Der Pentateuch (griechisch: Πεντετεύχως („Fünfgefäß“), hebräisch Chumasch - von chamesch „fünf“) ist ein griechischer Ausdruck für die fünf Bücher Moses. Er stammt von den Krügen, in denen Schriftrollen aufbewahrt wurden. Deren Umfang bestimmte auch seine Einteilung in fünf „Bücher“ (griech. biblia).
Diese bilden gemeinsam als Tora den ersten Hauptteil der Bibel, der für Judentum und Christentum auf verschiedene Weise das grundlegende Offenbarungszeugnis des Gottes JHWH ist. Der Pentateuch wurde etwa 440 v. Chr. fertiggestellt. Zugleich begann seine Übersetzung aus dem Althebräischen in die Griechische (Septuaginta) und Aramäische Sprache (Targum).
Er erzählt die Geschichte der Menschheit und des Volkes Israel von der Schöpfung der Welt bis zur Ansiedelung im „Gelobten Land" Kanaan (heute Israel/Palästina) als Heilsgeschichte Gottes. Er enthält viele Mythen, Legenden und Ätiologien aus der Zeit der „Erzväter", die zugleich historische Erinnerungen an die nomadische Herkunft und vorstaatliche Epoche dieses Volkes enthalten. Hauptinhalt ist ab dem zweiten Buch Mose die Befreiung der Hebräer aus der Sklaverei in Ägypten und die Offenbarung der Gebote am Sinai. Für den aufgeklärten Humanismus hat der Pentateuch vor allem kulturhistorischen Wert.
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Der Pentateuch ist in beiden Religionen, die sich auf ihn beziehen, in fünf Bücher eingeteilt. Diese Einteilung stammt aus der begrenzten Größe der in der Synagoge gebräuchlichen antiken Schriftrollen aus Papyrus. Diese werden im Judentum nach dem ersten hebräischen Wort des jeweiligen Textes, im Christentum jedoch nach den griechisch-lateinischen Bezeichnungen ihres zentralen Themas genannt:
| Deutsch | Hebräisch | Hebräische Ableitung | Griechisch/Lateinisch | Bedeutung |
|---|---|---|---|---|
| 1. Buch Mose | Bereschit (בְּרֵאשִׁית) | Im Anfang schuf … | Genesis | Schöpfung, Ursprung |
| 2. Buch Mose | Schemot (שְׁמוֹת) | Dies sind die Namen … | Exodos/Exodus | Auszug |
| 3. Buch Mose | Wajikra (וַיִּקְרָא) | Und es rief Jahwe … | Levitikon/Leviticus | Levitische Gesetzgebung |
| 4. Buch Mose | Bemidbar (בְּמִדְבַּר) | Und es redete Jahwe in der Wüste … | Arithmoi/Numeri | Zahlen der Israeliten |
| 5. Buch Mose | Debarim (דְּבָרִים) | Dies sind die Worte … | Deuteronomion/Deuteronomium | Zweites Gesetz |
Der Pentateuch lässt sich grob in drei Hauptteile gliedern:
Das 1. Buch ist deutlich von den folgenden Büchern abgesetzt, weil es die Vorgeschichte der Schöpfung und Erzväter behandelt, während das 2. bis 4. Buch die eigentliche Heilsgeschichte des Volkes Israel bis zur "Landnahme" darstellen. Sie bilden daher eine thematische Einheit. Das 5. Buch wiederum enthält keine Geschichtserzählungen mehr, sondern nur noch Mose zugeschriebene Reden und Gesetze, die überwiegend schon bekannte Toragebote aus der Sinaitradition übernehmen, variieren und kommentieren. Daraus ergibt sich die inhaltliche Dreiteilung dieser Schriftensammlung.
Der Pentateuch umfasst sieben große Themenkreise, die als eigenständige Komplexe ursprünglich mündlich überliefert wurden. Sie wurden schon in sehr frühen Glaubensbekenntnissen Gesamtisraels als Stationen einer Heilsgeschichte aneinandergereiht (Dtn 26,5-9):
Diese Reihung umgreift eine Geschichtsperiode von gut 500 Jahren von den nomadischen Anfängen Israels bis zur Besiedelung des fruchtbaren Landes Kanaan. Ihr entspricht die Verknüpfung der
Die Themenkomplexe des Sinaibundes [6] und der Urgeschichte [7] fehlen in den alten Credoformeln Israels, da ihr Einbau in den Pentateuch relativ spät erfolgte. Kristallisationskern und ordnendes Zentrum der Überlieferung ist das Thema der Befreiung aus der Sklaverei, mit der JHWH sich erstmals unter seinem Namen offenbart und Israel zu seinem Bundesvolk „erwählt" (Ex 3).
Erst in der Begegnung mit den orientalischen Großmächten und ihrer kosmogonischen Mythologie stellte Israel sein Werden in den größeren Rahmen der Erschaffung der Welt. Die Urgeschichte am Anfang der Bibel ist also der letzte Themenkomplex, der dem Pentateuch zugewachsen ist. Diesen durchzieht ein Spannungsbogen von der Verheißung zur Erfüllung, bezogen besonders auf das Stichwort des „Landes", das Gott durch Unterscheidung von Himmel und Urflut schuf (Gen 1,1-12), um es Moses kurz vor seinem Tod als Erbe Israels zum Segen für alle Völker (Gen 12,3) zu zeigen (Dtn 34,1-4).
Das 1. Buch Mose („Genesis") enthält die
Das 2. Buch Mose („Exodus") enthält
Das 3. Buch Mose („Leviticus") enthält
Das 4. Buch Mose („Numeri") enthält
In ihm sind weitere heterogene Kult- und Sozialgesetze verstreut, die man zum Priestergesetz zählt, das die Bücher 2-4 durchzieht: darunter die Kapitel Num 15, 19, 27-31, 33 + 34, 35 + 36.
Das 5. Buch Mose („Deuteronomium") enthält
Zu den in der „Weisung" (Tora) enthaltenen in sich geschlossenen Gesetzeskorpora zählt man
Der jüdische Talmud und das christliche Neue Testament schreiben diese fünf Bücher dem Mose zu und betrachten die Ereignisse von der Schöpfung bis zur Landverteilung in Kanaan (Dtn 33) als direkte Offenbarung Gottes an ihn. Das 5. Buch Mose endet mit dem Kapitel über seinen Tod (Dtn 34), das der Talmud demgemäß seinem Nachfolger Josua zuschreibt. Mose habe diese Offenbarung zuvor schriftlich festgehalten. Sie sei dann bis auf unwesentliche Kopierfehler wortgetreu überliefert worden: Diese Ansicht vertreten heute noch das Orthodoxe Judentum und ein Teil der Christen, besonders unter Evangelikalen und in verschiedenen Gruppen des fundamentalistischen Christentums.
Die Autorschaft des Mose wurde schon im Mittelalter angezweifelt. Der jüdische Gelehrte Ibn Esra bemerkte, dass die Schriften die Ereignisse ohne Ich-Erzähler darstellen und zwischen der Zeit des Mose und der Zeit des Erzählers oder der Erzähler unterscheiden. Er sah Widersprüche, die Moses als Schriftautor ausschließen: So blickt z.B. Gen 12,6 auf die Zeit zurück, als Kanaanäer das Land noch bewohnten, weist also auf eine Aufzeichnung nach der Ansiedelung Israels in Kanaan hin. Ferner hielt Mose die Reden des 5. Buchs nach Dtn 1,1 bis zu seinem Tod mündlich, so dass sie bereits ein anderer aufgezeichnet haben müsse.
Im 16. Jahrhundert bestritten Reformatoren wie Andreas Karlstadt die Autorschaft des Mose und sahen Esra (etwa 440 v. Chr.) als Redaktor, der die fünf Bücher aus älteren Teilen der Tora zusammengestellt habe. Er erscheint auch im Talmud als Bearbeiter der Tora.
Doch erst im 17. Jahrhundert veröffentlichte Baruch Spinoza die Beobachtungen Ibn Esras und leitete damit die historische Pentateuchkritik ein. Im Zuge der Aufklärung wurden dann verschiedene Theorien zur Entstehung des Pentateuch aufgestellt, auf denen die heutige Forschung aufbaut. Auf der Basis einer immer differenzierteren Textanalyse und neuerer archäologischer und altorientalistischer Forschungsergebnisse nehmen heute die meisten Forscher an, dass der Pentateuch seine redaktionelle Endgestalt erst nach dem Babylonischen Exil im 5. Jahrhundert v. Chr. gewann. Sie wird auf Priester in Israel, vor allem am Jerusalemer Tempel, zurückgeführt. Seine ältesten, lange Zeit mündlich überlieferten Stoffe reichen jedoch bis 1500 v. Chr. zurück.
Um 440 v. Chr. wurde der Pentateuch als Tora kanonisiert und bildet seitdem den Hauptteil des Tanach mit normativem Charakter für die jüdische Religion. Eine Motivation dafür sieht die Forschung darin, einen Zusammenhalt der Volksstämme in Israel durch eine „definitive“ Religion sicherzustellen und Widersprüche in älteren heterogenen Überlieferungen auszugleichen.
Seit der Aufklärung versucht die Wissenschaft mittels der immer mehr verfeinerten historisch-kritischen Methoden die Entstehungsgeschichte der Bibel, beginnend mit dem Pentateuch, aufzuhellen. Ausgangspunkt für die Annahme mehrerer verschiedener Autoren und Redaktionen waren u.a. früh beobachtete Dubletten, zum Beispiel:
Hinzu kam der auffällige Wechsel der Gottesbezeichnung („Elohim" oder „JHWH", mit „Adonaj" vokalisiert).
Bereits 1711 schloss der Pfarrer Bernhard Witter daraus auf zwei verschiedene Autoren der Schöpfungsberichte in Gen 1,1 - 2,4 und Gen 2,5 - 3,24; der französische Arzt Jean Astruc führte dies 1753 weiter aus. 1781 begründete Johann Gottfried Eichhorn Astrucs These von zwei Quellschriften exegetisch anhand der ersten Kapitel des Exodusbuches. Seit 1806 sah Martin Leberecht de Wette die Doppelung vieler Gesetze in Ex 20-23 und Dtn 12-26 als Hinweis auf verschiedene Autoren der ersten vier Bücher („Tetrateuch") und des „Deuteronomium" (5. Buch Mose).
Aufgrund solcher Hinweise ging die ältere "Urkundenhypothese" von mehreren später verbundenen Quellschriften aus, die den Pentateuch bis in die folgenden Geschichtsbücher (Josua, Richter, Samuel, Könige) hinein durchziehen. Ausformuliert wurde sie seit 1878 als sogenannte Vierquellentheorie besonders von Julius Wellhausen. Seine Auffassung dominierte die AT-Wissenschaft bis etwa 1970. In seinen Prolegomena zur Geschichte Israels (1886) stellte er die These auf, die Tora und das Buch Josua seien aus mehreren fortlaufenden literarischen Quellen zusammengesetzt, die sich anhand verschiedener Merkmale verfolgen ließen. Deren Autoren nannte er
Außerdem werden editierte Stellen einem Redaktor (R), der eventuell mit dem erwähnten Esra identisch war, zugeschrieben.
Die einzelnen Quellfäden unterscheiden sich in Wortwahl, Stil, Grammatik, politischem Hintergrund und Absichten. Die durchlaufenden Überlieferungsstränge wurden aufgrund ihrer Inhalte verschiedenen Epochen des antiken Israel zugeordnet:
Im oder nach dem Exil sollen diese Quellen ineinander gewoben worden sein. Der Alttestamentler Gerhard von Rad nahm an:
(aus: Altes Testament, Piper, S. 23)
Diese Vierquellentheorie zur Entstehung des „Hexateuch" (Sechsbuch, Pentateuch + Josua) galt lange als wissenschaftlich gesichert. Sie wird erst seit Beginn der 1970er Jahre von verschiedenen Seiten zunehmend in Frage gestellt. Besonders die Figur des Mose wurde als weithin redaktionelles Konstrukt „destruiert", das sekundär ganz verschiedene, ursprünglich selbstständig überlieferte Traditionskomplexe miteinander verbinden sollte: den Exodus Israels aus Ägypten, den Zug durch die Wüste, die Sinaioffenbarung und den Beginn der Landnahme.
Obwohl viele Schlussfolgerungen Wellhausens heute daher nicht mehr vertreten werden, bleibt seine These ein bedeutender Meilenstein der Bibelforschung. Grundsätzlich geht man auch heute noch von redaktionell verwobenen Quellschriften im Pentateuch aus. Allerdings sind seit ca. 10 Jahren die gesamten Datierungs- und Quellenmodelle ins Rutschen gekommen. Die alttestamentliche Einleitungswissenschaft durchläuft gerade einen Paradigmenwechsel, was zu einer unübersichtlichen Forschungslage geführt hat (siehe Literatur bei La Sor/Egelkraut).
Neuere Forschungen gehen von drei Quellen für den Pentateuch aus: z.B. das Münsteraner Pentateuchmodell, das Erich Zenger vertritt. Er nimmt an:
Die Texte, die in diesen Quellen vereint sind, sind wiederum sehr verschieden alt und haben eine komplizierte, noch nicht geklärte Vorgeschichte. Die endgültige Redaktion des Pentateuchs wird frühestens auf 400 v. Chr. geschätzt, als die Samaritaner sich vom Jerusalemer Zentralheiligtum abwandten und die dortigen Priester darauf mit anfänglicher Kanonisierung des Pentateuch reagierten.
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