Der Papstname wird von einem jeweils neu gewählten Papst anstelle seines Taufnamens angenommen und für die Dauer seines Pontifikats, also üblicherweise bis zum Ende seines Lebens, verwendet. Seinen Namenstag begeht der Papst hingegen nach wie vor nach seinem Taufnamen. Der Papstname wird der in Rom versammelten Menge am Ende eines Konklaves vom Kardinalprotodiakon auf lateinisch verkündet:
„Annuntio vobis gaudium magnum: Habemus Papam! Eminentissimum ac Reverendissimum Dominum, Dominum XXX, Sanctae Romanae Ecclesiae Cardinalem XXX, qui sibi nomen imposuit XXX.“
„Ich verkünde euch große Freude: Wir haben einen Papst! Den herausragendsten und hochwürdigsten Herrn, Herrn [Taufname des Gewählten], der Heiligen Römischen Kirche Kardinal, [Familienname des Gewählten], welcher sich den Namen [Papstname] gegeben hat.“
Die Tradition, bei der Wahl zum Papst einen neuen Namen anzunehmen, reicht zwar nicht bis zu den Ursprüngen des Papstamtes zurück, aber durch Abstimmung der Namen der modernen Päpste mit denen des Altertums und durch eine einheitliche Nomenklatur von den Anfängen bis heute trägt er auf seine Art zum Fortbestand dieser Institution bei.
Inhaltsverzeichnis |
Wie andere Rufnamen unterscheiden sich auch die Papstnamen in verschiedenen Sprachen. Gewöhnlicherweise werden die Namen in die jeweilige einheimische Sprache „übersetzt“, sofern es in ihr ein Äquivalent für sie gibt. Deshalb wird ein Papst, der auf Latein Ioannes und auf Griechisch Ιωάννης (Ioánnis) heißt, auf Französisch Jean, auf Englisch John, auf Italienisch Giovanni, auf Spanisch Juan, auf Ungarisch János und auf Deutsch Johannes genannt. Sofern nicht speziell angemerkt, sind die in diesem Artikel verwendeten Papstnamen die deutschsprachigen.
Nicht jede „Übersetzung“, die meist eine im Laufe der Jahrhunderte erfolgte Umformung oder phonetische und grammatikalische Anpassung ist, ist möglich oder notwendig. Einige seltene Namen behalten ihre lateinische oder griechische Form, weil es kein deutsches Äquivalent gibt (Hormisdas, Sisinnius); andere lateinische Namen sind unverändert auch auf Deutsch gängig (Pius, Leo).
In nicht-katholischen Ländern und Kulturen werden Papstnamen häufig anderen Sprachen entliehen. Auf Türkisch ist es üblich, Päpste mit ihrem französischen Namen mit vorangestellter Nummer zu bezeichnen. Johannes Paul II. und Benedikt XVI. heißen darum im Allgemeinen ikinci Jean Paul und onaltıncı Benoit. Mit zunehmender Verbreitung des Englischen findet man jedoch immer öfter die Formen ikinci John Paul bzw. onaltıncı Benedict. Man findet sogar die lateinischen oder italienischen Namen. Darüberhinaus wird bei diesen Formen manchmal die Rechtschreibung der Herkunftssprache beibehalten, manchmal der Name phonetisch geschrieben (Jan Pol).
Die kulturelle und sprachliche Dominanz eines Staates über einen anderen hat starken Einfluss auf die Namensgebung im dominierten Land, auch im Hinblick auf Papstnamen. Auf Aserbaidschanisch, einer dem Türkischen sehr nahen Sprache, benutzt man die russischen Papstnamen, weswegen Johannes Paul II. ikinci Ioann Pavel – auf Russisch Иоанн Павел второй (Ioann Pavel vtoroï) – genannt wurde. Auf Tagalog, der Amtssprache der Philippinen, werden die spanischen Papstnamen verwendet. In den protestantisch geprägten Ländern Nordeuropas werden am häufigsten die lateinischen Papstnamen verwendet, auch wenn in der jeweiligen Sprache ein Äquivalent existiert. Ausnahmen werden aber für die gängigsten Vornamen (Peter, Alexander) gemacht, und bei anderen kann die Orthographie der der Landessprache angepasst werden (zum Beispiel durch Ersatz von c durch k). Im Gegensatz dazu haben Sprachen in orthodoxen Ländern Entsprechungen für die Heiligennamen der frühen christlichen Kirche und können darum die Mehrzahl der Papstnamen übersetzen.
Darüberhinaus ist das Christentum in einigen arabischen Ländern seit langem ansässig, sodass es für katholische Heilige und damit auch für Päpste Namen auf Arabisch gibt. Diese Namen weichen zuweilen von ihrem strengen Äquivalent aus der moslemischen Tradition ab: Johannes wird als يوحنّا (yūḥannā) wiedergegeben, wenn ein katholischer Papst gemeint ist, aber als يحيی (yaḥyā), wenn Moslems den Propheten Johannes den Täufer meinen.
Selbst in den „offiziellen“, lateinischen Päpstelisten kann es vorkommen, dass verschiedene Namen, die aber ähnlich klingen oder eine ähnliche Bedeutung haben, im Nachhinein fälschlicherweise durcheinandergebracht wurden. Zum Beispiel scheinen die ersten drei Päpste der Antike namens Sixtus den griechischen Namen Xystos (der Geglättete) oder aber den römischen Vornamen Sixtus (der Sechste) getragen zu haben. Die beiden Namen wurden zu einem einzigen Namen Sixtus vermischt, der in der Renaissance von zwei weiteren Päpsten wieder aufgegriffen wurde.
Die gleiche Vermischung ist aus lautlichen Gründen Martinus oder Martin widerfahren (siehe unten). Diese Verwirrung wird jedoch heute als Fehler erkannt, und die beiden Namen werden nunmehr als verschieden angesehen.
Zwischen 615 und 618 regierte ein Papst mit dem lateinischen Namen Deusdedit, wörtlich von Gott gegeben. Von 672 bis 676 regierte ein anderer Papst, dessen lateinischer Name Adeodatus genau dasselbe bedeutet. Es ist üblich geworden, die beiden Namen als Varianten ein und desselben anzusehen, und die beiden Päpste in Listen auf Latein als Adeodatus primus und Adeodatus secundus zu führen.
Auf den Fall des dritten Papstes, je nach Quelle Kletus oder Anaklet, wird im Artikel Anaklet eingegangen.
Die bekannten Daten zu den frühesten Bischöfen von Rom beschränkten sich oft auf ihren Namen.
Es wird allgemein angenommen, dass uns die ersten Päpste mit ihren richtigen Namen überliefert sind. Angesichts der spärlichen Quellenlage lässt sich das aber nicht mit Sicherheit klären. Nach dem Evangelium nach Matthäus hieß der Apostel Petrus Simon, bevor ihm Christus durch einen Ausspruch, der nach katholischem Verständnis das Papstamt insgesamt mit Simon als erstem Inhaber begründet, den Beinamen Petrus verlieh:
„Tu es Petrus, et super hanc petram aedificabo Ecclesiam meam“
„Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen“
Von Petrus’ unmittelbaren Nachfolgern ist wenig bekannt. Es gibt einige Unklarheiten in der Liste der ersten Päpste, insbesondere bei ihren Regierungszeiten und beim Namen und der zeitlichen Einordnung Papst Anaklets, der nach manchen Quellen auch Kletus genannt wird.
Die ersten Päpste können jüdischer, römischer oder griechischer Herkunft gewesen sein, oder auch aus dem vorderen Orient, Nordafrika oder einem anderen Teil des Römischen Reiches gestammt haben. Trotzdem sind ihre überlieferten Namen praktisch durchgängig lateinisch oder griechisch, die beiden Amtssprachen des Reiches. Es ist Spekulation, ob es sich dabei um Übersetzungen ihres ursprünglichen Namens handelt, oder ob sie als römische Bürger – aber nicht notwendigerweise als ethnische Lateiner – neben ihrem muttersprachlichen Namen einen offiziellen griechischen oder lateinischen besaßen. Möglicherweise hatten sich einige von ihnen schon beim Eintritt in die neue Religion und noch vor ihrer Wahl zum Papst einen neuen Namen gegeben. Die uns überlieferten lateinischen Namen können praenomina, nomina oder cognomina, also Vornamen, Familiennamen oder Nachnamen sein.
Nur zwei Papstnamen sind hebräischer Herkunft. Sie entstammen direkt dem Neuen Testament und tauchen recht spät auf, zu einer Zeit, als sich das Christentum bereits vollständig vom Judentum getrennt hatte. Diese Namen sind Johannes (im Jahre 523, nach Johannes dem Täufer) und Zacharias (im Jahre 741, nach Zacharias, Johannes’ Vater). Schließlich scheint ein Papst einen germanischen Namen getragen zu haben, nämlich Lando. Er war (von Johannes Paul I. abgesehen) der letzte Papst, der einen neuen Namen trug. Nach ihm nahmen alle neugewählten Päpste Namen an, die mindestens ein Vorgänger schon getragen hatte, und bald bildete sich die Gewohnheit systematischer Namensänderung heraus.
Die ersten Päpste bis ins 6. Jahrhundert sind fast durchgängig Heilige. Darum wurden die Namen, die sie trugen, für kommende Generationen zu Taufnamen, und werden zum Teil bis heute verwendet.
Der erste beurkundete Fall einer Namensänderung eines Mannes, der zum Papst gewählt wurde, ist der eines Mercurius im Jahre 533. Da er nicht den Namen einer heidnischen Gottheit tragen wollte, nannte er sich Johannes II. Dies wiederholte sich, wenn ein Mann mit dem Namen eines heidnischen Gottes oder Kaisers gewählt wurde; 955 bestieg ein Octavian daher den päpstlichen Thron als Johannes XII.
Im Jahre 983 wurde Petrus Canepanova als Johannes XIV. Papst. Er wollte einen zweiten „Papst Petrus“ nach dem ersten Papst und Apostel Petrus vermeiden. Die anderen Träger des Namens Peter oder einer Variante, die Papst wurden, änderten ihren Namen aus demselben Grund.
Kurz darauf, 996, wurde der erste Deutsche, Bruno von Kärnten, zum Papst gewählt. Ihm folgte 999 der erste französische Papst, Gerbert von Aurillac. Beide trugen germanische Vornamen, die der päpstlichen Tradition fremd waren (obwohl ein Vorgänger, Lando trotz seiner italienischen Herkunft einen germanischen Papstnamen getragen hatte). Sie änderten ihre Namen darum und wurden zu Gregor V. bzw. Silvester II. Zu dieser Zeit waren germanische Vornamen bereits weit verbreitet, nicht nur in germanischen Ländern. Von nun an änderten alle, die einen solchen trugen, diesen, wenn sie Papst wurden. Die einzigen Ausnahmen machten zwei Gegenpäpste des 11. Jahrhunderts, die ihre germanischen Namen beibehielten: Theoderich und Albert.
Aus all diesen Gründen beschäftigte die Notwendigkeit einer Namensänderung bereits die Mehrzahl der Päpste zum Ende des 10. Jahrhunderts, aber der Brauch etablierte sich für alle Päpste unabhängig von ihren Taufnamen. Er erhielt eine symbolische Bedeutung: Der neue Papst war nicht mehr derselbe Mann wie vor seiner Wahl, und darum sollte auch sein Name nicht mehr derselbe sein. Dies gab der Übernahme des Papstamtes eine besondere Wichtigkeit, obwohl sie nie als Sakrament wie die Priester- oder Bischofsweihe anerkannt wurde.
Etwa bis zum Ende des 12. Jahrhunderts wurde man nicht, wie heute, im Augenblick der Wahl zum Papst, sondern durch die Inthronisation. Dies war aus mehreren Gründen erforderlich. Insbesondere war die Zustimmung des Kaisers abzuwarten. Viele Gewählte waren darüberhinaus keine Bischöfe, zum Teil nicht einmal Priester, und mussten darum erst geweiht werden, bevor sie das Amt übernehmen konnten. Gregor VII., gewählt 1073, bestand darauf, dass erst die Inthronisation einen Mann zum Papst mache. Aufgrund der oft chaotischen politischen Lage lag bei vielen Päpsten eine längere Zeitspanne, bis zu mehr als einem Jahr, zwischen Wahl und Inthronisation. Bischof Wibert von Ravenna, vom Kaiser 1080 zum Papst ernannt (und heute als Gegenpapst angesehen), konnte erst 1084 in Rom inthronisiert werden. In den dazwischenliegenden vier Jahren betrachtete er sich nur als „gewählter Papst“ und nicht als amtierender. Er gab sich seinen Papstnamen Clemens III. erst bei seiner Amtseinführung. Man kann daher spekulieren, dass seine unmittelbaren Nachfolger Theoderich und Albert ihre Namen deshalb nicht änderten, weil sie nicht inthronisiert wurden, oder dass ihre mögliche heimliche Inthronisation keine geschichtlichen Spuren in Form eines Papstnamens hinterlassen hat.
Seit 996 behielten nur zwei Päpste ihren Taufnamen bei: Adriaan Florisz Boeyens wurde im Jahre 1522 Hadrian VI., und Marcello Cervini bestieg den Papstthron als Marcellus II. im Jahre 1555. Giuliano della Rovere wollte 1503 möglicherweise seinen Namen behalten, aber es gab keinen Vorgänger namens Julian, sodass er sich mit dem Namen Julius, der schon einmal getragen worden war, begnügte, und Julius II. wurde. Tatsächlich wählte seit Lando 913 kein Papst einen neuen Namen mehr. Zu Landos Zeit war das Papstamt von einigen römischen Familien, unter anderem den Theophylakten, in Beschlag genommen, und die Namen, die dabei aufkamen, zeigten wenig Abwechslung. Als bald darauf die Namensänderung Gewohnheit wurde, achteten alle Päpste bis Johannes Paul I. 1978 den Grundsatz, nur bereits vorher getragene Namen zu wählen.
Der Name, den ein neuer Papst sich gibt, kann viele Bedeutungen haben, und bei etlichen ist der Grund ihrer Wahl unbekannt. Der neue Papst kann seinen Namen zu Ehren eines speziellen Heiligen annehmen, zu Ehren eines Verwandten oder Vorgängers, sogar einer Kirche, in der er gewaltet hat, oder mehreren anderen Personen mit dem gleichen Namen. Als Gerbert von Aurillac im Jahre 1000 Papst wurde, wählte er den Namen Silvester II. in Erinnerung an Silvester I., der Papst unter Konstantin dem Großen gewesen war, als das Christentum römische Staatsreligion wurde.
Zahlreiche Päpste wählten ihre Namen als Reverenz an einen weit zurückliegenden und ruhmvollen Vorgänger, zum Beispiel an Gregor den Großen oder Leo den Großen, statt an einen näheren Vorgänger – bisweilen, um dem Papstamt nach den Verfehlungen der jüngeren Vergangenheit neuen Glanz zu geben. Insbesondere folgte auf die Zeit der großen Dekadenz des Papsttums vom 10. Jahrhundert bis in die erste Hälfte des 11. Jahrhunderts, in der die häufigsten Namen Johannes, Benedikt, Leo und Stephan gewesen waren, die Periode der sogenannten Gregorianischen Reformen, benannt nach Gregor VII., obwohl sie schon vor seiner Herrschaft begann. Als Reaktion auf die Päpste der jüngeren Vergangenheit wurden zahlreiche sehr alte Papstnamen wiederbelebt. Die Liste der Päpste von 1056 bis 1145 zeigt eine große Zahl von Namen mit Ordnungszahl II. Diese Vornamen (und Gregor) wurden danach wiederum wiederverwendet, von woher eine neue Serie gefolgt von der III herrührt. Ebenso gibt es noch eine Reihe mit IV, bevor sich das System in der V. Generation aufspaltet. Die Schande der theophylaktischen Epoche waren vergessen, und die Namen Johannes und Benedikt kamen wieder in Mode. Leo hingegen musste noch einige Jahrhunderte bis zu seiner Wiederbelebung warten, und Stephan wurde überhaupt nicht wiederverwendet, möglicherweise auch aufgrund der Nummerierungsschwierigkeiten, die mit diesem Namen verbunden wären.
Während des Großen Schismas nahmen die Päpste von Rom, Avignon und Pisa deutlich voneinander verschiedene Namen an. Nach der Wiederherstellung des einheitlichen Papsttums schlossen die Päpste zunächst die Namen der drei alten Gefolgschaften aus und ließen außer Gebrauch gekommene Namen wiederaufleben. Der erste von ihnen nannte sich nach dem heiligen Martin von Tours, der am Tag seiner Papstwahl Namenstag hatte, Papst Martin V.
In der Zeit der Renaissance waren zahlreiche verschiedene Namen in Gebrauch, einige damals gängig, andere alt und ansonsten nicht mehr in Verwendung, mit der einzigen Einschränkung, dass der Name mindestens einmal vorher benutzt worden war. Neben der Beibehaltung des Taufnamens (Hadrian VI., Marcellus II. und mit einer kleinen Änderung Julius II.) wurde auch der Familienname zum Papstnamen: Kardinal Piccolomini wurde Pius II. Rodrigo Borgia nannte sich Alexander VI. in erklärter Verehrung Alexanders des Großen. Die Renaissance erlaubte Bezugnahmen auf antike Heiden.
Einige Päpste nahmen den Namen eines Vorgängers aus ihrer Familie an. Pius III. war der Neffe Pius' II., Honorius IV. Großneffe von Honorius III. und Leo XI. ebenfalls Großneffe von Leo X.
Der häufigste Patron eines Papstnamens ist jedoch ein Vorgänger in jüngerer Vergangenheit, dem der neugewählte Papst aus persönlichen Gründen Dankbarkeit erweisen will. Diese Sitte nennt man Pietas, nach dem lateinischen Wort für Frömmigkeit.
Die neu gewählten Päpste wählten immer häufiger den Namen desjenigen, der sie zum Kardinal ernannt hatte, oder dank dessen sie in der Hierarchie aufgestiegen waren. So war Clemens XIV. von Clemens XIII. zum Kardinal ernannt worden, dieser wiederum von Clemens XII., und dieser von Clemens XI. Clemens X. war ebenfalls von seinem Vorgänger Clemens IX. in den Kardinalsstand erhoben worden.
Andere Formen der Hommage sind subtiler. Einige Päpste ehrten das Andenken eines Vorgängers, der ihrer Familie geholfen oder dessen Familie die eigene Wahl ermöglich hatte. Alexander VIII. wurde Dank des Einflusses von Kardinal Flavio Chigi Papst, der ein Neffe von Alexander VII. war (Die beiden Alexander waren darüberhinaus am gleichen Tag zum Kardinal ernannt worden). Dieses System führte ab dem 16. Jahrhundert zu einer Verarmung an unterschiedlichen Papstnamen. Die vierzehn Päpste zwischen 1644 und 1774 trugen nur vier verschiedene Namen.
Die Kontroverse um Pius' XII. Haltung während des Zweiten Weltkrieges und die Zäsur durch das Zweite Vatikanische Konzil während der Herrschaft seines Nachfolgers haben den Namen Pius unvermittelt außer Gebrauch kommen lassen. Er wird nicht nur mit der Vorstellung eines konservativen und rückwärtsgewandten Papstes in Verbindung gebracht, sondern auch mit dem gesamten Kampf zwischen Kirche und der modernen säkularisierten Welt. Pius XII. selbst (der an die Prophezeiungen Malachias glaubte) sagte, er sei der letzte Papst Pius. Nicht umsonst wurde der Name Pius XIII. später vom Anführer einer konservativen sedisvakantistischen Gruppe aufgegriffen.
Der Nachfolger Pius' XII., Johannes XXIII. belebte einen Namen neu, der seit Jahrhunderten nicht mehr verwendet worden war, und zögerte dabei auch nicht, Namen und Nummer eines Gegenpapstes anzunehmen. An dessen Illegitimität bestand kein Zweifel, und dessen Unrechtmäßigkeit wollte er als erfahrener Kirchengeschichtler bekräftigen. Er bezog sich nicht auf einen Vorgänger, sondern auf einen Heiligen aus den ersten Tagen des Christentums und auf den Namen seines Vaters Giovanni (zu deutsch: Johannes).
Sein Nachfolger Paul VI. tat es ihm nach, indem er sich auf Paulus von Tarsus berief. Kommentatoren vermuteten, dass er sich nur deshalb nicht Johannes XXIV. nennen konnte, weil Johannes (Giovanni) bereits sein Taufname war.
Pauls Nachfolger griffen die Sitte wieder auf, sich nach einem nahen Vorgänger zu nennen: Johannes Paul I. bezog sich ausdrücklich auf seine beiden unmittelbaren Amtsvorgänger. Es kann hierin aber auch eine Hommage an die Stadt Venedig, in der er Patriarch war und in der es eine Kirche namens Santi Giovanni e Paolo gibt, gesehen werden. Nach seinem plötzlichen Tod hoffte man auf einen ihm ähnlichen Nachfolger. Die Zeitung Le Monde titelte am 10. Oktober 1978: „Auf der Suche nach Johannes Paul II.“, der am 16. Oktober mit Kardinal Wojtyla auch gewählt wurde.
Benedikt XVI. wies zur Begründung seiner Namenswahl explizit auf den heiligen Benedikt von Nursia und auf Papst Benedikt XV. hin, der während des Ersten Weltkrieges zum Frieden ermahnt hatte.
Im Jahre 257 trug Sixtus, der heute als Sixtus II. aufgeführt wird, als erster Papst einen bereits zuvor verwendeten Namen. Dies geschah im Laufe der Zeit immer öfter. Mit Pelagius II. begann man bei zwei Päpsten des gleichen Namens, von denen einer kurz vor dem anderen geherrscht hatte, dem zweiten den Zusatz junior zu geben. Als es drei Päpste des gleichen Namens gab, hängte man an den Namen secundus junior an. Um angesichts dieses komplizierten Systems Verwirrung zu vermeiden, hängte man ab Gregor III. (731-741) gelegentlich eine Nummer an den Papstnamen an. Auf offiziellen Dokumenten wurde dies aber erst ab dem 10. Jahrhundert zur Regel. Der Brauch entstand also ungefähr zeitgleich mit der obligatorischen Annahme eines Papstnamen. Ab Leo IX. (1049-1054) erschien die Nummer auch auf päpstlichen Bullen und auf dem Fischerring.
Die Päpste, die vor der Einführung der Nummerierung geherrscht hatten, wurden aus praktischen Gründen im Nachhinein durchnummeriert. Jenen Päpsten, die einen niemals wieder verwendeten Namen getragen hatten, wurde dabei aber nachträglich keine Nummer gegeben. Nichtsdestominder gab sich Albino Luciani 1978, als er Papst Johannes Paul wurde, bereits zu seinen Lebzeiten, bevor es einen Johannes Paul II. gab, die Nummer „der Erste“. Darin folgte er dem Beispiel moderner europäischer Monarchen (wie Louis Philippe I., Baudouin I. oder Juan Carlos I.).
Die Gegenpäpste, die vor der Einführung der Nummerierung gelebt hatten, wurden im Allgemeinen nicht a posteriori durchnummeriert, mit Ausnahme Felix' II. – der zwar nicht als legitimer Papst, aber lange Zeit fälschlicherweise als Heiliger angesehen wurde und deshalb noch lange auf den Listen geführt wurde –, sowie Bonifatius' VII. und Johannes' XVI., was Fehler bei der Nummerierung nachfolgender Päpste gleichen Namens hervorrief.
Die nach der Einführung der Nummerierung aufgetretenen Gegenpäpste folgten immer dem Brauch der Nummerierung, da sie sich als rechtmäßige Päpste sahen. Da die Kirche sie aber nicht anerkennt, wurden ihr Name und ihre Nummer stets als noch unbelegt angesehen, und wenn ein später lebender, legitimer Papst diesen Namen annahm, nahm er auch die Nummer mit an. Während des Großen Schismas herrschten zum Beispiel die Gegenpäpste Clemens VII., Benedikt XIII., Johannes XXIII. und Clemens VIII., was spätere, legitime Päpste nicht davon abhielt, ebenfalls als Clemens VII., Clemens VIII., Benedikt XIII. und Johannes XXIII. zu regieren.
Bei näherer Betrachtung der Liste der Päpste fallen einige Anomalien bei der Nummerierung bestimmter Namen auf. Der Großteil davon geht auf Gegenpäpste zurück, die zu bestimmten Zeiten doch als legitim angesehen wurden, aber andere sind schlichte Fehler.
Die Liste der Annuario Pontificio zählt von Petrus bis Benedikt XVI. 265 Päpste. Dabei ist zu beachten, dass sie Benedikt IX. dreimal zählt. Er wurde zum ersten Mal im Alter von etwa 20 Jahren Papst (das von Rodulfus Glaber angegebene Alter von 10 bis 12 Jahren gilt als unwahrscheinlich), wurde gestürzt, wurde erneut Papst, verkaufte seine Würde an Gregor VI., wurde noch einmal Papst, wiederum verjagt und exkommuniziert – um der Legende nach schließlich Mönch zu werden und für seine Sünden Buße zu tun.
Ebenso zählt die Liste Leo VIII. und Benedikt V. als legitime Päpste, die jedoch zur gleichen Zeit regierten und Rivalen waren. Umgekehrt schließt sie die Päpste von Avignon und Pisa aus, die während des Großen Schismas Gegenspieler der römischen Päpste waren.
Unter Beachtung dieser Besonderheiten gibt es daher 263 Namen legitimer Päpste, die sich in folgender Weise aufteilen:
| Johannes | I | II | III | IV | V | VI | VII | VIII | IX | X | XI | XII | XIII | XIV | XV | - | XVII | XVIII | XIX | - | XXI | XXII | XXIII |
| Gregor | I | II | III | IV | V | VI | VII | VIII | IX | X | XI | XII | XIII | XIV | XV | XVI | |||||||
| Benedikt | I | II | III | IV | V | VI | VII | VIII | IX | - | XI | XII | XIII | XIV | XV | XVI | |||||||
| Clemens | I | II | III | IV | V | VI | VII | VIII | IX | X | XI | XII | XIII | XIV | |||||||||
| Innozenz | I | II | III | IV | V | VI | VII | VIII | IX | X | XI | XII | XIII | ||||||||||
| Leo | I | II | III | IV | V | VI | VII | VIII | IX | X | XI | XII | XIII | ||||||||||
| Pius | I | II | III | IV | V | VI | VII | VIII | IX | X | XI | XII | |||||||||||
| Stephan | I | II | III | IV | V | VI | VII | VIII | IX | ||||||||||||||
| Bonifatius | I | II | III | IV | V | VI | - | VIII | IX | ||||||||||||||
| Urban | I | II | III | IV | V | VI | VII | VIII | |||||||||||||||
| Alexander | I | II | III | IV | - | VI | VII | VIII | |||||||||||||||
| Hadrian | I | II | III | IV | V | VI | |||||||||||||||||
| Paul | I | II | III | IV | V | VI | |||||||||||||||||
| Coelestin | I | II | III | IV | V | ||||||||||||||||||
| Martin | I | - | - | IV | V | ||||||||||||||||||
| Nikolaus | I | II | III | IV | V | ||||||||||||||||||
| Sixtus | I | II | III | IV | V | ||||||||||||||||||
| Felix | I | - | III | IV | |||||||||||||||||||
| Sergius | I | II | III | IV | |||||||||||||||||||
| Anastasius | I | II | III | IV | |||||||||||||||||||
| Honorius | I | II | III | IV | |||||||||||||||||||
| Eugen | I | II | III | IV | |||||||||||||||||||
| Silvester | I | II | III | ||||||||||||||||||||
| Viktor | I | II | III | ||||||||||||||||||||
| Lucius | I | II | III | ||||||||||||||||||||
| Kalixt | I | II | III | ||||||||||||||||||||
| Julius | I | II | III | ||||||||||||||||||||
| Pelagius | I | II | |||||||||||||||||||||
| Adeodatus | I | II | |||||||||||||||||||||
| Theodor | I | II | |||||||||||||||||||||
| Marin | I | II | |||||||||||||||||||||
| Agapitus | I | II | |||||||||||||||||||||
| Damasus | I | II | |||||||||||||||||||||
| Paschalis | I | II | |||||||||||||||||||||
| Gelasius | I | II | |||||||||||||||||||||
| Marcellus | I | II | |||||||||||||||||||||
| Johannes Paul | I | II | |||||||||||||||||||||
| Petrus (Peter) | I | ||||||||||||||||||||||
| Linus | I | ||||||||||||||||||||||
| Anaklet | I | ||||||||||||||||||||||
| Evaristus | I | ||||||||||||||||||||||
| Telesphorus | I | ||||||||||||||||||||||
| Hyginus | I | ||||||||||||||||||||||
| Anicetus | I | ||||||||||||||||||||||
| Soterus | I | ||||||||||||||||||||||
| Eleutherus | I | ||||||||||||||||||||||
| Zephyrinus | I | ||||||||||||||||||||||
| Pontianus | I | ||||||||||||||||||||||
| Anterus | I | ||||||||||||||||||||||
| Fabianus | I | ||||||||||||||||||||||
| Cornelius | I | ||||||||||||||||||||||
| Dionysius | I | ||||||||||||||||||||||
| Eutychianus | I | ||||||||||||||||||||||
| Cajus | I | ||||||||||||||||||||||
| Marcellinus | I | ||||||||||||||||||||||
| Eusebius | I | ||||||||||||||||||||||
| Miltiades | I | ||||||||||||||||||||||
| Marcus | I | ||||||||||||||||||||||
| Liberius | I | ||||||||||||||||||||||
| Siricius | I | ||||||||||||||||||||||
| Zosimus | I | ||||||||||||||||||||||
| Hilarius | I | ||||||||||||||||||||||
| Simplicius | I | ||||||||||||||||||||||
| Symmachus | I | ||||||||||||||||||||||
| Hormisdas | I | ||||||||||||||||||||||
| Silverius | I | ||||||||||||||||||||||
| Vigilius | I | ||||||||||||||||||||||
| Sabinianus | I | ||||||||||||||||||||||
| Severinus | I | ||||||||||||||||||||||
| Vitalian | I | ||||||||||||||||||||||
| Donus | I | ||||||||||||||||||||||
| Agatho | I | ||||||||||||||||||||||
| Konon | I | ||||||||||||||||||||||
| Sisinnius | I | ||||||||||||||||||||||
| Konstantin | I | ||||||||||||||||||||||
| Zacharias | I | ||||||||||||||||||||||
| Valentin | I | ||||||||||||||||||||||
| Formosus | I | ||||||||||||||||||||||
| Romanus | I | ||||||||||||||||||||||
| Lando | I |
Es steht theoretisch jedem Papst frei, den Namen anzunehmen, der ihm beliebt. Seit 913 hat aber nur ein Papst einen zuvor unbenutzten Namen angenommen; der nächste wird mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Namen annehmen, der schon von einem oder mehreren Vorgängern getragen wurde.
Eine Anekdote besagt, dass Karol Wojtyla am Tage seiner Wahl zu Ehren des Schutzheiligen von Polen den Namen Stanislaus I. annehmen wollte, dass ihn die Kardinäle aber davon abbrachten, diesen neuen und der päpstlichen Tradition fremden Namen zu wählen. Es ist nicht bekannt, ob diese Geschichte wahr oder bloße Legende ist.
Seit Beginn des Brauchs, bei der Wahl zum Papst einen neuen Namen anzunehmen, wählte nur Johannes Paul I. einen zuvor ungetragenen, und auch er kombinierte ihn nur aus den Namen seiner unmittelbaren Vorgänger. Wählte der nächste Papst trotz allem einen völlig neuen Namen, so hätte er dazu unbestritten das Recht, und hängte diesem Namen dann auch die Bezeichnung „der Erste“ an. Andernfalls wird der Name zwangsläufig einer der folgenden, alphabetisch geordneten sein:
Anmerkungen:
| Dieser Artikel wurde in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen. |