Preußen ist eine historische Landschaft im nordöstlichen Mitteleuropa mit den Zentren Königsberg (dem heutigen Kaliningrad) und Danzig.
Die Grenzen der Region sind nicht eindeutig, ungefähr kann jedoch das Gebiet zwischen den Flüssen Weichsel und Memel als Preußen bezeichnet werden. Westlich von Preußen beginnt Pommern mit den Pommerellen, der östlichste Teil Preußens wird auch Kleinlitauen genannt.
Der Westen Preußens mit Thorn, Culm, dem Ermland und Danzig kam mit dem zweiten Frieden von Thorn 1466 zum Königreich Polen. Der östliche Rest verblieb als Ordensstaat beim Deutschen Orden und wurde 1525 in ein weltliches Herzogtum umgewandelt.
Das westliche Preußen ist nach den beiden Weltkriegen wieder vollständig ein Teil Polens. Das früher unabhängige Ostpreußen hingegen wurde nach 1945 zwischen Polen, Russland und Litauen aufgeteilt. Die Region ist zu unterscheiden von dem späteren Königreich Preußen mit dem Zentrum Berlin (später Potsdam), welches hervorging aus der Personalunion zwischen der Mark Brandenburg und dem Herzogtum Preußen. Darauf nehmen auch die Namen der späteren nordöstlichen Provinzen des preußischen Staates Bezug: (Ost-)Preußen und – nur scheinbar widersinnig – Westpreußen.
Im Hochmittelalter wurde nur das Gebiet des baltischen Volksstammes der Prußen östlich der unteren Weichsel „Preußen“ genannt. Dieser Raum wurde im 13. Jahrhundert, ausgehend vom 1226 in Besitz genommenen Kulmerland, durch den vom polnischen Herzog Konrad I. Mazowiecki zu Hilfe gerufenen Deutschen Orden unterworfen. Jener eroberte zudem 1309 das westlich der Weichsel gelegene, bislang polnische Pommerellen mit Danzig. Damit ging der Begriff Preußen auf alle Ordenslande beiderseits der Weichsel über.
1466 gewann das Königreich Polen mit Hilfe des gegen die Ordensherrschaft rebellierenden Preußischen Bundes das Kulmerland, Pommerellen, Danzig, die Marienburg, Elbing und das Ermland, diese Gebiete hießen fortan Preußen königlichen Anteils bzw. Polnisch Preußen. Der Ostteil wurde von Albrecht zu Brandenburg-Ansbach, 1. Herzog von Preußen, dem letzten Hochmeister des Ordens, 1525 in ein weltliches Herzogtum umgewandelt, zu der Zeit immer noch unter polnischer Lehnshoheit. 1618 erbten die hohenzollernschen Kurfürsten von Brandenburg das Herzogtum, das damit eine Keimzelle des späteren (modernen) preußischen Staates wurde. 1657 gewannen die Kurfürsten für das Herzogtum Preußen die Souveränität gegenüber Polen und 1701 schließlich die Königswürde. Jene galt formal nur für den Bereich des bisherigen Herzogtums, die Bezeichnung Königreich Preußen setzte sich aber allmählich als zusammenfassender Staatsname für alle Besitzungen der brandenburgisch-preußischen Herrscher durch, bezog sich also auch auf die im Heiligen Römischen Reich gelegenen Territorien.
1772 erhielten die preußischen Könige im Zuge der ersten Polnischen Teilung die Westhälfte Preußens (Danzig und das ermländische Thorn erst 1793) sowie weitere südlich angrenzende Gebiete entlang der Netze. Das nunmehr vereinte und erweiterte eigentliche Preußen, also die voll souveränen Gebiete des Königreichs, wurde verwaltungsmäßig in drei Teile gegliedert: Ostpreußen, Westpreußen und Netzedistrikt. Mit dem Ende des Heiligen Römischen Reiches 1806 hatte der Staat Preußen für sein gesamtes Gebiet die vollständige Souveränität gewonnen, womit die Sonderstellung der sich in Deutschland befindenden preußischen Gebiete entfiel, sie wurden Provinzen wie andere auch. Im Frieden von Tilsit 1807 verlor der Staat Preußen den größten Teil des Netzedistikts und das Kulmerland an das von Napoleon gegründete Herzogtum Warschau, erwarb sie aber auf dem Wiener Kongress 1814/5 wieder zurück. Der Netzedistrikt wurde danach größtenteils der neuen Provinz Großherzogtum Posen zugeschlagen. 1829-78 waren Ost- und Westpreußen und damit letztmalig auch die historische Landschaft Preußen in der Provinz Preußen verwaltungstechnisch vereint.
1871 wurde - im Gegensatz zum Vorgänger Deutscher Bund - das gesamte Gebiet des Königreichs Preußen Teil des Deutschen Reiches. Damit wurde es zum ersten Mal in seiner Geschichte (abgesehen von der kurzen Periode der Paulskirchenverfassung 1848-51) unter dem (bis dahin allerdings nie genau eingegrenzten) Begriff „Deutschland“ mitverstanden, zuvor hatte es nie zum Heiligen Römischen Reich und nur 1848-51 zum Deutschen Bund gehört. Westpreußen war zu großen Teilen auch nicht mehrheitlich deutschsprachig. Infolge der langen geschichtlichen Verbindung mit Polen bildeten in Pommerellen und im Kulmerland polnisch- bzw. kaschubischsprachige Katholiken den Hauptteil der Bevölkerung. Sie sahen sich im Kaiserreich gezielter Ausgrenzung und auch Germanisierung ausgesetzt. Die ostpreußischen Masuren und Litauer standen jedoch wegen ihres überwiegend lutherischen Glaubens dem preußischen bzw. deutschen Staat näher.
Nach der deutschen Niederlage im Ersten Weltkrieg wurde im Versailler Vertrag 1919 Westpreußen größtenteils zu Polen geschlagen sowie das Memelland (seit 1923 bei Litauen) und Danzig (als Freie Stadt) abgetrennt. Nachdem alle diese Gebiete 1939 nochmals kurzzeitig an das Deutsche Reich gefallen waren, wurde schließlich mit der Deutschen Teilung das nördliche Ostpreußen an die Sowjetunion und das südliche Ostpreußen an Polen übergeben und alle Deutschen vertrieben. Heute verteilt sich das Gebiet der historischen Landschaft Preußen auf die polnischen Woiwodschaften Pommern bzw. Kujawien-Pommern (Westpreußen) sowie Ermland-Masuren (südliches Ostpreußen), die russische Oblast Kaliningrad (nördliches Ostpreußen) und die litauischen Verwaltungsbezirke Klaipėda und Tauragė (Memelland).
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