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Rasse ist ein Klassifizierungsschema der Biologie für Pflanzen und Tiere. Rassen oder Unterarten sind in der biologischen Systematik Populationen einer Art, bei denen der Genaustausch mit anderen Populationen vermindert ist. Dadurch kann es zu einer verstärkten Herausbildung von gemeinsamen phänotypischen Merkmalen kommen, die die einzelnen Pflanzen und Tiere der Rasse von anderen Populationen der gleichen Art unterscheiden (Merkmalsdivergenz). Andere Begriffe, die vergleichbare Beobachtungen ausdrücken, sind Unterart (Subspezies), Zuchtform oder Varietät. Im Pflanzenreich sprechen Biologen auch von Sorten.
Umstritten ist heute die Übertragbarkeit von „Rasse“ als Klassifizierungskategorie aus der Tier- und Pflanzenwelt auch auf den Menschen. Sozialwissenschaftliche Studien haben den Konstruktionscharakter des Rassenbegriffs hervorgehoben und gezeigt, dass der Rassismus (in seiner europäisch-"aufgeklärten" Ausprägung seit dem 18. Jahrhundert) im Laufe seiner Entwicklung stets auf Rassekonzepte mit wissenschaftlichem Anspruch angewiesen war. [1] Was die moderne anthropologische Forschung angeht, so hat sich wohl der Konsens herausgebildet, dass eine Abgrenzung reinerbiger „Menschenrassen“ nach wissenschaftlichen Kriterien unmöglich ist. [2] Dennoch halten gegenwärtig auch international bedeutende Wissensgesellschaften und der Mainstream der deutschsprachigen Anthropologie an „Rasse“ als wissenschaftlichem Terminus fest. Eine missbräuchliche Verwendung zur Rechtfertigung rassistischer Theorien wird jedoch auch von Seiten der Anthropologie allgemein abgelehnt. [3]
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Im Deutschen taucht das Wort im 16./17. Jahrhundert als Entlehnung aus dem Italienischen „razza“. Grimm legt nahe, dass die rom. Wörter ital. razza, franz. race, span./prov./port. raza ihrerseits eine Entlehnung aus dem Deutschen seien und zum Grunde das Wort reißen, der Riss-Strich, Linie, erinnere Reißbrett, haben, mit der Intensivbildung ritzen. Andere verweisen auf lat. ratio, dem ein mlat. razza mit der Bedeutung „Abmachung unter den Angehörigen eines Berufes, einer Familie“ folgt, aus welcher dann ital. razza/razzo für „Geschlecht“ sich ableitet. All dies ist ungewiss. Und das Etymologische Wörterbuch des Deutschen (Akademie Verlag, Berlin, 1981) resümiert: Herkunft ungewiss , während das "Kleine Lexikon deutscher Wörter arabischer Herkunft" (becksche reihe, München 2003 von Nabil Osman) das Wort auf das arabische "ra´s"-"Kopf/Ursprung" zurückführt.
Im westlichen, diskriminierenden Sprachgebrauch des 19. und frühen 20. Jahrhunderts (vgl. das englische race) wurde „Rasse“ auf Menschen angewandt, als ein biologistisch begründeter kulturell zuschreibender Terminus. Als soziologischen Begriff hat ihn vor allem der frühe Klassiker Ludwig Gumplowicz verwandt (Der Rassenkampf, 1909).
Da der Begriff „Rasse“ in Bezug auf Menschen einen deutlich rassistisch-ideologischen Charakter annehmen kann (“To most people, a race is any group of people whom they choose to describe as a race.UNESCO-Bericht The race concept. Results of an inquiry. 1952, S. 99”), hat die UNESCO ebenda empfohlen, den Begriff „Rasse“ (race) durch den rein deskriptiven (beschreibenden) Begriff Ethnische Gruppe (ethnic group) zu ersetzen.
Diskreditiert ist der Begriff in der Anwendung auf Menschen laut Rudolf Schmitt spätestens seit der Aufarbeitung des Faschismus und Nationalsozialismus: Wie "Blut" und "Boden" wurde "Rasse" auf Menschen übertragen eine "der Biologie entlehnte Metaphorik des Faschismus", die nicht nur zum Denken in Bildern verführte und dabei den "gesellschaftlichen bzw. persönlichen Diskurs" verfestigte, sondern auch zu Handlungen wie ausmerzen, ausrotten, vertilgen führte. [4]
Alle Mitglieder einer biologischen Art nehmen normalerweise an einem gemeinsamen Genpool teil. Innerhalb einer Art bilden sich jedoch weite Variationen in der phänotypischen Kombination bestimmter Merkmale. Bestehen zwischen verschiedenen Populationen oder Populationsgruppen der Art Barrieren für den Genaustausch – seien es räumliche (Gebirge, Landmassen, Meere), zeitliche (Entwicklungszeiten, etwa bei Maikäfern) oder vom Menschen induzierte (Zuchtwahl bei Hunden, Pferden etc) – so prägen sich diejenigen Merkmale heraus, die in hoher Frequenz bereits vorhanden sind (Gendrift), manchmal verstärkt durch spezifische Umweltbedingungen, die einen Selektionsdruck ausüben. Wenn es im Laufe der Evolution in bestimmten Populationsgruppen gehäuft zu einer einheitlichen Veränderung bestimmter Merkmale kommt, die die Angehörigen einer Gruppe von anderen unterscheidet, so liegt eine Unterteilung in Untergruppen nahe, die als Rassen, Unterarten, Sorten etc. bezeichnet werden. Diese Unterarten können sich zu neuen Arten entwickeln, wenn sie so weit auseinander driften, dass sich Fortpflanzungsbarrieren ausbilden, die den freien Genaustausch zwischen den Gruppen dauerhaft, d. h. selbst bei wieder etabliertem z. B. geografischem Kontakt, einschränken und dadurch die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Fortpflanzung zwischen Individuen verschiedener Untergruppen stark herabsetzen. Es finden sich dann oft evolutionäre Zwischenstadien, bei denen zwar eine Kreuzung möglich ist, der Nachwuchs aber eine herabgesetzte evolutionäre Fitness zeigt, was sich u. a. in verminderter Fortpflanzungsfähigkeit wie beispielsweise zwischen Pferden und Eseln zeigen kann.
Da eine Rasse immer über eine ganze Reihe von Eigenschaften, Merkmalen oder Attributen definiert wird, können durch die Kreuzung von Individuen mit heterozygoten Merkmalen beliebige Zwischenstufen zwischen den Rassen entstehen. Die Rasse ist also nur in einer geografisch und zeitlich fest umrissenen Situation eine naturgegebene Kategorie; in vielen Fällen ist sie ein vom Menschen geschaffenes Abstraktum. Realität kommt dann nur den einzelnen genotypischen und phänotypischen Unterschieden selbst zu – es existiert also keine von der historischen Situation unabhängige „Summe“ dieser Unterschiede.
Rassen sind heute besonders in der Tierzucht (Hunde, Pferde, Kühe und andere Haustiere) von Bedeutung, wo oft die „Reinrassigkeit“ den Wert eines Tieres mitbestimmt: die Tiere sollen den definierten Eigenschaften des Zuchtideals entsprechen und eine Abstammung nur von Tieren besitzen, die der selben Rasse zugeordnet werden können. Bei Tierrassen lassen sich eindeutige genetische und phänotypische Unterschiede zwischen den Rassen feststellen. Die Art der Hunde wurde z. B. als Ganze vom Menschen aus der differierenden Art des Wolfes herausgezüchtet. Nicht nur verantwortungslose Züchtung, sondern die ganz normale so genannte „Rasse-Hunde-Zucht“ führt zwangsläufig zu Schädigungen des Haplotypus. Hellmuth Wachtel (Hundezucht 2000, Gollwitzer Verlag 1997) weist darauf hin, dass als Population nur die effektiv an der Fortpflanzung teilnehmenden Haplotypen bezeichnet und gezählt werden können. Die zum Standard gewordene so genannte „Championzucht“ verstärkt dies dramatisch. Hat man z. B. 3000 Zuchthündinnen einer „Hunderasse“ und werden sie von 50 „Champions“ gedeckt, beträgt die effektive Populationsgröße nur 200, womit der Tatbestand der „heimlichen“ Engzucht mit entsprechender Allel-Verarmung durch Gendrift schon erfüllt ist. Wachtel nannte dies „genetischer Genozid“.
Die Folge ist, dass es immer mehr Rassehunde gibt, die Erbkrankheiten und krankes Erbgut tragen. Folgt man Wachtel, so dürfte es mit der Vitalität der europäischen „Rassehunde“ (Fruchtbarkeit, Anpassungsfähigkeit an wechselnde Umweltreize, Widerstandskraft gegen Krankheitserreger, mittlere Lebenserwartung, Inzidenz von Erbkrankheiten) in ca. dreißig Jahren endgültig zu Ende gehen, wobei heute schon einige Rassen ohne Kaiserschnittentbindungen ausgestorben wären.
Zusätzlich und verstärkend gibt es Überzüchtungen auf Schönheitsideale der Wohlstandsgesellschaft, die zu weiteren Inzucht-Effekten führen können. In der Zucht von Nutztieren und Nutzpflanzen dienen reinrassige Ur-Zuchtlinien zur Produktion von hybriden neuen Rassen.
Hauptartikel: Rassentheorien
Versuche, Menschen nach äußeren Merkmalen (wie Körperbau, Schädelform, Haut- und Haarfarbe usw.) in verschiedene Rassen einzuteilen, werden in der zeitgenössischen Wissenschaft abgelehnt. [5] Naturwissenschaftler wie Humangenetiker haben Rassentheorien in Bezug auf den Genotypus Mensch schon seit längerem widerlegt. Man spricht, beispielsweise in der anthropologischen Forschung, statt von menschlichen Rassen von typologischen Kategorien, wonach die Menschheit sich in verschiedene Phänotypen gliedert. Genetisch gesehen gleichen sich hingegen alle Menschen zu 99,9 Prozent, und dies unabhängig von der ethnischen Einordnung. Die restlichen 0,1 Prozent des Erbguts sorgen für die individuellen Unterschiede zwischen den Menschen (Haut- und Haarfarbe usw.). Ein grundlegendes Problem bei der Verwendung des Begriffs Rasse beim Menschen liegt darin, dass keine einheitliche wissenschaftliche Norm existiert, ab welcher genetischen Drift von einer Rasse gesprochen wird. Demnach ist die Frage, ob es Menschenrassen gibt, abhängig von der Rassedefinition des jeweiligen Wissenschaftlers.
Rassenideologie hat zur Verbreitung unwissenschaftlicher Kriterien und Wertungen geführt, bei oft menschenverachtender Grundhaltung. Vermeintliche oder echte wissenschaftliche Autorität wurde hier als ein Mittel zur Erhöhung der Glaubwürdigkeit der politisch-ideologischen Ansichten missbraucht. Während viele morphologische und physiologische Kriterien bis heute in Biologie und Medizin Bestand haben, jedoch nicht in Bezug auf eine Unterteilung von Menschenrassen, wurden andere Merkmale, Typisierungen und Wertungen inzwischen widerlegt.
Die heute immer weniger gebräuchliche Einteilung der Menschen in die Rassen Europiden, Negriden und Mongoliden, früher oft als Großrassen bezeichnet, kann auf die Unterschiede in der Körperfarbe nicht gestützt werden; für die Einteilung der Menschheit in Schwarze, Weiße, Rote und Gelbe ist der biologische Begriff der Rasse ungeeignet. Während Walter Demel zeigen wollte, wie die Chinesen gelb gemacht wurden, beschrieb Alden T. Vaughan die Verwandlung der Indianer in Rothäute oder verfolgte Wulf D. Hund die Entwicklung des europäischen Afrikanerbildes vom Äthiopier der Antike über den Mohren des Mittelalters zum Neger der Neuzeit. John Solomos und viele andere haben daraus den Schluss gezogen, dass „schwarz und weiß [...] keine essentialistischen Kategorien [sind], sondern [...] durch historische und politische Kämpfe um ihre Bedeutung definiert werden“.
| Wiktionary: Rasse – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen |
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