Die Rochade [rɔˈxɑːdə, rɔˈʃɑːdə] ist ein Spielzug im Schach, bei dem König und Turm gleichzeitig ziehen, und zwar verschränkt. Es ist der einzige Zug, bei dem zwei Figuren derselben Farbe gezogen werden. Ziel der Rochade ist es, den König in eine sichere Position zu bringen und gleichzeitig den betreffenden Turm zu entwickeln.
Inhaltsverzeichnis |
Der König, welcher bei der Ausführung der Rochade zuerst berührt, bzw. gezogen werden muss, macht zwei Schritte in Richtung des Turmes, dann springt der Turm über ihn auf das Nachbarfeld. Dabei unterscheidet man zwischen der langen bzw. großen Rochade mit dem (weiter entfernt stehenden) Damenturm und der kurzen bzw. kleinen Rochade mit dem nahen Königsturm. Die Notation lautet 0-0 für die kleine, 0-0-0 für die große Rochade (unabhängig von der Farbe).
Es gibt also insgesamt 4 mögliche Rochadezüge:
Eine Rochade kann nur dann ausgeführt werden, wenn
Der Turm darf bedroht sein oder über ein bedrohtes Feld ziehen. Die Rochade gilt als ein Königszug. Falls ein Spieler eine illegale Rochade ausführt und sein Gegner dies reklamiert, muss er einen anderen Königszug (dies kann auch die Rochade mit dem anderen Turm sein) ausführen. Ist kein legaler Königszug möglich, so kann er einen beliebigen legalen Zug ausführen (er muss also nicht den Turm ziehen, der an der illegalen Rochade beteiligt war).
Sind (1) und (2) nicht erfüllt, geht das Recht auf beide bzw. eine bestimmte Rochade für immer (bis zum Ende der Partie) verloren. Nichterfüllung von (3)–(5) verhindert eine Rochade dagegen nur zeitweilig.
Diese Besonderheiten werden in der Schachkomposition genutzt, siehe Rochade in der Schachkomposition.
In der Eröffnungsphase der Partie spielt sich das Geschehen meistens im Zentrum ab. Die Mittelbauern werden aufgezogen, der Kampf findet hier statt. Das heißt, dass der König in der Mitte gefährdet steht. Außerdem stehen die Türme am Rand im Abseits. Der König wird in eine sichere Randstellung hinter eine stabile Bauernfront gebracht, der Turm wird in die Mitte geführt, wo er am Kampfgeschehen aktiv teilnehmen und mit dem anderen Turm verbunden werden kann.
Die kurze Rochade gilt in der Regel als sicherer als die lange Rochade. Bei der langen Rochade ist eine längere Bauernfront zu verteidigen, der a-Bauer ist oft nicht gedeckt. Außerdem müssen zur Vorbereitung der kurzen Rochade nur zwei Felder geräumt werden. Aus diesen Gründen wird in 8 von 10 Partien kurz rochiert. In den übrigen Partien erfolgt je etwa zur Hälfte die lange Rochade oder keine Rochade.
Rochieren Weiß und Schwarz zu verschiedenen Seiten (wie es zum Beispiel oft in der Drachenvariante der Fall ist), so entsteht meist ein besonders heftiger Kampf, weil beide Seiten die gegnerische Königsstellung stürmen können, ohne den eigenen König zu entblößen.
In drei Schachvarianten gibt es bemerkenswerte Interpretationen der Rochaderegel:
Der Begriff kommt aus dem Persischen. Der Turm war damals ein Kampfwagen, genannt Rukh (pers. رخ Angesicht, vgl. heute noch engl. rook = „Turm“).
Die Rochade ist eine relativ neue Entwicklung im europäischen Schachspiel. In den asiatischen Schachvarianten findet sie sich nicht.
Ihr Vorläufer war der um 1200 entstandene Königssprung, bei dem der König im ersten Zug einen weiten Satz ausführen durfte. Um 1550 wurde er in die Rochade umgewandelt. Die erste Erwähnung findet sich in der mittelalterlichen Satire „Gargantua et Pantagruel“ von François Rabelais (1564). Später entwickelte sich die „Freistil“-Rochade, bei der König und Turm ihre Plätze frei wählen konnten. So finden sich bei Eröffnungsvarianten des Italieners Salvio Rochaden, bei denen König und Turm auf den Feldern Kb8/Te8, Kg1/Te1 oder Kh1/Tf1 landen.
In den Schriften von Gioacchino Greco (1600-1634) wurde die Rochade in ihrer heutigen Form als Norm bestimmt. Mitte des 19. Jahrhunderts setzte sich das dann als international anerkannter Standard durch. Doch noch der amerikanische Großmeister Reuben Fine berichtete, in seiner Kindheit eine alte italienische Regel kennengelernt zu haben, dass die Rochade erst erlaubt sei, wenn alle anderen Figuren die Grundreihe verlassen hätten.
Den Titel der spätesten erfolgten Rochade halten ex aequo die beiden Partien Neshewat-Garrison, Detroit 1994, mit 48. ... 0-0 und Somogyi - Black, New York 2002 mit 48. ... 0-0-0. In beiden Fällen gewann Schwarz.
Die Rochade mit der geringsten Anzahl von Steinen auf dem Brett fand in einer Partie Pupols-Myers, Lone Pine 1976, statt, als Weiß im Endspiel 40. 0-0-0 zog, mit nur noch 8 Steinen auf dem Brett. Die Partie endete Remis.
Die größte Anzahl von Rochaden in einer Partie betrug 3 und wurde in einer Partie Heidenfeld - Kerins, Dublin 1973, gespielt. Weiß rochierte illegalerweise zweimal – unbemerkt, aber vergeblich, denn er verlor die Partie.
Auch Meister haben manchmal ihre Probleme mit der Rochade:
Dadurch, dass der Turm bei der Rochade ein von einem gegnerischen Stein bedrohtes Feld überspringen darf, ergibt sich manchmal Gelegenheit zu einer tückischen Falle:
Schwarz erwachte sicherlich unsanft aus seinen Träumen, als Weiß mit der langen Rochade seinen Turm fing:
| Wiktionary: Rochade – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen |
http://www.xs4all.nl/~timkr/records/records.htm Die drei aufgeführten Rekorde und weitere mit Partien (englisch)