Russisch-Weißrussische Union

Russisch-Weißrussische Union
Russisch-Weißrussische Union

Die Russisch-Weißrussische Union ist ein bis heute faktisch nur sehr begrenzt verwirklichter Staatenbund zwischen Russland und Weißrussland, der sich auf eine Verteidigungsgemeinschaft, eine Wirtschaftsgemeinschaft und auf gemeinsame politische Konsultationen stützt.

Die Union wurde vom weißrussischen Präsident Aleksander Lukaschenko zusammen mit Boris Jelzin ins Leben gerufen. Inzwischen hat die Integration zwischen beiden Staaten aufgrund fehlenden Interesses auf beiden Seiten an Dynamik eingebüßt. Während Jelzins Nachfolger Wladimir Putin an verstärkter Zusammenarbeit mit dem für seine wechselhafte Politik bekannten Lukaschenko nur bedingt Interesse hat, hat sich auf weißrussischer Seite die Erkenntnis durchgesetzt, dass das Land in einer engen Union mit Russland nur Juniorpartner wäre.

An die Wirtschaftsgemeinschaft sind Kasachstan und Kirgisistan in Form der Eurasischen Wirtschaftsgemeinschaft lose assoziiert, ferner sind Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan und Armenien zusammen mit Russland und Weißrussland Mitglieder des Verteidigungsbündnisses Rat für kollektive Sicherheit.

Insbesondere die Konflikte um Gaspreise und Öltransit trugen dazu bei, die Russisch-Weißrussischen Unionsbemühungen bis auf Weiteres zum Stillstand zu bringen.

Inhaltsverzeichnis

Zeitlicher Ablauf

Zur Integration Weißrussland-Russland wurden seit dem Zerfall der Sowjetunion verschiedene Anläufe unternommen, zunächst gemeinsam von einigen GUS-Staaten, wofür die Initiative teils von Russland, teils von Weißrussland bzw. Kasachstan ausging, aber teilweise auch von den neuen Staaten Kaukasiens und der Turkvölker (Kirgisistan und andere). Die Ukraine als zweitgrößter Staat Osteuropas hielt sich in dieser Thematik, von vereinzelten Ausnahmen abgesehen, eher zurück.

Der relativ kleine Binnenstaat Weißrussland (Bevölkerung 10 Millionen) grenzt zwar mit Polen, Litauen und Lettland seit 2004 auch an die EU, hat aber zwei Drittel seiner Grenzen mit der Russischen Föderation und der Ukraine gemeinsam. Da Weißrussland auch historisch und wirtschaftlich nach Osten orientiert ist, begannen schon bald nach der Unabhängigkeit 1991 einige seiner Politiker, nach Wegen zu einer Integration mit Russland und anderen Nachfolgestaaten der UdSSR zu suchen.

Der erste weißrussische Staatschef Stanislau Schuschkewitsch (1991-1994) war auch zum Westen offen. Doch sein Nachfolger Aljaksandr Lukaschenka (seit 1994) vertiefte ausschließlich die Kontakte nach Osten. Er gibt an, seinerzeit als einziger Abgeordneter im weißrussischen Sowjet gegen die Auflösung der Sowjetunion gestimmt zu haben. Gleich nach seiner Wahl zum Präsidenten führte er Staatssymbole ein, die deutlich an die Sowjetzeit erinnern, und mit einigen GUS-Staaten wurde Weißrussland Mitglied im Rat für kollektive Sicherheit.

Nach völliger politischer Abwendung von West- und Mitteleuropa stoppte Lukaschenka die unter seinem Vorgänger angelaufenen Privatisierungen, deren Analogon in Russland zu den bis heute nachwirkenden Problemen mit den Oligarchen geführt hatten, und strebt seitdem eine neue Union mit Russland und anderen Oststaaten an. Dazu unterzeichnete er mit Boris Jelzin zwischen 1995 und 1999 mehrere Unionsverträge wie jenen für die Russisch-Weißrussische Union, die aber einige Kritiker als "kaum funktionierend und halb-illegal" bezeichnen. Von ihr wurde lediglich die Verteidigungs- und vorübergehend die Zollunion umgesetzt.

Mit Amtsantritt von Jelzins Nachfolger Wladimir Putin, dem Lukaschenkos Politik zu wechselhaft war, kühlte sich zunächst das Klima zu Russland ab, sodass Weißrussland nun auch in Richtung Osten isoliert war. Der 2001 verfassungswidrig wiedergewählte Lukaschenka, der immer mehr als Diktator fungierte, erneuerte aber bald seine außenpolitischen Kontakte zu Russland. Er gab auch rein diktatorisch regierten Ländern wie Nordkorea, Libyen und dem Sudan Priorität in seiner Politik, die von Putin seit der ukrainischen demokratischen Revolution wieder stärker unterstützt wird.

Nach weiteren Initiativen für eine politische Union, nun vorwiegend zwischen den "zwei russischen Staaten", unternahmen Weißrussland und Russland im Herbst 2005 nochmals Anstrengungen zur Integration einiger ex-sowjetischer Teilrepubliken und zu gemeinsamen Verfassungsakten. Neben der bereits existierenden interstaatlichen parlamentarischen Versammlung und einem Gremium von Vertretern beider Regierungen wurde ein (freilich geringes) länderübergreifendes Budget vereinbart. Auch ein Zollabkommen, wonach russische Beamte an der weißrussisch-polnischen Grenze kontrollieren dürfen, ist bereits in Kraft.

Ein Referendum über die gemeinsame Verfassungsakte hätte nach Aussagen des russischen Staatssekretärs Pawel Borodin schon 2006 zustande kommen können (siehe Weblink). Präsident Lukaschenko gab sich zunächst zuversichtlich, obwohl Grundsätzliches noch offen war (Kompetenzen des überstaatlichen Unionsrates, Ausmaß der "Gleichberechtigung" so ungleich großer Staaten usw). Den Vorschlag Wladimir Putins, Weißrussland als Provinz in Russland aufzunehmen, hatte Lukaschenka nämlich 2002 abgelehnt. Er hatte erkannt, dass sein Land in einer engen Union mit Russland nur Juniorpartner wäre. Die damals heftigen Dissonanzen galten zwischenzeitlich beigelegt, doch nun gibt es neue Friktionen zur Vereinbarung über eine gemeinsame Währung. Diese sollte per 1. Januar 2006 in Kraft treten, jedoch konnte man sich nicht darauf einigen, in welchem Land der Rubel gedruckt wird.

Konflikte 2006/07

Nach wiederholten Zerwürfnissen zwischen Weißrussland und Russland, welche sich um die Themen Gaspreise und Öltransit drehten, wird die Russisch-Weißrussische Integration von vielen Beobachtern als tot angesehen.

Siehe auch

Weblink

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