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Präsident des Rats der Europäischen Union

Flagge der Europäischen Union
Flagge der Europäischen Union

Der Präsident des Rats der Europäischen Union ist der Vorsitzende im Rat der Europäischen Union, auch Ministerrat genannt. Es handelt sich dabei entsprechend Art. 203 Satz 1 EG um einen Vertreter eines Mitgliedstaates auf ministerialer Ebene - in der politischen Praxis um den Außenminister des Landes, dessen Regierungschef im Europäischen Rat die Präsidentschaft inne hat. Beide Positionen wechseln nach den derzeit gültigen Verträgen alle sechs Monate zwischen den EU-Mitgliedsländern nach einer festgelegten Reihenfolge, welche vom Europäischen Rat gemäß Art. 203 Satz 2 EG einstimmig geändert werden kann. In Bezug auf das Herkunftsland des Präsidenten wird zum Teil auch der Begriff EU-Ratsvorsitz verwendet. Der Präsident des Rats der Europäischen Union ist in seinem Land ein Teil der Exekutive, auf der Ebene der Europäischen Union jedoch Vorsitzender eines Teils der Legislative.

Aufgabe des Vorsitzes ist es:

  • die Tagungen des Rates zu organisieren und zu leiten,
  • bei Problemen zwischen Mitgliedsstaaten oder zwischen dem Rat und anderen Unionsinstitutionen Kompromissvorschläge in Abstimmung mit den betroffenen Parteien auszuarbeiten und
  • den Rat gegenüber anderen Institutionen und Organen der Union[1]. sowie gegenüber anderen internationalen Organisationen und Drittstaaten zu vertreten.

Der Vertrag über eine Verfassung für Europa, dessen Ratifizierungsprozess momentan ruht, sieht für den Vorsitz im Ministerrat eine Änderung vor. Dann sollen jeweils drei EU-Mitgliedstaaten gemeinsam die Arbeiten des Vorsitzes wahrnehmen. Jedoch hat dann jedes der drei Länder weiterhin über sechs Monate den Vorsitz. Somit wird die Arbeit auf mehrere Länder verlagert, das Grundprinzip des Wechsels alle sechs Monate bleibt aber bestehen. Der Präsident des Rats wird dann nach dem Vertragsentwurf vom Europäischen Rat gewählt und hat eine Amtszeit von 30 Monaten. Er kann einmal wiedergewählt werden.

Die Idee der Triopräsidentschaft wurde unter trotz des vorläufigen Scheiterns des Ratifikationsprozesses bereits in die politische Praxis übernommen. Deutschland, Portugal und Slowenien haben so im Vorfeld ihres Vorsitzes ein gemeinsames Arbeitsprogramm verabschiedet. Ziel ist, durch eine Abstimmung der nationalen Initiativen und Schwerpunktsetzungen für mehr Kontinuität in der Ratsarbeit zu sorgen.

Inhaltsverzeichnis

Bisherige Präsidenten

Bisher haben folgende Länder mit ihrem jeweiligen Außenminister als Präsidenten den Vorsitz im Rat der Europäischen Union wahrgenommen:

Jahr Erstes Halbjahr Zweites Halbjahr
2007 Deutschland (Frank-Walter Steinmeier) Portugal (Luís Filipe Marques Amado)
2006 Österreich (Ursula Plassnik) Finnland (Matti Vanhanen)
2005 Luxemburg (Jean Asselborn) Vereinigtes Königreich (Jack Straw)
2004 Irland (Brian Cowen) Niederlande (Ben Bot)
2003 Griechenland (Georgios Papandreou) Italien (Franco Frattini)
2002 Spanien (Josep Piqué i Camps) Dänemark (Per Stig Møller)
2001 Schweden (Anna Lindh) Belgien (Louis Michel)
2000 Portugal (Jaime Gama) Frankreich (Hubert Védrine)
1999 Deutschland (Joschka Fischer) Finnland (Paavo Lipponen)
1998 Vereinigtes Königreich (Robin Cook) Österreich (Wolfgang Schüssel)
1997 Niederlande (Hans van Mierlo) Luxemburg (Jacques Poos)
1996 Italien (Lamberto Dini) Irland (Dick Spring)
1995 Frankreich (Alain Juppé) Spanien (Javier Solana)
1994 Griechenland (Karolos Papoulias) Deutschland (Klaus Kinkel)
1993 Dänemark (Poul Nyrup Rasmussen) Belgien (Willy Claes)
1992 Portugal (João de Deus Pinheiro) Vereinigtes Königreich (Douglas Hurd)
1991 Luxemburg (Jacques Poos) Niederlande (Hans van den Broek)
1990 Irland (Charles Haughey) Italien (Gianni De Michelis)
1989 Spanien (Francisco Fernández Ordóñez) Frankreich (Roland Dumas)
1988 Deutschland (Hans-Dietrich Genscher) Griechenland (Theodoros Pangalos)
1987 Belgien (Leo Tindemans) Dänemark (Uffe Ellemann-Jensen)
1986 Niederlande (Hans van den Broek) Vereinigtes Königreich (Geoffrey Howe)
1985 Italien (Giulio Andreotti) Luxemburg (Jacques Poos)
1984 Frankreich (Roland Dumas) Irland (Peter Barry)
1983 Deutschland (Hans-Dietrich Genscher) Griechenland (Grigorios Varfis)
1982 Belgien (Leo Tindemans) Dänemark (Uffe Ellemann-Jensen)
1981 Niederlande (Chris van der Klaauw) Vereinigtes Königreich (Peter Carington)
1980 Italien (Attilio Ruffini) Luxemburg (Colette Flesch)
1979 Frankreich (Jean François-Poncet) Irland (Jack Lynch)
1978 Dänemark (Knud Børge Andersen) Deutschland (Hans-Dietrich Genscher)
1977 Vereinigtes Königreich (Anthony Crosland / David Owen) Belgien (Henri Simonet)
1976 Luxemburg (Gaston Thorn) Niederlande (Max van der Stoel)
1975 Irland (Garret FitzGerald) Italien (Mariano Rumor)
1974 Deutschland (Walter Scheel) Frankreich (Jean Sauvagnargues)
1973 Belgien (Pierre Harmel) Dänemark (Ivar Nørgaard)
1972 Luxemburg (Gaston Thorn) Niederlande (Norbert Schmelzer)
1971 Frankreich (Maurice Schumann) Italien (Aldo Moro)
1970 Belgien (Pierre Harmel) Deutschland (Walter Scheel)
1969 Luxemburg (Pierre Grégoire) Niederlande (Joseph Luns)
1968 Frankreich (Maurice Couve de Murville) Italien (Giuseppe Medici)
1967 Belgien (Renaat Van Elslande) Deutschland (Willy Brandt)
1966 Luxemburg (Pierre Werner) Niederlande (Barend Biesheuvel)
1965 Frankreich (Maurice Couve de Murville) Italien (Amintore Fanfani)
1964 Belgien (Hendrik Fayat) Deutschland (Gerhard Schröder)
1963 Luxemburg (Eugène Schaus) Niederlande (Joseph Luns)
1962 Frankreich (Maurice Couve de Murville) Italien (Emilio Colombo)
1961 Belgien (Paul-Henri Spaak) Deutschland (Gerhard Schröder)
1960 Luxemburg (Eugène Schaus) Niederlande (Joseph Luns)
1959 Frankreich (Maurice Couve de Murville) Italien (Giuseppe Pella)
1958 Belgien (Victor Larock) Deutschland (Siegfried Balke)

Zukünftige Präsidenten

Für die kommenden Jahre sind nach einem Beschluss des Rates zur Festlegung der Reihenfolge für die Wahrnehmung des Vorsitzes im Rat folgende Länder bzw. ihre jeweiligen Außenminister für den Vorsitz im Rat der Europäischen Union vorgesehen:

Jahr Erstes Halbjahr Zweites Halbjahr
2008 Slowenien Frankreich
2009 Tschechien Schweden
2010 Spanien Belgien
2011 Ungarn Polen
2012 Dänemark Zypern
2013 Irland Litauen
2014 Griechenland Italien
2015 Lettland Luxemburg
2016 Niederlande Slowakei
2017 Malta Vereinigtes Königreich
2018 Estland Bulgarien
2019 Österreich Rumänien
2020 Finnland

Quelle

  1. Europäisches Parlament: "Europapolitik im Duett: die Ratspräsidentschaft und das Parlament" (Europarl-Website)

Siehe auch

Weblinks

Quelle:
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