Ein Prätorianerpräfekt (lateinisch: praefectus praetorio oder praetorii) war in der hohen Kaiserzeit der Befehlshaber der als Garde des römischen Kaisers dienenden Elitetruppe der Prätorianer. In der Spätantike war er der höchste zivile Verwaltungsbeamte des Römischen Reiches.
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Seit dem Jahr 2 v. Chr. war der Prätorianerpräfekt Kommandeur der römischen Gardetruppen (Prätorianer), die den Kaiser beschützten. Ursprünglich ein Amt mit nur geringer Macht, änderte sich dies unter Tiberius. Mehrmals kam es zu Umsturzversuchen gegen den Kaiser. In späterer Zeit vereinigte das Amt mehrere Befugnisse (Verwaltung, Heer, Finanzen), insbesondere waren um 200 n.Chr. die Pätorianerpräfekten Papinian, Ulpian und Iulius Paulus bedeutende römische Juristen, die gleichsam als Justizminister tätig waren und Wesentliches zur Weiterentwicklung des Römischen Rechtes beitrugen.
Die Zahl der Praefecti schwankte. Ursprünglich waren es zwei, später konnte es jedoch durchaus vorkommen, dass drei oder mehr Personen dieses Amt bekleideten, gerade weil sie im Laufe der Zeit so viele (auch zivile) Kompetenzen an sich gezogen hatten.
Bekannte Prätorianerpräfekten mit teils erstaunlicher Machtfülle waren:
In der Spätantike änderte sich die Funktion des Amtes grundlegend. Die Praefecti wurden im Jahr 312, in der Regierungszeit Konstantins des Großen, in Hinblick auf ihren militärischen Einfluss entmachtet. Zu oft hatten sie sich mit Hilfe der Garde in die Politik eingemischt. Daher entband Konstantin sie von ihren militärischen Aufgaben – die Prätorianergarde, die Konstantins Rivalen Maxentius loyal gedient hatte, wurde aufgelöst – und wies ihnen stattdessen rein zivile Aufgaben zu. Die Prätorianerpräfektur wurden somit zum zentralen Verwaltungsorgan des Reiches und entwickelte sich schließlich zur ersten Verwaltungsebene unterhalb des Kaisers. Im Verlauf des 4. Jahrhunderts entstanden drei Prätorianerpräfekturen, die von jeweils einem Prätorianerpräfekt verwaltet wurden:
Die Aufteilung des Reiches im Jahr 395 hatte Konsequenzen für die Präfekten, da die Präfektur Illyricum, Italia et Africa geteilt werden musste. Zum Weströmischen Reich gehörten danach der Praefectus praetorio Galliarum und ein Praefectus praetorio Italiae et Africae (dem auch Pannonien unterstand), zum Oströmischen Reich der Praefectus praetorio per Orientem und ein Praefectus praetorio Illyrici.
Diese Rolle spielte das Amt bis zum Ende der spätantiken Phase Ostroms im 7. Jahrhundert. Auch im Westen überdauerte es in Italien bis in die Zeit der Ostgotenkönige. Um 540 führte der mächtige praefectus praetorio per Orientem Johannes der Kappadokier in Ostrom zahlreiche weitreichende Reformen durch. Als es dann unter Kaiser Justinian I. gelang, 534 das Vandalenreich zu erobern, wurde das Gebiet sogleich einem neuen Prätorianerpräfekten unterstellt; ebenso verfuhr man nach dem Gotenkrieg auch mit Italien. Erst mit dem Verlust der syrischen und afrikanischen Reichsgebiete am Ende der Antike (seit 632) und der Neuorganisation des verbliebenen Reiches in Themen verlor es seine zentrale Stellung und wurde bald faktisch abgeschafft.