Ein Reitsattel wird bei Reittieren verwendet, um das Reiten für den Menschen komfortabler bzw. sicherer zu gestalten und gleichzeitig den Tierrücken zu schonen.
Dieser Artikel bezieht sich auf Reitsättel für Pferde, daneben gibt es noch diverse Sattelformen für andere Reittiere.
Heutige Sättel bestehen im allgemeinen aus einem Sattelbaum aus Holz, Aluminium oder Fiberglasfaser, der dem Sattel die Form und Steifigkeit gibt und einem Körper aus Leder. Für die Passgenauigkeit auf dem Pferderücken werden Sattelbäume in einer großen Zahl von Größen und Kammerweiten angeboten. Als Polster zwischen Sattel und Pferd, als auch den Sattel vor Schweiß zu schützen, dienen heute je nach Sattelart Schabracken, Satteldecken, Pads, Westernpads oder Woilache.
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Sättel wurden ursprünglich nicht als Reit- sondern als Packsättel erfunden. Die ursprüngliche Form ist ein Bocksattel, der aus zwei Brettern besteht, die rechts und links am Pferd anliegen und mittels Bügeln vorne und hinten miteinander verbunden wurden. Diese Sattelform war hervorragend geeignet, um einerseits viel Gepäck sicher auf dem Tier zu befestigen und andererseits den Rücken des Tieres zu schonen und dadurch längere Wege sicher zurückzulegen. Die erste Maßnahme zur Verwendung dieser Sättel als Reitsättel war, sie mit Kissen und/oder Decken abzupolstern.
Die ersten Sättel entsprachen dabei keineswegs bestimmten Mustern, sondern jeder Reiter fertigte sich seinen Sattel so, wie er es für sich und sein Pferd brauchte. Sättel aus gepolsterten Kissen wurden schon früh in der Reiterei benutzt. Die Griechen benutzten Lammfelle oder Decken, die mit einem Sattelgurt gehalten wurden. Xenophon empfahl in seinen fachliterarischen Werken, diesen Gurt in bestimmten Situationen zu benutzen, um den Beinen mehr halt zu verschaffen.
Die Kelten benutzten einen flachen Bocksattel aus Leder auf einem Baum aus Holz mit Bronzebeschlägen, in einer besonderen Form mit 4 Hörnern in einem flach stehenden Paar an den vorderen Ecken und einem steil stehenden paar an den hinteren Ecken der Sitzfläche, die dem Reiter auch ohne Steigbügel viel Halt gaben und das Aufsitzen sehr erleichterten. Dieser Sattel wurde sehr schnell von den Römern übernommen.
Der Steigbügel ist seit dem 3. Jahrhundert in Asien und seit dem 8. Jahrhundert in Europa bekannt. Sie bestanden zunächst wohl nur aus Schlaufen für die Großen Zehen, später dann aus Bügeln aus Holz und/oder Metall, die anfangs noch sehr leicht und schmal waren, jedoch im Laufe der Zeit, insb. in Westeuropa, zunehmend massiver wurden und eine größere Trittfläche erhielten. Anfangs wurden die noch kurzen Steigbügelriemen noch am Sattelgurt befestigt, später dann höher am Sattel selbst.
Der Sattelbaum ist seit der Zeitenwende belegt. Er wurde von den Sarmaten, einem Nomadenvolk iranischen Ursprungs, eingeführt. Auch dieser Sattel hatte noch keine Steigbügel, trotzdem gab er dem Reiter eine gewisse Sicherheit und Halt, da er sich beim Feindkontakt gegen den Hinterzwiesel stemmen konnte.
Im wesentlichen kann man zwischen dem noch heute vorkommenden Bocksattel, dem Trachtensattel, einer moderneren Form des Bocksattels die beide als Arbeitssättel konzipiert sind und Pritschensätteln, die als Sportsättel konzipiert sind, unterscheiden. Zu den Pritschensätteln zählen die Englischsättel und die Rennsättel. Alle anderen hier aufgeführten Sattelformen sind den Bock- oder Trachtensätteln zuzurechnen.
Neben diesen heute wichtigsten Satteltypen gibt es noch Sättel ohne Sattelbaum, wie den Maremmana.
Der Englische Sattel wurde aus dem Trachtensattel entwickelt. Die Trachten sind jedoch deutlich kleiner, damit die Pferdeschultern mehr Bewegungsfreiheit bekommen. Der Reiter oder die Reiterin sitzt näher am Pferd und kann präzisere Gewichts- und Kreuzhilfen geben. Englische Sättel sind nicht als Arbeitssättel konzipiert, die den ganzen Tag auf dem Pferd liegen, sondern als Sportsättel für kurzzeitige Belastungen, die dem Reiter viel Bewegungsfreiheit bieten.
Die Sattelblätter sind die beiden großen Lederflächen rechts und links am Sattel. Auf ihnen liegt der Steigbügelriemen auf, der oben am Steigbügelhalter befestigt ist. Der Steigbügel hat einen Schlitz, durch den der Riemen hindurchläuft, so dass der Steigbügel am unteren Ende des Steigbügelriemens hängt. Unter den Sattelblättern liegen üblicherweise die Schweißblätter, die jedoch bei machen Sätteln fehlen. Zwischen diesen beiden Blättern befinden sich teilweise noch wesentlich kleinere Deckblätter, die die Gurtstrippen, an denen der Sattelgurt befestigt wird, verdecken.
Die Pauschen sind eine Polsterung vorne und teilweise auch hinten am Schweißblatt. Sie reichen vom unteren Teil des Blatts bis fast ganz oben. Obwohl die Pauschen unter dem Sattelblatt liegen, sieht man schon von außen ihre Lage, da das Leder des Sattelblatts über den Pauschen sich vom Rest des Blattleders unterscheidet und mit diesem durch eine Naht verbunden ist. In neuerer Zeit werden auch zunehmend Sättel produziert, bei denen die Pauschen oben auf den Sttelblättern angebracht werden. Je nach Sattelart sind die Pauschen unterschiedlich stark ausgeprägt und positioniert.
Der Dressursattel hat eine kleine Auflagefläche. Dank der flachen Polsterung sitzt der Reiter oder die Reiterin sehr tief. Das lange, gerade geschnittene Sattelblatt erlaubt ein langes Bein, das für die differenzierte Hilfengebung in der Dressur wichtig ist. In den vergangenen zwei Jahrzehnten wurde der abgebildete Sattel weiterentwickelt. Die Auflagefläche wurde vergrößert, indem die Polster nach hinten durch Keilkissen verlängert wurden.
Speziell für das Springreiten konstruiert, ist der Springsattel etwas länger und der Sitz flacher als der Dressursattel, wodurch weit nach vorn gezogene Sattelblätter mit hohen Pauschen ermöglicht werden, die dem Knie bei der Landung nach dem Sprung einen guten Halt bieten sollen. Er ist außerdem breiter als der Dressursattel und besser gepolstert, da er eher darauf angelegt ist, die freie Bewegung des Pferdes zu unterstützen, als darauf auch kleinste Hilfen zu übertragen.
Der Vielseitigkeitssattel ist ein Kompromiss aus Dressur- und Springsattel, mit dem sowohl Dressur, als auch Springen geritten werden kann. Er wird nicht in Vielseitigkeitsprüfungen eingesetzt, hier verwendet man beim Dressurteil einen Dressursattel und bei der Geländeprüfung einen speziellen Springsattel.
Rennsättel sind besonders kleine und leichte Sättel, die bei Pferderennen eingesetzt werden. Bei ihnen liegt der Schwerpunkt nicht darin, einen für Pferd und Reiter angenehmen und sicheren Sattel zu bauen, sondern darin, dem Pferd unter seinem Reiter möglichst hohe Bewegungsfreiheit und damit möglichst hohe Geschwindigkeit zu ermöglichen. Zum Sitzen sind diese Sättel nur noch sehr eingeschränkt geeignet. Sie sollen es dem Reiter in ihrer modernen Form ermöglichen, seinen Schwerpunkt durch Vorbeugen des Oberkörpers in der Hocke nach vorne über den im Renngalopp extrem vorverlagerten Schwerpunkt des Pferdes zu bringen.
Beim Militär wurden Trachtensättel verwendet, die sich durch ihre Anpassungsfähigkeit an das Pferd auszeichnen. In Europa waren dabei Pritschensättel (s.o.) üblich, deren Trachten nach hinten verlängert wurden, um mehr Auflagefläche und Möglichkeiten für Gepäckbefestigung zu erreichen. Bekannte Vertreter sind deutsche (am bekanntesten das Modell "22"), schweizer und österreichische Militärsättel. In Amerika wurde der McClellan-Sattel benutzt. Letzterer ermöglicht durch seine Bauweise eine besonder gute Belüftung des Pferderückens und wurde zur Ausgangsbasis für das Design zahlreicher neuerer Modelle für das Wander- und Distanzreiten.
Westernsättel werden im Westernreiten, und zunehmend auch im Freizeitreiten eingesetzt. Der Westernsattel ist eine Weiterentwicklung der Sättel der Konquistadoren. Er bestand ursprünglich aus einem mit Rohhaut überzogenen Holzbaum und einem Aufbau aus Leder, das häufig zur Verzierung reichlich punziert ist. Neuere, günstige Modelle werden auch mit Kunststoffbäumen und Leder- oder Kunststoffaufbauten gefertigt. Durch seine große Auflagefläche, die das Gewicht gut auf dem Pferderücken verteilt und seine Sitzform für den Reiter ist der Westernsattel gut geeignet für lang andauernde Ritte. Traditionelle Westernsättel sind allerdings sehr schwer (<10kg), weshalb seit dem späten 20. Jahrhundert Sättel entwickelt wurden, die das Grunddesign durch den Verzicht auf Entbehrliches und dem Einsatz von leichten Werkstoffen modifizieren, um das Eigengewicht zu senken.
Die Passform auf dem Pferd wird größtenteils bestimmt durch die Höhe und Weite der Kammer (Gullet), die Winkelung sowie die Längswölbung und Verdrehung (Twist) über die Längsachse des Sattelbaumes.
Hauptgrößenangaben sind:
Das Kürzel RS (Round Skirt) steht für abgerundete Sättel für Pferde mit einer sehr kurzen Sattellage.
Je nach Arbeitseinsatz gibt es verschiedene Modelle des Westernsattels:
Das charakteristische Horn vorne am Sattel diente ursprünglich als Festpunkt des Lassos, wenn Rinder vom Pferd aus mit dem Lasso gefangen wurden. Heute gehört das Horn traditionell zum Westernsattel.
Allerdings ist nur noch beim Roper das Horn stabil genug ausgeführt, um der auftretenden Belastung standzuhalten. Damit sich der Sattel auf Zug des Rinds nicht hinten anhebt, wird zusätzlich zum normalen Sattelgurt noch ein Bauchgurt verwendet, der ansonsten locker geschnallt bleibt.
Als Polster zwischen Pferd und Sattel dient beim Westernsattel ein Westernpad.
Im Damensattel sitzt die Reiterin in Seitsitz, das heisst mit beiden Beinen auf einer Seite - normalerweise links - am Pferd.
Bereits im Altertum haben Menschen im Seitsitz geritten. So konnte jedoch nur Schritt geritten werden, da es keinen geeigneten Sattel gab. So gibt es beispielsweise Darstellungen der keltischen Göttin Epona im Seitsitz.
Bis zum Ende des 13. Jahrhunderts, sassen Frauen und Männer daher gleichermassen rittlings zu Pferd. Der seitliche Sitz für Frauen kam erst im 14. Jahrhundert auf, als Frauen sich mit der Entwicklung eines für den Seitsitz geeigneten Sattel befassten.
Schon Anna von Böhmen hat im 12. Jahrhundert einen Seitsattel benutzt und damit eine Vorstufe für den Sambue geschaffen, der im 14. Jahrhundert gebräuchlich wurde.
Der Sambue war ein mit Stroh gepolstertes Reitkissen mit Lehne und Fusstütze, auf dem man nicht nur sehr unsicher sondern auch noch quer zum Pferd sass. Es war keine Einwirkung auf das Pferd möglich und schwungvolle Gangarten mit Schwebephase konnten nicht gesessen werden. Aus diesem Grund wurden 12. Jahrhundert Zelter mit weichen und bequem zu sitzenden Gängen bevorzugt und waren entsprechend wertvoll. Der Sambue war daher hauptsächlich beim Adel verbreitet. Bei schnellen Ritten durch unwegsames Gelände sassen Frauen nach wie vor rittlings auf dem Pferd.
Der Sambue war verbesserungsbedürftig. Bereits 1380 hat Anna von England erkannt, dass ihr Sitz sicherer würde, wenn sie nur einen Fuss auf die links angebrachte Fusstütze stellte.
Katharina von Medici (*1519, † 1589) entwickelte den Schrägsitz, indem sie ihr rechtes Bein über den Sattelknauf schlug und das rechte Bein in den Steigbügel stellte. Dadurch konnte sie sicherer sitzen als auf dem Sambue und dennoch, einen langen Rock tragen. Im Schrägsitz hat die Reiterin ihre Schultern fast parallel zu den Pferdeschultern und kann auf das Pferd einwirken. In der Folge wurde der Knauf etwas nach links versetzt und durch eine Gabel mit zwei Hörnern ersetzt, so dass der rechte Oberschenkel zwischen den beiden Hörnern zu liegen kam.
Im Damensattel konnten adlige Frauen Falken zur Jagd führen. Der rechtssitzige Damensattel kommt aus der Falknerei, weil man den Falken während der Jagd auf der linken Hand führte. So waren es die Jagdreiterinnen, die über die Jahrhunderte zur Weiterentwicklung des Damensattels beitrugen.Im Gabelsattel war es möglich, schnellere Jagden zu reiten und kleinere Hindernisse zu überspringen.
Es war nicht einfach im Gabelsattel korrekt zu sitzen. Um den Zug der Beine auf der linken Seite auszugleichen, neigte man dazu zu weit nach rechts zu sitzen so dass der Schwerpunkt nicht mehr in der Mitte war. Die Gabel bot zu wenig Halt und die Hilfengebung war erschwert.
Der Gabelsattel war vor allem beim englischen Adel weit verbreitet, auf dem Kontinent, besonders in Frankreich, Spanien und Deutschland sassen die Frauen, vor allem bei Jagden auch weiterhin rittlings, auf "deutsche Art" zu Pferd.
Das dritte Horn, das "leaping head", machte den Damensattel viel sicherer. Das dritte Horn ist nach unten abgewinkelt, legt sich über den linken Oberschenkel und sorgt für einen festen Sitz in allen Situationen. Es wurde gegen Ende des 18. Jahrhunderts erfunden, wobei unklar ist von wem. Ch. Trench nennt T. Oladker, Chr.-H. Tavard dagegen F. Baucher. Auch Ch. Pellier wird genannt. Im Drei-Horn-Sattel konnte man höhere Hindernisse springen.
Das Horn auf der rechten Seite des Sattels war überflüssig geworden und verschwand in der Folgezeit ab etwa 1870. Der moderne Damensattel hat daher nur noch zwei Hörner. Ab etwa 1890 wurde die Polsterung flacher und funktioneller und der Sattel wurde leichter. Der Balancierriemen, der die Sattellage verbessert wurde zugefügt.
Trotz dieser positiven Entwicklung war der Damensattel dem normalen Sattel unterlegen: das rechte Bein fehlte zu Hilfengebung und obendrein war der Sattel bei Stürzen gefährlich, da die Reiterin oft nicht vom Sattel los kam. Infolgedessen wurde er nach dem 1. Weltkrieg schrittweise verdrängt und 1928 für schwere Springen verboten.
Heute gibt es wieder Damensattel-Dressurprüfungen auf denen in stilechten Kostümen gerne auch die beliebten Barockpferderassen vorgestellt werden, oftmals die Show-Highlights.
Der Wanderreitsattel findet vor allem bei mehrtägigen Wanderritten Verwendung. Er muss großflächig auf dem Pferd aufliegen, um auch bei langen Aufenthalten im Sattel keinen Druck zu erzeugen und hinreichend Möglichkeit zur Befestigung von Gepäck bieten. Alte Militärsättel werden gerne als Wanderreitsättel verwendet, die modernen Vertreter sind allerdings um einiges leichter.
Der Distanzsattel ist für Distanzritte von 100 Kilometer und mehr ausgelegt. Er hat daher extreme Anforderungen an Gewicht und Bequemlichkeit für Pferd und Reiter zu erfüllen.
Der Stocksattel entstand im 18. Jahrhundert in Australien aus dem englischen Sattel, der den dortigen Anforderungen nicht genügte. Der Reiter sitzt im australischen Stocksattel bequemer, tiefer und sicherer als im englischen Sattel, allerdings auf Kosten der Bewegungsfreiheit. Zudem wurden an dem Pritschensattel die Trachten verlängert, da der Stocksattel nicht im Sport, sondern als Arbeitssattel Verwendung findet.
Die Maremmana oder Bardella ist der Sattel der Butteri, der Rinderhirten der Toskana. Sie ist ein dicker Ledersattel, der mit Tierhaar befüllt ist, und sich - ist sie erst einmal eingeritten - sehr gut sowohl Pferd als auch Reiter anpasst. Die Maremmana eignet sich daher nicht zur Benutzung durch mehrere Personen.
Der Töltsattel ist speziell für Gangpferde. Er hat seinen Schwerpunkt meist weiter hinten als gewöhnliche Sättel, kann aber auch einem Vielseitigkeitssattel ähnlich sehen. Da der Schwerpunkt weiter hinten im Sattel liegt, ist das Tölten fürs Pferd erleichtert. Je nach Hersteller sind die Sättel unterschiedlich aufgebaut. Die Sitzfläche ist nicht immer glatt, sondern oft auch gerippt, ebenso die Pauschen. Man kann als Polster Schabracken, Satteldecken aber auch Gelpads nehmen.
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