Prozession

Passionsprozession in Stuttgart-Bad Cannstatt
Passionsprozession in Stuttgart-Bad Cannstatt
Das Schlussbild der Passionsprozession in Stuttgart-Bad Cannstatt
Das Schlussbild der Passionsprozession in Stuttgart-Bad Cannstatt
Karfreitagsprozession in Tarent
Karfreitagsprozession in Tarent


Eine Prozession (v. lat. processio Voranschreiten, auch rogatio) ist ein religiöses Ritual, bei dem eine Menschengruppe einen nach bestimmten Regeln geordneten feierlichen Aufzug, meist zu Fuß, vollzieht. Im nichtreligiösen Bereich entsprechen ihr Festumzug, Parade, Trauerzug, Demonstration u. a.

Inhaltsverzeichnis

Typologie

Man unterscheidet bei den Prozessionen Grundtypen, deren Aspekte sich häufig überschneiden:

Osterprozession in Malaga
Osterprozession in Malaga

Bei der Fronleichnamsprozession überschneiden sich das theophore (Mitführen der Hostie in der Monstranz) und das demonstrative (öffentliche Selbstdarstellung der katholischen Kirche) Element.

Blutritt in Weingarten, ca. 1865
Blutritt in Weingarten, ca. 1865

Katholische Prozessionen in Mitteleuropa werden oft von Blasmusikkapellen begleitet. Diese intonieren Lieder oder Prozessionsmärsche, die das gemeinsame Gehen erleichtern sollen.

Eine Sonderform der Prozession ist die in Oberschwaben, Tirol, im Schwarzwald und im Bayerischen Wald verbreitete Reiterprozession (Blutritt in Weingarten, Antlassritt, Eulogieritt, Kötztinger Pfingstritt).

Auch in den asiatischen Religionen, wie z. B. dem Hinduismus, sind Prozessionen ein wichtiger Teil des religiösen Lebens.


Geschichte

Antike

Prozession waren wichtige Teile mancher antiker Kulte. Das bekannteste Beispiel ist die Panhellenische Prozession von Athen auf die Akropolis.

Rom

Kaiserliche Triumphzüge bildeten einen wichtigen Teil des politischen Lebens des Dominats. Im Osten wurden sie seit dem Ende des 4. Jahrhunderts selten, öffentliche Auftritte des Kaisers fanden nun vor allem in der Rennbahn, dem byzantinischen Äquivalent des Fußballstadions statt.

Christlicher Osten

Dem Patriarchen Gregor von Nanzians galten Prozessionen noch als heidnische Sitte. Zu Ostern fand jedoch seit spätestens dem 4. Jh eine Prozession an der Grabeskirche in Jerusalem statt. Prozessionen fanden auch bei der Überführung von Reliquien statt, wie Johannes Chrysostomos etwa für 398 und 403 (Phokas von Pontos) beschreibt. Die Teilnehmerzahl solcher Prozessionen war auch ein wichtiger Anhaltspunkt für die Stärke innerkirchlicher Fraktionen. Eine reiche Ausstattung konnte die Anziehung der jeweiligen Glaubensrichtung durchaus stärken. Auch die Überführung der Reliquien des Chrysostomus 438 war von einer Prozession begleitet.

626 fand eine Prozession um die Mauern von Konstantinopel statt, um einen Angriff der Awaren und Perser abzuwehren, angeführt durch den Patriarchen Sergios (610–638), der eine Ikone mit dem Abbild Christi trug. Seit dem Beginn des 9. Jh wurde bei solchen Prozessionen der Mantel der Gottesmutter aus der Kirche Theotokos in den Blachernae mitgeführt.

Unter dem Patriarchen Timothäus sind für Konstantinopel ab 511 durch Theodor Lektor regelmäßige wöchentliche Prozessionen nachgewiesen, in diesem Falle zu der Kirche Theotokos Chalkoprateia.

Frühmittelalter

Um 470 hielt Mamertus, wie es durch einen Brief von Sidonius Apollinaris belegt ist, eine Prozession in Vienne ab, die vermutlich um die Stadtmauern führte. Die erste schriftlich belegte Prozession in Rom fand 590 unter der Leitung von Gregor dem Grossen nach St. Maria Maggiore statt und sollte die Pest abwehren

Literatur

  • Leslie Brubaker, Topography and public space in Constantinople. In: Mayke de Jong and Francis Theuws (Hrsg.), Topographies of power in the early Middle Ages. Leiden : Brill, 2001. Transformation of the Roman world Bd. 6. ISSN:1386-4165

Siehe auch

Barfüßige Perdoni in Tarent
Barfüßige Perdoni in Tarent
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