Der Titel Rabbiner ist ein religiöser Titel im Judentum und wird von hebräisch Rabbi oder aramäisch Rabbuni (Meister, Lehrer) abgeleitet. Andere Bezeichnungen sind auch Rebbe und Lehrmeister. Rabbi war um die Zeitenwende ein Ehrentitel jüdischer Schriftgelehrter. Auch Jesus von Nazaret wird im Neuen Testament der Titel Rabbi zugeschrieben.
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Als besonderen Stand sind Rabbiner (seit Luther in den meisten deutschen Bibeln als Schriftgelehrte bezeichnet) biblisch erstmals in der Zeit nach dem Exil in Esra 7,11 genannt, dort wird der Priester Esra als ein mit dem Gesetz Moses erfahrener Schriftgelehrter erwähnt. Nach jüdischer Überlieferung hat Esra das mosaische Gesetz, das beim Untergang Jerusalems 586 v. Chr. verbrannt sein soll, neu geschrieben.
Die Aufgaben der Gelehrten waren in dieser Tradition Auslegung der „Schriften und Propheten“ (das noch nicht als Kanon bekannte Alte Testament) und der konkrete Praxisbezug jüdischer Lehre im Alltag, darunter insbesondere die Abgrenzung der hellenistisch-heidnischen Einflüsse zur Zeit Jesu.
Diese Vorgehensweise entwickelten sie konsequent bis hin zur Beeinflussung im Leben jedes Gläubigen. Jesus fordert sie auf, nicht im alten Gesetz allein zu verharren (Mt. 13,52: „Darum ein jeglicher Schriftgelehrter, zum Himmelreich gelehrt, ist gleich einem Hausvater, der aus seinem Schatz Neues und Altes hervorträgt“). Jesus stellte ihnen mehrfach den Geist der Liebe und der Freiheit entgegen). Da die Juden in Jesus nicht den Messias sahen, kam diese Deutung für die Rabbiner nicht in Frage. Mit Jesus gewann jedoch der Lehrbegriff im Neuen Testament des Christentums einen neuen Ansatz, z.B. 2. Kor 3,6: „welcher auch uns tüchtig gemacht hat, das Amt zu führen des Neuen Testaments, nicht des Buchstaben, sondern des Geistes. Denn der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig.“
Beide Interpretationen, Buchstaben- und „Geist-“Gesetz führten in der Geschichte von Juden- und Christentum immer wieder zu heftigen Diskussionen und Ressentiments. Weitgehend Rechnung getragen wurde dem Begriffsunterschied erst durch die Entwicklung es Rabbiners im Christentum zum Apostel (siehe Schriftgelehrter). Der grundsätzliche Streit zwischen Juden- und Christentum über die Aufgaben der Lehrer konnte damit aber nicht gelöst werden, da es sich dabei um einen fundamentalen Religionsunterschied handelt.
Bis ins Mittelalter durften Rabbiner mit der Thora kein Einkommen erzielen, deshalb arbeiteten sie in Europa nebenberuflich in diesem Amt. Erst im 14. Jahrhundert wurde dies nach immer mehr Anforderungen schließlich aufgegeben.[1] Selbst danach arbeiteten offenbar viele Rabbiner vorwiegend als Vorbeter. Zu den Aufgaben eines Rabbiners zählt heute die religiöse Lehre, und als Talmudkenner kommt ihm die Entscheidung in religiösen Fragen zu. In liberalen Gemeinden leitet der Rabbiner oft die Sabbat- und Festtagsgottesdienste, während in traditionell en der Kantor oder Vorbeter (Chazzan) zuständig ist. Ein Rabbiner ist kein Priester, dem irgendwelche besonderen religiösen Aufgaben alleine zustünden. Den Segen z. B. kann jeder Jude oder jede Jüdin sprechen, weil dies nach jüdischer Ansicht keine besondere Vermittlerfunktion erfordert. Nicht der Sprechende segnet, sondern allein Gott segnet. Deshalb kann im Grunde auch jedes dazu befähigte Mitglied einer jüdischen Gemeinde den Gottesdienst leiten, vorbeten, aus der Tora vorlesen usw. Sehr oft haben jedoch nur Rabbiner die dazu erforderlichen Kenntnisse. In den meisten liberalen Gemeinden muss der Rabbiner oder die Rabbinerin solche Aufgaben übernehmen, weil kein Chazzan zur Verfügung steht. Eine der wichtigsten Aufgaben eines Rabbiners ist heutzutage die Seelsorge für die Gemeindemitglieder und für Personen, die mit der Gemeinde in Verbindung stehen (z.B. Konversionskandidaten).
Die Ausbildung von Rabbinern erfolgt in der Regel an einem Rabbinerseminar, einer wissenschaftlichen Jüdischen Hochschule oder einer Jeschiwa. Deutschlands einziges liberales Rabbinerseminar ist das Abraham-Geiger-Kolleg an der Universität Potsdam, das im Wintersemester 2001/2002 seine Arbeit aufnahm. Am 14. September 2006 wurden in der Neuen Synagoge Dresden mit Daniel Alter (47 Jahre), Tomás Kucera (35 Jahre) und Malcolm Matitiani (35 Jahre) die ersten Absolventen ordiniert. Bis 1939 gab es in Berlin mit der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums und dem Orthodoxen Rabbinerseminar zwei wissenschaftlich orientierte Ausbildungsstätten und in Breslau mit dem Jüdisch-Theologischen Seminar eine. Im Mai 2001 wurde mit der Eröffnung des Ignatz-Bubis-Lehrstuhls an der Heidelberger Hochschule für Jüdische Studien auch dort eine erste Voraussetzung für eine Rabbinerausbildung geschaffen. Angestrebt ist dort gegenwärtig allerdings nur ein Grundstudium. Das Hauptstudium muss an einem liberalen, konservativen oder orthodoxen Rabbinerseminar im Ausland fortgesetzt werden.
Obwohl das Judentum keine zentrale Autorität kennt, hat sich in seiner orthodoxen Strömung die Praxis durchgesetzt, den Ober- oder Großrabbiner eines Landes oder einer Gemeinde als jeweils höchste religiöse Instanz anzuerkennen. Als Erbe der britischen Mandatszeit gibt es zum Beispiel für den Staat Israel ein Großrabbinat. Es besteht heute aus zwei Mitgliedern:
daneben installierten die Briten noch einen