Der Begriff Pidgin-Sprache (richtiger: nur „Pidgin“) bezeichnet eine reduzierte Sprachform, die verschiedensprachigen Individuen zur Verständigung dient.
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Eine Hypothese über den Ursprung des Begriffes Pidgin besteht in der Aussprache des englischen Wortes business im Chinesischen. Pidgin English war ein Pidgin mit englischen, chinesischen und portugiesischen Bestandteilen, die im 18. und 19. Jahrhundert als Handelssprache in Kanton gebraucht wurde.
Pidgins entwickeln sich in Umgebungen, in denen mindestens zwei – meistens nicht näher verwandte – Sprachen in Kontakt treten. Ein typischer Kontext für die Entstehung von Pidgins ist der Handel (Handels-Pidgins). Historisch gesehen entstand eine hohe Anzahl heute erforschter Pidgins während der Zeit der Kolonisation. Wortschatz und Grammatik des Pidgin unterliegen stark dem Einfluss der in Kontakt stehenden Sprachen.
Pidgins entwickeln sich aus Jargons und dienen meistens nur sehr wenigen Zwecken, wie etwa der rudimentären Kommunikation für Handel, Arbeiten oder zwangsweise soziale Kontakte (etwa in Arbeitslagern). Sie haben somit einen eingeschränkten Funktionsbereich. Ihre Grammatik ist stark vereinfacht. Ein Großteil des gering umfassenden Vokabulars ist der Sprache entlehnt, die in der Sprachkontaktsituation die dominante Sprache ist (im Kolonisationskontext z. B. die Sprache der Herrschenden). Ein Pidgin hat keine muttersprachlichen Sprecher. Im Laufe weniger Generationen können sich Pidgins zu grammatisch voll ausgebildeten Kreolsprachen entwickeln, sofern sie lange genug stabil existieren.
Die „Relexifizierungshypothese“ der Kreolforschung besagt, dass Sprecher der Substratsprachen (während der Kolonisation waren das Sprachen der Sklaven) das Vokabular ihrer Sprache durch Wörter der dominanten Sprache ersetzen, während sie die Grammatik ihrer Muttersprache anwandten. Es wurden jedoch sowohl in Pidgins als auch in Kreolsprachen Phänomene nachgewiesen, die sich auf keine der vorangegangenen Kontaktsprachen zurückführen lassen.
Die allgemeine Lebensdauer eines Pidgins ist meistens an die Existenz eines bestimmten Zweckes gebunden (z. B. die Aufrechterhaltung einer Handelsbeziehung zwischen zwei Sprachgemeinschaften) oder an die Übernahme des Pidgins als Muttersprache, d. h. der Entwicklung zur Kreolsprache (Kreolisierung).
Unterstützt wird die Ausbildung eines Pidgin anstelle des Erwerbs der Zweitsprache nach einigen Erklärungsansätzen durch den Effekt, dass Muttersprachler oft gegenüber Ausländern oder Anderssprachigen, bei denen sie eine geringe Sprachkompetenz in ihrer Muttersprache vermuten, eine vereinfachte und überbetonte Sprache (Ausländersprache, „foreigner talk“) benutzen.
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