Eine Prozession (v. lat. processio Voranschreiten, auch rogatio) ist ein religiöses Ritual, bei dem eine Menschengruppe einen nach bestimmten Regeln geordneten feierlichen Aufzug, meist zu Fuß, vollzieht. Im nichtreligiösen Bereich entsprechen ihr Festumzug, Parade, Trauerzug, Demonstration u. a.
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Man unterscheidet bei den Prozessionen Grundtypen, deren Aspekte sich häufig überschneiden:
Bei der Fronleichnamsprozession überschneiden sich das theophore (Mitführen der Hostie in der Monstranz) und das demonstrative (öffentliche Selbstdarstellung der katholischen Kirche) Element.
Katholische Prozessionen in Mitteleuropa werden oft von Blasmusikkapellen begleitet. Diese intonieren Lieder oder Prozessionsmärsche, die das gemeinsame Gehen erleichtern sollen.
Eine Sonderform der Prozession ist die in Oberschwaben, Tirol, im Schwarzwald und im Bayerischen Wald verbreitete Reiterprozession (Blutritt in Weingarten, Antlassritt, Eulogieritt, Kötztinger Pfingstritt).
Auch in den asiatischen Religionen, wie z. B. dem Hinduismus, sind Prozessionen ein wichtiger Teil des religiösen Lebens.
Prozession waren wichtige Teile mancher antiker Kulte. Das bekannteste Beispiel ist die Panhellenische Prozession von Athen auf die Akropolis.
Kaiserliche Triumphzüge bildeten einen wichtigen Teil des politischen Lebens des Dominats. Im Osten wurden sie seit dem Ende des 4. Jahrhunderts selten, öffentliche Auftritte des Kaisers fanden nun vor allem in der Rennbahn, dem byzantinischen Äquivalent des Fußballstadions statt.
Dem Patriarchen Gregor von Nanzians galten Prozessionen noch als heidnische Sitte. Zu Ostern fand jedoch seit spätestens dem 4. Jh eine Prozession an der Grabeskirche in Jerusalem statt. Prozessionen fanden auch bei der Überführung von Reliquien statt, wie Johannes Chrysostomos etwa für 398 und 403 (Phokas von Pontos) beschreibt. Die Teilnehmerzahl solcher Prozessionen war auch ein wichtiger Anhaltspunkt für die Stärke innerkirchlicher Fraktionen. Eine reiche Ausstattung konnte die Anziehung der jeweiligen Glaubensrichtung durchaus stärken. Auch die Überführung der Reliquien des Chrysostomus 438 war von einer Prozession begleitet.
626 fand eine Prozession um die Mauern von Konstantinopel statt, um einen Angriff der Awaren und Perser abzuwehren, angeführt durch den Patriarchen Sergios (610–638), der eine Ikone mit dem Abbild Christi trug. Seit dem Beginn des 9. Jh wurde bei solchen Prozessionen der Mantel der Gottesmutter aus der Kirche Theotokos in den Blachernae mitgeführt.
Unter dem Patriarchen Timothäus sind für Konstantinopel ab 511 durch Theodor Lektor regelmäßige wöchentliche Prozessionen nachgewiesen, in diesem Falle zu der Kirche Theotokos Chalkoprateia.
Um 470 hielt Mamertus, wie es durch einen Brief von Sidonius Apollinaris belegt ist, eine Prozession in Vienne ab, die vermutlich um die Stadtmauern führte. Die erste schriftlich belegte Prozession in Rom fand 590 unter der Leitung von Gregor dem Grossen nach St. Maria Maggiore statt und sollte die Pest abwehren