Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Logo der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität
Gründung 18. Oktober 1818
Stadt Bonn
Bundesland Nordrhein-Westfalen
Staat Deutschland
Leitung Matthias Winiger
Studenten 27.000 (WS 2006/07)
Mitarbeiter 2.634 (2007)
davon Professoren 496
Jahresetat rund 400 Mio.€
Website www.uni-bonn.de
Hochschulen in Nordrhein-Westfalen
Liste deutscher Hochschulen
Hauptgebäude: das ehemalige Kurfürstliche Schloss Bonn
Hauptgebäude: das ehemalige Kurfürstliche Schloss Bonn

Die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn ist eine bedeutende Universität in der Bundesrepublik Deutschland. Sie hat ihren Sitz in der Stadt Bonn und bezeichnet sich als traditionsbewusste Forschungsuniversität von internationalem Rang. Im Sommersemester 2007 waren an ihr 27.000 Studenten immatrikuliert.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

König Friedrich Wilhelm III, Gründer der Universität Bonn
König Friedrich Wilhelm III, Gründer der Universität Bonn

Vorgänger der Bonner Universität war die Kurkölnische Akademie Bonn, die 1777 mit den vier Fakultäten für Gottes-, Rechts-, Arznei- und Weltgelehrtheit gegründet wurde. 1784 verlieh der deutsche Kaiser Joseph II. ihr in Wien das Recht zur Verleihung der im ganzen Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation anerkannten Grade des Licentiaten und des Doktors, damit stieg die Akademie zur Universität auf. 1798 wurde die Kurkölnische Universität durch die Angliederung des linken Rheinufers an Frankreich aufgehoben.

Die heutige Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität wurde dann am 18. Oktober 1818 vom preußischen König Friedrich Wilhelm III als sechste preußische Universität neben der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, der Humboldt-Universität zu Berlin, der Albertus-Universität Königsberg, der Universität Halle (Saale) und der Schlesischen Friedrich-Wilhelms-Universität Breslau gegründet. Anlass für die Gründung war der Wille, für die beiden neuen preußischen Provinzen Rheinland und Westfalen eine akademische Ausbildungsstätte zu schaffen. Die Wahl fiel aus mehreren Gründen auf Bonn: Zunächst war durch die beiden leerstehenden erzbischöflichen Schlösser hier ein für den Anfang ausreichendes Raumangebot vorhanden. Dann wollte man ein deutliches Zeichen für einen Neuanfang auch im universitären Bereich setzen. Daher wurde weder die Kurkölnische Universität in Bonn noch die städtische Universität in Köln wiederbegründet. Die am 14. Oktober 1655 gegründete alte Duisburger Universität wurde im Jahr der Universitätsneugründung in Bonn aufgelöst. Das Zepter und große Teile der Universitätsbibliothek Duisburg gingen nach Bonn, sodass die Bonner Universität insoweit auch Nachfolgerin der Duisburger Hochschule ist. Außerdem hatte die kurkölnische Universität als Vorläufer zwar nur wenige Jahre Bestand, doch galt sie als eine Universität, die von der Aufklärung geprägt war, was gut in die preußischen Bildungsideale passte.

Am 18. Oktober 1944 zerstörte ein Bombenangriff das Hauptgebäude der Universität. Nach Kriegsende wurde der Betrieb bereits zum Wintersemester 1945/46 wiederaufgenommen.

Eröffnung des Mathematik-Exzellenzclusters
Eröffnung des Mathematik-Exzellenzclusters

Exzellenzinitiative

Bei der seit 2005 laufenden Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder erzielte die Universität Bonn bisher gemischte Ergebnisse. In beiden Runden hielt man sich für einen der Favoriten, scheiterte jedoch jeweils schon in der ersten Auswahl für das sogenannte Zukunftskonzept, die Förderung der gesamten Universität. Bei der ersten Runde zog man jedoch mit Vorschlägen für Graduiertenschulen in Physik und Wirtschaftswissenschaften (Bonn Graduate School of Economics und Bonn-Cologne Graduate School of Physics and Astronomy) sowie einem Exzellenzcluster in Mathematik (Mathematics: Foundations, Models, Applications) in die Endauswahl ein, den Zuschlag erhielten die Ökonomie-Schule und der Cluster. Bei der zweiten Runde sind derzeit noch die Graduiertenschule Chemical Biology in Life and Medical Sciences und erneut die Bonn-Cologne Graduate School of Physics and Astronomy im Rennen, als universitätsübergreifende Projekte außerdem der Exzellenzcluster Media: Material Conditions and Cultural Practice zusammen mit der Universität Köln und die Graduiertenschule Bonn-Aachen International Graduate School of Applied Informatics zusammen mit der RWTH Aachen.

Standorte und Architektur

Das Poppelsdorfer Schloss.
Das Poppelsdorfer Schloss.
Standort Römerstraße
Standort Römerstraße

Die Universität Bonn ist keine Campus-Universität, sondern verteilt sich auf mehrere Standorte im ganzen Stadtgebiet. Im Hauptgebäude, dem ehemaligen Kurfürstlichen Schloss direkt am Rand der Innenstadt, sowie in einigen modernen Gebäuden in der Umgebung (etwa dem Juridicum) befinden sich der Großteil der Philosophischen, Theologischen und Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultäten. Die Naturwissenschaftler konzentrieren sich in Poppelsdorf, wo neben dem Poppelsdorfer Schloss Institutsgebäude aus dem 19. Jahrhundert und moderne Bürobauten vorherrschen. Der Schlossgarten dient seit 1819 als Botanischer Garten Bonn. Die Informatik und Psychologie sind in der ehemaligen pädagogischen Hochschule in Bonn-Castell untergebracht. Dieses Gebäude aus den Sechzigern soll aber mittelfristig aufgegeben, die Universitätseinrichtungen verlegt werden (u.a. gibt es eine hohe Belastung durch Polychlorierte Biphenyle im Gebäude, weswegen die Universitätsleitung Schwangeren vom Aufenthalt im Gebäude abrät). Die Medizin sitzt auf dem Venusberg hinter Poppelsdorf. Einzelne Institute und Einrichtungen sind noch weiter verteilt, etwa die Astronomie, Teile der Chemie und die Pharmazie in Endenich.

Insgesamt verfügt die Universität über 371 Gebäude. Dazu gehören neben den wissenschaftlich und zur Verwaltung genutzten Liegenschaften auch vier Mensen und 34 Studentenwohnheime mit ca. 4000 Zimmern.

Im Zuge einer Neustrukturierung wird von der Universitätsleitung angestrebt, sich von der dezentralen Struktur auf vier Schwerpunktstandorte zu konzentrieren: dem Campus City mit der Philosophischen Fakultät, den Theologischen Fakultäten und der Staatswissenschaftlichen Fakultät, dem Campus Poppelsdorf mit der Landwirtschaftlichen Fakultät und Teilen der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät, dem Campus Endenich mit den übrigen Teilen der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät und den in einem Neubau unterzubringenden Rechtswissenschaften, sowie der Medizin auf dem Venusberg.

Gliederung

Evangelisch-Theologische Fakultät

Seit 1819 gibt es die Evangelisch-Theologische Fakultät an der Universität Bonn. Die thematischen Schwerpunkte liegen in den Bereichen „Texte der Theologie“, „Historische Theologie“, „Theorie der Theologie“, „Theologie im Dialog mit den Humanwissenschaften“ und „Ökumene“. Weitere Institute der Fakultät sind das „Institut für Hermeneutik“ und das „Institut für Ökoumene“. Die Fakultät ist im Hauptgebäude der Universität untergebracht, wo sich auch die Evangelische Schloßkirche befindet. Sie betreibt ein eigenes Wohnheim für Studierende der evangelischen Theologie. Mit circa 150 Studierenden ist sie eine der kleinen Fakultäten der Universität.

Katholisch-Theologische Fakultät

Ebenfalls 1819 wurde auch die Katholisch-Theologische Fakultät gegründet und umfasst heute 15 Lehrstühle. Eine Besonderheit ist die Arbeitsstelle für Theologische Genderforschung. Mit circa 350 Studenten ist sie ebenfalls eine der kleinen Fakultäten der Universität.

Landwirtschaftliche Fakultät

Die Landwirtschaftliche Fakultät hat ihre wissenschaftlichen Schwerpunkte in den Bereichen „Lebensmittel und Ernährung“ sowie „Erfassung, nachhaltige Nutzung und Gestaltung des Raumes“. Besonders die Studiengänge Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften sowie Geodäsie und Geoinformation erfreuen sich zunehmender Beliebtheit bei Studenten. Standort der Fakultät ist Poppelsdorf. Die Fakultät hat circa 2300 Studenten.

Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät

Teilchenbeschleuniger ELSA
Teilchenbeschleuniger ELSA

Die Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät umfasst die Fachgruppen Mathematik/Informatik, Physik/Astronomie, Chemie, Erdwissenschaften, Biologie und Pharmazie. Mit circa 6400 Studenten ist sie eine der größten Fakultäten der Universität. Die Standorte verteilen sich auf die Stadtteile Castell, Endenich und Poppelsdorf. Zur Zeit gehören zur Fakultät ein DFG-Graduiertenkolleg zum Thema „Homotopie und Kohomologie“ und das als Exzellenzcluster entstandene „Hausdorff Center for Mathematics“. Das Physikalische Institut betreibt den Teilchenbeschleuniger ELSA und organisiert die Wolfgang-Paul-Vorlesungen.

Medizinische Fakultät

Die Medizinische Fakultät hat ihre Schwerpunkte in den Bereichen „Neurowissenschaften“, „Genetische Grundlagen und genetische Epidemiologie menschlicher Erkrankungen“, „Hepato-Gastroenterologie“, „Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems“ und „Immunologie und Infektiologie“. Im Bereich der Krankenversorgung besteht eine Kooperation mit dem Universitätsklinikum Bonn. Der Großteil der Gebäude befindet sich auf dem Venusberg, einzelne Institute sind jedoch auch im Stadtzentrum. An der Fakultät studieren circa 2500 Studenten.

Philosophische Fakultät

Im Zuge einer Neustrukturierung der Fakultät haben sich zehn Fachbereiche herausgearbeitet:

  • Institut für Philosophie
  • Institut für Psychologie
  • Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie
  • Institut für Geschichtswissenschaft
  • Institut für Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft
  • Institut für Anglistik, Amerikanistik und Keltologie
  • Institut für Griechische und Lateinische Philologie, Romanistik und Altamerikanistik
  • Institut für Orient- und Asienwissenschaften
  • Institut für Kommunikationswissenschaften
  • Institut für Kunstgeschichte und Archäologie
  • Institut für Sportwissenschaft und Sport

Des Weiteren werden folgende interdisziplinäre Zentren eingerichtet:

  • Zentrum für Evaluation und Methoden (ZEM)
  • Zentrum für Alternskulturen (ZAK)
  • Zentrum für Historische Grundlagen der Gegenwart (ZHGG)
  • Centre for the Classical Tradition (CCT)
  • Bonner Mittelalterzentrum (BMZ)
  • Zentrum für Kulturwissenschaft/Cultural Studies (ZfKW)

Mit mehr als 11.000 Studenten ist sie die größte Fakultät der Universität.

Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät

Juridicum – Fassade mit Mosaik von Victor Vasarely
Juridicum – Fassade mit Mosaik von Victor Vasarely

Fachbereich Rechtswissenschaften

  • Deutsche Rechtsschule Warschau
  • DFG-Graduiertenkolleg „Rechtsfragen des europäischen Finanzraums“
  • Institut für das Recht der Wasser- und Entsorgungswirtschaft
  • Zentrum für Europäisches Wirtschaftsrecht

Fachbereich Wirtschaftswissenschaften

Direkt dem Senat unterstellte Forschungs- und Lehrstätten

Interdisziplinäre Projekte

  • Zentrum für Europäische Integrationsforschung/Center for European Integration Studies, ZEI
  • Zentrum für Fernerkundung der Landoberfläche, ZFL
  • Life and Medical Sciences Bonn, LIMES
  • Technologiezentrum Geoinformationssysteme, TZGIS
  • Zentrum für Geosystemforschung, ZEGEF
  • Interdisziplinäres Zentrum für komplexe Systeme, IZKS
  • Franz-Joseph-Dölger-Institut zur Erforschung der Spätantike (Herausgeber des Reallexikon für Antike und Christentum)

Externe Angliederungen

Weitere Einrichtungen

Akademisches Kunstmuseum
Akademisches Kunstmuseum

Museen

Der Universität angeschlossen sind mehrere Bonner Museen. Die größte Tradition hat das Akademische Kunstmuseum am Hofgarten, dessen Antikensammlung bis 1820 zurückreicht. Das Museum Koenig ist eines der renommiertesten zoologischen Museen Deutschlands. Das Arithmeum verfügt über eine umfangreiche Sammlung historischer Rechenmaschinen. Im Koblenzer Tor des Kurfürstlichen Schlosses befindet sich das Ägyptische Museum. Hinzu kommen das Mineralogische Museum, das Goldfuß-Museum für Paläontologie, das Horst-Stoeckel-Museum für Anästhesie-Geschichte und die Archäologisch-ethnographische Lehr- und Studiensammlung.

Personen

Zu der Vielzahl bekannter Wissenschaftler, die an der Universität Bonn lehrten, gehören die Nobelpreisträger Philipp Lenard (Physik, 1905), Otto Wallach (Chemie, 1910), Wolfgang Paul (Physik, 1989) und Reinhard Selten (Wirtschaftswissenschaften 1994). Weitere herausragende Gelehrte waren Friedrich Wilhelm August Argelander (Astronomie), Ernst Moritz Arndt (Geschichtswissenschaft), Felix Hausdorff (Mathematik), Joseph Ratzinger (Theologie) und Friedrich August Kekulé von Stradonitz (Chemie).

Für weitere bekannte Gelehrte und Studenten sowie Ehrendoktoren siehe die Liste der Angehörigen der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.

Weblinks

Commons
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Quelle:
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