Plautdietsch

Plautdietsch

Gesprochen in

Lateinamerika Europa Nordamerika
Sprecher 500.000
Linguistische
Klassifikation
Plautdietsch

Die Sprachinselmundart Plautdietsch ist die (Umgangs-) Sprache der Russlandmennoniten, im nordamerikanischen Sprachraum auch als Mennonite Low German bekannt. Es ist eine niederpreußische Varietät des Ostniederdeutschen, die sich im 16. und 17. Jahrhundert im (heute polnischen) Weichseldelta herausgebildet hat. Plautdietsch wird weltweit gesprochen - vor allem in:

Lexikographisch erfasst wird Plautdietsch im Preußischen Wörterbuch.

Inhaltsverzeichnis

Sprecheranzahl

Weltweit sprechen etwa 500.000 Menschen Plautdietsch, in Deutschland haben etwa 200.000 Menschen eine plautdietsche Familiengeschichte. Der größte Teil von ihnen ist in den 1990er Jahren aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion eingewandert: Etwa zehn Prozent aller Russlanddeutschen sind Russlandmennoniten. Für die Plautdietschen ist Mehrsprachigkeit mit Englisch, Hochdeutsch, Russisch oder Spanisch eine Selbstverständlichkeit. In Lateinamerika gibt es jedoch auch etwa 100.000 einsprachige Plautdietsch-Sprecher.

Das plautdietsche Vaterunser

Ons Voda em Himmel,
lot dien Nome jeheilicht woare;
lot dien Ritjdom kome;
lot dien Welle jedone woare,
uck hia oppe Ed, soo aus em Himmel;
jeff ons Dach fe Dach daut Broot, daut ons fehlt;
en vejeff ons onse Schult,
soo aus wie den vejewe, dee sich jeajen ons veschuldicht ha;
en brinj ons nich en Vesetjunk,
oba erlees ons von dem Beese.
wiels die jehiet daut Ritj,
en dee Krauft en dee Harlichtjeit
en Eewichtjeit.
Amen.

Vereine und Medien

Der Verein Plautdietsch-Freunde e.V. ist 1999 von russlanddeutschen Aussiedlern gegründet worden. (Die Geschäftsstelle - mit einer Sammlung von Literatur in und über Plautdietsch - ist 2006 von Oerlinghausen nach Detmold umgezogen.) Das gesetzte Ziel ist die Dokumentation und Pflege der Sprache Plautdietsch. Der Verein veranstaltet jährliche Fachtagungen und Studienreisen und gibt die vierteljährlich erscheinende Zeitschrift Plautdietsch FRIND heraus. Auf nationaler und internationaler Ebene stellt der Verein Plautdietsch-Freunde e.V. ein Forum für die verschiedensten Interessen rund um Plautdietsch dar. Peter Wiens, Gründer und Vorsitzender des Vereins, ist auch Chefredakteur der Zeitschrift Plautdietsch FRIND und Mitglied im Bundesrat für Niederdeutsch.

Der Verein Plautdietsch Radio e.V. ist im Mai 2005 gegründet worden und hat seinen Sitz in Detmold. Der Verein produziert plattdeutsche bzw. plautdietsche Radiosendungen und dokumentiert Lebensgeschichten, Zeugnisse, Erzählungen und besondere Ereignisse der plattdeutschen Mennoniten - und veröffentlicht sie vor allem über das Radio. Mit seinem Gründer und Vorsitzenden Viktor Sawatzki veranstaltet der Verein auch jährliche Gottesdienste in plautdietscher Sprache. Zur Zeit kann man plautdietsche Radiosendungen über Kurzwelle, SAT, Internet und Telefon empfangen.

Auch Radio HCJB in Quito/Ecuador sendet ein plautdietsches Radioprogramm, das über die Kurzwellenrelaisstation Wertachtal oder über Onlineradio auch in Deutschland empfangen werden kann.

Weitere Initiativen, die sich für die Pflege und den Erhalt der plautdietschen Sprache einsetzen, sind z.B. die Gruppe Gendach von Tatjana Klassner (Warendorf) und ein engagiertes Team von/mit Tina Wedel (Bonn). Sowohl Tatjana Klassner als auch Tina Wedel organisieren jährlich größere Kulturveranstaltungen (wie z.B. das Anna-German-Festival) - in der Regel in Kooperation mit dem Verein Plautdietsch-Freunde e.V..

Plautdietsche Autoren

  • Arnold Dyck (Kanada/Deutschland)
  • Reuben Epp (Kanada)
  • Peter Epp (Deutschland)
  • Viktor Janzen (Deutschland)
  • Peter P. Klassen (Paraguay)
  • Lore Reimer (Russland/Deutschland)
  • Heinrich Siemens (Deutschland)
  • Jack Thiessen (Kanada)
  • Miriam Toews (Kanada) (...verwendet häufig plautdietsche Wörter und Redewendungen)
  • Armin Wiebe (Kanada) (...verwendet häufig plautdietsche Wörter und Redewendungen)
  • Rudy Wiebe (Kanada) (...verwendet häufig plautdietsche Wörter und Redewendungen)
  • Peter Wiens (Deutschland)

Plautdietsche Filme

2007 wurde Stellet Licht von Carlos Reygadas für die Goldene Palme in Cannes nominiert. Gemeinsam mit Marjane Satrapis' und Vincent Paronnauds Animationsfilm Persepolis wurde Stellet Licht mit dem Preis der Jury (Prix du Jury) ausgezeichnet.

Literatur

  • Reuben Epp: The Spelling of Low German and Plautdietsch. Towards An Official Plautdietsch Orthography. Reader's Press, Hillsboro Kan 1996. ISBN 0963849417
  • Reuben Epp: The Story of Low German and Plautdietsch. Tracing a Language across the Globe. Reader's Press, Hillsboro Kan 1993. ISBN 0963849409
  • Zacharias J. J. Neufeld (Übersetzer) u.a.: De Bibel. Plautdietsch. Winnipeg Can/Miamai 2003. ISBN 1921788975
  • Rogier Nieuweboer: The Altai Dialect of Plautdiitsch. West-Sibirian Mennonite Low German. Lincom Europa, Groningen 1998, Muenchen 1999. ISBN 3895869368
  • Plautdietsch FRIND. Zeitschrift für Plautdietsch in Deutschland und weltweit. Hrsg. v. Plautdietsch-Freunde e. V. Oerlinghausen/Detmold 2001ff.ISSN 1612-7250 (vierteljährl.)
  • Kai Rohkohl: Die Plautdietsche Sprachinsel Fernheim/Chaco (Paraguay). Dokumentation des Sprachverhaltens einer russlanddeutschen Mennonitenkolonie. Elwert, Marburg 1993. ISBN 3770810201
  • Antoine de Saint-Exupéry: Dee tjliena Prinz. Mette Bilda vom Schriewa. Übersetzung von Jack Thiessen, hrsg. von Walter Sauer. Michaela Naumann, Nidderau 2002.
  • Jack Thiessen: Mennonite Low German Dictionary. Mennonitisch-Plattdeutsches Wörterbuch. Elwert, Marburg 1977, Wisconsin 2003. ISBN 0-924119-09-8
  • Peter Wiens: Plautdietsch – wie es bleibt. in: Jahresgabe. Klaus-Groth-Gesellschaft. Heide in Holstein 46.2004, S.137-151. ISSN 0453-9842
  • Peter Wiens: Mundart und interkulturelle Kommunikation. Die Niederdeutsch-Variante „Plautdietsch” als starke Brücke bei der Integration von Aussiedler/innen in Deutschland. in: Entwicklungsethnologie. Zeitschrift der Arbeitsgemeinschaft Entwicklungsethnologie e.V. Trier 2002, H. 2, S.131-137. ISSN 0942-4466
  • Peter Wiens: Der Verein „Plautdietsch-Freunde“. Eine Mennoniten-Mundart baut Brücken. in: Mennonitisches Jahrbuch. Arbeitsgemeinschaft Mennonitischer Gemeinden in Deutschland. Lahr 104.2004, S.126-128.

Weblinks

Quelle:
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