Primärquelle

In der Geschichtswissenschaft verwendet man das Begriffspaar Primärquelle / Sekundärquelle für die Unterscheidung, welche Quelle über den Inhalt einer anderen Quelle informiert. Eine Sekundärquelle enthält Informationen über eine Primärquelle. Der Begriff Primärquelle wird also erst sinnvoll, wenn im betreffenden Quellenzusammenhang von Sekundärquellen die Rede ist. (Man kann sich ferner auch Tertiärquellen usw. vorstellen.)

Aus logischen Gründen ist die Primärquelle älter als eine Sekundärquelle. Grundsätzlich ist die Primärquelle vorzuziehen, um den Text der Primärquelle zu erfahren; falls eine solche verloren gegangen ist, kann man eventuell mit Hilfe von Sekundärquellen den Text der Primärquelle rekonstruieren bzw. wenigstens den ungefähren Inhalt erfahren. Problematisch sind Sekundärquellen, weil von der Primärquelle zur Sekundärquelle sich Fehler einschleichen können.

Das Begriffspaar Primärquelle / Sekundärquelle steht für sich und hat nichts mit dem Begriffspaar Quelle / Sekundärliteratur zu tun. Sowohl Primärquellen als auch Sekundärquellen sind schlicht "Quellen", und unter Sekundärliteratur versteht man die Fachliteratur zu einem Thema.

Nicht als Sekundärquelle gilt die Quellenedition, obgleich das Problem des Sekundären sich hier ähnlich stellt.

Beispiele

Angenommen, Person A hat an einem Ereignis teilgenommen und schreibt einen Bericht darüber. Person B hat diesen Bericht gelesen und erzählt davon in einem Brief. In diesem Fall ist der Bericht die Primärquelle zu dem Ereignis, und der Brief von Person B nur eine Sekundärquelle. Wenn der Historiker wissen will, was im eventuell verloren gegangenen Bericht gestanden hat, helfen dabei die betreffenden Angaben im Brief. Das heißt aber nicht, dass der Bericht automatisch die "bessere" Quelle zum Ereignis ist: Es könnte sein, dass Person B aufgrund anderer Informationen sehr kompetent ist und den Bericht von Person A kritisch bewerten kann.

Ein historisches Beispiel: Viele antike Werke sind der Nachwelt verloren gegangen. Allerdings weiß die heutige Altertumswissenschaft oftmals auch etwas von den verlorenen Werken: In den erhalten gebliebenen Werken finden sich Zitate oder Bemerkungen daraus oder darüber. Diese Werke sind Sekundärquellen über die Werke, die verloren sind.

Siehe auch

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