| Roma | |
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| Gesamtbevölkerung | 8,000,000 - 10,000,000 (Zahlen sind grob geschätzt, da genaue Zahlen, Daten und Fakten nicht bekannt sind) |
| Siedlungsgebiete |
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| Sprache | ursprünglich nur Romanes, heute aber oft die Sprachen des jeweiligen Heimatlandes |
| Religion | zumeist Christentum, Islam (Sie sind meist Anhänger der Religion, zu der sich die Mehrheit der Bevölkerung des Landes oder der Region bekennt, in der sie leben.) |
| Verwandte Ethnien (im geringsten Maß) | indische Völker, europäische Völker, |
Roma (Romani: rom, "Rom", "Ehemann") ist der Oberbegriff für eine Reihe ethnisch miteinander verwandter, ursprünglich aus Indien stammender Bevölkerungsgruppen, die ab dem 14. Jahrhundert in verschiedenen Einwanderungswellen nach Europa gelangten und in vielen europäischen Ländern eine ethnische Minderheit stellen. Die gemeinsame, in Dialekte aufgespaltene Sprache ist das Romanes/Romani.
Folgende Bezeichnungen werden verwendet:
Während ihrer gesamten Geschichte waren die Roma in Europa zahlreichen Diskriminierungen und Verfolgungen ausgesetzt. In der Zeit des Nationalsozialismus waren sie Opfer des nationalsozialistischen Holocausts.
Zu den Unterschieden zwischen Sinti und Roma gibt es folgende Erklärungen:
Als Sammelbezeichnung für alle im deutschen Sprachraum lebenden Angehörigen des Volkes, unabhängig vom Zeitpunkt ihrer Einwanderung, wird seit Anfang der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts versucht, den Begriff Sinti und Roma zu etablieren, um die Bezeichnung Zigeuner zu ersetzen. Zur Problematik der Bezeichnungen siehe Zigeuner und Roma, Sinti und Jenische.
Die Roma sind nicht zu verwechseln mit den Jenischen sowie den Tinkern in Irland und Großbritannien, die ethnisch anderer Herkunft sind. Der Begriff Fahrendes Volk ist ebenso kein Synonym.
Die hauptsächlich in Südosteuropa beheimateten Roma sind ihrerseits aufgespalten in eine größere Zahl von Gruppen mit leicht unterschiedlichen Traditionen und vielfach einer traditionellen beruflichen Spezialisierung. Eine dieser Gruppen sind die Kalderasch.
In Teilen Norddeutschlands und skandinavischen Sprachen findet sich auch die Bezeichnung "Tatern" oder "Tattare", der eigentlich die Bedeutung "Tatar" hat. Möglicherweise hat hierzu die Vorstellung beigetragen, die Roma seien als Begleiter des tatarischen Vordringens z.B. unter Batu nach Europa gelangt oder von den kleinasiatischen Türken nach Europa geschickt worden.
Die Weltpopulation der Roma mit den zugehörigen Untergruppen beträgt heute etwa zwölf Millionen, davon acht Millionen in Europa. Die größten Gemeinschaften befinden sich in den südosteuropäischen Ländern. Für Spanien schätzt man zwischen 400.000 und 700.000 Angehörige, etwa 300.000 für Frankreich und etwa 90.000 für Großbritannien. In Deutschland leben Schätzungen zufolge 60.000 bis 70.000 Sinti und um die 40.000 Angehörige anderer Roma-Gruppen.
Für den osteuropäischen Raum wird von bis zu 2,5 Millionen Roma ausgegangen. In Ungarn leben laut Volkszählung 2001 205.720 Roma, in der Tschechischen Republik und der Slowakei 300.000, in Bulgarien laut Volkszählung 2001 370.908 und in Rumänien laut Volkszählung 2002: 535.140. In der Türkei schätzt die Europäische Kommission 2005 die Anzahl der Roma zwischen 500.000 und 2 Millionen. Auch die Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawien, insbesondere Serbien (108.193 - ohne Kosovo), Montenegro (20.000), Kroatien (18.000) und Mazedonien (51.901), sind Heimat starker derartiger Minderheiten; weitere Roma leben in Albanien (etwa 120.000[1]), Polen (30.000), Griechenland (150.000-300.000 laut dem Helsinkikomitee) und den Nachfolgestaaten der Sowjetunion (besonders in Weissrussland und Ukraine).
Offizielle Angaben über Roma-Populationen sind meist ungenau und eher zu niedrig, denn Volkszählungen fragen nach der ethnischen Selbstdefinition, und diese kann schwanken, besonders dort, wo mit der Selbstdefinition als Rom/ Romni oder Sinto/ Sintizza Diskriminierung und Ausgrenzung verbunden ist.
Allen Roma ist die indische Herkunft gemeinsam, die sich neben historischen Überlieferungen auch durch die Gemeinsamkeiten ihrer Sprache mit zentralindischen Dialekten beweist. Eine direkte Bezugnahme auf die indische Herkunft gibt es erst seit Ende des 18. Jahrhunderts, als Romani ins Sichtfeld von Sprachwissenschaftlern gelangte.
Die Roma kamen vermutlich um 1000 aus dem Nordwesten Indiens, wohin sie in den Jahrhunderten zuvor aus Zentralindien gezogen waren, über den Nahen Osten, Kleinasien, das byzantinische Griechenland und den Balkan nach Mittel-, Ost-, West- und Nordeuropa.
Neuere archäologische Funde lassen jedoch vermuten, dass einige wenige Roma bereits im 12. Jahrhundert bis nach England kamen.
Andere, gelegentlich und irrtümlich den Roma zugerechnete Gruppen, wie die Jenischen sind europäischer Abstammung.
Die Sprache (Romani) ist die einzige ausschließlich außerhalb des Kontinents gesprochene indische Sprache. Sie hat ihre Wurzeln in den zentralindischen Sprachen. Nach Grundwortschatz und grammatikalischem System ist die Sprache der Roma (auch: romani chib) eine neuindoarische (also indogermanische) Sprache. Zur Sprache gehört auch ein umfangreicher nichtindischer Wortschatz. Das mittelalterliche Griechisch, dessen Worte sich wenig verändert haben, hat das Romani bereichert. Etwa drom (Straße), foro (Stadt), okto (acht) und andere Lehnworte mehr, die sich bis heute erhalten haben. Armenischen Ursprungs sind Worte wie grast (Pferd) oder bov (Ofen), es gibt Iranische und Ossetische Einflüsse.
Die methodische Erfassung der Lehnworte wurde in der Vergangenheit benutzt, um die Migrationsbewegungen der Roma zu rekonstruieren. Allerdings ist eine derartige Rekonstruktion nur bedingt möglich. Immerhin hat die Linguistik inzwischen zu einer brauchbaren Einteilung der verschiedenen Dialekte des Romani gefunden.
Alle Romani sprechenden Roma (das sind in Europa ungefähr 75%) sind zumindest zweisprachig, sprechen also auch die Sprache des Landes, in dem sie sich aufhalten oder früher aufgehalten haben. Viele Roma sind drei- und mehrsprachig. Der von den Sinti gesprochene Dialekt des Romani ist Sintitikes.
Der Romani-Ausdruck gadzo („Gadsche“), mit dem Nicht-Roma oder sesshafte Menschen bezeichnet werden, bedeutet wörtlich „Bauer“.
Sepečides = Korbflechter (türk.) sepet für Korb, sepetçi für Korbflechter
Čurara = Siebmacher (rumän.) ciur für Sieb
Lovara = Pferdehändler (ungar.) ló "Pferd" + Plural des Nomina-agentis-Suffixes /-ari/
Kalderara/Kalderaš/Kerderara = Kesselmacher und -flicker (rumän.) caldare für Kessel
In Europa (Osteuropa und Spanien) leben die meisten Roma sesshaft. Ein kleinerer Teil lebt nomadisch, und das, vor allem in Westeuropa (hauptsächlich in Frankreich und England), vorwiegend halb-nomadisch (feste Wohnsitze und, oft jahreszeitlich bedingt, Umherziehen). In verschiedenen Ländern sieht die Situation allerdings unterschiedlich aus.
Siehe: Zigeunerverfolgung
Seit Beginn der 90er Jahre wird über die Errichtung eines Mahnmals diskutiert. 2006 soll in Berlin ein Mahnmal für jene Menschen errichtet werden, die während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft als Zigeuner verfolgt und im Holocaust ermordet wurden. Der Entwurf stammt von dem israelischen Künstler Dani Karavan. Die Diskussion um das Mahnmal ist dadurch gekennzeichnet, dass die ursprünglich geplante Inschrift - ein Zitat des ehemaligen Bundespräsidenten Roman Herzog - aufgrund der angeblich unberechtigten Gleichstellung mit dem Völkermord an den Juden von der ehemaligen Kulturstaatsministerin Christina Weiss abgelehnt wurde.
Daneben besteht mit dem Zentralrat Deutscher Sinti und Roma zumindest in Deutschland eine Interessenvertretung, welche durch das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma mit verschiedenen Ausstellungen und Projekten unterstützt wird. Die Sinti Allianz Deutschland fühlt sich durch den Zentralrat allerdings nicht vertreten und hat sich selbst in die Diskussion eingeschaltet. Die Sinti Allianz existiert allerdings erst seit einigen Jahren.
Siehe auch:Roma in Ungarn
Nach Indien und dem Hinduismus wurden die Sinti und Roma zuerst von der zoroastrischen Lehre in Persien beeinflusst, dann vom Christentum und später auch vom Islam. So leben heute regional gebunden sowohl muslimische wie christliche Roma.
Spuren und Elemente aus verschiedenen Perioden des indischen und altpersischen religiösen Lebens beeinflussen teilweise auch Sinti und Roma in ihrem aktuellen Glaubenskontext. So bedeutet Del in der Sprache der Roma und Dewel im Dialekt der Sinti Gott. Ein besonderes Gebiet des Glaubens sind die Geister der Verstorbenen, die cohane. Roma sind oft stark religiös.
Die meisten Lowara-Roma sind katholisch, da sie hauptsächlich in katholisch geprägten Ländern wie Österreich und Ungarn leben. Die Sinti in Deutschland sind protestantisch und katholisch. Außerdem gibt es auch orthodoxe Kalderasch und Gurbet (Mazedonien und Serbien), sowie die muslimischen Arlije (Mazedonien und Türkei). In Bulgarien beispielsweise sind fast 30 - 40% der Roma Muslime, die meisten dieser muslimischen Roma bevorzugen die Sprache ihrer türkischen Glaubensbrüder und sind ein wichtiger Faktor des Islam in Bulgarien. Bei den bulgarischen Roma sind zudem starke synkretistische Tendenzen zu beobachten, d.h. es kommt zur Vermischung von christlichen und muslimischen Glaubenspraktiken.[2] Die Roma im Kosovo und in Albanien sind sogar zu 80 - 90% Muslime, in Griechenland zu 10-20%, in Rumänien wiederum kaum zu 1%.
Seit dem 20. Jahrhundert missionieren auch freikirchliche christliche Gruppen erfolgreich bei den Roma.
Die katholischen Roma haben als Schutzpatronin die Schwarze Sara. Einmal im Jahr findet in Saintes-Maries-de-la-Mer (Frankreich) ein großes Treffen der Romafamilien zu Ehren der Schutzpatronin statt. Dieses Ereignis ist als Zigeunerwallfahrt bekannt und eine Touristenattraktion.
Die Unterscheidung zwischen rein (žužo/schuscho) und unrein (mahrime) ist von herausragender Bedeutung, von ebenso großer Bedeutung wie die (und eng verknüpft mit der) Unterscheidung zwischen Leben und Tod.
Die Gesellschaft der Roma ist in vier Kasten gegliedert. Eine Kaste besitzt mehrere Merkmale:
Die Satra, was soviel wie Roma-Zelte bedeutet, ist die Basis der Roma-Gemeinschaft. Mehrere Satras sind ein Geschlecht, dies wird Niamo genannt. Mehrere Niamos werden als Vica bezeichnet. Die Größe einer Vica ist unterschiedlich. Sie kann von zehn bis zu mehreren 100 Satras reichen.
Das Gesellschaftssystem beruht auf Blutsverwandtschaft, die Satras sind Großfamilien.
Durch Heirat von Mitgliedern verschiedener Niamos vergrößert sich die Vica.
Der Vica steht der Älteste vor. Dieser hat einen Titel, er wird unter anderem Baro Roma, Sero Roma, Kraljo, Grofo genannte. In manchen Stämmen hat diese Aufgabe des „Ältersten“ eine Frau, sie wird Phuri daj genannt. Frauen haben nach dem Glauben der Roma übernatürliche Kräfte, was sie zu diesem Amt befähigt.
In dem Kris, einer Art Gericht, klären Roma auch heute noch Streitigkeiten innerhalb einer Gruppe. Die „Richter“ werden dafür von Fall zu Fall von den Kontrahenten einvernehmlich bestimmt. In der Regel sind das drei bis fünf Personen, die sich in der Vergangenheit durch kluge Urteile einen Namen gemacht haben. Auch Ehen werden durch das Kris bestätigt. Der Älteste unterscheidet sich von den anderen durch seine äußeren Merkmale und Symbole. Er darf einen Bart tragen, hat einen besonders geschmückten Anzug und ein silbernes Zepter. Er wird Rom Baro oder Seierrom (sprich "Scheherom") genannt. Bei einer Roma-Gruppe in Rumänien ist das Symbol des Vorsitzenden ein silberner Becher, Rupuno tahtaj.
Musik spielt im Alltag der Roma häufig eine große Rolle, musikalische Darbietungen nehmen bei Festen in der Regel eine zentrale Stellung ein. Sie ist also nicht eine Beschäftigung für Spezialisten, sondern tief in der Kultur verwurzelt. Sie hat stets auch Elemente aus den Kulturen aufgenommen, in deren Gebiet die Roma lebten. So gibt es sehr unterschiedliche Stile und auch verschiedene Instrumente, die regionale Varianten der Roma-Musik prägen.
Das Lied Djelem, djelem wurde zur Nationalhymne aller Roma erklärt.
In Spanien, genauer in Andalusien, haben die „Gitanos“ den Flamenco stark geprägt. Bedeutende Interpreten sind zum Beispiel Camarón de la Isla und José Menese El Agujetas. In Mitteleuropa erlangten vor allem Jazzmusiker wie Django Reinhardt oder Schnuckenack Reinhardt große Anerkennung. Das Markus Reinhardt Ensemble führt diese Tradition fort. Romano Drom ist eine bekannte ungarische Roma-Band, die aber bisher im Ausland wenig Erfolg hatte.
Berühmte bildende Künstler aus dem Volk der Roma sind die Maler Antonia Solario (*1495), Serge Poliakoff (1900-1969), Mica Popovic (1923-1996), Dusan Jovanovic (*1949), Nikola Dzafo (*1950) und Bruno Morelli (*1957). In dem bosnischen Dorf Bara (Bosnien) bildeten Roma eine Künstlergruppe, die sich naiver bildender Kunst widmete. Zu ihr gehörten die Brüder Ismet, Rifet und Selio Bajramovic.
Insbesondere als Musiker sind einige Sinte und Roma zu großer Popularität gelangt:
Berühmte bildende Künstler aus dem Volk der Roma sind die Maler:
In dem bosnischen Dorf Bara (Bosnien) bildeten Roma eine Künstlergruppe, die sich naiver bildender Kunst widmete. Zu ihr gehörten die Brüder Ismet, Rifet und Selio Bajramović.
| Wiktionary: Roma – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen |
| Commons: Roma – Bilder, Videos und Audiodateien |
Brockhaus-1809: Das Backs-Volk
Brockhaus-1911: Roma · Roma locuta (est), causa finita (est) · Campagna di Roma · Völk · Völk [2] · Befahren Volk · Unbefahren Volk
DamenConvLex-1834: Campagna di Roma
Goetzinger-1885: Fahrendes Volk
Heiligenlexikon-1858: Juniperus de Roma (1) · Gulterus de Roma
Herder-1854: Campagna di Roma · Volk
Meyers-1905: Roma intangibĭle · Roma · Sacco di Roma · Roma locūta est · Cistérna di Roma · Campagna di Roma · An Mein Volk · Völk · Volk · Deutsches Volk · Kaviar für das Volk · Befahren Volk
Pierer-1857: Soto de Roma · Campagna di Roma · Roma [2] · Roma [1] · Völk · Volk · Unbefahren Volk · Altgebacken Volk · Alles für, nichts durch das Volk · Halbbefahren Volk · Befahren Volk