Panzerfaust 3

Panzerfaust 3 EX, Abstandsrohr ausgezogen
Panzerfaust 3 EX, Abstandsrohr ausgezogen
Übungsgeschoss (Projektil) der Panzerfaust 3 nach dem Verschuss
Übungsgeschoss (Projektil) der Panzerfaust 3 nach dem Verschuss

Die Panzerfaust 3 ist die Panzerabwehrhandwaffe der Bundeswehr. Produzent ist die Dynamit Nobel AG (seit 2004 Dynamit Nobel Defence GmbH). Sie wird von allen infanteristisch kämpfenden Truppengattungen eingesetzt (Panzerabwehr aller Truppen).

Inhaltsverzeichnis

Aufbau & technische Daten

Die Panzerfaust 3 besteht aus zwei Baugruppen: Patrone und Abfeuerungseinrichtung (Griffstück), wobei das Abschussrohr nach dem Abfeuern vor Ort zurückbleibt. Das Griffstück ist mit Visier und Abschusseinrichtung ausgestattet.

  • Kaliber Geschosskopf: 110 mm
  • Kaliber Abschussrohr: 60 mm
  • Gewicht: 12,9 kg (mit Griffstück)
  • Kampfentfernung: 300 m gegen fahrende Ziele, 400 m gegen stehende Ziele
  • Durchschlagsleistung: 700 mm Panzerstahl

Historie

Anfang der 70er Jahre kamen aufgrund der ständig fortschreitenden Entwicklung in der Panzertechnik Forderungen nach einer neuen Panzerabwehrhandwaffe für die Infanterie auf, um die bis dahin in der Bundeswehr eingeführten und genutzten Waffen, die Leichte Panzerfaust 44mm „Lance“ und die Schwere Panzerfaust 84mm „Carl Gustaf“ zu ersetzen. Im Rahmen der konzeptionellen Überlegungen wurde in der Taktischen Forderung an das Wehrmaterial vom 23. Januar 1973 folgendes Anforderungsprofil festgelegt:

  • Einwegwaffe
  • wirksam gegen alle bekannten Panzertypen
  • sichere und einfache Handhabung
  • geringer Ausbildungsaufwand
  • Schießen aus Deckungen möglich, aus geschlossenen Räumen mit geringer Tiefe erwünscht

1978 erhielt die damalige Dynamit-Nobel AG den Entwicklungsauftrag, 1986 begannen die ersten Truppenversuche, 1992 wurde schließlich die Panzerfaust 3 offiziell eingeführt.

Aufbau und Wirkungsweise

Die Panzerfaust 3 besteht aus dem wiederverwendbaren Griffstück und der Patrone. Die Patrone wiederum unterteilt sich in Abschussrohr und Geschoss. Der Geschosskopf liegt außerhalb des Rohres, wodurch die Abmaße des Kopfes unabhängig vom Kaliber des Abschussrohres gewählt werden können. Er besteht aus 2 Teilen, dem Abstandsrohr und der Wirkladung. Gegen gepanzerte Ziele wie Panzer wird das Abstandsrohr ausgezogen, gegen weiche Ziele wie LKW und Gebäude bleibt es eingeschoben.

Aufgrund einer neuartigen Verdämmung kann die Panzerfaust 3 auch in geschlossenen Räumen eingesetzt werden. Der Sicherheitsbereich beträgt 10 m, wird allerdings im Ausbildungsbetrieb der Bundeswehr größer dimensioniert. Die Verdämmung besteht aus Plastikkugeln und wird beim Abschuss nach hinten ausgestoßen. Durch den Ausstoß wird ebenfalls der Rückstoß reduziert, die Wirkung gleicht einem rückstoßfreien Geschütz. Entgegen der ursprünglichen Festlegung als Einwegwaffe, wurde das Konzept in den ersten Nutzungsjahren bei der Bundeswehr aufgegeben. Somit wird nach dem Schuss die Abfeuerungseinrichtung vom Abschussrohr abgenommen und kann zusammen mit einer neuen Patrone weiter verwendet werden.

Die Panzerfaust 3 ist in Standardausführung nicht nachtkampffähig und ist damit auf Gefechtsfeldbeleuchtung angewiesen. Durch eine Montageplatte kann jedoch der Nachtsichtaufsatz 80 (NSA 80), ein Restlichtverstärker, angebracht werden.

Versionen

Panzerfaust 3 im Kaliber 60 mm(Schweizer Armee)
Panzerfaust 3 im Kaliber 60 mm
(Schweizer Armee)

Es wurden mehrere Patronenarten mit unterschiedlicher Wirkungsweise eingeführt. Jedoch besitzen alle Varianten die Möglichkeit des Abfeuerns aus geschlossenen Räumen, die Nutzung als „Bunkerbrecher“ und der Einsatz als panzerbrechende Waffe.

  • Panzerfaust 3: Die Standardpatrone wirkt nach dem Hohlladungsprinzip (700 mm Panzerstahl).
  • Panzerfaust 3-T: Die doppelte Hohlladung (Tandemhohlladung) ist auch gegen Reaktivpanzerung wirksam (800 mm Panzerstahl).
  • Panzerfaust 3-IT-600: u. a. ein verbessertes Target- und Control-System, genannt „DYNARANGE“, mit Computervisierung Spa-Simrad IS2000. Ein Feuerleitrechner unterstützt dabei den Schützen und erlaubt laut Hersteller Kampfentfernungen bis 600 m.
  • Panzerfaust 3 „Bunkerfaust“: Ein zündverzögerter Splittersprengsatz, die sogenannte Nachschussladung fliegt durch das von der Hohlladung geschaffene Loch und explodiert im Inneren des Ziels. Diese Patrone ist zum Einsatz gegen gehärtete Bauwerke wie armierter Beton oder Feldbefestigungen gedacht. Die Durchschlagsleistung beträgt maximal 250 mm Mauerwerk.
  • Panzerfaust RGW 60: RGW steht für Recoilless Grenade Weapon und ist eine Panzerfaust 3 im Kaliber 60 mm statt 110 mm. Das kleinere Kaliber reduziert das Gewicht enorm und ermöglicht den Einsatz beim Orts- und Häuserkampf sowie in Situationen wo Durchschlagsleistung weniger wichtig sind. Dieses System wurde zusammen mit dem Programm Infanterist der Zukunft bei der Bundeswehr 2004 eingeführt. Eine Version mit 90 mm befindet sich in Entwicklung.

Für Übungen in der Umgangsweise mit der Panzerfaust gibt es vier Systeme:

  • Panzerfaust 3 EX: Entspricht der Standardpatrone in Gewicht und Aussehen, enthält allerdings keinen Treibsatz oder Sprengstoff und dient nur zur Übung im Umgang mit der Panzerfaust. Bei Manövern ohne AGDUS dient diese auch als Darstellung der Panzerabwehr.
  • Panzerfaust 3 AGDUS: AGDUS steht für Ausbildungsgerät Duellsimulator und simuliert mittels Laser den Waffeneinsatz und ermöglicht eine waffennahe Ausbildung. Die Software berücksichtigt dabei auch Ziel- und Bedienungsfehler.
  • Panzerfaust 3 UEB-T: Dieser Typ entspricht der richtigen Panzerfaust 3, verschießt aber Unterkalibermunition im Kaliber 18 mm(siehe Bild), sogenannte „Negerpfeile“.
  • Panzerfaust 3 UEB 60 mm: Diese Variante ist ebenfalls in Gewicht und Aussehen der scharfen Patrone gleich, unterscheidet sich aber durch einen blauen Geschosskopf der eine Gipsfüllung enthält als Darstellungskörper. Bezüglich Realtität zum scharfen Gefechtskopf ist diese Version am nächsten, was Rückstoß und Verhalten der Waffe beim Abschuss entspricht.

Nutzer

Neben Deutschland nutzen auch die Niederlande, Schweiz, Japan, Italien und Südkorea die Panzerfaust 3.

Weblinks

Commons
Commons: Panzerfaust 3 – Bilder, Videos und Audiodateien
Quelle:
Artikel Panzerfaust 3 aus der freien Enzyklopädie Wikipedia mit dieser Versionsgeschichte
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