoréfluß entdeckte der aus Böhmen stammende Thaddäus Haenke 1801 diese Seerose.

Die Schwimmblätter könnten bis zu zwei Meter Durchmesser erreichen und bis zu 80 Kilogramm Gewicht tragen. Die Blüte ist bis zu 35 Zentimeter groß und zeigt sich nur an zwei aufeinanderfolgenden Tagen.

Die Pflanze, die 2001 in Wien blühte, stammte von Samen aus dem Botanischen Garten in München ab.

Besucherzahlen

  • 1999: 148.000 Besucher, damit 18. Platz in der Reihung der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Wiens
  • 2001: 156.000 Besucher, damit 17. Platz
  • 2003: 220.000 Besucher, damit 14. Platz
  • 2004: 169.089 Besucher, damit 23. Platz
  • 2005: 142.769 Besucher, damit 24. Platz

Siehe auch

Literatur

  • Gerhard Deimel, Kurt Vogl, Ingrid Gregor: „Palast der Blüten – Das Schönbrunner Palmenhaus“, Holzhausen Verlag, Wien, 2002, ISBN 3-85493-052-6

Weblinks

Quelle:
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