Pierre Messmer

Pierre Messmer (* 20. März 1916 in Vincennes, Département Seine) ist ein französischer Politiker.

Inhaltsverzeichnis

Jugend und Ausbildung

Pierre Messmer wird 1916 in eine Elsässer Familie geboren, die 1871 (nach dem Deutsch-Französischen Krieg) für Frankreich optiert hatte. Nach dem Besuch der École Massillon und des Lycée Charlemagne studiert er von 1934 bis 1937 an der École nationale de la France d'Outre-mer und von 1934 bis 1936 an der École des langues orientales. 1939 promoviert er zum Doktor der Rechtswissenschaften.

Zweiter Weltkrieg und Indochina-Krieg

Im Zweiten Weltkrieg wird Messmer 1939 zur Armee eingezogen, schließt sich aber schon 1940 den Streitkräften des Freien Frankreich an. Als Offizier der 13. Halbbrigade der Fremdenlegion nimmt er an den Kämpfen in Nordafrika (insbesondere an der Schlacht von Bir Hacheim), an der Landung in der Normandie und an der Befreiung von Paris teil.

Im August 1945 landet Messmer als Fallschirmjäger in Indochina. Dort wird er von den Viet Minh gefangengenommen, kann aber aus der Gefangenschaft fliehen.

Verwaltungsbeamter in den Überseegebieten

In der Folge übt Messmer zahlreiche Funktionen in der Verwaltung der französischen Überseegebiete aus. 1946 wird er Generalsekretär des interministeriellen Ausschusses für Indochina (Comité interministériel pour l'Indochine), von 1947 bis 1948 ist er Kabinettchef des französischen Hochkommissars in Indochina. 1950 wechselt er nach Französisch-Westafrika und wird zunächst Kreisverwalter der Region Adrar in Mauretanien, 1952 dann Gouverneur von Mauretanien. Von 1954 bis 1956 ist er Gouverneur von der Elfenbeinküste. 1956 kehrt er für kurze Zeit als Kabinettsdirektor des Überseeministers nach Paris zurück, bevor er noch im gleichen Jahr Hochkommissar im Kamerun wird. 1958 übt er kurzzeitig die Funktion des Hochkommissars in Französisch-Äquatorialafrika aus. Von 1958 bis 1959 ist Messmer Hochkommissar in Französisch-Westafrika.

Erste Erfahrungen als Minister

Nach Gründung der Fünften Republik durch Charles de Gaulle wird Messmer im Februar 1960 Armeeminister. In seiner Amtszeit bis April 1969 sieht er sich mit einem Aufstand der Generäle im April 1961 konfrontiert und verschafft Frankreich die vom Staatspräsidenten de Gaulle gewünschte force de frappe, also den Status als Nuklearmacht.

1971 ist Messmer kurze Zeit Überseeminister.

Amtszeiten als Premierminister

Am 6. Juli 1972 wird Messmer von Staatspräsident Georges Pompidou als Nachfolger von Jacques Chaban-Delmas zum Premierminister ernannt. Messmer leitet in der Folge drei kurzlebige Regierungen (6. Juli 1972 bis 2. April 1973, 5./6. April 1973 bis 1. März 1974, 1. März 1974 bis 28. Mai 1974).

Tätigkeiten als gewählter Volksvertreter

Neben seinen Funktionen in hohen Regierungsämtern war Messmer von 1968 bis 1988 auch Abgeordneter der Nationalversammlung für das Département Moselle. Von 1986 bis 1988 war er auch Fraktionsvorsitzender des gaullistischen RPR in der Nationalversammlung.

Von 1971 bis 1989 war Messmer außerdem Bürgermeister von Sarrebourg und von 1978 bis 1979 Präsident des Regionalrats von Lothringen.

Rückzug aus der Politik

Im Jahr 1988 wird Messmer nach seinem Rückzug aus der Politik in die Académie des sciences morales et politiques (eine der fünf Akademien des Institut de France) gewählt, deren „Ewiger Sekretär“ (secrétaire perpétuel) er von 1995 bis 1998 war. 1995 wird er Präsident des Institut Charles de Gaulle. Am 25. März 1999 wird er in die Académie française gewählt, auf den Platz von Maurice Schumann („13. fauteuil“). Seit dem 1. Januar 1999 ist er Kanzler des Institut de France.

Seit Oktober 2001 ist Messmer auch Präsident der Fondation de la France Libre.

Werke

  • Le Régime administratif des emprunts coloniaux (Doktoratsarbeit, 1939)
  • Le Service militaire. Débat avec Jean-Pierre Chevènement (1977)
  • Les Écrits militaires du général de Gaulle (1985, gemeinsam mit Alain Larcan)
  • Après tant de batailles. Mémoires (1992)
  • Les Blancs s'en vont. Récits de décolonisation (1998)
  • Le Rôle et la place de l'État au début du XXIe siècle (2001)
  • La Patrouille perdue (2002)
  • Ma part de France. Entretiens avec Philippe de Saint-Robert (2003)

Ehrungen

Pierre Messmer ist Träger folgender Orden und Ehrentitel:

  • Compagnon de la Libération (durch Dekret vom 23. Juni 1941)
  • Croix de Guerre (sechsmal zwischen 1939 und 1945)
  • Médaille de la Résistance
  • Médaille des Evadés
  • Médaille Coloniale avec agrafes « Erythrée », « Libye », « Bir-Hakeim »
  • Médaille Commémorative 1939/1945
  • Officier de l'American Legion
  • Commandeur du Nichan Iftikhar (Tunesien)
  • Commandeur de l'Ordre Royal du Cambodge (Kambodscha)

Weblinks


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