Regionaltangente West

Die Regionaltangente West (RTW) ist eine geplante Regionalstadtbahn-Linie im Schnellbahnnetz des Rhein-Main-Gebietes.

Inhaltsverzeichnis

Konzept

Im Gegensatz zu den bisher existierenden S-Bahn-Linien des sternförmigen RMV-Netzes soll die RTW-Linie nicht durch die Frankfurter Innenstadt laufen, sondern die Frankfurter Innenstadt im Westen umfahren. Dies stellte eine direkte Verbindung zwischen den dicht besiedelten Städten des Hochtaunuskreises (Bad Homburg, Oberursel (Taunus) und Steinbach, zusammen ca. 110.000 Einwohner) und den Städten des Main-Taunus-Kreises (Eschborn, Sulzbach) sowie dem Frankfurter Flughafen, dem Gewerbegebiet Eschborn-Süd und Neu-Isenburg her. Weiter sollen das Nordwestzentrum und Dreieich-Buchschlag angebunden werden. Das stärkte den Tangentialverkehr, weil das zeitaufwendige Umsteigen in der Frankfurter Innenstadt entfiele.

Streckenverlauf

Die ursprünglichen Pläne sahen eine Strecke vor, die im Norden in Bad Homburg beginnt und über Eschborn-Süd, Frankfurt-Höchst, den Flughafen Frankfurt und Stadion führt und sich anschließend in eine Strecke, die zum Isenburg-Zentrum und eine andere, die nach Dreieich-Buchschlag führt, gabelt. Im Norden soll es ebenfalls einen zweiten Endpunkt geben, im Nordwestzentrum. Dieser Teil der Strecke führt über die Heerstraße und trifft sich dann vor der Station Eschborn-Süd mit der Bad Homburger Linie.

Am Südende der Strecke wurde lange Zeit eine Verlängerung der Linie bis nach Dieburg diskutiert. Das ist mittelfristig allerdings nicht finanzierbar, ebenso wenig wie eine nördliche Verlängerung über Friedrichsdorf nach Friedberg.

Der Streckenverlauf der RTW ist deshalb so attraktiv, da auf vielen Abschnitten bereits Gleiskörper existieren:

  • zwischen Bad Homburg und Eschborn-Süd kann zum Großteil auf die bereits vorhandenen Gleise der S5 zurückgegriffen werden;
  • zwischen Sulzbach und Frankfurt (Main) Höchst müssten keine neuen Schienen verlegt werden. Hier fuhr früher die S3 und heute eine Linie der FKE;

Neue Gleise wären zwischen Eschborn-Süd und Sulzbach sowie zwischen Höchst und dem Flughafen erforderlich. Entlang der Leunastraße in Höchst ist der Verlauf der RTW noch ungewiss. Auch ist noch unklar, ob für die Main-Überquerung eine neue Brücke gebraucht wird oder ob die zweispurige Leunabrücke dafür genutzt werden kann.

Um die vorhandenen Gleise der Deutschen Bahn und der VGF mit ihren unterschiedlichen Stromsystemen mitbenutzen zu können, ist der Einsatz von Zweisystem-Fahrzeugen nach Karlsruher Modell vorgesehen.

Die RTW wäre neben der S7 die einzige Linie des Schnellbahnnetzes, die nicht den Frankfurter Innenstadttunnel zwischen Hauptbahnhof und Frankfurt-Süd / Frankfurt (Main) Mühlberg durchführe. Der Tunnel ist das Nadelöhr des gesamten S-Bahn-Netzes, da seine Kapazitätsgrenzen die Taktraten der Linien begrenzen. Bei Störungen im Tunnel drohen Verzögerungen bei allen Linien, die den Tunnel nutzen.

Finanzierung

Die RTW ist eines der zentralen Verkehrsprojekte, die das Land Hessen in sein 10-Punkte-Programm für den Ausbau des Schienennetzes in der Region Rhein-Main aufgenommen hat. Daher übernehmen Bund und Land einen Großteil der Investitionen von 327,6 Millionen Euro.

Dennoch sind 98,3 Millionen Euro von den Gebietskörperschaften des RMVs zu tragen. Der RMV prognostiziert jährlich Betriebskosten in der Höhe von 20 Millionen Euro, von denen die Stadt Frankfurt höchstens 1,5 Millionen Euro tragen müsse. Die Stadt Frankfurt hingegen kalkuliert mit einer jährlichen Haushaltsbelastung von 5,7 Millionen Euro für eine Strecke, die aus ihrer Sicht peripher ist und eventuell sogar Wirtschaftskraft an Frankfurt vorbei leitet.

Der RMV geht bei der RTW von 46.000 Fahrgästen pro Tag aus, von denen 80 Prozent in Frankfurt ein- oder ausstiegen. Ein Drittel der Verkehrsteilnehmer wären Neukunden des RMVs, die gegenwärtig mit dem Auto zur Arbeit pendeln. Wäre, wie ursprünglich geplant 2006 mit dem Bau begonnen worden, wurde mit einer Fertigstellung frühestens 2010 gerechnet. Zunächst ist ein 30-Minuten-Takt vorgesehen.

Widerstand in der Bevölkerung

Es gibt mehrere Bürgerinitiativen, die sich gegen die RTW einsetzen. Insbesondere in Sossenheim formiert sich der Widerstand gegen die geplante Streckenführung durch das Frankfurter Landschaftsschutz- und Naherholungsgebiet "Sulzbacher Wiesen" sowie den dort vorgesehenen Bau einer Haltestelle. Aufgrund des schmalen Straßenraums der Leunastraße in Höchst sind unter Umständen Grundstücksenteignungen und der Abriss von Wohnhäusern notwendig.

Politische Entscheidung

Die Frankfurter Stadtverordnetenversammlung hat am 15. Dezember 2005 mit den Stimmen der damaligen Vierparteien-Koalition den Gesamtverkerkehrsplan 2000 beschlossen. Dabei wurde der Magistrat mit der Planung der RTW beauftragt. Die bestehenden Straßenbahnlinien nach Höchst und Schwanheim sollen so verlängert werden, daß sie Anschluß an die RTW erhalten. [1]

Im Februar 2007 hat der Frankfurter Magistrat beschlossen, dass sich die Stadt Frankfurt mit 1,25 Mio. Euro an den 6 Mio. Euro betragenden Planungskosten für die RTW beteiligt. Der Rest wird vom Land Hessen (3 Mio. Euro) und den Gesellschaftern des Rhein-Main-Verkehrsverbundes aufgebracht[2].

Quellenangaben

  1. Beschlußausfertigung der Stadtverordnetenversammlung, Magistratsvorlage zum GVP (PDF, 25 MB)
  2. Beschlußausfertigung der Stadtverordnetenversammlung vom 1. März 2007

Weblinks

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