Robert Merle (* 28. August 1908 in Tebessa, Algerien; † 28. März 2004 in Paris) war ein französischer Schriftsteller und Romancier. Einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde er 1972 durch seinen Roman Malevil über den Atomkrieg. Daneben schrieb Merle auch eine Biografie des kubanischen Revolutionsführers Fidel Castro und Theaterstücke.
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Merle wurde am 28. August 1908 in Tebessa, im damals französischen Algerien, als Sohn eines Offiziers geboren und zog 1918 nach Frankreich. Nach einem Schulabschluss begann er in Paris Anglistik zu studieren. 1940 kämpfte Merle in Dünkirchen und geriet in deutsche Kriegsgefangenschaft.
Nach Kriegsende beendete Merle sein Studium in Paris und nahm anschließend einen Ruf an die Universität Reims an. Als Prof. für Anglistik war er kurz an der Universität von Algier tätig und ab 1967 dann in Nanterre.
Sein Lehrauftrag geriet gegenüber der schriftstellerischen Arbeit immer mehr in den Hintergrund. Ab 1977 schrieb er kontinuierlich bis an sein Lebensende an seinem Zyklus Fortune de France. Im Alter von 95 Jahren starb Robert Merle am 28. März 2004 in seinem Haus bei Paris an einem Herzinfarkt.
Bis zum sowjetischen Einmarsch in Afghanistan war Merle Mitglied der Französischen Kommunistischen Partei gewesen.
Viele seiner literarischen Themen orientierten sich an geschichtlichen Ereignissen. In La mort est mon métier (1952, Deutsche Ausgabe 1957: Der Tod ist mein Beruf) beschäftigt sich Merle mit dem Leben des Rudolf Höß, der Kommandant des KZ Auschwitz war. Grundlage hierfür waren Verhörprotokolle. Der Roman wurde 1977 mit Götz George in der Hauptrolle von Theodor Kotulla verfilmt. Der Name des Filmes ist "Aus einem deutschen Leben". Thema des Werkes Derrière la vitre (Hinter Glas) (1970) sind die Proteste an der Pariser Universität Sorbonne während der Studentenunruhen 1968.
Der Roman Malevil beschreibt die Erlebnisse einer kleinen Gruppe von Menschen, die den Atomkrieg überleben, weil sie sich am »Tag X«, als die Bomben fallen, gerade im Weinkeller der Burg Malevil in Südfrankreich befinden. Da es keinen Fallout gibt, können die Menschen ihr Leben einigermaßen normal weiterführen, es kommt jedoch bald zu Konflikten mit anderen Überlebenden und zu Spannungen innerhalb der Gruppe. Die ersten technischen Geräte, die die Überlebenden aus eigener Kraft herstellen, sind deshalb ironischerweise Waffen.
In dem Science-Fiction-Roman Ein vernunftbegabtes Tier (Titel Aufbau-Verlag) bzw. Der Tag der Delphine (Titel Stahlberg- und Goldmann-Verlag) beschrieb er den Missbrauch von Delphinen für militärische Zwecke.
In Die geschützten Männer nimmt er das machistisch partiarchalische Gesellschaftssytem auf die Schippe. Eine Epidemie, die nur Männer befällt und diese tötet, es sei denn, sie sind kastriert, dezimiert die Anzahl der Männer erheblich. Die überlebenden Männer werden in speziellen Quarantänelagern gehalten, um das Überleben der Menschheit zu sichern. Bedingt durch diese Ereignisse tauschen Mann und Frau nicht nur ihre gesellschaftlichen Rollen, sondern auch ihre Verhaltensmuster.
Er schrieb eine Reihe historischer Romane und Reportagen.
1977 begann er die erfolgreiche Saga "Fortune de France", die mit Erscheinen des derzeit letzten Bandes 2003 in Frankreich 13 Bände umfasst. In ihr vermittelt er die Geschichte Frankreichs während der Religionskonflikte durch die Erlebnisse der Renaissance-Familie Siorac unter den französischen Königen Francois I. bis Ludwig XIV. Es ist einer der umfangreichsten historischen Romane der Gegenwartsliteratur und wurde von etwa 6 Millionen Menschen gelesen.
Im französischen Original erschienen die Bücher in der unten aufgelisteten – historisch korrekten – Reihenfolge. Der Aufbau-Verlag hatte zunächst nicht vor, die gesamte Serie ins Deutsche zu übersetzen, sondern mehrere Zäsuren vorzunehmen. Es waren wahrscheinlich die daraufhin massiven protestierenden wie bittenden Anfragen der Merle-Fans beim Aufbau-Verlag, die den Verlag dann umstimmten. So wurden einige Bände noch nachgeliefert, was dazu führte, dass die deutschen Buchversionen nicht in der historisch korrekten Reihenfolge der Handlung erschienen. Auch der letzte Band (Band 13) ist nun übersetzt und vorbestellbar.
Drehbuch
Literarische Vorlage
Merle war zuerst mit dem begehrten Literaturpreis Prix Goncourt für seinen Roman Week-end à Zuydcoote (1949) (Deutsche Ausgabe 1950: "Wochenende in Zuitcoote") bekannt geworden, der von seiner Zeit in deutscher Kriegsgefangenschaft im Zweiten Weltkrieg inspiriert war.