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Die Pruzzen (auch Prußen (was der rekonstruierten Eigenbezeichnung prūsai am nähesten kommt), Prussen, Altpreußen, lateinisch Pruteni) waren ein baltischer Volksstamm, der zwischen Weichsel und nördlich der Memel bis zum Fluss Minge bei Heydekrug/Šilutė siedelte, und auf den der geografische Name Preußen zurückgeht. Das eigentliche Siedlungsgebiet der Prußen ging südwestlich und östlich über die späteren Grenzen Preußens hinaus. Bodenfunde belegen eine Besiedlung der altpreussischen Kerngebiete seit dem Ende der Jungsteinzeit bis ins Mittelalter ohne Unterbrechung. Die Ausdehnung auf die Weichselregion vollzog sich erst nach dem siebten Jahrhundert, als dieses Gebiet nur noch spärlich von ostgermanischen Siedlern bewohnt war. Nach ihrer endgültigen Unterwerfung durch den Deutschen Orden wurden sie von deutschen und polnischen Zuwanderern assimiliert. Ihre Sprache, das Altpreußische, auch Pruzzisch und neuerdings Prußisch genannt, ist seit dem 17. Jahrhundert außer Gebrauch und nur unvollständig dokumentiert. In jüngerer Zeit wird versucht, sie zu erschließen und zu revitalisieren.
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Es gab zwölf prußische Stämme in den entsprechenden Landschaften (Gauen):
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Das Siedlungsgebiet erstreckte sich zwischen der unteren Weichsel (poln. Wisla) und der unteren Memel (lit. Nemunas, russ. N'eman), wobei beide nicht als Begrenzung aufzufassen sind.
Als Brus werden die Prußen von einem bajuwarischen Geographen im 9. Jahrhundert erwähnt; spätere Reisende wie Wulfstan von Haithabu auf dem Weg nach der prußischen Handelsstadt Truso und Ibrahim Ibn Jakub berichten ebenfalls über sie. Angaben in frühen Quellen beschreiben sich eher die Balten allgemein, etwa die Aesti in Tacitus Germania (auch wenn die heutigen Esten keine Balten sind). Aussagen aus Jordanes' De Origine Actibusque Getarum („Vom Ursprung und den Taten der Gothen“) lassen sich eher auf sie beziehen, da Goten und Pruzzen an der unteren Weichsel Nachbarn waren.
In der Geschichtsschreibung tauchen die Prußen auf, als der böhmische Bischof Adalbert (eigentl. Vojtěch) von Prag 997 versuchte, sie zu christianisieren. Die parallel zur Missionierung erfolgenden Eroberungsversuche durch Bolesław I. machten Adalbert als Spion verdächtig; seine Missachtung der heiligen Haine führte dann zu seinem Tod durch Prußen.
In der Folgezeit versuchte Polen mehrmals, das Siedlungsgebiet der Prußen zu erobern, um damit einen Zugang zur Ostsee zu gewinnen. Diese ebenfalls unter dem Vorwand der Missionierung durchgeführten Kriegszüge scheiterten jedoch am Widerstand der Prußen. Weitere Versuche (1209, 1220 und mehr) durch Herzog Konrad von Masowien, die Prußen zu unterwerfen, konnten immer wieder erfolgreich abgewehrt werden. Konrad stiftete auf Anraten Bischof Christian von Oliva 1224 einen Orden aus deutschen Rittern, die Ritter von Dobrin. Es waren nur wenige Ritter und auch diese konnten von den Prußen abgewehrt werden. Da sich Konrad nun durch die Abwehr der Prußen selbst verunsichert sah, rief er den Deutschen Orden zu Hilfe.
In 1224 hatte Kaiser Friedrich II. Livland, Preußen usw. in kaiserlichen Schutz genommen und die Einwohner als Reichsfreie nur direkt der Kirche und dem Kaiserreich direkt unterstellt und sie von Dienst und Jurisdiktion jeglicher Herzöge befreit. Ende 1224 verkündete der Papst der gesamten Christenheit, daß er Bischof Wilhelm von Modena als Legaten für Livland, Preußen usw. eingesetzt habe.
Um die Nordgrenze Masowiens, also die Südgrenze Preußens wieder zu festigen, bot Herzog Konrad von Masowien dem Deutschen Ritter-Orden Landrechte im Gegenzug für militärische Unterstützung als Gegenleistung ihrer Hilfe an. Der Deutsche Orden wartete aber ab, bis er den Besitz Preußens vom Kaiser bestätigt bekam, welches mit der Goldenen Bulle von Rimini 1226 geschah.
Ein weiterer Vertrag von Kruschwitz 1230 soll auf einer angeblich gefälschten Urkunde basierenden Landrechte von Konrad darstellen, wie manche annehmen. Jedoch ist solch eine Urkunde angeblich nicht vorhanden.
Die Bullen von 1234 vom Papst und 1226 vom römisch-deutschen Kaiser über formelle Bestätigungen sind vorhanden.
Im Laufe des 13. Jahrhunderts gelang es dem Deutschen Ritterorden durch steten Zufluss an neuen Kräften nach langen Auseinandersetzungen, die immer stärker dezimierten Prußen zu unterwerfen und zu christianisieren.
Über die Kampfzeit des Ordens und die kriegerischen Ereignisse berichtet der Priesterbruder des Deutschen Ordens Peter von Dusburg. In seiner „Chronicon Terrae Prussiae“ nennt er die Bewohner des Landes „Prutheni“ (latinisierte Form). Das deutet in der Aussprache auf ein langes „u“ hin, wie es bis 1945 in ostpreußischen Dialekten noch unverwechselbar klang. Auch die überlieferten Namen, z. B. des Donnergottes Perkuhn oder Personennamen wie Willuhn, sprechen gegen ein kurzes „u“.
Während der prußischen Aufstände kam in Folge von Mord und Umsiedlungen eine hohe Zahl von Pruzzen ums Leben; nach neuerer Forschung 20 bis 50 % der Bevölkerung. Die in Texten des 19. und frühen 20. Jahrhunderts vertretene These, wonach bis zu 80 % der Pruzzen umgekommen seien, konnte wissenschaftlich widerlegt werden. Der gemutmaßte Wert war unter der rassistischen Annahme entstanden, der Deutsche Ritterorden habe einen „germanischen Siedlungsraum“ schaffen wollen. In wie weit man bei allen genannten Zahlen von einem Völkermord an den Pruzzen im modernen Sinn sprechen kann, ist diskussionsabhängig. Auch ohne die Absicht eines Genozids, wie ihn heute die UNO definiert, ist die Ermordung eines Fünftels oder gar der Hälfte der Angehörigen einer Bevölkerungsgruppe erschreckend. Die Überlebenden der Aufstände konnten noch bis etwa 1700 ihre ethnische Identität bewahren und passten sich während der folgenden Jahrhunderte der deutschen, litauischen oder polnischen Kultur an.
In den folgenden Jahrzehnten und Jahrhunderten förderte der vom Deutschen Ritterorden gegründete Ordensstaat den Zustrom deutscher Ritter, aber auch multinationaler Bauern und Bürger, wodurch die Altpreuzzische Sprache ihre Eigenständigkeit verlor. Nur Teile blieben im ostpreußischen Platt und in den Ortsnamen erhalten. Die heidnische Kultur der Pruzzen wurde (wie überall) von der christlichen Kirche unterdrückt.
Nach der Reformation trat die prußische Kultur wieder offener in Erscheinung, und wurde noch bis ins 17. und 18. Jahrhundert etwa vom preußischen Historiker Christoph Hartknoch nachgewiesen. Die Einwanderer und die angestammten Prußen verstanden sich gemeinsam als Preußen. Die offizielle Landessprache wurde das (Mittel)niederdeutsche der Hanse, spezifisch die ostpreußischen Dialekte.
In Danzig wurde die niederdeutsche Amtssprache etwa 1577 vom Hochdeutschen abgelöst.
Heutige Relikte der prußischen Sprache finden sich vor allem in polonisierten Ortsnamen im ehemaligen Ostpreußen und im niederpreußischen und hochpreußischen Dialekten. So findet sich im östlichen Masuren die Ortschaft Skometno Wlk. am gleichnamigen See. Auch der bis 1945 gebräuchliche deutsche Name Skomanten weist auf den letzten Sudauerfürsten Skomand hin, der 1283 seinen Kampf gegen den Deutschen Orden aufgab. Am Ufer des Sees wurde Anfang des 20. Jahrhunderts eine Wallanlage und ein Silberschatz der Altpreußen gefunden.