Das Requiem ist die Messfeier für Verstorbene (auch Missa pro defunctis). Das Wort bezeichnet sowohl den Ritus der Begräbnismesse nach der katholischen Liturgie als auch kirchenmusikalische Kompositionen für das Totengedenken. Die Bezeichnung ist abgeleitet vom ersten Wort des Introitus Requiem aeternam dona eis, Domine („Ewige Ruhe schenke ihnen, o Herr“).
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Das Proprium der Totenmesse wurde im Gefolge des Konzil von Trient (1545) festgelegt und durch das Zweite Vatikanum geringfügig reformiert. Der liturgische Ablauf eines Requiems gleicht dem der katholischen Messen an Werktagen in Bußzeiten (Advent, Fastenzeit). Das Gloria, das für freudige und festliche Anlässe vorgesehen ist, und das Credo der Sonntage und Feste entfallen. Das Halleluja wird durch einen Tractus ersetzt, dem sich bis zum Zweiten Vatikanum die Sequenz Dies irae anschloss. Heute ist das Dies irae nicht mehr regelmäßiger Bestandteil des Requiems, darf aber durchaus noch praktiziert werden. Außerdem ist gerade dieser Teil bei den Komponisten sehr beliebt, da sich sein Text für besonders wirkungsvolle Vertonungen eignet.
Die Abfolge der Totenmesse außerhalb der Fastenzeit sieht heutzutage folgendermaßen aus:
Auch im Text des Agnus Dei wird gegenüber dem normalen Messproprium eine Änderung vorgenommen. Statt des zweimaligen miserere nobis und des dona nobis pacem heißt der Text im Requiem dreimal Agnus Dei, qui tollis peccata mundi, dona eis requiem und beim dritten Mal wird dieser Zeile ein sempiternam zur Bekräftigung angefügt.
In alten Requiem-Kompositionen sind die entsprechenden unbegleiteten und einstimmigen gregorianischen Choräle Grundlage der Komposition, so auch noch bei Alessandro Scarlatti und selbst Wolfgang Amadeus Mozart (Zitat eines Psalmtons im ersten Satz (Requiem aeternam) zum Text Te decet Hymnus deus in Sion (Sopransolo)).
In der Regel bestehen traditionelle Requiem-Vertonungen aus der folgenden, althergebrachten Satzfolge:
In manchen Fällen kommen noch die Motette Pie Jesu sowie Gesänge aus den Exsequien hinzu, die sich eigentlich an die Totenmesse anschliessen:
Während in der Zeit der Wiener Klassik das Requiem noch durchaus die Funktion einer musikalischen Begleitung des Gottesdienstes hat (z. B. bei Mozart, Joseph Martin Kraus, François-Joseph Gossec, Michael Haydn, Luigi Cherubini) so beginnt sich die Vertonung allmählich von kirchlichen Bindungen zu lösen. Bereits Hector Berlioz´ monumentales und großbesetztes Werk ist eher für den Konzertsaal konzipiert. In dieser Tradition verstehen sich auch die entsprechenden Kompositionen von Louis Théodore Gouvy, Antonín Dvořák und Giuseppe Verdi, in denen dem Orchester ein zunehmend wichtigerer Anteil zugewiesen wird. Es finden sich aber auch kleiner besetzte Werke aus dieser Zeit, die noch auf die Verwendung in der Kirche hin angelegt sind, so z. B. von Anton Bruckner, Franz Liszt und Camille Saint-Saëns. Vermittelnd zwischen diesen Polen steht Felix Draeseke, der sowohl ein symphonisches, als auch ein A-cappella-Requiem schuf.
Das Deutsche Requiem des Protestanten Johannes Brahms verwendet frei gewählte Texte aus der Lutherbibel, nicht die oben erwähnten katholischen. Ab der Zeit der Spätromantik schwindet die Anzahl der Requiemkompositionen merklich. Die Wichtigkeit des Textes tritt bei vielen Vertonungen zu Gunsten der immer stärker symphonischen Behandlung des großen Orchesterapparates zurück (so bei Max Reger, Richard Wetz, Emil Nikolaus von Rezniček). Diese Werke sind ausschließlich als Konzertmusik konzipiert und lassen sich auch nur noch als solche verwenden. Andere heben wieder den Text hervor und geben ihren Werken wieder liturgischen Charakter (z. B. Gabriel Fauré und Maurice Duruflé, die übrigens beide das Dies Irae weglassen).
In der modernen Musik ab etwa 1950 spielt das Requiem als Musikgattung nur noch eine sehr untergeordnete Rolle. Allerdings schrieben auch in dieser Zeit Komponisten noch herausragende Werke, so Benjamin Britten, in dessen eigenwilliger Vertonung der liturgische Text mit Gedichten des englischen Dichters Wilfred Owen kombiniert wird. Weitere bedeutende Kompositionen nach dem zweiten Weltkrieg schufen unter anderem György Ligeti, Hans Werner Henze, Arvo Pärt, John Rutter, Sofia Gubaidulina oder Krzysztof Penderecki.
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