Der Buchenwald ist eine Waldgesellschaft, in der sich die konkurrenzstarke Rotbuche (Fagus sylvatica) durchgesetzt hat und in dem andere Baumarten nur vereinzelt vorkommen. Trotzdem werden pflanzensoziologisch in der Klasse der Buchenwälder auch weitere Waldgesellschaften (Mischwälder) zusammengefasst, die keine Reinbestände sind oder nur sehr wenige Buchen aufweisen. Ohne den Einfluss des Menschen wären weite Gebiete Mitteleuropas von Buchenwäldern oder Buchenmischwäldern bedeckt. Sich selbst überlassene Buchenwälder stellen nach herrschender Lehrmeinung eine der Urwaldformen Mitteleuropas dar.
Inhaltsverzeichnis |
Fast alle Laubwälder und Mischwälder mit Rotbuchen werden zum Verband der Rotbuchenwälder zusammengefasst, deren potenzielle Verbreitung sich sich mit der Verbreitung der Rotbuche deckt, die vom Atlantik bis nach Osteuropa reicht. Der Verband der Rotbuchenwälder (Fagion sylavticae) kann gröbstens in 7 Unterverbände und 13 Assoziationen unterteilt werden. Buchenwälder lassen sich daher schlecht beschreiben.
Die vielfältigen Ausprägungen des Buchenwaldes sind abhängig vom Boden, der Höhenlage und nicht zuletzt von seiner Bewirtschaftung. Die Bodeneigenschaften, wie zum Beispiel die Alkalität, bestimmen unter anderem, aus welchen Arten der Unterwuchs besteht; speziell der Wasserhaushalt bestimmt, wie hoch die Rotbuchen werden.
Trotz der Dominanz der Rotbuche ist ein naturbelassener Buchenwald keineswegs artenarm. Naturnahe Buchenwälder mit einem hohem Anteil an alten Bäumen, stehendem sowie liegendem Totholz bieten ein ideales Habitat für viele Tier- und Pflanzenarten. In einem solchen Wald sind viele natürliche Höhlen vorhanden, in denen Höhlenbrüter, Fledermäuse und viele andere Lebewesen Brutraum und Unterschlupf finden. Aufgrund seiner Bedeutung für viele, teilweise vom Aussterben bedrohte Arten wurde der Buchenwald zum Biotop des Jahres 1995 gewählt.
Typische, in allen Rotbuchenwäldern vorkommende Pflanzen sind z.B. Waldmeister (Galium odoratum), Hasenlattich (Prenanthes purpurea), Wald-Schwingel (Festuca altissima), Nestwurz (Neottia nidus-avis), Zwiebel-Zahnwurz (Dentaria bulbifera) sowie, in Eichenwäldern fehlend, Quirlblättrige Weißwurz (Polygonatum verticillatum), Fuchs' Greiskraut (Senecio ovatus), Weiße Pestwurz (Petasites albus), Eichenfarn (Gymnocarpium dryopteris) und andere.
Der Unterverband des Luzulo-Fagenion kann als Säurezeiger angesehen werden. Buchenwälder auf sauren Böden sind weit häufiger als solche auf alkalischen Böden. Die beiden Grundassoziationen des artenarmen Moderbuchenwaldes und des Hainsimsen-Buchenwaldes wachsen auf Böden deren Säuregehalt so hoch ist, dass die Toleranzgrenze der Rotbuche erreicht ist. Charakterarten sind Weißliche Hainsimse (Luzula luzuloides), Differentialarten sind Drahtschmiele (Avenella flexuosa) und Heidelbeere (Vaccinum myrtillus).
Artenarmer Moderbuchenwald:
Hainsimsen-Buchenwälder:
Mit abnehmenden Säuregehalt des Bodens gehen die Moder-Buchenwälder in den Unterverband der Mull-Buchenwälder (Galio odorati-Fagetum) über. Der Mull-Buchenwald hat wenig oder keine Differential- oder Charakterarten und lässt sich in zwei Assoziationen unterscheiden:
Kalkbuchenwälder sind sehr viel seltener als Hainsimsen-Buchenwälder. Da die kalkhaltigen Böden sehr gut für die Landwirtschaft geeignet sind, werden diese Flächen seit Jahrhunderten für den Ackerbau genutzt. Die verbliebenen Kalkbuchenwälder stellen weit verstreute Inselvorkommen dar. Viele Arten, die auf diesen speziellen Buchenwaldtyp angewiesen sind, sind stark gefährdet.