Römische Stadtbrände

In der Antike kam es in Rom immer wieder zu gefährlichen Bränden, kleinere Feuer waren an der Tagesordnung.

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Stadtbrand 64 n. Chr.

Der größte Stadtbrand, bei dem große Teile Roms verwüstet wurden, ereignete sich vom 19.–26. Juli 64 n. Chr. zur Regierungszeit des Kaisers Nero. Nach einer Angabe von Tacitus (Annalen XV 40) wurden von den 14 Stadtbezirken Roms drei völlig zerstört, in sieben Bezirken standen von den Gebäuden nur noch wenige halbverbrannte Trümmer und vier Bezirke seien unversehrt geblieben.

Tacitus spricht die Schuld Neros betreffend noch von einem Gerücht. Sueton behauptet die Brandstiftung 70 Jahre später schon in seiner Nero-Biographie 38,1. Cassius Dio schreibt 100 Jahre später „Nero wollte seinen alten Plan realisieren: Rom und das Reich noch zu Lebzeiten zu zerstören.“ Der christliche Bischof Clemens berichtet allerdings noch vor Tacitus von den Verurteilungen der Christen durch Nero, schreibt aber kein Wort über Neros mögliche Schuld. Der erste christliche Historiker, der Nero beschuldigt, ist Sulpicius Severus zu Beginn des 5. Jahrhunderts: „Er (Nero) schob seine schreckliche Schuld auf die Christen, die fürchterliche Leiden zu ertragen hatten.“

Als Grund für den Brand wird meist angeführt Nero brauchte Platz für seinen Palast, die Domus Aurea und außerdem sei ihm das alte Rom zuwider gewesen. Als Beweis dient, was doch eigentlich eine Leistung war, nämlich der Aufbau des abgebrannten Roms nach modernen städtebaulichen Kriterien mit breiten Straßen unter Beachtung aller damaligen Feuerschutzmaßnahmen um ein solches Unglück für die Zukunft so gut wie möglich zu verhindern. Nero hätte die Möglichkeit gehabt das Gebiet für sein Schloss einfach zu enteignen.

Die Brände begannen am Palast Neros und dem Besitz des Prätorianerpräfekten Tigellinus. Die langjährigen Renovierungsarbeiten am kaiserlichen Palast waren gerade abgeschlossen als er durch den Brand zerstört wurde. Neros geliebte Kunstsammlung wurde dabei ein Opfer der Flammen. Nero hielt sich zu Beginn des Brandes in Antium auf, eilte aber sofort nach Rom und engagierte sich bei den Löscharbeiten. Ganz sicher sang er keine Hymne auf dem Palatin wo er selber gegrillt worden wäre. Als der Kaiser begriff, dass die Viertel mit den öffentlichen Gebäuden nicht mehr zu retten waren, konzentrierte er die Löschmaßnahmen auf die ärmsten Viertel mit der höchsten Bevölkerungsdichte und ließ auf einem breiten Streifen alles Brennbare abreißen um das Feuer zu stoppen. Er öffnete öffentliche Bauwerke für die Obdachlosen und ließ Behelfsbauten errichten, die Leichen forträumen, stellte Wachen gegen Plünderer auf, ließ Lebensmittel heranschaffen und senkte den Getreidepreis auf ein Sechzehntel (!).

Mögliche Brandursache: Es war Hochsommer und es herrschte starker Wind, der kleinste Funke genügte um ein Feuer zu entfachen, das sich in den engen Gassen und den Holzhäusern rasend schnell ausbreiten konnte. Brauchte es da einen Brandstifter?

Christliche Fanatiker, auf das schnelle Ende der aller Zeiten hoffend, äußerten ihre Freude über den Brand. Ihre Auftritte nahmen solche Ausmaße an, dass Tigellinus der Prätorianerpräfekt begann Agenten in christliche Kreise einzuschleusen. Dort hörten sie die ersten Selbstbezichtigungen. Einige Christen gaben schon zu den Brand gelegt zu haben, bevor es überhaupt zu einer Befragung kam. Daraufhin begannen Verhaftungen oft verbunden mit Folter und ein zweimonatiger Prozess, extrem lang für die damalige Zeit. (Der Prozess zur Pisoverschwörung gegen Nero dauerte nur 11 Tage). Zwischen 200 und 300 Personen wurden angeklagt und viele davon gefoltert, einige freigesprochen, einige zu milderen Strafen verurteilt. Die Meisten aber wurden unter den damals üblichen grausamen Strafen, Verbrennen, den Hunden zum Fraß vorwerfen, Kreuzigung für Nichtrömer usw. hingerichtet. Etwa ein Zehntel der in Rom lebenden Christen wurde angeklagt. Außerhalb Roms aber kein einziger Christ und nach den Prozessen herrschte wieder Ruhe. Die Verurteilungen folgten den Brandstiftergesetzen (lex Cornelia de sicariis sowie lex Juliade vi publica). Kein Christ wurde unter Nero wegen seines Glaubens verfolgt. Gerüchte über lebende Fackeln in Neros Garten sind schlicht falsch. Paulus hielt sich zu jener Zeit in Rom auf, er wurde nicht angeklagt obwohl er den Römern als Kopf der Christen bekannt war.

Zuerst ließ Nero die Insulae wieder aufbauen, mit der Auflage, dass alle über steinerne Außenmauern verfügen müssen. Die Straßen hatten über eine ausreichende Breite zu verfügen und es wurde eine Höchstgrenze für Gebäudehöhen festgelegt. Danach startete Nero ein umfangreiches Bauprogramm für öffentliche Gebäude um die Wirtschaft anzukurbeln. Der Hafen von Ostia wurde ausgebaut, das Straßennetz des Reiches erweitert usw. Für dieses Bauprogramm wird er bis heute gern als größenwahnsinnig gegeißelt.

Der Kaiser war der offizielle Schutzpatron Roms, dem alles Gute aber eben auch alle Katastrophen, die der Stadt passierten, angelastet wurden. Etwas, was Nero zu diesem Zeitpunkt gerade noch gefehlt hatte, war ein solches Desaster denn er hatte sich endgültig mit dem Senat und dem Adel überworfen und dabei auf seine Popularität beim Volk gebaut, die nun rapide sank. Das Jahr 64 versprach ursprünglich wirtschaftlich äußerst erfolgreich zu werden. Nero hatte sich endlich von allen Einflüssen freigemacht und wollte nun die Lorbeeren seiner Politik ernten; stattdessen kam diese Katastrophe.

Weitere Stadtbrände

Schon im Jahr 36 war es zu einer schweren Feuersbrunst gekommen, wobei der Zirkus und ein Teil des Aventin niederbrannte. Zwei größere Brände gab es 69 auf dem Kapitol und 80 zur Regierungszeit von Titus, auf Kapitol und Marsfeld. 192 verwüstete ein weiterer Brand große Teile der Stadt.

Quellen

Literatur

  • P. Werner: De incendiis urbis Romae aetate Imperatorum. Diss. phil Leipzig 1906.
  • Jean Beaujeu: L’incendie de Rome en 64 et les Chrétiens. Brüssel 1960.
  • Emilio Radius: L’incendio di Roma. I primi passi del christianesimo. Mailand 1962.
  • A. Daguet-Gagey: Les opera publica à Rome. Paris 1997.
  • Kurt Wallat: Sequitur clades. Die Vigiles im antiken Rom. Frankfurt 2004.
  • Massimo Fini: Nero, 2000 Jahre Verleumdung. Mailand 1993.
  • Philipp Vandenberg: Nero, Kaiser und Gott, Künstler und Narr. 2000.
  • Kurfess, Alfons: „Der Brand Roms und die Christenverfolgung im Jahre 64 n. Chr.“ in: Mnemosyne III 6 (1938) 261-272. (u.a. zu den versch. Quellen)
  • Daugherty, Gregory N.: „The cohortes vigilium and the Great Fire of 64 AD.“ in: Classical Journal 87 (1991) 229-240. (u.a. Einiges zur Glaubwürdigkeit der Beschuldigung gegen Nero)

Siehe auch

Weblinks

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