Eine Pseudowissenschaft (neoklassisches Lehn-Affixoid pseud- = unecht, vorgetäuscht, scheinbar; abgeleitet von dem altgr. Verb ψεύδωpseudo = täuschen, lügen bzw. dem Substantiv ψεύδος pseudos = Lüge, Täuschung[1][2]) ist eine Lehre, die sich den äußeren Anschein einer Wissenschaft gibt, ohne diesen Anspruch zu erfüllen.
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Pseudowissenschaften sind Lehrgebäude, in denen Thesen dogmatisiert und gegen Kritik immunisiert werden. Im Gegensatz dazu zeichnet sich die moderne Wissenschaft durch die Bildung von intersubjektiv überprüfbaren Theorien mit Hilfe einer korrekturbasierten Methode aus. Während Ergebnisse in der Wissenschaft kritikoffen vertreten werden, da stets neue Erkenntnisse denkbar sind, gehen Pseudowissenschaften von feststehenden Ergebnissen aus. Diese werden mit nachträglich ausgewählten Fakten unterlegt, um sie in einem neutralen und objektiven Licht erscheinen zu lassen. Während die Wissenschaft neue Erkenntnisse anstrebt, steht für Pseudowissenschaften das Ergebnis von vornherein fest. Das wesentliche Merkmal von Pseudowissenschaften ist also, dass sie in sich geschlossen sind.
Die Prägung des Begriffs in der Diskussion der Wissenschaftstheorie geht auf Karl Popper zurück.[3] Der Wissenschaftstheoretiker hatte sich nach eigenem Bekunden ab 1919 mit dem Thema Pseudowissenschaft beschäftigt.[4] In diesem Rahmen entwickelte er zwei Abgrenzungskriterien.[5] Das sogenannte Falsifizierbarkeitskriterium war seine Lösung des Abgrenzungsproblems zwischen empirischen und nicht-empirischen Theorien. Popper unterteilte nicht-empirische Theorien in einerseits philosophische, mathematische, mythologische, religiöse und/oder metaphysische, andererseits pseudowissenschaftliche. Die pseudowissenschaftlichen grenzte er mit seinem zweiten Kriterium ab, dem Kriterium der verstärkten Dogmen bzw. des ‚doppelt verschanzten Dogmatismus‘. Es charakterisiert Theorien, die eingebaute Strategien zur automatischen Immunisierung gegen Kritik beinhalten. Da solche verstärkten Dogmen nicht nur bei Pseudowissenschaft vorkommen, muss eine Theorie zusätzlich den Eindruck der Wissenschaftlichkeit anstreben, damit ihre Pseudowissenschaftlichkeit gegeben ist. Popper machte dabei klar, dass er in seiner ersten Näherung an das Phänomen der Pseudowissenschaften nicht die Frage der Wahrheit für vorrangig gehalten habe. Auch fehlende Exaktheit oder Messbarkeit seien nicht sein Grundproblem gewesen. Er habe vielmehr intuitiv empfunden, dass es Theorien gäbe, die sich als Wissenschaften gerierten, tatsächlich jedoch mehr mit Mythen gemein hätten als mit Wissenschaft. Als Beispiele für Pseudowissenschaften nannte Popper den Marxismus, die Psychoanalyse, die Individualpsychologie und die Astrologie, als Gegenbeispiel Einsteins Relativitätstheorie.
Was jene Theorien attraktiv mache, sei vor allem ihre scheinbar umfassende Erklärungskraft für alles, was in ihrem Betrachtungsraum liege. Das Studium solcher Theorien hätte den Effekt einer intellektuellen Bekehrung oder Offenbarung. Dem Leser schienen sich die Augen für neue Wahrheiten zu öffnen, die „Nichteingeweihten“ verborgen blieben. „Ungläubige“ erschienen als Menschen, die sich weigerten, diese Wahrheit anzuerkennen. Als besonderes Charakteristikum solcher Theorien beschrieb Popper also, dass es für sie einen beständigen Strom von Verifikationen gäbe. Jeder neue Fall werde im Lichte vorhergehender „Erfahrungen“ betrachtet und dadurch als weiterer Beleg für die Richtigkeit der Theorie gewertet. Dies mache deutlich, dass die scheinbare Stärke dieser Theorien – die allumfassende Erklärbarkeit – in Wahrheit ihre Schwäche sei.
Popper behandelt in seinem Hauptwerk, der Logik der Forschung (1935), nur das Falsifzierbarkeitskriterium. Der Begriff der Pseudowissenschaft kommt darin also nicht vor. Für den Philosophen Hans Jürgen Wendel erscheinen in einer Kommentierung der Logik der Forschung dennoch Metaphysik und Pseudowissenschaft im Hinblick auf die Abgrenzung zu empirischen Wissenschaften „zumindest verwandt, partiell vielleicht sogar identisch und daher aus ähnlichen Gründen problematisch zu sein.“[6] Er ist der Auffassung, dass die Eingrenzung auf das Problem der Metaphysik in erster Linie aufgrund der Diskussionen mit dem Wiener Kreis geschah, in dessen Umfeld die Publikation erfolgte.[7] Auch der Wissenschaftstheoretiker Imre Lakatos verstand Poppers Falsifizierbarkeitskriterium im Sinne einer Unterscheidung von Wissenschaft und Pseudowissenschaft.[8]
Seit den 1960er Jahren existiert – vorwiegend in industrialisierten Ländern – die so genannte Skeptikerbewegung, die aus Skeptikervereinigungen besteht und sich in kritischer Absicht mit pseudo- und para-wissenschaftlichen Theorien auseinandersetzt. In den USA sind hierfür das „Committee for the Scientific Investigation of Claims of the Paranormal (CSICOP)“ (gegründet 1976, nimmt eine führende Rolle ein) und die „Skeptics Society“ bekannt. In Deutschland gibt es die „Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP)“. Die Bewegung trägt ihre Standpunkte hauptsächlich über Zeitschriften in die Öffentlichkeit. CSICOP gibt den Skeptical Inquirer heraus, die Skeptics Society den Skeptic und die GWUP die vierteljährliche die Zeitschrift skeptiker.
Die populäre, polemisch ausgerichtete Verwendung des Begriffs findet sich vor allem bei dieser Skeptiker- und Brights Bewegung, sowie ihr nahestehenden Autoren wie Richard Dawkins, Mario Bunge, Carl Sagan und James Randi. Diese Autoren betrachten Pseudowissenschaft als schädlich und verstehen die Befürwortung als Ausfluss politischer Interessen oder als vorsätzliche Täuschung zur finanziellen Bereicherung. In extremen Fällen können dabei Gesundheits- und Sicherheitsfragen eine direkte Rolle spielen, zum Beispiel im Fall medizinischer oder psychiatrischer Behandlung, oder bei der Einschätzung von Sicherheitsrisiken.
In Poppers Kritischem Rationalismus ist eine Theorie pseudowissenschaftlich, wenn sie vom äußeren Anschein her als wissenschaftliche Theorie erscheint, aber verstärkte Dogmen enthält. Das bedeutet, dass es keine Möglichkeit gibt, die Lehre zu kritisieren, da sie dazu konstruiert ist, jede Kritik in ihrem Sinne umdeuten oder abweisen zu können. Eine mögliche Form solcher Strategien sind Verschwörungstheorien, die jede Kritik als Fälschung und Propaganda der Verschwörer abweisen. So kann jedes analytische Ergebnis, jeder empirische Befund, jede Kritik nur als bestätigender Beleg einer solchen These aufgefasst werden. Während jede beliebige Theorie durch unwissenschaftliches Vorgehen mit Ad-Hoc-Hypothesen immunisiert werden kann, zwingen verstärkte Dogmen also sogar dann zur Immunisierung, wenn sie in einen wissenschaftlichen, kritischen und rationalen Kontext gesetzt werden.[9]
Jenseits des Kritischen Rationalismus hat sich jedoch mangelnde Falsifizierbarkeit als Kriterium für Pseudowissenschaft durchgesetzt. Es unterscheidet eigentlich nur zwischen empirischen und nicht-empirischen Theorien und sein Nutzen für die Abgrenzung von Pseudowissenschaft ist fragwürdig.[10] In der Analytischen Philosophie tritt dieses Kriterium als Widerlegbarkeits-Kriterium auf.[11] Eine These, die prinzipiell nicht falsifiziert werden kann, ist aus dieser Sicht pseudowissenschaftlich, da sie keine durch empirische Beobachtungen überprüfbaren Aussagen macht bzw. falsifizierbare Voraussagen trifft.
Neben der Falsizierbarkeit werden in der Wissenschaftstheorie auch andere Kriterien vorgeschlagen, um Pseudowissenschaft abzugrenzen.[12] So ist im Positivismus das Abgrenzungskriterium Induktion und Verifikation; bei Martin Gardner sind Bestätigung der Theorie durch Beweise und Kompetenz der Forscher ausschlaggebend;[13] Paul R. Thagard schlägt das Vorhandensein der Faktoren Theorienbildung, Forschungsgemeinschaft und historischer Kontext als Demarkationskriterium vor.[14]
Die Parawissenschaft unterscheidet sich von der Pseudowissenschaft dadurch, dass bei ihr lediglich berechtigte Zweifel an der Wissenschaftlichkeit bestehen. Meist beziehen sie sich auf unklare, seltene und strittige Anomalien, die zwar durch eine (im Sinne der Erkenntnistheorie) wissenschaftliche Theorie erklärt werden, wobei die Theorie jedoch nach dem Forschungsstand zu weit hergeholt und unglaubwürdig erscheint, da sie einen hohen metaphysischen Überschuss enthält. Oft handelt es sich um Theorien, für die noch keine realistischeren Erklärungen gefunden wurden.
Bei Junk Science wird im Gegensatz zur Pseudowissenschaft eine bewusste und vorsätzliche Irreführung vorgenommen und eine Lehre aus politischen, religiösen oder finanziellen Absichten vertreten. Damit soll interessengeleiteten Argumentationen der Nimbus und die Glaubwürdigkeit der Wissenschaftlichkeit verliehen werden. Dabei werden auch häufig Daten aus dem Zusammenhang gerissen oder gar gefälscht bzw. sonstige unredliche Methoden angewendet, um die eigene Position vorteilhaft darzustellen oder anderslautende Positionen abzuwerten.
Eine Irrlehre ist eine vormals protowissenschaftliche These, die sich jedoch als unbrauchbar für die Wissenschaft herausgestellt hat. Nicht jede Irrlehre entwickelt sich zwangsläufig zur Pseudowissenschaft. Entscheidend ist, inwieweit ein Lehrgebäude über eine Anschlussfähigkeit für bestimmte Zielgruppen verfügt, die das konkrete Erkenntnisinteresse übersteigt.
Die meisten Religionen bzw. spirituellen Lehren erheben keinen (uneingelösten) wissenschaftlichen Anspruch. Ihre Lehren und Weltanschauungen werden daher lediglich dann als Pseudowissenschaften bezeichnet, wenn ihre Vertreter allgemeingültige Aussagen machen, die inhaltlich im Konflikt zu naturwissenschaftlichen Theorien stehenden und die sich auf eine höhere Autorität berufen (z. B. Intuition, göttliche Offenbarungen oder Erleuchtungserlebnisse).
Cargo-Kult-Wissenschaft ist eine Form mangelnder wissenschaftlicher Integrität, die im Gegensatz zur Pseudowissenschaft in der Wissenschaft selbst vorkommt. Sie bezieht sich hauptsächlich auf das unkritische Zitieren von fremden Forschungsergebnissen und das ungeprüfte Voraussetzen ihrer Korrektheit, oder auch auf die Übernahme eines Teilergebnisses, wobei jedoch wesentliche Bedingungen für dessen Zustandekommen ignoriert werden. Der Ausdruck soll eine Parallele zum Cargo-Kult symbolisieren, d.h. eine Wissenschaft kennzeichnen, die zwar methodisch korrekt arbeitet oder oberflächlich betrachtet stimmige Ergebnisse liefert, die aber sinnlos geworden ist.
Protowissenschaft oder Vorwissenschaft bezeichnet Thesen, die im Sinne der Erkenntnistheorie keinen wissenschaftlichen Charakter besitzen, deren Vertreter jedoch ernsthaft und aufrichtig einen solchen Charakter anstreben und versuchen, die problematischen Elemente so zu korrigieren, dass vernünftige wissenschaftliche Aussagen in Zukunft möglich werden. Bei der Eröffnung eines vollständig neuen Forschungsfeldes befindet sich dieses im Allgemeinen eine gewisse Zeit lang in diesem Status.
Einigen wissenschaftlichen Theorien, die heutzutage akzeptiert sind, wurde von den damaligen Wissenschaftlern vorgeworfen pseudowissenschaftlich, irrational oder offensichtlich falsch zu sein. Heute anerkannte Wissenschaften gingen oft durch eine Vorstufe als Proto-Wissenschaft. Oft war auch tatsächlich ein potenziell wissenschaftsfähiger Kern mit pseudowissenschaftlichen, religiösen oder ideologischen Elementen verwoben, so dass sich erst allmählich ein wissenschaftlicher Kern herauszukristallisieren begann. Wesentlich bei der Unterscheidung zwischen Pseudowissenschaft und Protowissenschaft ist, dass letztere das Potenzial besitzt, sich nach allen Kriterien des jeweils anerkannten Standes der Wissenschaft weiterzuentwickeln.
Ein wesentlicher Aspekt wissenschaftlichen Arbeitens besteht nämlich darin, Irrtümer und unfalsifizierbare Hypothesen als solche zu erkennen und ohne sie weiterzuarbeiten. Ein typisches Beispiel für diese Arbeitsweise ist die Entwicklung in der Physik:
Ein wichtiger Grund für diese stetige Weiterentwicklung ist die prinzipielle Offenheit für neue Erkenntnisse. Auch Lehren, die von Zeitgenossen als Metaphysik und Pseudowissenschaften bezeichnet wurden, können sich als richtig erweisen. Das trifft etwa für die Theorie des Urknalls oder die Schwarzen Löcher zu, die Kontinentalverschiebung, die Kosmologie, die Elektromagnetischen Felder, Keime als Krankheitserreger, Meteoriten oder die moderne Psychiatrie.[15]
Pseudowissenschaften entsprechen ihrem Wesen nach nicht den Kriterien methodisch reflektierter, intersubjektiver Wissenschaft. Von reiner Religion, Esoterik oder Obskurantismus unterscheiden die Pseudowissenschaften sich dadurch, dass sie experimentell gewonnene Daten zur Bestätigung ihrer zentralen Überzeugungen nutzen, wobei die Grundannahmen selbst auch unabhängig von den empirischen Daten feststehen. Ein Beispiel sind die Lehren der sogenannten Schöpfungswissenschaft und des „Intelligent Design“. Sie teilen mit der Religion die Annahme eines Schöpfergottes, möchten diese aber wissenschaftlich untermauern – etwa mit DNA-Analysen, die als Beleg für das direkte Eingreifen dieses Schöpfergottes angeführt werden.
Der schwedische Philosoph Sven Ove Hansson definiert den Begriff Pseudowissenschaft, indem er ein Spektrum beschreibt, das von „wissenschaftlich“ über „unwissenschaftlich“ zu „pseudowissenschaftlich“ und „nicht-wissenschaftlich“ reicht. Unwissenschaftlichkeit bedeutet dabei den Widerspruch zu anerkannten Fakten, Nicht-Wissenschaftlichkeit den Verzicht auf jeden rational-empirischen Anspruch. Von Pseudowissenschaft kann nach diesem Verständnis nur gesprochen werden, wenn eine Lehre präsentiert wird, die im Konflikt zur rationalen Wissenschaft steht, wobei einzelne Elemente der Lehre wissenschaftliche Erkenntnisse sind oder zumindest als solche präsentiert werden. Bei Lehren, die vollständig ohne rational-wissenschaftliche Erkenntnisse auskommen, handelt es sich dagegen um Nicht-Wissenschaft (Religion, Esoterik, etc.). In dem Teil des Spektrums, in dem ein Widerspruch zu anerkannten Theorien besteht, können sehr unterschiedliche Sachverhalte enthalten sein: Fälschungen, handwerklich unzulängliche Wissenschaft oder unorthodoxe und sogar innovative Theorien, die sich jedoch in der Wissenschaftsgemeinde nicht durchsetzen können.
Wenn Pseudowissenschaften also wissenschaftliche Erkenntnisse in ihrer Begriffsbildung berücksichtigen, so bleibt - um sie von Wissenschaft abzugrenzen - charakteristisch, dass sie diese Erkenntnisse selektiv und nicht korrekturbasiert verwenden. Zudem schotten sie sich systematisch gegen Widerlegung und Kritik ab, zielen also nicht auf Erkenntnisgewinn, sondern auf Überzeugung ihrer Anhänger. Pseudowissenschaften fehlt Offenheit für Kritik und Aufforderung zur Widerlegung. Damit sind sie nicht dynamisch-evolutionär, sondern statisch. Sie basieren im Kern auf einer Überzeugung, die unverrückbar feststeht und damit für einen Erkenntnisprozess nicht anschlussfähig ist. Pseudowissenschaften vertreten daher häufig eine geschlossene Alternative, die die bisherigen Ergebnisse nicht schrittweise erweitern, sondern revolutionieren soll. Selbstkritische Einstellung existiert in Pseudowissenschaften typischerweise nicht, da das Ergebnis bereits vor der Untersuchung feststeht. Skepsis gilt dann als Häresie und Abweichlertum, nicht als notwendiges Element einer Qualitätssicherung. Kritik wird von Pseudowissenschaftlern in diesem Sinne als Versuch kategorischer Unterdrückung der „Wahrheit“ verstanden und gerade nicht als Korrektiv in einem schrittweisen Erkenntnisprozess.
Eine Gemeinsamkeit vieler Pseudowissenschaften ist das hohe Maß an Wertschätzung für die Gründerfigur und deren jeweiliger Lehre. Diese Hochschätzung zollen zwar auch Vertreter der seriösen Wissenschaft ihren Pionieren. Dies hindert Wissenschaftler allerdings nicht daran, Erkenntnisse der Begründer einer Wissenschaftsdisziplin ad acta zu legen oder in geeigneter Form zu erweitern, sobald sie sich als überholt herausstellen. Eine neue Theorie zu entwickeln, die besser ist, als die eines bekannten Wissenschaftlers, wird in der Wissenschaftsgemeinde mit Anerkennung bedacht. So wurde etwa von Anfang an intensiv nach Widerlegungen der Einsteinschen Theorien geforscht. Die theologischen Spekulationen von Isaac Newton sind kein Gegenstand der heutigen Physik.
Im Gegensatz dazu stellen die Lehren von Samuel Hahnemann für die meisten Vertreter der Homöopathie auch heute noch eine verbindliche, nahezu unantastbare Grundlage dar. Bei Rudolf Steiner trägt etwa der Verweis auf den notwendigen Besitz von „Erkenntnissen höherer Welten“ dazu bei, dass seine Aussagen und Erklärungsansätze nicht intersubjektiv überprüft werden können.
Der Wissenschaftstheoretiker Larry Laudan kritisiert den Begriff wegen seiner fehlenden Fundierung: „There is no demarcation line between science and non-science, or between science and pseudoscience, which would win assent from a majority of philosophers“ („Es gibt keine Unterscheidungslinie zwischen Wissenschaft und Nichtwissenschaft, oder zwischen Wissenschaft und Pseudowissenschaft, die die Zustimmung von einer Mehrheit der Philosophen erhalten würde“).[16] Gegen das Kriterium der Falsifizierbarkeit wendete Laudan ein, dieses würde jede absonderliche Behauptung von Astrologen, Kreationisten oder wem auch immer zur Wissenschaft erheben, solange die Behauptung nur angeben würden, welche Beobachtung sie als Widerlegung ihrer Theorie anerkennen würden. Das Kriterium der Falsifizierbarkeit sei also ungeeignet, da es zu nachsichtig sei. Laudan fordert daher, den Begriff Pseudowissenschaft nicht mehr zu verwenden: „If we would stand up and be counted on the side of reason, we ought to drop terms like ‘pseudo-science’ and ‘unscientific’ from our vocabulary; they are just hollow phrases which do only emotive work for us” („Wenn wir uns auf die Seite der Vernunft stellen, so sollten wir Begriffe wie 'pseudowissenschaftlich' oder 'unwissenschaftlich' aus unserem Vokabular streichen; sie sind hohle Phrasen, die nur einen gefühlsbezogenen Beitrag leisten können”).[17] Laudan hält den Begriff also für grundsätzlich fragwürdig, da er überwiegend zum Zweck der Wertung und Ausschließung verwendet werde. Eine Begriffsbildung könne zwar zur Begründung eines solchen Ein- oder Ausschlusses dienen; werde sie allerdings ausschließlich zu diesem Zweck vorgenommen, so sei sie von wissenschaftsfremden Zwecken bestimmt.
Der britische Psychologie-Professor Richard McNally[18] (Harvard, Newcastle), der sich selbst mit der Kritik von randständigen Therapierichtungen befasst, hält den eingebürgerten klassifizierenden Begriff der Pseudowissenschaft für diesen Zweck für unbrauchbar. Ihm zufolge hat der Begriff nur einen geringen analytischen Gehalt. Insbesondere sei das von allen Kritikern von Pseudowissenschaften verwendete Falsifizierbarkeitskriterium zu Abgrenzungszwecken unbrauchbar, da eine große Zahl der als pseudowissenschaftlich geltenden Theorien durchaus falsifizierbar, ja bereits widerlegt sei. Andererseits erfüllten teilweise etablierte wissenschaftliche Theorien das Falsifikationskriterium oder andere Abgrenzungskriterien nicht. McNally lehnt solche Begriffsbildungen daher als irreführend ab und fordert stattdessen dazu auf, angezweifelte Theorien auf logische und empirische Schwächen hin zu untersuchen und gegebenenfalls zu kritisieren.
Auch innerhalb der sog. Skeptiker ist der Begriff „Pseudowissenschaft“ umstritten. Der Soziologe Edgar Wunder, Gründungsmitglied der „Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften e.V.“ (GWUP) und zeitweiliger verantwortlicher Redaktionsleiter der von der GWUP herausgegebenen Zeitschrift „Skeptiker“, wendete sich scharf gegen Tendenzen einer „real existierenden 'Skeptiker'-Bewegung“. In einem Text mit dem Titel „Das Skeptiker-Syndrom“ kritisiert er die abwertende Konnotation des Begriffs „Pseudowissenschaft“: „Die im Diskurs gewählten Begriffe sind für jene 'Skeptiker' ebenfalls typisch: es handelt sich um von vornherein wertende bis diffamierende Begriffe (z.B. 'Aberglaube', 'Humbug', 'Pseudowissenschaft', 'Scharlatane', 'Sekten', 'PSI-Exponenten' - als Bezeichnung für Parapsychologen - u.a.m.), nicht um weitgehend deskriptiv-analytische Begriffe [...].“[19]
| Wiktionary: Pseudowissenschaft – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen |