Radikal (chinesische Schrift)

Radikale von 1 bis 126
Radikale von 1 bis 126
Radikale von 127 bis 214
Radikale von 127 bis 214

Ein Radikal (von latein radix, Wurzel) bzw. Klassenhaupt oder Wurzelzeichen, chinesisch 部首 (Pinyin: bù shǒu; Japanisch: bushu; Koreanisch: busu), ist eine grafische Grundkomponente eines chinesischen Schriftzeichens (auch von Kanji und Hanja). Diese Zuordnung ist oft offensichtlich, manchmal rein traditionell und nur aus der historischen Entwicklung des Zeichens nachvollziehbar, manchmal auch ziemlich willkürlich. In Nachschlagewerken werden die Schriftzeichen nach Radikalen indiziert und können so gefunden werden.

Die Abbildung zeigt, wie das Radikal 2 (der rote vertikale Strich) in verschiedenen Schriftzeichen enthalten ist. Radikal 2 und sein Vorkommen vier chinesischen Schrifzeichen

Im chinesischen Wörterbuch sind die Lemmata nach Radikalen geordnet. Diese sind nach Anzahl und Form der Striche geordnet. Dieses System von wiedererkennbaren Elementarzeichen hat sich bis heute erhalten. Die Zahl der Radikale, die in dem Lexikon "Shuowenzi" 說文字 ("Erklärung der Schriftzeichen") aus dem Jahr 121 noch 512 betrug, wurde immer weiter reduziert.

Die Zahl von 214 Radikalen wurde durch das renommierte Kangxi-Wörterbuch (chinesisch: 康熙字典 "Kangxi Zidian") aus dem Jahre 1716 unter dem Kaiser Kangxi festgeschrieben. Im Zuge der Reform der Schriftzeichen 1955 wurden auch die Radikale geändert und deren Anzahl vergrößert, so dass Wörterbücher für vereinfachte Schriftzeichen statt der traditionellen 214 Radikale oft nun 224 bzw. 227 Radikale verwenden.

Inhaltsverzeichnis

Wie funktioniert ein Radikal?

Radikal 53 und seine Verwendung
Radikal 53 und seine Verwendung

Die einfachste Methode, ein chinesisches Schriftzeichen in einem modernen Wörterbuch nachzuschlagen ist, wenn man die Aussprache weiß, alphabetisch nach der Pinyin- oder der Wade-Giles-Umschrift des betreffenden Schriftzeichens zu suchen. Doch das geht nur, wenn man die Aussprache kennt. Meistens muss man aber Zeichen nachschlagen, von denen man weder Aussprache noch Bedeutung kennt. Die gebräuchlichste Methode hierfür ist die Suche nach dem Radikal eines Schriftzeichens.

Dazu muss der Radikal des Zeichens erkannt werden (was schwierig sein kann, s.u.), wobei eine Radikaltabelle hilft, die nach der Zahl der Striche des Radikals geordnet ist. Dann zählt man, wie viele Striche das Schriftzeichen zusätzlich zu dem Radikal hat. Unter der Nummer des Radikals und der Zahl zusätzlicher Striche sind dann alle Zeichen aufgeführt, für die dies gilt - normalerweise nur noch eine Handvoll.

Als "Strich" gilt dabei alles, was in einem Zug gezeichnet wird. Dies ist für Ungeübte oft nicht sofort ersichtlich, doch die Menge an Strukturen ist relativ begrenzt. Wenn man einige Grundregeln (Striche gehen fast immer von links nach rechts oder von oben nach unten, haben selten mehr als einen Knick) verinnerlicht hat, kann man schnell die Anzahl der Striche in den meisten Zeichen identifizieren. Im Beispiel 中 (Mitte) gibt es zusätzlich zum Radikal, dem senkrechten Strich, ein Viereck. Dieses wird mit drei Strichen gezeichnet, denn der obere und rechte Rand wird in einem Zug gezeichnet.

Das klassische Radikalsystem hat jedoch auch deutliche Schwächen. Vor allem die Identifizierung des Radikals kann schwierig sein, da er bei manchen Zeichen nicht klar vom Rest getrennt ist und es bei anderen Zeichen mehrere "Kandidaten" gibt. Moderne Lexika versuchen dieses Problem zu verringern, indem sie fehlertolerant angelegt sind und Zeichen nicht nur unter dem "richtigen" Radikal aufführen, sondern auch unter solchen, die man leicht fälschlich dafür halten kann. Ein weiterer Nachteil ist, dass die Unterteilung nach Radikalen nicht gleichmäßig ist - zu manchen Radikalen gibt es nur eine Handvoll Zeichen, zu anderen Radikalen tausende Zeichen, so dass man auch mit identifizierter Radikalnummer und Strichzahl manchmal noch unter dutzenden Zeichen auswählen muss.

Es gibt eine Reihe von Ansätzen, bessere Organisationsysteme zu entwickeln, um chinesische Zeichen schneller und einfacher nachschlagen zu können. Die bekanntesten sind der Viereckenindex und das SKIP-System. Mit der steigenden Leistungsfähigkeit und Verbreitung von Computern spielt die direkte Handschrifterkennung eine zunehmende Rolle, die bei modernen elektronischen Wörterbüchern dominiert.

Zeichenkodierung

Die 214 Radikale werden Unicode auf den Positionen U+2F00 bis U+2FD5 kodiert. Sie sind Kompatibilitätäquivalente (aber nicht kanonisch äquivalent) zu den von ihnen ohne zusätzliche Striche gebildeten Schriftzeichen. Zum Beispiel werden Radikal 65 U+2F40 (⽀) und das damit geschriebene Schriftzeichen U+652F (支) unterschieden.

Siehe auch

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